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Gettoisierung

Ghettoisierung leitet sich von dem seit dem 17. Jahrhundert bezeugten Ghetto ab. Anders als seine Ableitungsbasis ist Ghettoisierung vergleichsweise jung: Es wird in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt, zunächst mit der allgemeinen Bedeutung ›Prozess der sozialräumlichen Segregation der Juden‹. Nach 1933 bezeichnet das Wort die Errichtung von abgesonderten, eingezäunten Stadtteilen und die zwangsweise Verschickung von Juden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer Bedeutungserweiterung: Ghettoisierung kann sich nun auch auf den ›Prozess der sozialräumlichen Segregation von Minderheiten und Einkommensschwachen‹ beziehen.

Deutsches Wörterbuch

exit_to_app von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

gebären

nebenform von gebaren, wie subst. gebär neben gebar, nur nhd. mit dem folg. gebären im praes. zusammenfallend, denn dieses war mhd. gebërn, jenes gebæren wb. 1, 149ᵃ, vermutlich schon ahd. gipârian; alts. gibârian, ags. gebæran, noch altengl. iberen Stratm. 312, mnd. gebêren, mnl. geberen, noch fläm. (s. gebaren II, 2). mnd. noch öfter blosz bêren, s. dazu gebaren I, a; auch als hochd. bei Henisch 1377 'gebaͤren, baͤren, geberdig sein, moratum esse, edere gestus, gesticulari', woher? unter deutschem einflusz dän. bäre sig, schwed. bära sig, norw. bera seg (Aasen 50ᵃ), doch verwachsen mit bäre tragen, wie auch engl. in eigner entwickelung to bear one's self sich betragen, sich benehmen. 1) intr., wie gebaren. a) sich geberden, sich verhalten: warumb er gegen seine arme freundin also ungütig gebärete. Kirchhof wend. 125ᵇ; gott hat mit mir zu schaffen, wie eine mutter mit ihrem kinde handelt, und gebäret mit mir, als sei kein mensch sonst auf erden denn ich. Scriver seelensch. 2, 149 aus Luther 4, 500ᵃ, bei dem ichs doch nicht finde (auch bei Dietz nicht); als nun der ritter die jungfrawen so ganz kläglich geberen sahe. buch d. liebe 250ᵃ; vernünftiglich geberen. Ringwald laut. w. 59; geberet nerrisch. 72. noch im 17. jh.: wann nun ein zorniger etwas von einem fordert, das ihm nicht alsobald wird, so gebäret er gewislich also (d. h. ebenso, wie vorher beschrieben). Schottel 1137ᵃ (vorher daneben gebaret). b) besonders auch von verstellung (s. gebaren II, 2): stultum ago, ich geber odder stell mich wie ein narr. Alberus Bb 2ᵇ; lasz dir ein blatten schern und thu recht (gerade) wie ein apt gebern. Waldis Es. III, 92, 120. c) bei behörden, im rechtlichen verfahren u. ähnl. (s. gebaren II, 4): ire aussage fleiszig aufzuschreiben und damit also zu gebähren und zu verfahren. Ayrer proc. 1, 13; euwer fragstück sind schon vorhanden, und soll derselben halben gebäret werden wie recht ist. 2, 10; von meuterischen soldaten soll der zehente aufgehenket, mit den übrigen aber also gebähret werden, dasz sie ohne standarten dienen ... Schm. 1, 185, würzb. verordn. bildlich: wenn du wöllest mit deinem knecht nach seim verdienst geberen. Ringwald geistl. l. B 1ᵇ. 2) refl., wie sich gebaren auch: ein junger mensch, der sein gebetbuch in einem heimlichen unsaubern ort versenkte und sich gebährte, als wäre kein gott mehr im himmel und kein teufel in der hölle. Scriver seelensch. 2, 426. noch im 18. jh.: ich gebäre mich (neben gebare mich) gestio. Steinbach 1, 151; er gebähret sich wie ein narr, stultum agit, du gebährst dich wunderlich gesticularis. 150, seine ausführung hat den zweck, es von gebären parere scharf zu sondern. 3) vermischung mit diesem gebären kam nämlich wirklich vor, bis vor 1400 zurück bezeugt: darzuͦ Wiprecht Wolfskel, der was ze solchen dingen snel, im streit er ritterlich gebar. Liliencron 1, 184ᵃ. 199, vom herausg. gewaltsam geändert, in die anm. versteckt; also stond Ulenspiegel uf der louben vor dem rathhus (zu Magdeburg) und bewegt sich mit den armen und gebar eben als ob er fliegen wolt. Eulensp. Lapp. hist. 14; weil ich denn so schlim gebar. Ringwald tr. Eck. G 1ᵃ. das gehört zu dem vordringen der starken bildung ins schwache verbum (wie mans jetzt im spasz betreibt), namentlich bei lautlicher nähe eines starken verbums, wie gekoren zu kehren V, 410 m., wie frug zu fragen, jug zu jagen. 4) nur aus starker fahrlässigkeit stammt eine angabe Henischs 1377: gebaͤren tumultuari, turbare, und gebaͤren barritum edere, barrire, saevire more ursorum; es ist wörtlich aus Kilian (vgl. sp. 1127 anm.), der ghebaeren und baeren so angibt (mit ghebaeren parere vermischt), Henisch nahm aber das nl. ae fürstatt â. das erste ist eine noch heute geltende nd. bedeutung, die auch altengl. auftritt in ibere subst., geschrei, lärm, als verb. z. b. von dem schreien und den ungeberden eines klagenden, s. Stratm. 312 (vgl. das gebaren in tadelndem sinne, aber auch umgekehrt ungebärig unter dem zweiten gebärig), das andere ein gelehrter versuch zur erklärung jener bedeutung; vergl. übrigens unter baren m.

Fremdwörter

exit_to_app aus: Deutsches Fremdwörterbuch

diagonal

Adj. (ohne Steigerung), seit spätem 15. Jh. zunächst in lat. Syntagmen, dann als Bestimmungswort von Zss., erst seit späterem 18. Jh. als Adj. nachgewiesene Entlehnung aus gleichbed. (spät-)lat. diagonalis (einer Weiterbildung von gleichbed. diagonios < griech. διαγώνιος ‘von einem Winkel zum a[...]

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