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Gettoisierung

Ghettoisierung leitet sich von dem seit dem 17. Jahrhundert bezeugten Ghetto ab. Anders als seine Ableitungsbasis ist Ghettoisierung vergleichsweise jung: Es wird in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt, zunächst mit der allgemeinen Bedeutung ›Prozess der sozialräumlichen Segregation der Juden‹. Nach 1933 bezeichnet das Wort die Errichtung von abgesonderten, eingezäunten Stadtteilen und die zwangsweise Verschickung von Juden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer Bedeutungserweiterung: Ghettoisierung kann sich nun auch auf den ›Prozess der sozialräumlichen Segregation von Minderheiten und Einkommensschwachen‹ beziehen.

Deutsches Wörterbuch

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widerstehen

intr. 'widerstand leisten, zuwider sein', trans. auch 'verhindern'. ahd. widarstantan, -stân, -stên, mhd. widerstân, -stên; as. wiđarstandan, mnd. wedderstân; mnl. wederstaen, -standen, nl. we(d)erstaan; afries. withstonda; ags. wiþ(er)standan, engl. withstand; an. (part.) viđrstandandi, adän. wedderstaa, dän. vedstaͦ. — meist festes kompositum, doch in älterer sprache auch syntaktisch trennbar zusammengesetzt: uuidere-stân (obsistere) Notker 1, 232, 12 S.; adnitendum widerzestenist (11. jh.) ahd. gl. 2, 119, 64 St.-S.; wider zesten erste dt. bibel 4, 325, 41 lit. ver.; stett yhm widder (1521) Luther 7, 392 W.; weder thostaen (1534) Rotmann restitution 97 ndr.; vil heyden im stunden wider (1563) Hans Sachs 18, 29 lit. ver.; widerzuston (gedr. 1634) bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 331. die in älterer sprache mit der dativkonstruktion konkurrierende akkusativkonstruktion begegnet in den belegen nur bis zum anfang des 18. jhs. 'verhindern': wie er das solte widerstan Rudolf v. Ems weltchron. 5235 Ehrism.; s. auch die belege aus dem 15. jh. in: schweiz. id. 11, 741 (unter widerstan 1 b). 'widerstand leisten, standhalten, sich wehren gegen': aignen willen ... widerstan (ende d. 13. jhs.) St. Georgener pred. 69, 23 Rieder; dat sie ene (einen feind) nicht kunden wedderstan (15. jh.) in: geschichtsqu. d. erzstiftes u. d. st. Bremen (1841) 90 Lappenberg; do se dat (opferfleisch zu essen) starckliken wederstunden (1473) bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 637ᵃ; habend die von Weyssenhoren manche geferlichayt wuderstanden (1534) in: qu. z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 199 Baumann; einen grimmigen feind ... widerstehen (1670) Leibniz dt. schr. (1838) 1, 227 G.; den gewaltigen wetterstrahl wiederstehen J. G. Schmidt gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 94. — mnd. auch mit dativ d. person u. akk. d. sache, vgl. auch die mnl. belege bei Verwijs-Verdam 9, 1982 (unter wederstaen II 2): dar wedderstunt de koninck den Fresen einen grothen stryt (16. jh.) in: staatsbürgerl. magazin 9 (1829) 698 Falck; (der erzbischof) wolde die (von der stadt gebaute) muren wedder storten: dat wedderstund eme die rad (hs. wohl gleich nach d. j. 1430) in: geschichtsqu. d. erzstiftes u. d. st. Bremen (1841) 80 Lappenberg. dagegen mhd. im selben sinne mit genitiv (statt akk.) d. sache: ich wil im strîdes wederstân mit mînre vrîen edeln hant (2. hälfte d. 13. jhs.) Berthold v. Holle 152 Bartsch; ûf unser vrouwen houbet wold ich daz (den kranz) immer haben stân. des widerstunt mir nieman (13. jh.) Marienlegenden (1863) 158 Pf. der Sachsenspiegel stellt sich zum mhd.: wederstât men yme rechtes, mit deme gerûchte ('hilferuf') sol her daz lant dâ zû laden, unde become rechtes (1221/1224) 140, 22 Eckhardt; vgl. 154, 1. — mit präpositionalem anschlusz: do wyderstuͦnden die stercklich wider die iagenden erste dt. bibel 4, 276 lit. ver.; das wider das wort gottes nymant mag widersten (anf. d. 15. jhs.) Schiltberger reiseb. 95 lit. ver.reflexiver gebrauch bleibt vereinzelt: quelle aus d. j. 1529 bei Fischer schwäb. 6, 796; dasz der beklagte (Jesus) ... sich hochsträfflicher weisz widerstanden, mit einer siegfahnen ... für ermeltes hellischen fürsten (Belials) ... festung kommen vnd begehrt, dasz man jhm dieselben eröffnen ... solte Ayrer hist. processus juris (1600) 70. besondere verwendungsweisen. '(im bösen) vergelten': (ein ritter) schal eme (dem anderen) helpen wedder staen wat eme myt welde ('gewaltsam') is gedaen (mnd., 14. jh.) meister Stephan schachbuch (1883) 1531. 'vergüten': vort soe is beforwordet und bededingt alle ansprake, de em hir na komen offt anfallende mochte werden, dat de Bernt und Aleff vorg. to gelyke gelden und wederstaen soln urk. v. j. 1461 bei Kindlinger Münster. beitr. z. gesch. Deutschlands (1787) 1, 144; vgl. entsprechendes bei widerstand sp. 1262. — auf die unfähigkeit zu harnen angewandt: das fieber der pferd würt vnter andern zeychen an dem erkannt, wann jhnen der harn widerstehet (s'il a suppression d'urine) Sebiz feldbau (1580) 155; s. auch den beleg a. d. j. 1588 in: schweiz. id. 11, 741. A. 'widerstand leisten'. 1) oft ein tun und verhalten von lebewesen (gemeinwesen). a) physisch 'standhalten': die anderen erkrankten wärterinnen aber widerstanden dem gift Carossa d. tag d. jungen arztes (1955) 144. meist mit körperkraft: ... ûz brichet wazzers vlôt, dem nîman wederstân inkan (13. jh.) Berthold v. Holle Crane 3374 Bartsch; niemand widerstund den kühlen wellen des Kokonors im schwimmen beständiger Albrecht v. Haller Usong (1771) 9. bildlich: 'wer will der menge widerstehn?' ich widerstreb' ihr nicht, ich lass' sie gehn Göthe I 3, 236 W. namentlich im (waffen-)kampf 'widerstand leisten, standhalten', 'zur gegenwehr greifen': ni ward ther thar tho funtan (unter denen, die Jesus aus dem tempel treibt),   ther wolti widarstantan, thaz zi thiu gigiangi,   zi weri thoh gifiangi Otfrid II 11, 27 Erdmann-Schr.; Holofernes der chreftige man der uaht div riche elliv an, si ne mohten im nivt wider stan, si muͦsen im werden undertan (jüngere Judith) in: dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 137, 11 Diemer; der (ritter) von der burg enkund jhenem nit wieddersteen Lancelot 1, 214 Kluge; do des die ellend mus enpfand, widerstund sy dem frosch nach ieren krefften (ca. 1477) Steinhöwel Äsop 83 lit. ver.; ich fürcht aber, du mögest dem trach nicht wider stan lied vom hürnen Seyfried 34 ndr.; da wir der Frantzosen ungestümben ansetzen nicht mehr widerstunden Grimmelshausen Simpl. 369 Scholte: die hohe stadt, die zehen lange jahre dem ganzen heer der Griechen widerstand, liegt nun im schutte Göthe I 10, 37 W.; in der that konnte Samland, wohin der zug (Ottokars II.) sich wendete, der übermacht nicht widerstehen Ranke s. w. (1867) 25, 38. bildlich: di vinde den du solt wider sten mit den wafenen des gotes wortes, mit dem schilde des rechten gelouben, mit dem swerte des heiligen geistes altdt. pred. 1, 8, 26 Schönbach; ... mit jedem gegner wag' ich's, den ich kann sehen und in's auge fassen, ... ein unsichtbarer feind ist's, den ich fürchte, der in der menschen brust mir widersteht Schiller 12, 216 G. b) in den zahlreichen fällen, in denen nicht eigentlich von widerstand mit physischer kraft (und waffen) die rede ist, meint widerstehen α) bald ein mehr aktives verhalten, '(feindlich) widerstreben, entgegentreten': ih gibu îu mund inti spahida (os et sapientiam), theru ni mugun uuidarstantan inti uuidarquædan (resistere et contradicere) alle îuuuere uuidaruuerton Tatian 145, 8 Sievers; (Herkules) hæte sîner swære (sein gewand verbrennt ihn) dâ widerstanden gerne Konrad v. Würzburg trojan. krieg 38 503 lit. ver.; auch ist gottes eigenschaft, daz er niemant zwingt mit gewalt, zu thun oder zu lassen, sunder er lasst einen yetlichen menschen tun und lassen nach seinem willen, es sey gut oder pöss, und wil niemant widersteen (wohl 2. hälfte d. 14. jhs.) theol. deutsch 63 Mandel; hie (Jesus) machet die blinden alle sehen, dasz sie an en glauben jehn; hie reinniget die maledigen. ... die lude em alle volgen nahe. dar umb sal uns (den Juden) wesen jahe, wie mer dissen dingen widderstehen Alsfelder passionsspiel 2447 Grein; (der papst) darff sagen ... sententie̜ nostre̜ etiam iniuste̜ tamen sunt metuende̜. hie ist keine hohe schule noch doctor, der solchem schendlichen lestermaul widderstunde Luther 30, 2, 462 W.; wo er (Clauert) nur sach ein zanck angehn, dem kont er höfflich wiederstehn mit lecherlichen worten stilln (1587) B. Krüger Clawerts werckl. hist. 5 ndr.; (todt:) was stifftestu (Apollo) doch für unglück dasz du allzeit mit list und tück mir wiederstehst! bemühst dich sehr, zu bringen mich umb gut und ehr (1604) Spangenberg bei Dähnhardt griech. dramen 1, 72 lit. ver.; welche ... der teutschen poeterey und derselben zugethanen mit ungegründtem hass widerstehen S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) ):( 4ᵃ; man thue, was man will; so trifft man von seiten der übelgesinnten leute an, die sich uns widersetzen. man widersteht ja den löblichsten anstalten Gottsched beob. (1758) 275; in den Tetzelschen sätzen war dann Friedrich ... angegriffen worden als ein fürst, welcher der ketzerischen bosheit widerstehen könne und es nicht thue Ranke s. w. (1867) 1, 214. β) bald auchbes. oft in neuerer sprachemeint widerstehen mehr ein beharren verschiedener schattierung, 'standhalten, nicht nachgeben, nicht folgen, sich verschlieszen, sich widersetzen': tiuflun za uuidarstantanne Wessobrunner gebet, in: kl. ahd. sprachdenkm. 16, 13 Steinmeyer; iro temptationibus (gl. be-chorungon) nemugen sîe uuider-stân, also daz stuppe geligen nemag, so der uuint uuahet Notker 3, 193, 7 S.; wie er den svnden vnd des tifels schvntsalungen ('reizungen, lockungen') wider stanten habe dt. pred. d. 12. u. 13. jhs. 55 Roth; (männer) die irer (einer frau) üppiger raiczung nit mochten widerstan Steinhöwel de claris mul. 42 lit. ver.; wer vnzimlich gedancken hatt ..., den selben soll der mensch widersteen vnd gedultigklich tragen on verwilligung vnd volbringung der sünden (1474) Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) D 3ᵇ; (dasz du) gotlichem einsprechen offt widerstanden bist Keisersberg granatapfel (1510) A 9ᵃ; wir zeigen jhr die striemen, so widersteht sie nur halsstarriger Nigrinus von zäuberern (1592) 204; als sie den vielfältigen fragen nicht wiederstehen kunte, that sie diese erklärung Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 146; ach, madam, was sind sie (Marwood) für eine frau! den möchte ich doch sehn, der ihnen widerstehen könnte (1755) Lessing 2, 292 L.-M.; wer kann des sängers zauber lösen, wer seinen tönen widerstehn? Schiller 11, 15 G.; liebe fordert er beim stillen mahle, ach, sein armes herz war liebekrank. doch sie widersteht, wie er immer fleht, bis er weinend auf das bette sank Göthe I 1, 222 W.; du hast einem langjährigen körperleiden ... mannhaft widerstanden D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 3, xvii; und ich war, alles in allem genommen, doch kein held und halbgott, um allen diesen starken und gefährlichen (geistigen) einwirkungen widerstehen zu können W. Raabe s. w. I 6, 65; dem gelüst nicht widerstehen können G. Keller ges. w. (1889) 4, 17; (Baumert) hat ... nur mühsam der versuchung widerstanden, Jäger zu unterbrechen Gerhart Hauptmann die weber (1892) 41; da waren rosen auf dem markt gewesen, frühe rosen, sie hatte nicht widerstehen können Ina Seidel d. labyrinth (1922) 285. sich eines tuns enthalten, mit dativ: Philomusus vermant das gsind, dass es dem weinen widerstünd C. Scheit frölich heimfart (o. j.) K 2ᵇ; die ente schwamm auf einer pfütze, und sah am rande gänse gehn, und konnt aus angebohrnem witze der spötterey unmöglich widerstehn Gellert s. schr. (1784) 1, 156; eher war man zu der vermutung geneigt, dass einer der übrigen gäste der aneignung nicht habe widerstehen können, da es schon dazumal stehlende bücherfreunde gab G. Keller ges. w. (1889) 6, 137; mit infinitivkonstruktion: dasz ich nicht widerstehen konnte, einige meiner empfindungen niederzuschreiben E. v. Kleist s. w. (1771) 2, 142; dann konnt' ich aber doch nicht widerstehen, mich einmal in einem so grossen spiegel zu besehen Eichendorff s. w. (1864) 3, 50. 2) gern auch vom tun und verhalten sachlich-dinglicher gegebenheiten: nist wiht suntar werde,   in thiu iz got wolle; noh thaz widarstante   druhtines worte Otfrid I 5, 64 Erdm.-Schr.; sînên ougôn al obe-sehentên neuuider-stât (resistunt) nehein dicchi dero erdo Notker 1, 343, 8 S.; seind nu der dunst (der v. d. erde aufsteigt) warm ist an im selber, so widerstêt im der kalt luft (in einer höheren luftschicht) und treibt in snell ... her wider ab (1349/50) Konrad v. Megenberg buch d. natur 77 Pf.; dasz gott und die natur von seltzamen kräfften und wunderbarlicher würckungsstücken einen solchen reichen vorraht ... erschaffen, unter denen vielleicht eins ... gefunden werden möchte, so der würckung meines vogelnests widerstehen könte Grimmelshausen 2, 431 Keller; wie könnten denn der zeit die sprachen widerstehen? Gottsched crit. dichtk. (1751) 17; einem langweiligen landregen widersteht keine revolution Bettine dies buch geh. dem könig (1843) 2, 325; ist doch selbst tendenz erst möglich, wo etwas ist, das ihr widersteht N. Hartmann ethik (1926) 156. auch das verhalten des stoffes einem geistigen bemühen gegenüber (gebräuchlicher ist hier jedoch widerstreben, s. dort unter 6 c): meiner leidenschaft, jeden roman ... in einem schauspiele darzustellen, konnte selbst der unbiegsamste stoff nicht widerstehen Göthe I 21, 38 W. ähnlich: die ungereimtheit ihres wesens widersteht allem begriff Jacobi w. (1812) 1, 202; das gespenstige widerstand wohl der breitern ausführung G. Freytag ges. w. 14 (1887) 74. im besonderen: a) von körperteilen und ihrer kraft: so wir aber dieselbigen (die wünschelruten) zu hart wurden zusammen drucken, so wurde die macht der händen der gängen krafft widerstehen vnd sie vberwinden Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 29; die glieder und das haupt waren einander geraubt; so konnte das nicht sehen und die nicht widerstehen Rückert ges. poet. w. (1868) 1, 44. vom geistig-seelischen widerstand: (nonnunquam vero ita mens baratro tentationis absorbetur, ut nullatenus) renitatur vuidarstante (10./11. jh.) ahd. gl. 2, 194, 54 St.-S.; min sin mir gar widerstat Pilatus, in: dt. ged. d. 12. jhs. 146ᵇ Massmann; ich finde in mir inwendig wider fechten. die natur wider steet dem ewigen guͦt des gaistes Tauler sermones (1508) 31ᵇ; wo kan ein männerhertz derselben (der weiberschmeichelei) widerstehen? Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 99; in hellgeschiednem kampfe sab man jetzt die festigkeit der kühnheit widerstehn Schiller 12, 115 G.; was in jener epoche auf mich losgehämmert und in mir gewaltig widerstanden und entgegengewirkt hat (1812) Göthe IV 23, 88 W.; meine nerven widerstanden den mich tag und nacht ergreifenden eindrücken nicht Bismarck ged. u. erinn. 2, 62 volksausg. b) vom widerstand des organismus gegen physisch schädliche einwirkungen und übel: welches menschen constitution vnnd zusamenfügung ist so woll gesetzt vnnd starck, das sie allen vbeln ... widerstehn mögt? Ambach vom zusauffen (1544) C 4ᵃ; so lange die junge pflanze keine blume trägt, widersteht sie der kälte des winters (1784) Herder 13, 55 S.; man spricht bekanntlich von einem vergiftungsversuche, zu dem er (Napoleon) ... geschritten, und dem seine starke natur widerstanden H. Laube ges. schr. (1875) 4, 50. gern die wirkung des gegenmittels: der (drachen-)stain sei guot für diu vergiftigen tier und widerstê der vergift krefticleich (1349/50) Konrad v. Megenberg buch d. natur 444 Pf.; (der rebhühner) magen, für sich selbs zerstossen vnnd ausz rotem wein eingenommen, widerstehet dem grimmen Heyden Plinius (1565) 461; sie schlief ... auf gewissen kräutern, welche der geilheit widerstehen ... sollen Lohenstein Arminius (1689) 2, 98ᵃ; (eine wurzel) widersteht der gall, öffnet verstopfte leiber A. Hartmann volksschauspiele in Bayern u. Österr. (1880) 281. auch umgekehrt das beharrungsvermögen von krankheiten dem medizinischen bemühen gegenüber: mag die medicin noch so viele krankheiten heilen gelernt haben, manche widerstehen ihr doch D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 90; er litt an einer entzündlichen reizung der luftröhren, die ... allen luft- und traubenkuren zäh widerstand Carossa d. tag. d. jungen arztes (1955) 102. c) im hinblick auf festigkeit und konsistenz von dingen gebraucht: der halszberg kunde dem ysen nit wiedderstan, es ging im beidenthalb durch den lip Lancelot 1, 156 Kluge; der sandstein ... ist ... nicht so dauerhafft, also dasz er dem gewitter in die länge nicht so gut widerstehen kan (wie marmor) Hohberg georg. cur. (1682) 1, 76; die härtesten (nüsse) widerstanden ihm nicht, mit der rechten hand steckte er sie in den mund, mit der linken zog er den zopf an — krak — zerfiel die nusz in stücke E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 248 Griseb.; was diese (die tierischen stoffe im magen) nicht bewirken, thun die salze und was auch ihnen widersteht, zerlegen die säuren Sömmerring v. bau d. menschl. körpers (1839) 5, 66; doch haben eine anzahl kleinerer ... plateaus der erosion noch widerstanden v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 19. d) in anwendung auf die hemmende wirkung des mediums, in dem sich ein gegenstand bewegt: die theorie von der bewegung der körper im widerstenden flüssigen, als in der luft, im wasser usw. anmuth. gelehrsamk. (1751) 2, 93 Gottsched; ebenso würde der pendel ins unendliche schwingen, wenn nicht die luft widerstände Hegel w. (1832) I 7, 82. von körpern, die durch ihr gewicht oder ihre trägheit einer bewegung oder bewegenden kraft widerstand leisten: wann aber die kerner das ertz von den hohen schrunden des gebirgs hinab führendt, so brauchendt sie schlaffkerne (karren), die von hinden zu zwey grosse stöck der bäumen, auff die erdt hinab gelassen, ziehendt; dieselbige widerstondt mit jhrem last dem schnellen lauffen der schwären hünden Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 132; wir finden über dieses, dasz ein jeder cörper eine krafft hat, der bewegung zu wiederstehen, sodasz der nicht kan in bewegung gesetzet werden, ehe sein wiederstand gebrochen wird Chr. Wolff vernünft. ged. v. gott (1720) 330; das (mädchen) hatte sich, zum baden, der kleider meist entladen, bis auf ein untreu weisz gewand, das keinem lüftgen widerstand UZ w. 25 ndr. B. 'zuwider sein, unangenehm sein': dô der arme Heinrich von êrste verstuont sich daz er der werlde widerstuont (wegen seiner 'miselsuht') Hartmann v. Aue armer Heinrich 135 Paul-L.; sie hat nicht mich, sie hat die poesie beleidigt. sie widersteht mir Gutzkow ges. w. (1872) 4, 290. meist von sachlich-dinglichem. 1) absolut: thoren sinds, die von ewiger liebe schwazen, ewiges einerlei widersteht Schiller 3, 496 G.; die 'reisebilder', so manche Heine'sche mittheilung im 'gesellschafter' widerstanden Gutzkow ges. w. (1872) 1, 241. 2) überwiegend mit dativ der person: des man dâ pfligt, daz widerstuont mir ie Walther v. d. Vogelweide ged. 117, 23 Kraus; der geitz mir alzeitt widersteht (1590) Frischlin dt. dichtungen 98 lit. ver.; ... doch widersteht dir's, falsch zu spielen Schiller 13, 27 G.; mir widerstehen alle verhältnisse, wo knüpfen und lösen sozusagen in dieselbe stunde fällt Fontane ges. w. (1905) I 5, 296; weil ihr alles widerstände, was nun einmal frauenarbeit sei Ina Seidel d. unverwesl. erbe (1954) 34. sinnlich zuwider sein: was ainem ieden wider stat (quod fastidit cuique ciborum), daz würt mir (einem hund) gebotten Steinhöwel Äsop 162 lit. ver.; widerstehet jhm der rote wein Wirsung artzneyb. (1584) 149ᴬ; mir widerstand die luft, und ein geheimer ekel hielt mich so ab, dass ich zusammenschauderte Heinse s. w. 4, 144 Sch.; die nahrung ... widerstand ihm bis zum erbrechen Ina Seidel d. labyrinth (1922) 122. 3) mit dativ der sache. sinnlich zuwider sein: (etw.) das jhm (dem magen) so er am schwächsten ist, nit widerstehet, das seind wassersüpplin Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 353ᴮ Huser; denn ihr (gewisser personen) geschmack ist von der kleinen zahle dieser auserlesenen speisen ... also eingenommen und verzärtelt, dasz ihm all die andern ... wiederstehen discourse d. mahlern (1721) 2, 141; (nebel) der seinen lungen widerstand Ina Seidel d. labyrinth (1922) 89. ästhetisch und moralisch: diese hässlichkeit beleidiget unser gesichte, widerstehet unserm geschmacke an ordnung und übereinstimmung und erwecket abscheu Lessing 9, 144 L.-M.; das lob, welches das wälsche buch (vom Trojanerkrieg) dem untreuen Pelias zolle, was seinem (Herborts v. Fritzlar) herzen widersteht Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 281. weniger subjektiv, 'zuwiderlaufen, nicht entsprechen': keine sake salstu angaen, de guden seden wederstaen (1575) Husemann spruchsammlung, nr. 116 Weinkauff; (absichtliche) änderung und zudichtung, die dem eigenthümlichen charakter unserer dichter des ma. widerstehen J. Grimm Reinhart Fuchs (1834) vorr. 268. —

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