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Zivilcourage

Das Wort Zivilcourage – möglicherweise eine Lehnübersetzung zu französisch courage civil –kommt in den 1860er Jahren auf. Es steht zunächst im unmittelbaren Gegensatz zum Mut auf dem Schlachtfeld; dieser Gegensatz tritt indes im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend in den Hintergrund, so dass das Wort die Bedeutung ›Mut, gegenüber großen Widerständen seinen Standpunkt zu vertreten‹ annimmt. In dieser Lesart entwickelt es sich nach dem Ende der NS-Diktatur zu einem Prestigewort, mit dem eine wichtige Voraussetzung der demokratischen Gesellschaftsordnung beschrieben wird.

Deutsches Wörterbuch

exit_to_app von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

krüppel

'der krumm und lahm ist' Rädlein 568ᵇ, und diese alte formel drückt den eig. begriff wirklich genau aus. 1) bedeutung und gebrauch. a) von menschen, eigentlich, wer seine vollen glieder nicht hat oder doch ihres vollen gebrauchs mangelt, sei es von natur oder durch lähmung oder wunden: ain juncfro loblich und schön diu was ainem krüppel holt. lieders. 2, 385, alem. 14. jh., auch in Pfeiffers übungsb. s. 153; so koment zwen arm man, ein krüppel und ein blinder, und falt der krüppel uf sine knüw und spricht u. s. w. Mone schausp. d. m. 2, 202, alemannisch oder oberrh. 15. jahrh., wie im folg. bair. oder östr. 15. jahrh.: da sagt man, es solt her komen zu uns herr Neithart, der uns (bauern) dick arges tat und uns zu krüppeln hat gemacht. fastn. sp. 459, 28, es ist vorher von groszen wunden, gliederabhauen im kampfe die rede; er machet die tauben hören, blinde gesehn, krüppel geen. Aimon F iiij; und wie einem krüppel anstet auf seinen füszen das danzen, so ist es auch wenn der narr ret von weisheit vil kramanzen. H. Sachs meisterges. v. 1549, ms. germ. Berol. fol. 23 s. 369, nach den spr. Sal. 26, 7 (s. 2, d, β), im sprichw. heiszt es krüppel will überall voran tanzen Lessing 10, 235 (vgl. das nl. unter dem vor. krüppel 2), in einem andern bei krüppeln lernt man hinken Stieler 1035 (vgl. unter krumm sp. 2444); Saturn ... macht krank im beutel, krüppel und tippel. Fischart groszm. 56 (589 Sch.); ein .. rittmeister, der im kaiserlichen dienst zum krüppel geschossen ... ward. Schiller 1001ᵇ; ein krüppel sagten sie? nun der krüppel ist doch noch ziemlich ganz und gerade .... ich besinne mich, dasz sie allerdings ein kleiner krüppel sind, ein schusz hat ihnen den rechten arm ein wenig gelähmt. Lessing 1, 575. 576, Minna sagt es zu Tellheim. ein mehr nd. pl. krüppels brieflich bei Göthe: kein sonderlich vergnügen ist bei der ausnehmung (der recruten), da die krüppels gerne dienten und die schönen leute meist ehehaften haben wollen. an fr. v. Stein 1, 218. oft beisammen, wie formelhaft, bettler und krüppel Göthe 12, 198, wie eine zunft behandelt (vgl. krüppelfuhre). b) von menschen, bildlich und geistig (vgl. krüppelhaft 2): an geist ein krüppel. Platen 300. ein krüppel an mut: hasen, krüppel, lahme hunde seid ihr alle, wenn ihr das herz nicht habt, etwas groszes zu wagen! Schiller 108ᵇ (räuber trauersp. 1, 6), obwol das auch zu a gezählt werden kann. s. auch ehekrüppel (bei Steinbach 1, 942 nupta anus decrepita, ehekrüpel). c) natürlich auch von thieren, aber auch von pflanzen: wenn ihr die gerte, welche rechts hinaus wachsen will, links hinüber zwingt. nicht allein macht ihr den baum zum brandigen krüppel, nein! er wird auch seine nebenstämme anstecken. Immermann Münchh. 1, 24 (45), zugleich wieder bildlich von falscher kindererziehung. auch von einem stuhle, tische sagt man krüppel, wie er lahm heiszt, beine hat, alles in vermenschlichung dieser hausgeräte. 2) nebenformen, alter. a) das bis jetzt älteste zeugnis ist 'podius crupel' in den gl. jun. Nyerup symb. 322, die dem Mittelrhein und 11. jh. angehören (vgl. das. contractus gecrupelt). ebenso im 14. jh. westmd. bei Herm. v. Fritslar, myst. 1, 62, 22 ff. den krupel, doch daneben kruppel 62, 15 ff. (der hâte weder hende noch fûʒe); 15. jh. ostmd. krupel contractus, claudus Diefenb. wb. von 1470 78, varicosus ein krupel 280. ebenso mnl. cruepel lekensp. IV, 6, 50 var., II, 35, 61. 36, 39 var. (in den zwei andern hss. das. cropel oder crepel). das u war kurz, daher die verdoppelung des p im folg., seit man nach kurzem betonten vocal einfache consonanz auszusprechen verlernte. krupel übrigens auch in einem oberd., wol bair. voc. des 15. jh. Dief. 147ᵇ (s. ankünt accensus 7ᵃ, vgl. kenten). b) schon im 12. jh., und zwar oberd., auch cruppel contractus, s. sumerl. 49, 51. dann im 15. jahrh.: kruppel contractus ... energuminus kruppel oder besessener mit dem teufel. voc. th. Nürnb. 1482 r 5ᵃ, wie kk 6ᵃ kruppel oder besessener mit dem bosen gaist, energuminus (vgl. in dem zusatz zu 'podius crupel' in den gl. jun. a. a. o. 'invenimus tamen et pro daemoniaco positum, sed ita ambigue, ut et debilis id loci possit intelligi'); ain arzt, der zenwee kund vertreiben ... und lame kruppel kund machen gerad. Kellers alte g. schwänke (geschr. in Schwäbisch Hall 1520). Natürlich auch md.: claudus, ein kruppel. voc. opt. Lpz. 1501 F 4ᵃ, wie schon im 14. jahrh. unter a, im 15. cruppel paraliticus Dief. 412ᵃ, freilich entscheidet diesz u nicht durchaus über den mangel des umlauts, wie bei krupel unter a auch. c) neben krüppel erscheint krüpel hd., md. wie oberd., vom 16. jh. bis in die neuere zeit, wie z. b. knupern, knopern neben knuppern, knoppern, meist mit verlängerung der betonten ursprünglichen kürze: das ein (kind) ist etwan unschaffen oder ein krüpel. Keisersb. bilg. 141ᶜ; lade die armen, die krüpel, die lamen. Luther Luc. 14, 13. 21, bibel v. 1545 (var. kröpel, kröppel, kroppel, kroppler); das sie (die bauern) allmusen und opfer gend denen, so land und leut inn hend (bischöfen), und ersparen das an armen krüplen, blinden, lammen, thorechten, düplen. Nicl. Manuel 360; die nahe ankunft des krüpels von sohne. Klinger Fausts leben, thaten u. höllenf. 1799 s. 180 (er hat sich in dem Türkenkriege einen hölzernen arm geholt 178). auch J. Paul schrieb wol krüpel nach krüpelstuhl, und Lessings kriepel in ehekriepel 2, 483 (vgl. sein krieplicht krüppelicht sp. 2303) ist dasselbe in schlechter aussprache. so krüpel bei dem Schlesier Steinbach 1, 942 mit einem beleg aus Hoffmannswaldau: ein krüpel dient wol sonst zur kurzweil der gesunden, vgl.krüpeln bei Logau. d) alles das auch mit o oder ö für u, ü. α) md. 14. jahrh. kropil Ködiz 94, 26. 95, 24. im 15. jahrh. kropel, kroppel claudus Dief. 126ᵃ, contractus 147ᵇ. 265ᶜ, varicosus kropel, kroppil 607ᵃ theils aus rheinischen vocc. theils aus solchen deren mundart zwischen nrh. und nd. färbung schillert, an zweiter stelle auch rein nd. kropel, und merkwürdig crofel (Mones anz. 7, 299ᵃ); nd. kropel loripes Dief. nov. gl. 239ᵃ. ebenso nrh. im Teuth. 61ᵃ cropel, wie mnl. unter a und noch bei Kilian neben kreupel. β) mit umlaut kröpel md.: cröpel, contractus. Dief. 147ᵇ aus einem voc. mit mrh. oder westmd. farbe; wie einem kröpel das tanzen, also stehet den narren an von weisheit reden. Luther spr. Sal. 26, 7 in der bibel von 1545 (var. kruppel, krüppel), vergl. die var. Luc. 14, 13. 21 unter c (wo auch kröppel) und sp. 2393 fg., wo mehr belege, auch aus Wieland, J. Paul. die form ist noch hessisch Vilmar 227, sächs., schles. Weinhold 48ᵇ. γ) kröpel ist auch die nd. form (s. unter kröpel 2, a), ostfries. Stürenb. 124ᵃ; ihr entspricht nnl. kreupel. auch dänisch kröbbel, doch adj., s. das vorige kröpel. mnd. kropel s. u. α. e) endlich auch mit i (y). α) oberd. seit dem 15. jh.: loripes, krippel. Dief. 336ᶜ, auch in mehreren md., mrh. vocc. contractus krippel 147ᵇ; hat ain edelmann ain kind, das da schillert, hinkt, kropfig, lam und ain krippel ist. Pauli sch. u. ernst Augsb. 1546 15; darum bitt ich ewer streng ... wöllen mich armen lamen krippel und betler ewer streng bevolhen lassen sein. schreiben eines schwäb. pfarrers von 1546 an Seb. Schertlin, in dess. briefen an die stadt Augsb. s. lxxxi (er schreibt z. b. auch kriegslaif das. für läufe); wird ein krippel und krummer unflat im spital sterben. Fischart groszm. 55 (588 Sch.); er ist ein krippel. Schönsleder g 7ᵃ, mit verkrippeln corrugare zusammengestellt (s. krippeln 2, vgl. krüppeln so); ehekrippel Simpl. 1, 339 Kurz; noch bei Stieler 2405 krippel, ein zusammengewachsener mensch, homo distentus (druckfehler für distortus), neben krüppel 1035. mit y: krypel contractus Dief. 147ᵇ 15. jahrh., krypel, kryppel claudus 126ᵃ 16. jh., oberd. β) auch auszer dem hd.: engl. cripple, northumbr. Hall. 280ᵃ, auch schottisch, s. Jamieson suppl. 1, 268ᵇ cripple-men; altengl. cripel Stratm. 127. aber das i wird nicht echt sein, die ags. form erscheint in der nordhumbr. evang. übers.: cuoeđ đæm cryple (vulg. ait paralytico) .. ârîs, nim đîn bed and gaa in đîn hûs. Luc. 5, 24, vorher eorđcrypel v. 18, pl. eorđcryplas Matth. 5, 24, auch eorđcryppel 8, 6. 9, 2. 6; das y, umlaut von u, ward engl. zu i. auch altengl. crepel Stratm. 127, crepyll Ways ausg. des prompt. parv. 103ᵇ (var. crypylle) mag nur e für i oder ags. y haben. γ) auch nl. zwar tritt diesz e auf, krepel claudus Kil. neben kreupel, kropel, mnl. crepel s. u. 2, a und unter dem vorigen krüppel 2; auch dem nrh. nicht fremd nach vercrepelt contractus Dief. 147ᵇ aus der Cölner gemma v. 1507, wenn es nicht blosz einflusz der nl. vorlage ist. aber auch nl. e kann aus o, u hervorgehn, wie in mnl. evel übel, engl. evil, ags. yfel, nd. ovel, övel, vgl. gramm. 1³, 271. 311; nicht anders das e in altfries. kreppel Richth. 878ᵇ. da nun auch die oberd., md. beispiele mit i unter α keins bieten, das gegen den verdacht des i für ü gesichert ist, so bleibt eine echte i-form in frage, obwol sie der herkunft des wortes nach möglich scheint. 3) herkunft und geschichte des wortes. a) die herkömmliche ableitung von niederd. krûpen kriechen (s. kriechen I, 2, c und kröpel 2, c) hält nicht stich; schon Heynatz (s. unter kroop 3, c) war auf dem rechten wege. es wird klar im nord.; da steht neben altn. isl. kryppill m. gibbosus, claudus Biörn 1, 480ᵃ (dän. kröbbel als adj., wie das altn. wol auch, s. unter dem vor. krüppel 3) eine bildung kryplingr, noch norw. krypling, dän. kröbling, schwed. aber krympling, altschw. krymplinger (dial. auch krypling, kröppling) Rietz 354ᵇ, und auch bei uns ein rest dieser bildung in krümpel (s. d.) gleich krüppel, s. auch krümper krüppel. da erscheinen wieder die schwesterstämme kr-mp und kr-p, jener verbal in krimpfen, krümpfen, dieser in krüpfen krümmen ausgeprägt, s. mehr unter krüpfen 3, c, vgl. kropf 8, b. wie sich schwed. krympling anlehnt an krympa sich zusammenziehen, krümpfen, so krüppel an kropf 5, krüppel, knirps. der krüppel ist ein mensch mit gekrümmten, verwachsenen oder gelähmten gliedern. nach dieser herkunft ist aber auch eine form mit echtem i an sich möglich (s. unter krüpfen 3, c), wie mit a in krapf (s. d. 2). b) aber krüppel hat kein hd. pf und erscheint doch früh in hd. gebiete, nicht nur im 14. 15. (1, a. 2, b, auch a zuletzt), schon im 12. jahrh., s. 2, c, sodasz an ein einwandern vom md., mrh. gebiete her (s. 2, a) zu denken schwer wird, zumal sich ein anlasz dazu in der sache nicht leicht vorstellen läszt; der schwesterstamm mit m bestand hd. wirklich auch mit p für pf, wie in krump (s. krumm I, 2, d), und ebenso unser stamm in dem verwandten krape haken (s. d. 1, a) neben krapfe. wenn anderseits krüppel in oberd. wbb., bei Schmeller, Stalder nicht aufgeführt wird (auch Dasyp., Maaler haben es nicht), so tritt doch dem entgegen der frühe gebrauch in bair., schwäb., schweiz. quellen (s. z. b. Manuel unter 2, c, auch krüppelicht a. e.). wiederum treten mit pf nahe herzu bair. kropf krüppel, schweiz. verkropfet verkrüppelt (s. kropf 5), els. grupfel zwergartige person Arnold pfingstm. 192. s. auch krüps. c) bemerkenswert endlich ist das starke schwanken der formen, oft in derselben quelle. so hat Lessing krüppel und kriepel, Wieland, J. Paul kröpel und krüppel, Stieler, Fischart krüppel und krippel, die bibel von 1545 kröpel und krüpel (krüpler), s. die var. unter 2, c. noch jetzt schwankt die md. rede zwischen krüppel und kröpel, der hd. und nd. form. in gebildeter rede aber hat jetzt wie in der schrift die hd. form die unbestrittene herschaft. s. auch krüppeler.

Fremdwörter

exit_to_app aus: Deutsches Fremdwörterbuch

Balkon

M. (-s; -e, auch -s), im späten 17. Jh. entlehnt aus gleichbed. frz. balcon (< ital. balcone ‘Söller, Gerüst, Balkon’, zu balco ‘(Balken-)Gerüst’, ursprünglich langobard. *balko ‘Balken’, german. Herkunft, vgl. ahd. balko ‘Balken’).

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