Wortgeschichte
Herkunft
Das Substantiv Dekadenz wird im späten 16. Jahrhundert aus dem Französischen décadence Verfall, Niedergang
entlehnt, wo es seit dem beginnenden 15. Jahrhundert belegt ist (vgl. 1DHLF, 598). Es leitet sich von mittellateinisch dēcadentia Verfall
ab (dies zu lateinisch cadere fallen, sinken
, vgl. Pfeifer unter DekadenzDWDS). Ende des 19. Jahrhunderts tritt neben das angestammte Dekadenz wirtschaftlicher Niedergang
die französische Neuentlehnung décadence geistiger, moralischer Verfall, Überfeinerung
– ein Beispiel für eine Lehnschichtung, bei der verschiedene Bedeutungen eines Wortes über die Zeit in die Nehmersprache eingeführt werden. Bis ins 20. Jahrhundert wird das Substantiv in deutschen Texten auch in der französischen Schreibweise verwendet.
Das Wort ist ein Europäismus, da es in zahlreichen europäischen Sprachen in sehr ähnlicher Form vorkommt, etwa englisch decadence, spanisch decadencia, italienisch decadenza, niederländisch decadentie, norwegisch decadanse (vgl. auch 3OED unter decadence).
Visualisierung 1: Chronologie der Bedeutungen von Dekadenz
Wirtschaftlicher Niedergang
Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird Dekadenz im Sinne von Verfall, Niedergang
und Abstieg, Abnahme
im Deutschen verwendet (1579). Es bezeichnet in seinem frühen Gebrauch Prozesse wirtschaftlichen Niedergangs sowie Zustände materieller Schwäche, etwa im Hinblick auf Institutionen, Geschäfte, Stände oder Gemeinwesen (1632, 1693, 1715b). Darüber hinaus findet Dekadenz Verwendung zur Beschreibung des ökonomischen und sozialen Abstiegs einzelner Personen. Gemeint ist dabei nicht allein der Verlust der materiellen Grundlage, sondern auch die Zerrüttung bestehender Lebensverhältnisse, etwa der Verlust früherer gesellschaftlicher Bedeutung und Stellung einer Person, aber auch von Lebensglück (1715a). Im Staats-, Zeitungs- und Conversationslexicon heißt es im Jahr 1709: Decadence, Abfall und Abnahme des zeitlichen Glückes, Vermögen und Ehre.
Typisch in diesem Verwendungszusammenhang sind Wortverbindungen wie in Dekadenz fallen (1667), in Dekadenz kommen (1724), in Dekadenz bringen (1726), in Dekadenz geraten (1765, 1882) und sich in Dekadenz befinden (1878). Damit wird ausgedrückt, dass jemand oder etwas in den Zustand des wirtschaftlichen Niedergangs bzw. des Ruins gerät. Die älteste Lesart von Dekadenz wirtschaftlicher Niedergang, Verfall; sozialer Abstieg
ist bis etwa 1900 gebräuchlich, danach nur noch selten bezeugt (1877, 1894b, 1898, 1902a 1902b).
Gesellschaftlicher und moralischer Verfall
Im ausklingenden 19. Jahrhundert erfährt das Wort eine deutliche semantische Verschiebung. Dekadenz wird nicht länger ausschließlich auf wirtschaftliche Schwäche bezogen, sondern zunehmend auf einen angenommenen moralisch-geistigen und kulturellen Verfall der Gesellschaft. Erste vereinzelte Belege dieser Bedeutung finden sich seit der Jahrhundertmitte mit Bezug auf Entwicklungen und Verhältnisse in Frankreich (1852, 1881), was nahelegt, dass die neue Lesart aus dem Französischen übernommen wird. Verstärkt tritt Dekadenz moralischer, kultureller, gesellschaftlicher Verfall, Niedergang
seit den 1890er Jahren auf. Nicht selten wird seither eine Analogie zum späten Römischen Reich hergestellt, dessen Untergang bis heute als paradigmatisches Beispiel moralischen und geistigen Verfalls gilt (1899, 1982; s. auch 2010).
Nietzsche und die kulturkritische Verwendung
Auf die kulturkritische Verwendung von Dekadenz nahm besonders Friedrich Nietzsche maßgeblichen Einfluss. In seinen Schriften entwickelt er den Begriff zu einer umfassenden Diagnose kultureller, moralischer und gesellschaftlicher Zustände der westlichen Zivilisation (1887, 1889c). Nietzsche, der die Schriften des französischen Schriftstellers Paul Bourget für sein Konzept rezipierte, verwendet das Wort überwiegend in der französischen Form (vgl. Nietzsche-Wörterbuch, 540–563).
Regelmäßig begegnet bei ihm auch das heute ungebräuchliche Substantiv décadent (1889b), das eine Person bezeichnet, deren Denken, Lebensführung oder (künstlerische) Haltung als Ausdruck der Dekadenz verstanden wird. In den damaligen einschlägigen kulturkritischen und literarischen Kontexten war die Personenbezeichnung bis in die 1920er Jahre geläufig, zumeist in der französischen Form, aber auch in der eingedeutschten Form Dekadent (1891d, 1900, 1920a).
Dekadenz im Fin de Siècle
Um die Jahrhundertwende rückt das Wort Dekadenz in ästhetischen und literarischen Zusammenhängen in den Mittelpunkt. In Abgrenzung zum Naturalismus werden unter Dekadenz und Dekadenzbewegung (1906, 1909) unterschiedliche künstlerische Strömungen zusammengefasst, die Künstlichkeit, Überfeinerung und Morbidität als positiv bewertete ästhetische Kategorien betonen. Vor dem Hintergrund eines verbreiteten zeitgenössischen Bewusstseins, am Ende einer kulturellen Epoche zu stehen, wird mit Dekadenz ein positiv bewertetes ästhetisches Prinzip beschrieben. Eine zentrale Rolle in der zeitgenössischen Diskussion kommt Hermann Bahr zu, einem Mitglied der Schriftstellergruppe Junges Wien, der Dekadenz als Ausdruck einer neuen nervösen Kunst
deutet (1891b, 1891c). Auch Thomas Manns Roman Die Buddenbrooks, in dem der familiäre und kulturelle Verfall mit der Herausbildung künstlerischer Sensibilität verknüpft wird, lässt sich in den Dekadenz-Diskurs einordnen (1920b).
Dekadenz als ideologisches Schlagwort
Seit der Jahrhundertwende wird Dekadenz auch als negativ konnotiertes kulturkritisches Schlagwort verwendet, um gesellschaftliche Entwicklungen sowie (politische) Gegner und deren Positionen abzuwerten (1895). Häufig beschreibt das Wort das Stadium einer vorgeblich erschöpften
und überfeinerten
Kultur, deren Blütezeit als überschritten gilt. Aus dieser Perspektive erscheinen Schwächlichkeit, Ermüdung und Krankheit als zentrale Symptome eines gesellschaftlichen und kulturellen, aber auch individuellen körperlichen und geistigen Verfalls (1892, 1894a, 1896, 1907, 1908 1931). Zugrunde liegt dabei die Vorstellung einer Degeneration, die mit dem Verlust von Kraft, Widerstandsfähigkeit und vitaler Energie einhergeht (1911, 1925).
Während des Nationalsozialismus wird das Wort Dekadenz als ideologisches Instrument einer restriktiven Kulturpolitik eingesetzt. Gesellschaftliche, kulturelle und künstlerische Entwicklungen der Weimarer Zeit werden unter dem Schlagwort als moralisch verfallen und volkszersetzend
diffamiert und als Ausdruck von Schwäche, Niedergang und moralischer Entartung dargestellt (1933a, 1933b). Zugleich wird Dekadenz unmittelbar antisemitisch aufgeladen: Juden gelten als Repräsentanten der Dekadenz, die im Zuge des nationalsozialistischen Neuaufbaus
zurückgedrängt werden müssten (1933c). Bei den Bücherverbrennungen 1933 erfährt der Ausdruck eine ritualisierte propagandistische Zuspitzung, wenn Werke u. a. von Heinrich Mann oder Erich Kästner mit dem sogenannten Feuerruf
gegen Dekadenz und moralischen Verfall den Flammen übergeben werden (1933d).
Der Ausdruck Dekadenz des Westens ist ein politisch aufgeladenes Schlagwort, das in der kommunistischen Propaganda des 20. Jahrhunderts verwendet wird. Es überträgt die ursprünglich kulturell-moralische Bedeutung von Dekadenz auf ganze westliche Gesellschaften, um deren angeblichen moralischen, kulturellen und politischen Verfall zu kennzeichnen und so die eigene sozialistische Ordnung ideologisch aufzuwerten (1957). Ähnliche Vorwürfe finden sich auch in islamistischen Diskursen über westlichen Gesellschaften (2003).
Bedeutungsverbesserung
Die Bedeutung von Dekadenz ist bis in die Gegenwart erhalten. Auch heute dient das Wort zur Bezeichnung kultureller, ästhetischer oder gesellschaftlicher Überfeinerung und wird verwendet, um moralischen oder sozialen Verfall zu konstatieren (1953, 2001a). Zugleich hat sich das Bedeutungsspektrum durch eine metonymische Verschiebung erweitert: Ausgehend vom ursprünglich negativ verstandenen kulturellen Verfall wird Dekadenz in ironischer oder bewusst affirmativer Verwendung auch auf Üppigkeit, Luxus, Genuss und gesteigerte Sinnesfreude übertragen (2000, 2001b, 2002). Insofern kann hier von einer Bedeutungsverbesserung ausgegangen werden.
Das Adjektiv dekadent
Das Adjektiv dekadent ist seit dem späten 19. Jahrhundert in der Lesart kulturell und moralisch im Verfall begriffen
bezeugt. Es wird abwertend als Ausdruck gesellschaftlicher Kritik verwendet und beschreibt Lebensweisen, Haltungen oder Erscheinungen, die als moralisch fragwürdig, übermäßig schwach, degeneriert und verschwenderisch gelten (1889a, 1891a, 1900, 1964, 2007, 2025). Dabei erscheint dekadent häufig synonym zu dem Adjektiv entartet (1903a; vgl. 2DWB unter entartet).
Im literarischen und ästhetischen Kontext der Fin-de-Siècle-Literatur wird dekadent auch als Kennzeichen künstlerischer Gestaltung verstanden (1903b). Das Adjektiv beschreibt Personen, Figuren, Lebensstile und Kunstwerke, die durch Überfeinerung, Morbidität und ästhetische Sensibilität geprägt sind.
Heutzutage wird dekadent auch neutral bis positiv verwendet, um Luxus, Üppigkeit oder kreative Exzesse zu bezeichnen. Damit spiegelt das Adjektiv den semantischen Wandel wider, den bereits das Substantiv erfahren hat. Alltagssprachlich sind zum Beispiel Formulierungen wie ein dekadentes Büfett oder dekadent essen gebräuchlich (2018, 2021a, 2021b, 2021c).
Literatur
2DFWB Deutsches Fremdwörterbuch. Begonnen von Hans Schulz, fortgeführt von Otto Basler. 2. Aufl., völlig neu erarbeitet im Institut für Deutsche Sprache von Gerhard Strauß u. a. Bd. 1 ff. Berlin/New York 1995 ff. (owid.de)
1DHLF Dictionnaire historique de la langue française, par Alain Rey et al., 3. Aufl. Bd. 1–2. Paris 2000.
2DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Neubearbeitung. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (vormals Deutsche Akademie der Wissenschaften) und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bd. 1–9. Stuttgart 1983–2018. (woerterbuchnetz.de)
Nietzsche-Wörterbuch Nietzsche-Wörterbuch. Hrsg. v. Paul van Tongeren u. a. Bd. 1: Abbreviatur – einfach. Berlin 2004.
3OED Oxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte digitale Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Bd. 1–20. (oed.com)
Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)
Belegauswahl
[Fischart, Johann]: Merckliche Frantzösische Zeitung, Von den herrlichen Solenniteten vnd Ceremonien, so bei dem erst Neugestiffteten Ritter-Orden vom H. Geyst gebraucht und gehalten: Sampt den Namen der Ritter vnd Herrn, welche inn solchen Neuen Orden, den ersten dises 79. Jars getretten vnd auffgenommen worden […]. Auß Frantzösischem treulich inns Teutsch gebracht. [Straßburg] 1579, Bl. A 2 v. (doi.org)[…]Das ich jetz der OrdensArticul/ darauff die Ordensgenossen schweren/ geschweige/ welche dermaßen geschaffen/ das sie vil mehr eyne verbündnuß und heymlichen verstand etlicher weniger/ zur turbirung eynes gantzen Stands (welcher dieweil er on diß baufällig/ und sehr in die Decadentz sinckhafft/ leichtlich mag erweget werden) […]als eyn vereynigung/ zu erhaltung der kaum auffgerichten Rhue/ vermögen und vorhalten: […].
Phlilipp Reinhard, Graf von Solms an Axel Orenstierna. In: Irmer, Georg: Die Verhandlungen Schwedens und seiner Verbündeten mit Wallenstein und dem Kaiser. 1. Teil: 1631 und 1632. Leipzig 1888, S. 191. (google.de)Wie mich der hiesige hof und dessen ganzes procedere ansieht, so gehet alles zur decadence. […]Uf hochmuth, geiz und ein luderleben, wie es hier geführt wird, kann nichts gutes erfolgen.
Die Anwesenden Deputirten sämmtlicher Städte an den Kurfürsten. In: Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Bd. 10. Berlin 1880 [1667], S. 532–535, hier S. 533. (books.google.de)[…]Nachdem aber E. Ch. D. von solcher gn. Intention divertirt, so müssen wir alles mit unterth. Gehorsam aufnehmen, Gott und der Zeit befehlen und vor E. Ch. D. selbst, dafern bei der anhaltenden Last die Städte gänzlich ermüden und in grössere Decadenz fallen sollten […], entschuldigt sein.
[Witzendorff, Georg Wilhelm von]: Ihrer Königl. Majest. zu Schweden in Dero Herzogthümern Bremen und Verden abgefassete Policey-Teich-Holtz- und Jacht-Ordnung. Stade 1693, S. 149. (deutschestextarchiv.de)WEil der ſchier allenthalben befindliche Holtz-Mangel guten Theils daher entſtanden/ daß in vorigen Zeiten/ die Eigenthumbs-Herren im Lande faſt ohne conſideration ihre Hoͤltzungen gleichſam Fuß fuͤr Fuß weghauen laſſen/ und veraͤuſſert/ wodurch dann dieſelbe in die gegenwaͤrtige decadence und ruin verfallen/ […]ſo daß bey wenig Familien etwas erkleckliches von guten Maſt- und Bau-Hoͤltzern mehr uͤbrig.
[Schütz, Sinold von/Philipp Balthasar]: Reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon. Leipzig 1709, Sp. 452. (slub-dresden.de)Decadence, Abfall und Abnahme des zeitlichen Glückes, Vermögen und Ehre.
Marperger, Paul Jacob: Getreuer und Geschickter Handels-Diener. Nürnberg/Leipzig, 1715 S. 438. (deutschestextarchiv.de)Vor allen huͤte er ſich vor Proceſſen und Zanck-Haͤndlen/ als welche auch die beſten Handlungen ruiniren/ und ſonderlich einen jungen Menſchen/ in eine ſolche Decadenz und verwirrten Zuſtand bringen koͤnnen/ daß er niemals hernach wieder recht zu Kraͤfften kommen kan.
Stieve, Gottfried: Europäisches Hoff-Ceremoniel. Leipzig 1715, S. 105. (deutschestextarchiv.de)Allein Philippus IV. war alt, die Spaniſche Monarchie in groſſer Decadentz, Mangel am Gelde und Soldaten […], der An. 1659. geſchloſſene Pyreneiſche Friede kaum zur Execution, und Spanien zu Ruhe.
[Thomasius, Christian]: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Bd. 3. 2. Aufl. Halle 1724, S. 233. (deutschestextarchiv.de)[…]Die andere Gestalt aber siehet gantz anders aus, kan aber von mir nicht beschrieben werden, nicht daß ich mich fürchtete, es möchten die Hoff-Dienste dadurch in Decadenz kommen, und sodann Fürsten und Herrn keinen Minister mehr in Dienste bekommen können […], sonderlich aber der Professorum entbehren müssen, wenn sie ihnen gleich die favorablesten Conditiones anböten.
Hamburger Relations-Courier, 22. 3. 1726, S. [3]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Es werden aber täglich von übelintentionirten Leuten allerhand Zeitungen und Spargiments geschmiedet, wodurch sie nichts anders intendieren, als daß sie die Fonds herunter und in Decadentz bringen, und die Gemühter der Leichtgläubigen mit falschen Pensionen einnehmen mögen […], z. Er. daß auff Franckreich nicht viel Staat zu machen, da selbiges mit Spanien solte einen Vergleich treffen, daß Gibraltar bereits belägert, und der Prätendent sich in Madrit befinden;.
Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, 22. 3. 1765, Nr. 47, S. [4]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)[…] weil Catharina de l’Espine und übrige dasiger Cattun-Frabrique Inhabere durch verschiedene Unfälle in solche Decadence gerathen, und allem Ansehen nach das Vermögen zu Bezahlung aller vorhandener Schulden nicht hinlänglich sey, sämmtliche Schuld […]Gläubigere, so Anspruch und Forderungen auf obbesagte Cattun=Frabique haben, oder zu haben vermeynen, vorgeladen werden sollen.
Die Grenzboten 11/2/1 (1852), S. 247. (deutschestextarchiv.de)Die Liebe zum materiellen Genusse spricht sich in den Kunstleistungen des modernen Frankreichs eben so deutlich aus, wie in seinen politischen und literarischen. Die Decadenz guckt aus all den glänzenden Oberflächen hervor, und es scheint mir ein Maßstab für die Intensität dieses Anlaufs zum Verfalle […], daß die moderne Geschichte Frankreichs mit der Entwürdigung der Gesellschaft, mit der Demüthigung des ganzen Landes, die sie auf ihre Blätter mit unauslöschlichen Zeichen geschrieben, anch nicht einen einzigen bedeutenden Satyriker, es sei nun in der Kunst oder in der Literatur, hervorgebracht hat.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1877, S. 385. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)[…]Aber wenn Sie andererseits nicht wollen, daß durch die Einführung der jetzigen Art der Besteuerung die dortige Landwirthschaft notorisch unausgesetzt immer in größere […], ich Möchte sagen Dekadenz kommt […], weil der Viehstand und alles, was damit zusammenhängt, durch die jetzige Branntweinsteuer stark in Abnahme gekommen ist, sorge der Reichstag mit für eine Reform der jetzigen Art der Branntweinsteuer.
Bergedorfer Zeitung und Anzeiger 11, 9. 8. 1878, Nr. 184, S. [2]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)[…]Die Erfahrungen, welche man in dem letzten Steuerjahr mit den Reichsfinanzen gemacht, haben zur Evidenz bewiesen, daß es so nicht länger fortgehen kann und die Einnahmen, welche man bisher dem Reiche überwiesen, sich in einer Dekadenz befinden […], die zu dem tieffsten Nachdenken Veranlsssung geben muß.
Badischer Beobachter, 28. 12. 1881, Nr. 293, S. [2]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Die Dekadenz der Franzosen.
Wohin wir immer in Frankreich blicken, finden wir nur zu deutliche Anzeichen, daß die früheren vorzüglichen Eigenschaften der französischen Nation, welche ihr in manchen wichtigen Dingen den Vorrang in Europa gaben, rasch dahinschwinden.
Die Reform 35, 27. 5. 1882, Nr. 125, S. [1]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Der frühere Besitzer einer Buchhandlung in Prenzlau, welcher durch Verluste nach und nach in Dekadenz gerieth, siedelte vor etwa einem Jahr nach Hamburg über.
Nietzsche, Friedrich: Nachgelassene Fragmente November 1887 – März 1888. In: Ders. Digitale Kritische Gesamtausgabe Werke und Briefe. eKGWB/NF-1887,11[227]. (nietzschesource.org)Daß alle Art Verfall und Erkrankung fortwährend an den Gesammt-Werthurtheilen mitgearbeitet hat: daß in den herrschend gewordenen Werthurtheilen décadence sogar zum Übergewicht gekommen ist: daß wir nicht nur gegen die Folgezustände alles gegenwärtigen Elends von Entartung zu kämpfen haben, sondern alle bisherige décadence rückständig d. h. lebendig geblieben ist. Eine solche Gesammt-Abirrung der Menschheit von ihren Grundinstinkten, eine solche Gesammt-Décadence des Werthurtheils ist das Fragezeichen par excellence, das eigentliche Räthsel, das das Thier „Mensch“ dem Philosophen aufgiebt.
Nietzsche, Friedrich: Werke in drei Bänden. Bd. 2, Hrsg. v. Karl Schlechta. München 1955 [1889], S. 1177.Und er selbst, so blaß, so schwach, so decadent… Selbst die blassesten der Blassen wurden noch über ihn Herr, die Herrn Metaphysiker, die Begriffs-Albinos.
Nietzsche, Friedrich: Werke in drei Bänden. Bd. 2, Hrsg. v. Karl Schlechta. München 1955 [1889], S. 1013.Unsre Sozialisten sind décadents, aber auch Herr Herbert Spencer ist ein décadent – er sieht im Sieg des Altruismus etwas Wünschenswertes!
Nietzsche, Friedrich: Werke in drei Bänden. Bd. 2. Hrsg. v. Karl Schlechta. München 1955 [1889], S. 1176.Wo in irgendwelcher Form der Wille zur Macht niedergeht, gibt es jedesmal auch einen physiologischen Rückgang, eine decadence. Die Gottheit der decadence, beschnitten an ihren männlichsten Tugenden und Trieben, wird nunmehr notwendig zum Gott der Physiologisch-Zurückgezogenen, der Schwachen.
Salle-Zeitung, 17. 6. 1891, Nr. 138, S. [3]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Es liegt so unendlich viel Befreiendes Großes und Gutes, so viel reine interessenlose Menschenliebe in diesen Blättern, daß ihre Lektüre in unserer „dekadenten“ Epoche förmlich erlösend und erquickend wirkt.
Hermann Bahr: Die Decadence. In: Die Nation. Wochenschrift für Politik, Volkswirtschaft und Literatur 8, 4. 7. 1891, Nr. 40, S. 619–621, hier S. 620. (digitale-sammlungen.de)Das ist das erste Merkmal der Decadence. […]Sie sucht wieder den inneren Menschen, wie damals die Romantik. Aber es ist nicht der Geist, nicht das Gefühl, es sind die Nerven, welche sie ausdrücken will. Und sie entdeckt nervöse Künste, welche die Väter nicht kannten. Ein anderes Merkmal ist der Hang nach dem Künstlichen. […]In der Entfernung vom Natürlichen sehen sie die eigentliche Würde des Menschen und um jeden Preis wollen sie die Natur vermeiden.
Hermann Bahr: Die Decadence. In: Die Nation. Wochenschrift für Politik, Volkswirtschaft und Literatur 8, 4. 7. 1891, Nr. 40, S. 619–621, hier S. 620. (digitale-sammlungen.de)Es ist heute viel von der Decadence die Rede. Zuerst war das ein Spott des lästerzüngigen, hämischen Boulevards, bald gaben sich die jungen Träumer selber diesen Namen. Heute heißen die Neuen in Frankreich schon allgemein so, die ganze génération montante, und auch in Deutschland wächst der Brauch des Wortes.
Die Nation. Wochenschrift für Politik, Volkswirtschaft und Literatur 8, 4. 7. 1891, Nr. 40, S. 619. (digitale-sammlungen.de)Die Decadents haben keine solche Idee. Sie sind keine Schule, sie folgen keinem gemeinsamen Gesetz. Man kann nicht einmal sagen, daß sie eine Grupppe sind; sie schließen sich nicht zusammen und vertragen sich nicht, jeder hat seine eigene Weise, von welcher der Andere nichts wissen will. Sie sind nur eine Generation. Das Neue an dieser neuen Generation macht die Decadence aus.
Norddeutsche allgemeine Zeitung (Abend-Ausgabe) 31, 14. 1. 1892, Nr. 22, S. 2. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Der Selbstmord erkläre sich aus einer geistigen Dekadenz sowie aus einem zu großen Konsum spirituöser Getränke.
Die Gesellschaft 10/3 (1894), S. 1438. (books.google.de)Die Ränder unter seinen Augen waren noch tiefer geworden; er sah wirklich recht elend aus. […]Wenn er sich im Spiegel sah, erschrak er ordentlich; und dann weinte er vor Selbstmitleid. „Du, Kleiner,“ sagte Rölling eines Tages sehr entschieden, „das geht nicht so weiter. Du gerätst ja immer mehr in Dekadenz. […]Da muß etwas geschehn. Morgen gehst Du einfach zu ihr.“
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1894, S. 478. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)[…]Da steht Behauptung gegen Behauptung, Ansicht gegen Ansicht; und einen höheren Richterstuhl, an den wir appelliren könnten, haben wir nicht, außer der großen Lehrmeisterin Empirie, und ich fürchte, daß die erst zu Worte kommt, wenn die Dekadenz in der Landwirthschaft […]gar zu weit vorgerückt ist.
Badischer Volksbote 6, 7. 1. 1895, Nr. 2, S. [1]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Wie in wirtschaftlicher, so ist der „Liberalismus“ auch in religiös-sittlicher Beziehung materialistisch. Er kennt keine Moral. […]Er vertritt die pessimistische Lebensanschauung, die wie ein Alp auf unserem nationalen Leben lastet, die dem Menschen alles Selbstvertrauen nimmt. Hier liegt die Ursache der besorgniserregenden Zunahme der Selbstmorde, sowie der Ueberfüllung der Zuchthäuser und – Irrenhäuser. Der scharfe Beobachter des Volkslebens sieht mit Trauer, wie die sittliche Dekadenz in den oberen und niederen Kreisen der Nation immer weiter um sich greift.
Der Kunstwart 10 (1897), Nr. 8, S. 116. (doi.org)Dagegen ist übertriebene Feinheit des ästhetischen und sittlichen Empfindens bei vollständiger Willensschwäche gewiß krankhaft zu nennen und daher Dekadenz. Man hat die Dekadenz geradezu die Krankheit unseres, des neunzehnten Jahrhunderts, die Kulturkrankheit im Sinne des Krankens an der Kultur genannt.
Mann, Thomas: Der kleine Herr Friedemann. Leipzig 1898, S. 75. (books.google.de)Der Baron war Börsenmann […], hat früher in Wien eine kolossale Rolle gespielt, verkehrte mit sämtlichen Fürstlichkeiten und so weiter… Dann geriet er plötzlich in Décadence […], zog sich mit ungefähr einer Million – sagt man – aus der Affaire und lebt nun hier, prunklos, aber vornehm.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1899, S. 2709. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Es ist schon häufig der Vergleich gemacht worden zwischen den modernen Zuständen in Europa und namentlich in Deutschland und der Dekadenz gerade des Römerreichs, als es verfaulte.
Die Grenzboten 59/3 (1900), S. 591. (deutschestextarchiv.de)[…] Aber die Personen dieser letzten Stücke sind allesamt dekadent, d. h. kernfaul, und wenn ein Dichter nichts mehr zu schauen giebt als eine dekadente Welt, wenn er dadurch offenbart, daß er sich in das Kranke und Faule verliebt hat, so darf man ihn wohl selbst einen Dekadenten nennen. […]Und bei Ibsen paßt das Wort eigentlich noch besser als bei solchen Franzosen, wie Verlaine einer war, denn die haben von Anfang an nichts getaugt, während Ibsen wirklich von einer bedeutenden Höhe hinabgesunken ist.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1902, S. 4279. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Vor allem wäre nöthig, […]gründliche Sozialreformen einzuführen, eine Verkürzung der Arbeitszeit einzuführen, eine vernünftige Wohnungspolitik zu betreiben, eine vernünftige Lohnpolitik, kurz alle diejenigen Mittel und Wege zu ergreifen, die eben nothwendig sind, um die jetzt in der Verkümmerung und Dekadenz befindliche Industriebevölkerung zu heben.
Zobeltitz, Fedor von: Die papierene Macht. In: Velhagen & Klasings neue Monatshefte 16 (1901/02), Beilage, S. 109. (archive.org)[…]Er war, wie Bließen sich ausdrückte, ein „hübscher Bengel“. Die schreckliche Decadence, den Sprung vom Legationssekretär zum Lohnschreiber sah man ihm nicht an. […]Der schwarze Gehrock stammte noch aus guter Zeit, da er die Schneiderrechnungen nicht prüfte.
Die Grenzboten 62/1 (1903), S. 472. (deutschestextarchiv.de)so gut wie alle Trinker nämlich sind in ihrem Nervensystem erblich oder persönlich „belastet,“ also „neuropathisch“ angelegt, „entartet“, „dekadent.“
Die Grenzboten 62/3 (1903), S. 30. (deutschestextarchiv.de)Die Malerei der Impressionisten und Symbolisten, sagt Tolstoi, die Kunst eines Böcklin, Stuck und Klinger, die Dramen Ibsens und die Romane und Verse der neusten Franzosen, in der Musik der spätere Wagner, Liszt und Richard Strauß, alle diese junge Kunst unsrer Zeit nennen wir dekadent.
Deutsche Literaturzeitung 27, 14. 4. 1906, Nr. 15, Sp. 943. (google.de)Die Typen der Entartung und der dekadenten Schwäche fehlen hier, denn wir hatten ja das Walten des Unrechtsprinzip ausgeschaltet und damit auch die Voraussetzungen für eine Dekadenzbewegung.
Die Grenzboten 66/4 (1907), S. 544. (deutschestextarchiv.de)In dem vorliegenden Buche stellt er eine Reihe höchst wertvoller Grundsätze auf, die gegenwärtig, wo sich das unmännliche Wesen und perverse Element mit allen Lastern der Dekadenz in unserm Volk so breit macht, wie ein moralischer Weckruf klingen.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1908, S. 3323. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Aber es ist demgegenüber sehr bedauerlich, daß man nicht die Arbeiterschaft unterstützt in ihrem Bestreben, sich gegen die körperliche Dekadenz zu schützen durch Gründung großer Arbeiterturnvereine.
März. Halbmonatsschrift für deutsche Kultur 3/3 (1909), S. 270. (google.de)Und so wäre denn Shaw im Grund nichts andres als der glänzendste und ideenreichste Vertreter jener literarischen Dekadenzbewegung, die – vermutlich von einem Parfümfabrikanten – „fin de siècle“ genannt worden ist.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1911, S. 6826. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)[…]Meine Herren, ich ersuche Sie, um das Gesicht zu wahren, die Abänderungsanträge der Sozialdemokraten, die ich begründet habe, anzunehmen, um damit wenigstens den guten Willen zu zeigen, der Verwahrlosung der Jugend, der drohenden Gefahr der Unterernährung und Dekadenz Einhalt zu tun im wohlverstandenen Interesse der Arbeiterklasse, der Nation und der Kultur.
Die Grenzboten 79/4 (1920), S. 178. (deutschestextarchiv.de)Denn wer ist Rilke?
Ein feiner Mensch, aber ohne starke Lebenskraft: ein „edler Dekadent". Ohne Aktivität geht er als Beobachter durchs Leben.
Allgemeine Zeitung 123, 2. Mai 1920, Nr. 17, S. [168]. (deutschestextarchiv.de)Schon in den „Buddenbrooks“, dem Meiſterwerk eines Sechsundzwanzigjährigen, der in dem „Verfall einer Familie“ die Geſchichte ſeines eigenen Hauſes einer Idee unterwarf: der Idee, daß des Künſtlers Lebensform untrennbar mit der Dekadenz verbunden und der Künſtler als Menſch zum Leben im Alltagsſinne unbrauchbar iſt.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1925, S. 2482. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Niemand kann leugnen, daß die Beratungsstellen für Alkoholkranke erschütternde Bilder des Elends bieten, daß die Krankenanstalten, die Irrenanstalten und die Trinkerheilanstalten ebenfalls Bilder einer tieftraurigen Dekadenz übermitteln.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1931, S. 1346. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Jeder, der heute in Berlin die Verhältnisse kennt, weiß doch, daß unser Volk durchaus nicht in allen seinen Schichten seelisch gesund ist, sondern sich eine Dekadenz breit macht.
NS-Kurier, 8. 4. 1933, S. [1]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Die Schwatzbuden, in denen Jahrzehnte lang das Volk in Not und Elend, die Wirtschaft in Korruption und Niedergang, die geistigen Volksgüter in sittlichen Zerfall, in trostlose Dekadenz hineingeredet wurden, sind für immer unschädlich gemacht.
Hamburger Tageblatt 3, 28. 4. 1933, Nr. 99, S. [9]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)Paul Klee, dessen mit raffinierter Farbdelikatesse anscheinend ganz naiv und kindlich hingepinselten Bildchen wohl als die weitestgetriebene Dekadenz unserer Kunst bezeichnet werden dürften. […]Kein Wunder, daß man diesen Maler, der von manchen Seiten (!) im In= und Ausland als der größeste Maler aller Zeiten gefeiert wird, seiner Tätigkeit entzog. Wir brauchen Männer, keine Psychoanalytiker auf deutschen Lehrstühlen!
Honnefer Volkszeitung, 10. 5. 1933, Nr. 112, S. [2]. (deutsche-digitale-bibliothek.de)[Reichsjustizkommissar Dr. Frank:] […]„Unserer Politik, die Politik unseres Führers selbst, dem die Seele des deutschen Volkes gehört, ist der Träger des Friedensgedankens. Wir alle zittern über das Unglück, das über die Welt hereingebrochen ist. Das, woraus man uns den meisten Vorwurf macht, ist der Antisemitismus. Männer, die ein neues Deutschland aufbauen wollen, mußten die Repräsentanten der Dekadenz zurückdrängen. Wir haben jedoch alle Juden in Deutschland behalten, die erbeingesessen sind.“
Mittelbadischer Courier: Ettlinger Tageblatt 70, 12. 05. 1933, Nr. 110, S. 3. (deutsche-digitale-bibliothek.de)[…]Berlin, 12. Mai. Bei den mittnächtlichen Feiern an den deutschen Hochschulorten, in deren Mittelpunkt die Verbrennung volkszersetzenden Schrifttums stand, wurden die Bücher mit folgenden Feuersprüchen den Flammen übergeben:
Erster Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme Schriften von Marx und Kautsky.Zweiter Rufer: Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Bläser und Erich Kästner.
Die Zeit, 16. 7. 1953. [DWDS]Die Enkel aber tragen die Dekadenz in sich: Till, der ältere, hat nur noch den Traum vom Reichtum, doch keine Zähigkeit mehr, und kommt in Kalifornien auf eine sehr buchstäbliche Weise „unter die Räder“.
Neues Deutschland, 21. 7. 1957. [DWDS]Auch ihre Bühnenbildgestaltung hat als Ausgangspunkt doch auch die ideologische Frage, die in der Tatsache begründet liegt, daß man uns mit dem Begriff „modernes Theater" die Dekadenz des Westens reinschmuggelt.
Berliner Zeitung, 7. 10. 1964. [DWDS]Der gegenwärtige Papst beklagte sich kürzlich mit bitteren Worten darüber, daß in der kapitalistischen Welt todmüde, lasterhafte, dekadente Gesichter als Vorbild der Jugend herausgestellt werden.
Der Spiegel, 3. 10. 1982. [DWDS] (spiegel.de)Mal machten die Geschichtsforscher den Ansturm unverbrauchter Naturvölker, mal die Dekadenz der im Luxus erschlafften römischen Oberschicht oder auch das Ende der Sklavenwirtschaft für den Kollaps des Römerreichs verantwortlich.
Der Tagesspiegel, 15. 12. 2000. [DWDS]Auf den mit Decken ausgelegten Barhockern mummeln wir uns ein und üben uns in Dekadenz: der Glühwein kostet 10 Mark.
Der Tagesspiegel, 21. 10. 2001. [DWDS]Und für Botho Strauß, der in der massenmedialen Unterhaltungsindustrie nur plebejischen Stumpfsinn triumphieren sieht, sind westliche Gottlosigkeit, Mythenarmut und Idealitätsschwäche längst Zeichen anschwellender Dekadenz.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18. 11. 2001. [DWDS]Modedesigner arbeiten diesen Winter mit Fell, weil das Material weiblich wirkt, aber auch um Glamour und einen Hauch von Dekadenz zu verbreiten.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25. 8. 2002. [DWDS]Kaum zu übertreffen ist die im 1937er Cord zum Ausdruck kommende Kombination aus Leistungsbereitschaft und Dekadenz. Eleganz und Energie haben sich gefunden.
Rhein-Zeitung, 10. 2. 2003. [DWDS]Den orthodoxen Islamisten, wie Osama Bin Laden oder Saddam Hussein, gehe es darum, ihr Einflussgebiet immun zu machen gegen die „Dekadenz des Westens“.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 4. 3. 2007. [DWDS][…]Von kulturellem Interesse ist natürlich nur die letzte Variante, denn reine Verschwendung um ihrer selbst willen erscheint uns sogar in höchstem Maße primitiv und auf abstoßende Weise dekadent – man denke nur an die groteske Schuhsammlung der Imelda Marcos oder an manche afrikanische Potentaten mit ihren privaten Fuhrparks voll unbenutzter Edelkarossen.
Der Tagesspiegel, 1. 3. 2010. [DWDS]Westerwelle hatte im Zusammenhang mit der Debatte um Hartz-IV-Regelsätze vor „spätrömischer Dekadenz“ gewarnt.
Der Spiegel, 9. 6. 2018. [DWDS]In Millgramms Erzählungen ist das die Zeit der Superlative – es gibt die dekadentesten Büfetts, die schönsten Bälle, die exklusivsten Möbel.
Kurier, 26. 1. 2021. [DWDS]Obwohl die Darsteller in den acht Episoden der Historien-Soap oft nackt sind […] , ist es vor allem die dekadente Kleidung, die die Zuseher zum Schwärmen bringt.
Stern (online), 13. 8. 2021. (stern.de)Hummerschwänze, Zigarren, Kognac: So dekadent wurde einst an Bord getafelt.
Leipziger Volkszeitung, 28. 10. 2021. [DWDS]Dekadent speisen und trinken ist hier möglich – aber kein Muss.
Der Spiegel, 22. 8. 2025. [DWDS]Dazu kommt, dass er in den USA ein dekadentes System erblickt, das dem Untergang geweiht ist.