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Wortgeschichte zu

Kolonisation

kolonisieren

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

In etwa zeitgleich begegnen das Verb kolonisieren und das Substantiv Kolonisation Ende des 18. Jahrhunderts im Deutschen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden beide Wörter häufig in Bezug auf Siedlungsvorgänge in der antiken Welt verwendet. Daneben sind bereits früh Verwendungen von Kolonisation in der Bedeutung Besiedelung und Bestellung bisher unerschlossenen Landes bezeugt. Spätestens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wird Kolonisation auch mit der Bedeutung Prozess der Landnahme, in der Regel verbunden mit politischer und wirtschaftlicher Unterwerfung der Bewohner verwendet. Zudem bilden sich mit innere Kolonisation und äußere Kolonisation zwei feste Verbindungen heraus.

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Wortgeschichte

Kolonisation: Erste Bezeugungen

Das Substantiv Kolonisation ist im Deutschen seit Ende des 18. Jahrhunderts bezeugt (1797a, 1809a). Seither hat das Wort die Bedeutung Besiedelung und Bestellung bisher unerschlossenen Landes (1809b, 2017), wobei die Grenzen zu Prozess der Landnahme, in der Regel verbunden mit politischer und wirtschaftlicher Unterwerfung der Bewohner sicher fließend sind. Kolonisation wird dann zunächst – wie seine Ableitungsgrundlage kolonisieren auch – auffallend häufig auf die Antike bezogen (1811, 1824a, 1875a). Daneben kann das Wort zu dieser Zeit wohl noch als Synonym für Kolonie verwendet werden (1809c); diese Verwendung ist heute unüblich.

Die Ableitungsgrundlage kolonisieren

Kolonisation ist (wie alle Aktionsnomen auf -ation) als Ableitung von einem Verb auf -ieren, hier von kolonisieren zu beschreiben. Das Verb begegnet seit Ende des 18. Jahrhunderts und damit in etwa zeitgleich zu Kolonisation in deutschsprachigen Texten (1797b), zunächst allerdings nur sehr sporadisch. In frühen Belegen scheint die Bedeutung des Verbs relativ breit zu sein: Neben Verwendungen in Bezug auf Siedlungsvorgänge in der antiken Welt, vor allem in Griechenland und im Mittelmeerbereich, deren Bedeutung sich mit besiedeln, eine Siedlung gründen angeben lässt (1824b), und Verwendungen in der Bedeutung (unfruchtbares Land) urbar machen, erschließen (1832; vgl. dazu GWB, 5, 513) treten solche, in denen kolonisieren die Bedeutung eine Kolonne bilden hat (1797b). Die wohl im Verlauf des 19. Jahrhundert entstehende Bedeutung eine Kolonie gründen, als Kolonie erobern bezieht sich auf überseeische Gebiete und umfasst machtpolitische Konnotationen (1840a, vgl. auch Pfeifer unter kolonisierenDWDS). Diese Bedeutung wird vermutlich nach dem englischen colonize gebildet (vgl. 1DFWB, 1 , 354), das seinerseits seit dem 17. Jahrhundert bezeugt ist, von colony bzw. mittelenglisch colonie abgeleitet wird und – teilweise wohl über das Altfranzösische – etymologisch auf die lateinischen Wörtercolonia und colonus zurückgeführt werden kann (vgl. 3OED unter colonize, v.). Wenn indes ab 1840 kolonisieren zunehmend auch für die Beschreibung der europäischen Expansion verwendet wird, so schlägt diese Differenz zunächst nur bedingt auf den Wortgebrauch durch (1840b, 1847). Das Modell der antiken Kolonisation, das stark von dem Konzept des Besiedelns, Urbarmachens und der Gründung bestimmt ist und in dem das besiedelte Land als geradezu unbewohnt erscheint, wird somit offenbar direkt auf die zeitgenössische Landnahme in Übersee übertragen.

Weitere semantische Entwicklung von Kolonisation

Spätestens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts sind zwei semantische Entwicklungen zu beobachten: Zum einen bildet sich nun auch für das Substantiv die Bedeutung Prozess der Landnahme, in der Regel verbunden mit politischer und wirtschaftlicher Unterwerfung der Bewohner aus (1840c, 1984). Daneben begegnen nun vermehrt solche Verwendungen, die auf die Besiedlung und Urbarmachung bislang unerschlossenen Landes innerhalb des eigenen staatlichen Territoriums abzielen (1848, 1894). Von hierher sind die feststehenden Verbindungen innere und äußere Kolonisation zu verstehen (1900, 1907).

Die feste Verbindung innere Kolonisation entsteht im Kontext der Diskussionen um die zunehmende Landflucht, die mit der gezielten Ansiedelung von Bauern eingedämmt werden soll. Nicht erst ab, aber insbesondere in den 1880er Jahren bezeichnet innere Kolonisation dann ganz konkret preußische Bemühungen, die eine Ansiedlung von Bauern in Posen und Westpreußen zum Ziel haben. Die Idee einer inneren Kolonisation wird bis Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unter verschiedenen Vorzeichen weiterverfolgt; 1933 wird die Wendung allerdings durch Neubildung deutschen Bauerntums ersetzt (vgl. das Gesetz über die Neubildung deutschen Bauerntums vom 14. Juli 1933: Reichsgesetzblatt 1933). Nach Ende des zweiten Weltkriegs lebt die Verbindung innere Kolonisation zwar fort (vgl. etwa die Zeitschrift Innere Kolonisation, die noch bis in die 1980er Jahre herausgegeben wird), verliert aber insgesamt an Relevanz.

Die Biologie, in die KolonieWGd Mitte des 19. Jahrhunderts Eingang findet, greift auch Kolonisation, hier in der Bedeutung der Entstehung einer Kolonie von Pflanzen oder Tieren, auf (1890).

KolonisationKolonialismus

Kolonialismus und Kolonisation unterscheiden sich trotz der ähnlichen Lautung nicht nur hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht unwesentlich. Während Kolonisation seit etwa 1800 bezeugt ist und vor allem den Prozess der Landnahme (vgl. Osterhammel 2009, 8), der Besiedlung und oft auch der landwirtschaftlichen Bestellung bisher brach liegenden Landes außerhalb des eigenen staatlichen Territoriums betont, entsteht das Wort KolonialismusWGd als Bezeichnung für ein Herrschaftsverhältnis bzw. ein System der Unterdrückung, Ausbeutung und Abwertung anderer Völker (1970) erst Mitte des 20. Jahrhunderts (1950) – und damit nicht nur deutlich später als der bezeichnete Sachverhalt, sondern auch in auffallender Nähe zur im 20. Jahrhundert einsetzenden Dekolonisation sowie zur Ausbildung der Postcolonial Studies.

Die semantischen Übergänge von Kolonisation und Kolonialismus können fließend sein, kann der Prozess der Landnahme doch gerade mit dem Bestreben der politischen und wirtschaftlichen Unterwerfung eines anderen gesellschaftlichen Kollektivs verbunden sein (1907). In diesem Verständnis ist Kolonisation zugleich mit sendungsideologischen Vorstellungen der Ausbreitung der eigenen, als höherentwickelt wahrgenommenen Kultur verbunden (1875b). Kolonisation kann aber durchaus auch auf die Besiedelung allein bezogen sein, wie etwa im Auswanderungsdiskurs um Brasilien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1908).

Anna S. Brasch

Literatur

1DFWB Schulz, Hans/Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch. Weitergeführt im Institut für deutsche Sprache unter der Leitung von Alan Kirkness. Bd. 1–7. Straßburg bzw. Berlin 1913–1988. (owid.de)

DWDS DWDS. Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute. (dwds.de)

GWB Goethe-Wörterbuch. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften [bis Bd. 3, Lfg. 4. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin/Akademie der Wissenschaften der DDR], der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Bd. 1 ff. Stuttgart 1978 ff.

Innere Kolonisation 1956–1972 Innere Kolonisation. Hrsg. von der Gesellschaft zur Förderung Innerer Kolonisation. Berlin/Bonn 1956–1972.

Innere Kolonisation 1972–1981 Innere Kolonisation, Land und Gemeinde. Hrsg. von der Gesellschaft zur Förderung der Inneren Kolonisation, GFK/Bundesverband der Gemeinnützigen Landgesellschaften, BLG/Deutsche Bauernsiedlung/Deutsche Gesellschaft für Landentwicklung, DGL. Bonn 1972–1981.

3OED Oxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte digitale Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Bd. 1–20. (oed.com)

Osterhammel 2009 Osterhammel, Jürgen: Kolonialismus. Geschichte – Formen – Folgen. 6., durchges. Aufl. München 2009.

Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)

Reichsgesetzblatt 1933 Gesetz über die Neubildung deutschen Bauerntums. Vom 14. Juli 1933. In: Reichgesetzblatt 1933, I, S. 517–518.

Belegauswahl

Der Handel zwischen der neuen Welt und Europa wird sich vermindern, im Verhältnis als derjenige, zwischen Afrika und Europa, durch Kolonisation von Afrika, wachsen wird.

Bülow, D. von: Der Freistaat von Nordamerika in seinem neuesten Zustand. Zweiter Theil. Berlin 1797, S. 205. (books.google.de)

In die erste Linie dicht an die Donau begaben sich fast lauter deutsche Völker; hinter ihnen in der 2ten Linie kolonisierten sich Ueberbleibsel von Hunnen, und Slavische Nationen.

Engel, Johann Christian von: Fortsetzung der Algemeinen Welthistorie durch eine Gesellschaft von Gelehrten in Teutschland und England ausgefertigt. Neun und vierzigster Theil. Halle 1797, S. 246. (books.google.de)

Die erſten Hinderniſſe der Coloniſation waren durch die Beharrlichkeit der Anbauer großentheils beſiegt; England gelangte zum alleinigen Beſitz des ganzen Kuͤſtenlandes, von Canada bis Georgien; Neu-York, Neu-Jerſey, Penſilvanien und Carolina bildeten ſich zu eignen Provinzen; andere, wie Connectitut und Rhodeisland, erhielten wichtige Freyheiten und verbeſſerte Verfaſſungen.

Heeren, Arnold H. L.: Handbuch der Geschichte des Europäischen Staatensystems und seiner Kolonien, von der Entdeckung beyder Indien bis zur Errichtung des Französischen Kayserthrons. Göttingen 1809, S. 259. (deutschestextarchiv.de)

Niederlaſſungen in Weſtindien, auf den Felſeninſeln St. Euſtace 1632, Curaçao 1634, und auf den Inſelchen Saba 1640 und St. Martin 1649; nie durch die Coloniſation, wohl aber durch den Schleichhandel wichtig.

Heeren, Arnold H. L.: Handbuch der Geschichte des Europäischen Staatensystems und seiner Kolonien, von der Entdeckung beyder Indien bis zur Errichtung des Französischen Kayserthrons. Göttingen 1809, S. 180. (deutschestextarchiv.de)

Das Brittiſche Weſtindien war dem Umfange nach durch die Abtretungen in dem Pariſer Frieden erweitert worden, von denen jedoch Tabago in dem Frieden zu Verſailles wieder an Frankreich kam. Der Zuſtand der Coloniſation hatte durch mehrere bewilligte Handelsfreyheiten gewonnen; aber theils die wiederholten Kriege, theils die Ueberfaͤlle der Wald-Neger (Maroons), theils die furchtbaren Stuͤrme, welche beſonders gegen das Ende dieſes Zeitraums wiederholt die Hauptinſel Jamaica verwuͤſteten, vernichteten einen großen Theil der gefaßten Hoffnungen; und faſt waͤre auch die Freywerdung Americas das Verderben des Brittiſchen Weſtindiens geworden; haͤtte nicht die Noth uͤber die Grundſaͤtze des Mercantilſyſtems geſiegt.

Heeren, Arnold H. L.: Handbuch der Geschichte des Europäischen Staatensystems und seiner Kolonien, von der Entdeckung beyder Indien bis zur Errichtung des Französischen Kayserthrons. Göttingen 1809, S. 471. (deutschestextarchiv.de)

Eine aͤhnliche Umwandlung hatte ſich auch, nach Diodorus […]Anmerkung: V. c. 6. , und wie die Verriniſchen Reden bezeugen, der Siculer bemeiſtert, obgleich die Griechiſche Coloniſation der Inſel nur ſehr wenige Staͤdte des Innern erreicht haben.

Niebuhr, Barthold Georg: Römische Geschichte. Erster Theil. Berlin 1811, S. 36–37. (deutschestextarchiv.de)

Nun wiſſen wir aber durch Herodot […]Anmerkung: 7, 99. , daß die Koer, Kalydnier und Niſyrier von Epidauros gekommen waren, wodurch aber aus ſchon angedeuteten Gruͤnden keine von jener verſchiedene Coloniſation angegeben wird.

Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Erste Abtheilung. Erstes und zweites Buch. Breslau 1824, S. 103. (deutschestextarchiv.de)

Die Korkyraͤiſche Colonie iſt ſehr zweifelhaft. vgl. Heyne p. 52.]; uͤberdies ſollen Spartiaten ſchon waͤhrend des erſten Meſſeniſchen Krieges Lokri coloniſirt haben; ſo ungewiß die Zeit ſein mag, wird das Faktum doch dadurch beſtaͤtigt, daß bei einem alten Kriege der Lokrer mit den Krotoniaten jene die Hilfe der Spartiaten erbaten, die ihnen den Beiſtand ihrer Kriegsgoͤtter, der Tyndariden (τῶν ἐπὶ Σάγρᾳ), verſprachen.

Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Zweite Abtheilung. Drittes und viertes Buch. Breslau 1824, S. 228. (deutschestextarchiv.de)

Mephistopheles.

Was willst du dich denn hier geniren, Mußt du nicht längst colonisiren?

Faust.

So geht und schafft sie mir zur Seite! Das schöne Gütchen kennst du ja, Das ich dem Alten ausersah.

Mephistopheles.

Man trägt sie fort und setzt sie nieder, Eh’ man sich umsieht stehn sie wieder; Nach überstandener Gewalt Versöhnt ein schöner Aufenthalt. (Er pfeift gellend.)

Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Stuttgart 1832, S. 307–308. (deutschestextarchiv.de)

Als im Jahr 1787 die brittische Regierung die von Cook entdeckten barbarischen Länder zu colonisiren beschloß, wurde durch eine königliche Commission Capitän Philip zum, Generalcapitän und obersten Gouverneur in und über das Gebiet von Neu-Südwales sammt dessen Dependenzien“ ernannt; dieses Gebiet wurde in der Commission beschrieben als sich ausdehnend vom Cap York (11° 37‚ südl. Br.) bis zum Südcap (48° 30‘ südl. Br.), und im Binnenlande westwärts bis zum 135° östl. Länge (von Greenwich), mit Einschluß aller der innerhalb der angegebenen Breitegrade liegenden Inseln des stillen Oceans. 5) Die neuseeländischen Inseln bilden einen Theil des in dieser Commission beschriebenen Territoriums, gerade so wie die Norfolkinseln und Vandiemensland, die in der Commission ebenfalls nicht speciell genannt sind. Diese auf die früheren Acte Capitän Cooks gegründete, der Welt veröffentlichte und ohne Hinderniß oder Beanstandung von irgend einer Macht unmittelbar in Vollzug gesetzte Commission begründet, wie die Bittsteller glauben, den einzigen und zureichenden Rechtstitel der brittischen Krone gegenüber allen fremden Mächten, die Eingebornen ausgenommen, auf das Landgebiet von Neu-Südwales und dessen Dependenzien, als Neu-Seeland, Norfolkinseln und Vandiemensland.

N. N.: Allgemeine Zeitung. Nr. 120. 29. April 1840. Augsburg 1840, S. 957. (deutschestextarchiv.de)

Das neuseeländische Territorium wird dem gehören, der es colonisirt; sein Flächenraum ist im Uebrigen groß genug, daß Ansiedelungen verschiedener Nationen darauf Platz haben können.

N. N.: Allgemeine Zeitung. Nr. 121. 30. April 1840. Augsburg 1840, S. 965. (deutschestextarchiv.de)

Obwohl der französische Nationalgeist mit der Zeit die Rheingränze oder Savoyen und vorherrschende Einflüsse in Italien noch einmal erträumen könnte, geht doch die jetzige Disposition des Volks und der Regierung durchaus nicht auf diese Punkte; immer bedeutender dagegen wird der Antheil an den Streitfragen des Ostens, die Colonisation Afrika’s, die Entwickelung der französischen Seemacht im Mittelmeer, die Verhältnisse Frankreichs zu Südamerika.

N. N.: Allgemeine Zeitung. Nr. 22. 22. Januar 1840. Augsburg 1840, S. 170. (deutschestextarchiv.de)

Neuengland ward kolonisirt von tüchtigen Presbyterianern; Virginien von Bischöflich-Gesinnten, die vor der Republik und vor den Puritanern flohen; Maryland gründeten Katholiken, welche die Jntoleranz der Protestanten vertrieben, und Carolina’s erste Ansiedler waren Hugonotten, und im Jahre 1683 folgten dem großen William Penn die ersten deutschen Auswanderer in zwanzig Schiffen nach dem von ihm genannten Lande Pennsylvanien.

N. N.: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Organ für Kunde aus deutschen Ansiedlungen, für Rath und That zu Gunsten der fortziehenden Brüder, sowie für Oeffentlichkeit in Auswanderungssachen überhaupt. Rudolstadt (Thüringen) 1847, S. 279. (deutschestextarchiv.de)

Wir haben unser Augenmerk auf innere deutsche Kolonisation mit besonderer Aufmerksamkeit gerichtet und werden von den Fortschritten derselben unsere Leser stets unterrichtet halten.

N. N.: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Organ für Kunde aus deutschen Ansiedlungen, für Rath und That zu Gunsten der fortziehenden Brüder, sowie für Oeffentlichkeit in Auswanderungssachen überhaupt. Rudolstadt (Thüringen) 1848, Sp. 3. (deutschestextarchiv.de)

Die Colonisation, wie sie von den hellenischen Staten geübt wurde, und die Küsten des Mittelmeeres in Kleinasien, Italien, Sicilien, auf den Inseln des Archipels mit neuen Städten und Staten bevölkerte, war in der That bewuszte neue Statenbildung. Die Pflanzstadt ging aus der Mutterstadt hervor, wie der Sohn, der aus der Familie des Vaters austritt, um ein eigenes Hauswesen zu gründen. Sie wurde sofort zum selbständigen neuen State, unabhängig von der Mutterstadt, aber mit ihr durch ihre Abstammung, Sitten, Recht, Religion verbunden.

Bluntschli, Johann Caspar: Allgemeine Statslehre. Fünfte umgearbeitete Auflage des ersten Bandes des Allgemeinen Statsrechts. Stuttgart 1875, S. 317. (deutschestextarchiv.de)

Wieder von anderer Art ist die moderne Colonisation. Sehen wir auf den Ursprung der modernen, besonders in Amerika von den europäischen Staten aus gestifteten Colonien, so handelt es sich dabei in der Regel nicht um Gründung neuer Staten, sondern mehr um Ausbreitung der Herrschaft und Cultur des europäischen Vaterlandes, oder um Erwerb einer neuen ökonomischen Existenz, zuweilen auch um Sicherung der Uebersiedler vor Verfolgung in ihrer Heimat.

Bluntschli, Johann Caspar: Allgemeine Statslehre. Fünfte umgearbeitete Auflage des ersten Bandes des Allgemeinen Statsrechts. Stuttgart 1875, S. 317–318. (deutschestextarchiv.de)

Trotzdem scheint es, als wenn die alte Lehre von den Elementarkörnchen ihre Berechtigung hat. Die Zellen sind nicht Elementarorganismen, sondern Colonien von solchen mit eigenartigen Gesetzen der Colonisation;[…]Anmerkung: Vergl. Die Genese der Zelle. Festschrift für Carl Ludwig, 1887, und das nachfolgende letzte Kapitel. die Zellen entstehen aber nicht durch das Zusammentreten der Kügelchen, sondern sie sind daraus in jenen geschichtlichen Perioden entstanden, die den mikroskopischen Elementen gerade so eigen sind, wie den groben Formen der Lebewesen auch; die Elemen¬ tarkörnchen der Zellen, welche noch heute ihre analogen Vertreter in den Mikroorganismen haben und welche seit jenen Perioden in den Zellen existiren, vermögen nicht mehr selbstständige Lebewesen zu werden.

Altmann, Richard: Die Elementarorganismen und ihre Beziehungen zu den Zellen. Leipzig 1890, S. 8–9. (deutschestextarchiv.de)

Es liegt um so weniger Veranlassung vor, in groſsem Umfange mit solchen Rodungen vorzugehen, als einerseits in Deutschland noch weite, waldleere Gebiete vorhanden sind, welche der Kolonisation harren (in der Provinz Hannover allein ca. 6 Quadratmeilen), und anderseits die der landwirtschaftlichen Kultur fähigen Flächen bei forstlicher Benutzung ebenfalls meist recht hohe Erträge liefern.

Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig 1894, S. 88. (deutschestextarchiv.de)

Der große Strom unſerer inneren Wanderungen geht vom Lande nach den Mittelpunkten der Induſtrie und des Handels; teilweiſe findet aber auch eine Bewegung nach bisher weniger beſiedelten ländlichen Gebieten des Inlandes ſtatt; man ſpricht da von innerer Koloniſation, wo noch Platz zu Neuanſiedlungen, zur Bildung kleinerer Güter, zu Anlagen auf bisher unwirtlichem, nun melioriertem Boden vorhanden iſt.

Schmoller, Gustav von: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Erster größerer Teil. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. Leipzig 1900, S. 179. (deutschestextarchiv.de)

§ 184. Die Kolonisation.

Kolonisation heißt die wirtschaftliche Besitznahme eines Landes durch ein Volk. Man unterscheidet innere und äußere Kolonisation. Die erste besteht darin, daß im eigenen Lande gelegene Ödländereien wirtschaftlich nutzbar gemacht werden durch Ausrodung von Urwäldern, Entwässerung von Sümpfen und Mooren, Bewässerung wasserarmer und infolgedessen unfruchtbarer Gebiete und ähnlichem. Bei der äußeren Kolonisation greift ein Volk über seine Grenzen hinaus und sucht fremde Gebiete in wirtschaftliche Abhängigkeit von sich zu bringen. Sie geht mit der politischen Eroberung meist Hand in Hand.

Langenbeck, Rudolf: Leitfaden der Geographie für höhere Lehranstalten. Bd. 2, Leipzig, 1907, S. 294. (deutschestextarchiv.de)

Hinsichlich der Kolonisation Brasiliens brach sich vor drei Jahren zunächst im Staate Sao Paulo die Überzeugung Bahn, daß die Heranziehung von Einwanderern in erster Reihe Aufgabe der Staatsverwaltung werden müsse.

Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 1. 3. 1908, S. 19. [DWDS]

Togliatti hat den Ton geändert, als er von Militärbasen in Somalia hörte, und es ist nicht ausgeschlossen, daß er in den allernächsten Tagen entdeckt, daß die KPI ja immer gegen den Kolonialismus war.

Die Zeit, 9. 2. 1950, Nr. 06. [DWDS] (zeit.de)

Beide Seiten gaben ihrer entschlossenen Unterstützung für die Völker Asiens und Afrikas bei ihren nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen und ihrem Kampf gegen Imperialismus und alle Formen des Kolonialismus Ausdruck. Sie verurteilten die rassistische Herrschaft, die von den weißen Kolonialisten in Südafrika und Rhodesien praktiziert wird.

N. N.: Besuch Yahya Khans in der VR China; umfangreiche chinesische Hilfezusagen. In: Archiv der Gegenwart, 2001 [1970], S. 15876. [DWDS]

Deshalb erklärt so mancher Burundi die Periode der deutschen Kolonisation, die bis 1916 andauerte, zur „goldenen Zeit“.

Die Zeit, 14. 12. 1984, Nr. 51. [DWDS] (zeit.de)

Der Domführer Herr Engelke erzählt, wie begierig die Nazis waren, Heinrich zur arischen Symbolfigur zu machen, weil er im Hochmittelalter die deutsche Kolonisation unerschlossener Gebiete östlich der Elbe vorantrieb, und weil er ein Machtpolitiker war, der immer mehr Rechte und Ländereien anderer Adelsgeschlechter an sich reißen wollte.

Die Zeit, 28. 11. 2017 (online). [DWDS] (zeit.de)