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Putsch putschen · Putscher · Putschist

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

In der Bedeutung Aufstand, um eine Regierung zu stürzen und die politische Macht zu übernehmen begegnet Putsch erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Schweiz wird das Wort, das zunächst die Bedeutung Stoß, Knall hat, 1839 auf den sogenannten Züriputsch übertragen; von dort verbreitet es sich, mutmaßlich befördert durch die politischen Ereignisse der Jahre 1848/49, über den gesamtdeutschen Sprachraum. Im 20. Jahrhundert findet eine Bedeutungsverengung statt: Putsch bedeutet nun auch im engeren Sinn militärischer Umsturz. Zu den Ableitungen von Putsch gehören Mitte des 19. Jahrhunderts putschen sowie das sehr selten bezeugte Substantiv Putscher. Erst seit Ende des Ersten Weltkriegs ist Putschist bezeugt.

Wortgeschichte

Herkunft aus dem Schweizerdeutschen

Putsch, das gegenwärtig zentral die Bedeutung (militärischer) Umsturz trägt, ist ursprünglich ein Wort des Schweizerdeutschen: Hier ist es mindestens seit dem 15. Jahrhundert in der Bedeutung Knall, heftiger Stoß, Puff, Anprall bezeugt. Ebenfalls nur in der Schweiz kann es seit dem 16. Jahrhundert auch übertragen plötzlicher Vorstoß, Anlauf gegen ein Hindernis, zu einem Unternehmen bedeuten (vgl. Pfeifer unter PutschDWDS sowie Idiotikon IV, 1936–1937). Erstmals in der Bedeutung politischer Aufstand ist das Wort Mitte des 19. Jahrhunderts bezeugt (1840, 1847); es handelt sich hier wohl um einen metaphorischen Wandel. Auch diese Bedeutung begegnet zunächst in der bzw. in Bezug auf die Schweiz, wo es auf den Sturz der Regierung des Kantons Zürich 1839 übertragen wird – das zeigt sich besonders auch in der Wortbildung Züriputsch (1840, 1841, 1857, 1889).

Verbreitung im gesamtdeutschen Sprachraum

Im gesamtdeutschen Sprachraum verbreitet sich das Wort etwa zehn Jahre später, möglicherweise befördert durch die politischen Ereignisse 1848/1849 (1848b, 1848e, 1848f) – interessanterweise aber zeitgleich auch mit deutlichen Bezügen auf das Ausland (1848c, 1848d, 1848a). Gerade in den frühen Jahren begegnen zugleich durchaus noch Belege, in denen Putsch noch nicht endgültig auf die Bedeutung politische Aufruhr, die zum Sturz der Regierung führen soll allein festgelegt ist, sondern auch noch in einer recht unspezifischen und weiten Bedeutung von politische Umwälzung verwendet wird (1849b, 1855b). In der Nachfolge begegnet das Wort zunehmend in Bezug auf solche politischen Aufstände, die sich gegen eine herrschende Regierung richten, häufig bewaffnet sind und auf deren Sturz abzielen (1933, 1970).

Bedeutungsverengung und Wortbildungen im 20. Jahrhundert

Spätestens ab den 1920er Jahren ist das Kompositum Militärputsch bezeugt (1920b, 1947, 2017c). Zudem bezeichnet Putsch im 20. Jahrhundert vermehrt bewaffnete Machtübernahmen durch das Militär (1914, 1974, 1984b, 1991, 2012). In diesem Zusammenhang bildet Putsch im 20. Jahrhundert die gegenüber älteren Bezeugungen enger gefasste Bedeutung militärischer Umsturzversuch aus; es liegt hier insofern ein Fall von semantischem Wandel durch Bedeutungsverengung vor.

Für einzelne Putsche bilden sich im 20. Jahrhundert feststehende Namen mit Putsch als Endglied aus, so insbesondere Kapp-Putsch (1920a, 1932a, 1968), Hitler-Putsch bzw. Hitlerputsch (1924, 1932b, seltener auch Hitler-Ludendorff-Putsch (1995b). Gelegentlich ist schließlich die Substantivbildung Putschismus belegt, die erstmals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeugt ist (1875, 1897, 1918, 1954). Weitere verbreitete Komposita sind etwa Putschversuch (1849a, 1905, 2017b) und Gegenputsch (1848g, 1966a, 1984a).

Putschen: Verbableitung

Vom Substantiv Putsch in der Bedeutung politischer Aufstand, Umstoß wird Mitte des 19. Jahrhundert das Verb putschen in entsprechender Bedeutung abgeleitet (1855a, 1919a, 1931, 1946, 1995a). Daneben stehen ältere Verwendungen des Verbs putschen, butschen in der Bedeutung stoßen (vgl. 1DWB II, 579, 1707). In der politischen Bedeutung wird das Verb häufig in der Wendung gegen jmd./etw. putschen gebraucht (1931, 1953, 1966b, 2010a).

Auffallend ist, dass sich ab den 2000er Jahren Belege mehren, in denen putschen in einem weiteren Sinn ohne Bedeutungsaspekte des revolutionären, des bewaffneten Aufstandes und der Ausrichtung gegen den Staat verwendet wird. Putschen bedeutet hier nurmehr, den Führungsanspruch von jemandem zu übernehmen (2000c, 2000a, 2017a). Besonders häufig, aber nicht ausschließlich begegnet diese Verwendung in Bezug auf die Politik (1995c, 2002, 2010b). Seltener begegnen im Übrigen auch Verwendungen des Substantivs Putsch, in denen sich Aufstand und Übernahme der Führung gegen eine Leitungsperson innerhalb einer kleineren gesellschaftlichen Gruppe richtet (1964); auch hier ist von einem metaphorischen Wandel auszugehen.

Putscher und Putschist: Substantivbildungen

Im 19. Jahrhundert ist die Substantivbildung Putscher in der Bedeutung Aufwiegler, Aufständischer belegt (1853, 1859, 1891; vgl. auch Pfeifer unter PutschistDWDS). Das Wort ist insgesamt allerdings kaum bezeugt und heute nicht mehr üblich. Im 20. Jahrhundert entsteht dann das neue Substantiv Putschist als Bezeichnung für jemanden, der putscht (2000b, 2010c). Es ist erstmals nach Ende des Ersten Weltkriegs und damit in etwa zeitgleich zur Bildung des Kompositums Militärputsch bezeugt (1919b, 1922, 1925), was die Vermutung nahelegt, dass die Wortbildung auch vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse zu Beginn der Weimarer Republik zu verorten ist. Da das ältere Putscher in entsprechender Bedeutung auch in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nicht häufiger als zuvor und insgesamt ohnehin nur vereinzelt bezeugt ist, kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Neubildung von Putschist unabhängig von dem früheren Putscher zu verstehen ist. Selten begegnet Putschist auch in übertragener Verwendung (1972). Die weibliche Form Putschistin kann zwar gebildet werden (2016), ist aber bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum belegt.

Literatur

1DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 1–16. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. (woerterbuchnetz.de)

Idiotikon Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Bd. 1 ff. Basel/Frauenfeld 1881 ff. (idiotikon.ch)

Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)

Belegauswahl

Die Voͤgel flogen auf/ als ob ſie in ihre Ruh wolten/ und begaben ſich wirklich in ihre Neſter/ oder/ wo ſie den Weg verfehlet/ pütſchten hin und wider an den Haͤuſeren an.

Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweizerlands. Ander Theil. Zürich 1707, S. 100. (deutschestextarchiv.de)

Gleich nach dem Züriputsch vom 6. September, erlies das Comité der Vaterlandfreunde, an dessen Spitze Martin stand, gedruckte Zirkulare an die Gemeinden und Reformvorschläge an den Landrath mit der beigefügten Drohung: „wenn nicht entsprochen werde, soll ein Putsch, wie in Zürich, erfolgen.“

Der Schweizer-Bote, Nr. 51, 28. 4. 1840, S. 206. (digitale-sammlungen.de)

Das interessanteste und reichste Bild, welches in die Leidenschaften der Zeit mächtig eingreift und in vielen Exemplaren auch bei uns verbreitet zu werden verdiente, ist aber „der Züriputsch vom 6. September 1839.“

Ruge, Arnold: Der Maler Martin Disteli in Olern in der Schweiz. (Schluß). In: Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst. Erster Jahrgang, Nr. 50, 28. August 1841, S. 199–200, hier S. 199. (books.google.de)

Einzelne Aufwiegelungsversuche (Putsche) reaktionärer Dunkelmänner in den katholischen Ländern des Aargaus, St. Gallens und Graubündtens schlugen fehl, und somit steht nun das eidgenössische Heer, als imposante Macht, einig und begeistert, wie durch Zauber aus dem Boden gerufen, der Armee und dem fanatisirten Landsturm des Sonderbundes schlagfertig gegenüber.

Die Grenzboten 6/4/2 (1847), S. 261. [DTA]

Nach Berichten aus Florenz hat auch dort am 4. d. M ein republikanischer Putsch stattgefunden, der zwar durch das Einschreiten des Militärs unterdrückt wurde, aber doch ein sprechendes Zeugniß von dem Geiste ablegt, der die Bevölkerung des Großherzogthums mehr und mehr mit sich fortreißt.

Mainzer Journal, 18. 10. 1848, Nr. 115, S. [4] . (deutschestextarchiv.de)

Und sagte: es freue mich ungemein,
Daß die Rheinische Zeitung erdrückt sei;
Und daß der Putsch von Frankfurt und Köln
So wunderherrlich misglückt sei.

Neue Rheinische Zeitung, 14. Oktober 1848, Nr. 116, S. 577. (deutschestextarchiv.de)

— Morgen ist der 15. Decbr., mithin der Jahrestag der Rückkehr der Asche des Kaisers aus St. Helena. Die Bonapartisten beabsichtigten eine große Feier zu veranstalten. Da sie aber erfuhren, daß man diesen Anlaß zu einem Putsch benutzen wollte, so ist die Feier abbestellt worden.

Neue Rheinische Zeitung, 17. Dezember 1848, Nr. 171, S. 922. (deutschestextarchiv.de)

National-Versammlung. Sitzung vom 20 Dezember. Anfang 3 Uhr. Präsident Marrast. Große militärische Vorsichtsmaßregeln decken die Zugänge. Einige Bataillone der Mobilgarde und Linie halten sich im Tuileriengarten schlagfertig und vor der Brücke stellt sich das Dragonerregiment vom Quai d’Orsay auf. Das Sitzungsgebäude selbst ist mit anderen Truppen und Artillerie angefüllt. Der Grund zu diesen Vorsichtsmaßregeln soll in Polizeiberichten liegen, welche eine kaiserlich-socialistische Bewegung gegen den Saal verrathen. Das ist offenbar eine Lüge, denn bezüglich der Socialisten und Kommunisten, so sehnen sich ihre Führer durchaus nach keinem Putsche, sondern nach einjähriger (!) Ruhe, um das Volk zu organisiren.

Neue Rheinische Zeitung, 23. Dezember 1848, Nr. 176, S. 950. (deutschestextarchiv.de)

Hält man mit diesen Thatsachen die neuliche Aeußerung der Oberpostamts-Zeitung zusammen, die National-Versammlung bedürfe wieder einer Ermahnung, wie der vom 18. Septbr., so sieht man klar, wo man hinaussteuert. Das Bedürfniß nach einem Putsche oder einem isolirten Aufstande manifestirt sich überall. Man braucht nur die verschiedenen „Galgenzeitungen“ (von der „Augsburgerin“ bis zu dem Strolche an der Wupper hinab) nachzulesen.

Neue Rheinische Zeitung, 9. März 1849, Nr. 241, S. 1333. (deutschestextarchiv.de)

Unna, 27. März.

Der beabsichtigte Putsch von gestern ist nicht geglückt. Der demokratische Verein hat nicht nur mit erfolgreicher Belehrung und Ermahnung an das aufgeregte Volk, die Ruhe vollkommen wieder hergestellt und erhalten, sondern an Beifall und Ansehen und großem Zuwuchs gewonnen.

Neue Rheinische Zeitung, 30. März 1849, Nr. 259, S. 1456. (deutschestextarchiv.de)

Wie fruchtlos und eitel inzwischen die von Jahr zu Jahr wiederholten Umbildungsversuche der Bundesverfassung auf dem Wege von zwanzig- und zwei-örtigen Großrathsinstruktionen durch die Tagsatzung war und sein mußte, ist bekannt, und nicht minder, wie der eidgenössische Wirrwarr durch Putsch und Gegenputsch, in Kirche und Staat, im Bund und in den Kantonen in geometrischer Progression von Jahr zu Jahr sich mehrend ins Ungeheure wuchs, so daß dem patriotischen Herzen nur noch das alte Wort als Trost blieb: Dei providentia et confusione hominum regitur Helvetia.

Troxler, Ignaz Paul Vital: Die Verfassung der Vereinigten Staaten Nordamerikas als Musterbild der Schweizerischen Bundesreform. Schaffhausen 1848, S. 5. (books.google.de)

In der Stadt siegten die Konservativen, resp. die Royalisten. Mit Sang und Klang, geschaart um ihre Fahnen, durchzogen sie gestern die Stadt, und unter dem wiederholten Rufe: „Es lebe der König von Preußen! Nieder mit der Schweiz!“ gelangten sie vor das Schloß, welches Regierungslokal ist. Was sie da wollten, bewies der Inhalt ihres Gebrülls, der in Verbindung gesetzt werden muß mit bereits längst umlaufenden Gerüchten von Putschversuchen, von denen die Regierung Kenntniß hatte.

Neue Rheinische Zeitung, 28. 1. 1849, Nr. 207, Zweite Ausgabe, S. 1136. (deutschestextarchiv.de)

Die Theilnahme für die Bergpartei nimmt erstaunungswürdig überhand. Kein Mittel wäre geeigneter gewesen, ihr so viele Anhänger zu verschaffen, als der von der Regierung versuchte und mißglückte Putsch.

Neue Rheinische Zeitung, 15. 2. 1849, Nr. 222, S. 1220. (deutschestextarchiv.de)

Denn Aufruhr bleibt Aufruhr und muß selbst die entschiedensten Freunde ihrer Sache stutzig machen. Die heißblutigen Putscher hatten auch nicht die entferntesten Chancen eines nachhaltigen Gelingens.

Regensburger Tagblatt, 10. 5. 1853, Nr. 128, S. 547. (digitale-sammlungen.de)

Da nun die Zuͤricher die Erſten waren, die geputſcht, ſo blieb der Name fuͤr alle jene Bewegungen und buͤrgerte ſich ſogar in die weitere Sprache ein, wie Sonderbuͤndelei, Freiſchaͤrler und andere Ausdruͤcke, die alle aus dem politiſchen Laboratorium der Schweiz herruͤhren.

Keller, Gottfried: Der grüne Heinrich. Roman. In vier Bänden. Bd. 4. Braunschweig 1855, S. 457. (deutschestextarchiv.de)

Es begann jene Reihe von blutigen oder trockenen Umwaͤlzungen, Wahlbewegungen und Verfaſſungsreviſionen, die man Putſche nannte und alles Schachzuͤge waren auf dem wunderlichen Schachbrett der Schweiz, wo jedes Feld eine kleinere oder groͤßere Volkesund Staatsſouveraͤnetaͤt war, die eine mit repraͤſentativer Einrichtung, die andere demokratiſch, dieſe mit, jene ohne Veto, dieſe von ſtaͤdtiſchem Charakter, jene von laͤndlichem, und wieder eine andere wie eine Theokratie ausſehend, und die Schweizer bezeigten bald eine große Uebung in dieſem Schachſpielen und Putſchen.

Keller, Gottfried: Der grüne Heinrich. Roman. In vier Bänden. Bd. 4. Braunschweig 1855, S. 457. (deutschestextarchiv.de)

Großen Lärm machte 1839 seine Berufung als Professor der Dogmatik und Kirchengeschichte an die Universität Zürich; er selber half diesen Mißgriff der Züricher Regierung verbessern, indem er gegen eine Pension von 1000 Schweizerfranken auf die Professur Verzicht leistete (die Pension ließ er jährlich den Armen seiner Vaterstadt austheilen), aber die Regierung wurde durch den „Züriputsch“ vom 6. Sept. 1839 doch gestürzt.

N. N.: Herders Conversations-Lexikon. Bd. 5. Freiburg im Breisgau 1857, S. 354. (deutschestextarchiv.de)

Unter seinen Mitgefangenen war er als „Putscher, Aufwiegler“ bekannt […].

Bayerisches Volksblatt, 20. 12. 1859, Nr. 329, o. S. (digitale-sammlungen.de)

Wer den Parlamentarismus anerkannt hatte, durfte nicht, wenn der Parlamentarismus that, wie es seine Natur und Art war, vom Parlamentarismus an den Putschismus appelliren.

Scherr, Johannes: 1848. Ein weltgeschichtliches Drama. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Bd. 2. Leipzig 1875, S. 45. (books.google.de)

Den ſparſamen Seebauern dagegen erſchienen dieſe einem Ausländer gewährten tauſend Franken als eine frevelhafte Verſchwendung, da ihr Canton niemals Penſionen zahlte; ſie lärmten wider „die Straußen“ und ruhten nicht, bis ſie durch offenen Aufruhr, durch den „Züriputſch“ die radicale Regierung geſtürzt hatten.

Treitschke, Heinrich von: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. Vierter Theil: Bis zum Tode König Friedrich Wilhelms III. Leipzig 1889, S. 491. (deutschestextarchiv.de)

Beiläufig gesagt, weiss man, dass im Kanton Tessin ausser den durch die Putscher vorgenommenen Verhaftungen, auch nicht eine einzige Verhaftung stattgefunden hat.

Amtliches stenographisches Bülletin der schweizerischen Bundesversammlung, 19. 6. 1891, Nr. 14, S. 262. (books.google.de)

Als Typus der französischen Bewegung will ich denjenigen bezeichnen, bei dem das hervortritt, was ich den Revolutionismus oder Putschismus nenne, d. h. eine Art von Verschwörertum, gepaart mit Straßenkampf und endlich als deutschen Typus die gesetzlich-parlamentarisch-politische Arbeiterbewegung.

Sombart, Werner: Sozialismus und soziale Bewegung im neunzehnten Jahrhundert. Jena 1897, S. 24. (books.google.de)

Und hinter dieser staunenswerten Tätigkeit barg sich die Erwartung des so heiß ersehnten Zwischenfalles: ein Missionarsmord, ein Staatsstreich der Kaiserin, ein Putschversuch der Reformpartei, ein Volksaufstand, eine noch so kleine fremdenfeindliche Kundgebung – alles wäre ihnen willkommen gewesen!

Heyking, Elisabeth von: Der Tag Anderer. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin 2001 [1905], S. 33027. [DWDS]

Er blieb Großwesir bis zum Juli 1912, wo ihn der Putsch der Militärliga stürzte.

Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 3. 3. 1914, S. 1. [DWDS]

Bei uns ist mit voller Sicherheit zu gewärtigen, daß die Interessenten der alten Ordnung und der kontrollfreien Beamtenherrschaft jeden Ausbruch syndikalistischen Putschismus, sei er auch noch so unbedeutend, zu einem Druck auf die leider noch immer recht schwachen Nerven des Spießbürgertums ausbeuten werden.

Weber, Max: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. In: Weber, Marianne (Hrsg.): Gesammelte Politische Schriften. München 1921 [1918], S. 223. [DWDS]

Als ich zum Abendessen kam, hörte ich, am Nachmittag sei hier geputscht u. geschossen worden.

Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1919. In: Ders.: Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum. Berlin 2000 [1919], S. 73. [DWDS]

Bei diesen Putschen, die ich mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln unterdrücken werde, kann Menschen- und besonders Arbeiterblut fließen, und zwar Blut der Unschuldigen, die von den Putschisten auf die Straße gebracht worden sind, um dann selbst zu verschwinden.

Die Grenzboten 78/2 (1919), S. 238. (deutschestextarchiv.de)

Als der Kapp-Putsch wie ein Hagelwetter über uns hereinbrach, wurde gesagt, gerade jetzt hätte der Genesungsprozeß begonnen; es wäre z. B. Aussicht gewesen, daß die Beamten der Reichspostverwaltung zur Neunstundenarbeit sich entschlossen hätten.

Allgemeine Zeitung, 2. 5. 1920, Nr. 17, S. 162. (deutschestextarchiv.de)

Über die Bedrohung Berlins durch einen Militärputsch schreibt das BT: Etwa 8000 Mann gegenrevolutionäre Truppen, die sich um die beiden Brigaden Löwenfeld und Erhard gruppieren, sind in der Nähe von Döberitz konzentriert und sollen die Absicht haben, in der Nacht gegen Berlin vorzumarschieren und die Regierung in ihre Hand zu bringen.

Volksstimme, 13. 3. 1920, S. 1. [DWDS]

Er war es sicher insofern, als formell sein Name als Reichskanzler unter den Kundgebungen der Putschisten stand.

Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 6. 3. 1922, S. 2. [DWDS]

Der Vorsitzende Neidhart gibt ihm bekannt, daß er wegen seiner Teilnahme an den äußeren Ereignissen des Hitler-Putsches zunächst unvereidigt vernommen wird.

Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 11. 3. 1924, S. 1. [DWDS]

Nein, die Putschisten haben einzeln und waffenlos die beiden Gebäude zu verlassen, widrigenfalls diese morgen vom „Hohen Kavalier“ aus in Grund und Boden geschossen werden.

Kisch, Egon Erwin: Der rasende Reporter. Berlin 2001 [1925], S. 236. [DWDS]

Schon als Gymnasiast stand er bei den Hakenkreuzlern, ließ sich für die Schwarze Reichswehr anwerben, huldigte der Parole „Marsch auf Berlin!“, putschte mit gegen die Republik, ging zur Reichswehr, flog wegen nationalsozialistischer Propaganda, landete bei den Kommunisten und wirkt jetzt dort für die „Volksrevolution in Deutschland, die Zerreißung der Tributverträge und den revolutionären Krieg gegen die wahrscheinliche Intervention der kapitalistischen Westmächte“.

Dresdner Volkszeitung, 1. 7. 1931, S. 1. [DWDS]

Der Redner erinnerte an den Kapp-Putsch: Mit Kanonen könne man keine Eisenbahn bewegen, mit Maschinengewehren keine Elektrizität und mit Handgranaten kein Gas erzeugen.

Völkischer Beobachter (Reichsausgabe), 2. 3. 1932, S. 7. [DWDS]

Unter der Ueberschrift „Stresemann erinnert sich falsch“ wendet sich der „Berliner Lokal-Anzeiger“ gegen einen aus dem Zusammenhang gerissenen Satz in Stresemanns Darstellung des Hitlerputsches vom 8. November 1923.

Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 3. 3. 1932, S. 3. [DWDS]

Wenn sie losschlagen, wollen sie sagen, sie müßten die Nationalversammlung vor den Bolschewisten schützen, in Wirklichkeit gelte ihr Putsch dem Sturz der Republik.

Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland. Reinbek bei Hamburg 1985 [1933], S. 83. [DWDS]

Und dieses Wesen werde bald mit den General Ludendorff zusammen putschen und versuchen, zunächst in Bayern die Macht an sich zu reißen.

Die Zeit, 16. 5. 1946, Nr. 13. [DWDS] (zeit.de)

urch einen Militärputsch bemächtigte sich Marschall Phibun Songkram der Regierungsgewalt in Sam.

Die Zeit, 13. 11. 1947, Nr. 46. [DWDS] (zeit.de)

Am Abend, bevor die Grafen Essex und Southampton gegen Elizabeth I. putschten, ließen sie sich von der Theatertruppe, der Shakespeare angehörte, dessen „Richard II.“, die Historie vom abgesetzten König, vorspielen.

Die Zeit, 5. 11. 1953, Nr. 45. [DWDS] (zeit.de)

Und wieder nicht, als ob die Aktivität, die zur Weltveränderung, also zum militanten Optimismus gehört, auch nur einen Augenblick ohne Bündnis mit den real-gegenwärtigen Tendenzen wirklich eingreifend, haltbar umwälzend sein könnte; denn bleibt der subjektive Faktor isoliert, so wird er lediglich ein Faktor des Putschismus, nicht der Revolution, der Spiegelbergereien, nicht des Werks.

Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung. Bd. 1. Berlin 1954, S. 217. [DWDS]

In Wirklichkeit ist der Kanzler durch einen Putsch der Parteiführung gestürzt worden, der zugleich die ÖVP-Fraktion der Koalitionsregierung entmachtete.

Die Zeit, 28. 2. 1964, Nr. 09. [DWDS] (zeit.de)

Moskau will nun sicher gehen, daß die Militärjunta in Damaskus nicht über Nacht durch einen Gegenputsch Nasser-freundlicher Offiziere hinweggefegt wird.

Die Zeit, 17. 6. 1966, Nr. 25. [DWDS] (zeit.de)

Am vorigen Donnerstag putschten Teile der Armee und der Luftwaffe gegen das Regime in Bagdad.

Die Zeit, 8. 7. 1966, Nr. 28. [DWDS] (zeit.de)

In den Tagen des Kapp-Putsches reiste er als Kurier in wichtigem Auftrag nach Kassel, verteilte dort unter den Arbeitern des Henschel-Werkes Aufrufe zum Generalstreik und wurde kurze Zeit inhaftiert.

Die Zeit, 8. 11. 1968, Nr. 45. [DWDS] (zeit.de)

37 von ihnen sollen an einem Putsch gegen die irakische Regierung beteiligt gewesen sein, sieben Personen wurden als angebliche amerikanische Spione exekutiert.

Die Zeit, 30. 1. 1970, Nr. 05. [DWDS] (zeit.de)

Es sind dies keine protestantischen Putschisten, keine Jesus-Revoluzzer.

Die Zeit, 3. 3. 1972, Nr. 09. [DWDS] (zeit.de)

Offiziere haben stets die Neigung, nach erfolgreichem Putsch die ungelösten Probleme militärisch zu lösen, per Befehl.

Die Zeit, 4. 10. 1974, Nr. 41. [DWDS] (zeit.de)

Wahl und Staatsstreich von 1972 brauchten die nordamerikanische Hegemonialmacht nicht zu interessieren – sie waren nur eine Episode im Zyklus von Reformversuch, Putsch und Gegenputsch in Lateinamerika.

Die Zeit, 11. 5. 1984, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Die Putsche in Uruguay und wenige Monate später in Chile leiteten das militärische Jahrzehnt Lateinamerikas ein.

Die Zeit, 30. 11. 1984, Nr. 49. [DWDS] (zeit.de)

Untersucht man die soziale Herkunft der Freien Offiziere, die sich seit einigen Jahren mit Plänen für eine „Reform durch Putsch“ beschäftigt hatten, so fällt bei aller (großen) Vielfalt auf, daß sie sozusagen den militärischen Flügel der neuen Mittelschicht darstellten.

Die Zeit, 8. 2. 1991, Nr. 07. [DWDS] (zeit.de)

1979 wurde er zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt, und im Juli 1980 putschte er seine eigene Kusine Lidia Gueiler aus dem Präsidentenamt.

Berliner Zeitung, 10. 3. 1995. [DWDS]

Im Herbst 1923 soll Steinfurth im Auftrag der KPD an der Spitze der Abwehrreaktionen der Eisenbahner gegen den Hitler-Ludendorff-Putsch in München gestanden haben.

Berliner Zeitung, 18. 5. 1995. [DWDS]

Gegen den Parteichef Gerhardt putschen wollen.

Berliner Zeitung, 15. 12. 1995. [DWDS]

Schon im September wollte der Realo-Chef Joschka Fischer Röstel und Radcke aus dem Amt putschen.

Berliner Zeitung, 6. 1. 2000. [DWDS]

Unter den von den bewaffneten Putschisten Festgehaltenen sind auch einige Kabinettsmitglieder.

Der Tagesspiegel, 29. 5. 2000. [DWDS]

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bestätigte am Montag Meldungen, wonach Kollegen ihn im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf Mallorca dazu aufgefordert haben, gegen Teamchef Erich Ribbeck zu putschen.

Berliner Zeitung, 27. 6. 2000. [DWDS]

Denn Dietmar Bartsch hat sich entschlossen, auf den Parteitag an diesem Wochenende in Gera gegen seine bisherige Chefin zu putschen.

Berliner Zeitung, 10. 10. 2002. [DWDS]

In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar 1964 putschten Militärs gegen das Regime.

Die Zeit, 28. 1. 2010, Nr. 05. [DWDS] (zeit.de)

Man warf ihm vor, beim Mannheimer Parteitag 1995 gegen den SPD-Vorsitzenden Rudolf Scharping geputscht zu haben, was er bestritt.

Die Zeit, 28. 1. 2010, Nr. 05. [DWDS] (zeit.de)

Die zuweilen etwas tollpatschigen Fernsehauftritte erinnern dabei viele Thais nicht ohne Grund an die TV-Ansprachen der Putschisten nach dem Staatsstreich 2006, dem Auslöser der gegenwärtigen Krise.

Die Zeit, 17. 5. 2010, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Die Militärjunta in Mali will zwei Wochen nach ihrem Putsch die Macht wieder an eine zivile Regierung übergeben.

Die Zeit, 7. 4. 2012 (online). [DWDS] (zeit.de)

„Sie ist die Putschistin. Sie ist es, die die Verfassung gebrochen hat “, sagte Temer nach seiner Vereidigung.

Die Zeit, 1. 9. 2016 (online). [DWDS] (zeit.de)

Etwa 1986: Franz Vranitzky war erst zwei Monate im Amt, als sich Jörg Haider beim Koalitionspartner FPÖ an die Spitze putschte.

Die Zeit, 10. 9. 2017, Nr. 37. [DWDS] (zeit.de)

Der darauf folgende Machtkampf gipfelte im Juli 2016 im Putschversuch des Militärs, für den Erdoğan Gülen verantwortlich macht.

Die Zeit, 13. 9. 2017 (online). [DWDS] (zeit.de)

Die Türkei hatte sich zuletzt immer wieder beschwert, dass Beteiligte des gescheiterten Militärputschs in der Türkei von Juli 2016 angeblich in Griechenland Zuflucht fänden.

Die Zeit, 8. 12. 2017 (online). [DWDS] (zeit.de)