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Wortgeschichte zu

Verelendung

Themenfeld Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Erste Bezeugungen von Verelendung mit der recht allgemeinen Bedeutung fortschreitende Verschlechterung der Lebensverhältnisse reichen bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. 1867 führt Karl Marx das Wort für die fortschreitende Verschlimmerung der Lebenssituation der Arbeiterklasse ein und beeinflusst damit die weitere Verwendungsgeschichte. Zu Zeiten des Nationalsozialismus wird Verelendung zunehmend in Bezug auf das deutsche Volk und die Jahre der Weimarer Republik verwendet und zugleich politisch eingehegt. Nach 1945 wird das Wort mit der allgemeinen Bedeutung fortschreitende Verschlechterung der Lebensverhältnisse auf soziale Gruppen ganz unterschiedlicher Art, auf Regionen auch außerhalb Europas bzw. der Industrienationen sowie auf das Einzelindividuum bezogen.

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Wortgeschichte

Erstbezeugungen und Marx’ These von der Verelendung des Proletariats

Verelendung leitet sich von elend ab, das auf das althochdeutsche elilenti zurückgeht und zunächst in fremdem Land befindlich, der Heimat beraubt und dann schlecht, schlimm, kümmerlich bedeutet sowie ein Fehlen, einen Mangel bezeichnen kann (vgl. 2DWB 7, 1223–1225, sowie 10Paul, 267–268). Bereits seit dem Mittelhochdeutschen ist zudem das Verb verelenden, zunächst mit der Bedeutung verbannen, erst später und wohl in Zusammenhang mit dem Substantiv Verelendung auch mit der Bedeutung arm werden, bezeugt (vgl. 10Paul, 267–268).

Verelendung selbst wird von den Wörterbüchern gemeinhin in Zusammenhang mit Karl Marx, der das Wort 1867 für die fortschreitende Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse geprägt hat, gebucht.1) Die Verwendung des Substantivs und Adjektivs Elend bzw. elend ist bei Marx und Engels im Übrigen nicht immer eindeutig. In der Hauptsache verwenden sie es, um die Lage der Arbeiterkasse oder der von ihrem Land vertriebenen Bauern zu charakterisieren, wobei das Wort zwei Bedeutungen, eine rein ökonomische und eine allgemeinere, eine gesellschaftliche Position charakterisierende, habe (vgl. HKWM 3, 259; Verelendung steht im Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus noch zur Bearbeitung aus).

Tatsächlich ist das Wort nicht nur bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der allgemeineren Bedeutung fortschreitende Verschlechterung der Lebensverhältnisse bezeugt (1836), es wird auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiterhin in dieser allgemeinen Bedeutung verwendet (1878). Gleichwohl hat Marx’ These von der Verelendung des Proletariats die weitere Verwendungsgeschichte maßgeblich beeinflusst: Die fortschreitende Verschlechterung der Lebensverhältnisse wird von und mit ihm an eine bestimmte soziale Schicht gebunden (1894, 1988).

In der Nachfolge wird es mit dieser Bedeutung innerhalb des Theoriegebäudes des Marxismus ebenso wie in Bezug auf dasselbe verwendet (1911, 1960), zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in sozialdemokratischen Kontexten (1906). Verelendung tritt in diesem Bedeutungsstrang besonders häufig zusammen mit Wörtern wie Arbeiterklasse, Proletariat, aber auch MassenWGd auf (1905, 1907, 1911). Als feste Wortverbindungen bilden sich in marxistischen Zusammenhängen zudem absolute und relative Verelendung aus (1911, 1970; vgl. auch den Eintrag Verelendung in Kernig 1973, 324). Vor dem Hintergrund, dass sich Marx’ These von der Verelendung des Proletariats in den Industrienationen nicht bewahrheitet hat, verliert das Wort im Laufe des 20. Jahrhunderts innerhalb des Marxismus im Allgemeinen und für die sozialistischen Staaten im Besonderen an Bedeutung – das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache bucht Verelendung mit dieser Bedeutung 1977 als ungebräuchlich (vgl. WDG6, 4116DWDS).

Übertragung auf Volk und Nation. Verelendung im NS-Sprachgebrauch

Zu Zeiten des Nationalsozialismus begegnet Verelendung unter Rekurs auf eine neue Bezugsgröße und wird politisch eingehegt. So fällt zunächst auf, dass es spätestens ab 1933 zunehmend in Bezug auf das deutsche Volk, die deutsche Nation und die Jahre der Weimarer Republik verwendet wird (1933c, 1935, 1939). Es ist schwer zu sagen, in welche der Bedeutungslinien diese Übertragung einzuordnen ist: Einerseits ist Verelendung das gesamte 19. Jahrhundert hindurch auch mit Verwendungen in einem weiteren, nichtmarxistischen Sinn bezeugt. Andererseits zeigen Bezeugungen der 20er Jahre Übertragungen auf andere soziale Schichten wie etwa das Handwerk, die sicherlich vor dem Hintergrund der engen Bindung des Wortes an die Arbeiterschicht zu verorten sind (1927). Deutlich erkennbar ist jedoch eine politische Vereinnahmung des Wortes. Verelendung wird nunmehr in Bezug auf die wirtschaftliche Lage und deren Folgen für die Bevölkerung zu Zeiten der Weimarer Republik verwendet und tritt zusammen mit Wörtern wie Novemberparteien und Novemberverrat auf (1933b, 1933a). Novemberverbrecher bezeichnet im NS-Sprachgebrauch die Repräsentanten der Weimarer Republik, die für die Annahme des Versailler Vertrags verantwortlich gemacht werden (vgl. hierzu Schmitz-Berning 2000, 433). Verelendung wird im NS-Sprachgebrauch mithin auf jenes diskursiv produzierte Volk bezogen, für dessen Verschlechterung der Lebensverhältnisse die Politik der Weimarer Republik verantwortlich gemacht wird.

Regionen – soziale Schichten – Individuen. Verwendungen nach 1945

Trotz der Vereinnahmung des Wortes durch die Nationalsozialisten kommt es nach 1945 nicht zu einem Bruch in der Verwendungsfrequenz, ist das Wort nicht diskreditiert. Im Gegenteil sind nicht nur Verwendungen im Kontext der Marx’schen Verelendungstheorie weiter bezeugt, daneben tritt auch eine ganze Reihe an Verwendungen im weiteren Sinn. Verelendung kann mit der allgemeinen Bedeutung fortschreitende Verschlechterung der Lebensverhältnisse nunmehr auf soziale Gruppen ganz unterschiedlicher Art bezogen werden (1950, 2009), auf Regionen auch außerhalb Europas bzw. der Industrienationen (1966), hier insbesondere auf die sogenannte Dritte Welt (1967) und auf Entwicklungsländer (1974).

Eine neue Entwicklung zeichnet sich ab den 1970er Jahren ab, die insbesondere, aber nicht nur in Verwendungen in Zusammenhang mit der Drogenszene (1990a, 1990b) ablesbar ist: War Verelendung bisher vorwiegend in Bezug auf wie auch immer geartete soziale Gebilde verwendet worden, wird es nunmehr auch in Bezug auf das Einzelindividuum verwendet (1969, 1979, 1983).

Anna S. Brasch

Anmerkungen

1)Vgl. 10Paul, 267–268; Pfeifer unter VerelendungDWDS, WDG6, 4166DWDS; vgl. daneben Gabler online unter Verelendung.

Literatur

2DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Neubearbeitung. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (vormals Deutsche Akademie der Wissenschaften) und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bd. 1–9. Stuttgart 1983–2018. (dwds.de)

Gabler online Gabler Wirtschaftslexikon Online. Das Wissen der Experten. Wiesbaden 2009 ff. (gabler.de)

HKWM Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Hg. von Wolfgang Fritz Haug. Bd. 1–10. Hamburg 1994–.

Kernig 1973 Kernig, C. D. (Hrsg.): Marxismus im Systemvergleich. Soziologie 2: Kommunikation bis Verelendung. Freiburg im Breisgau 1973.

10Paul Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarb. u. erw. Aufl. von Helmut Henne, Heidrun Kämper und Georg Objartel. Tübingen 2002.

Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)

Schmitz-Berning 2000 Schmitz-Berning, Cornelia: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin/New York 2000 [Nachdruck der Ausg. Berlin/New York 1998].

WDG Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für deutsche Sprache und Literatur. Herausgegeben von Ruth Klappenbach und Wolfgang Steinitz. Bd. 1–6. Berlin 1964–1977.

Belegauswahl

Da nun auf diesem Anwesen der Unterschluf […]sic für die Kinder im Falle der Krankheit, und die Verpflegung derselben im Falle der Verelendung haftet, diese Bürden jedoch von dem Käufer nicht übernommen werden, so wird der auf Wanderschaft abwesende Sohn Ferdinand Meisenberger, seiner Profession ein Sattler, aufgefordert sich binnen 2 Monaten über den in Frage stehenden Verkauf seines älterlichen Hauses um so gewisser zu erklären, als im Falle der nicht abzugebenden Erklärung für ihn ein Kurator aufgestellt, mit diesem die Verkaufs-Verhandlung gepflogen und erledigt, und Ferdinand Meisenberger mit späteren Reklamationen nicht mehr gehöret würde.

Königliches Landgericht Griesbach. Schels, Landrichter: Bekanntmachung. In: Allgemeiner Anzeiger für das Königreich Bayern. Vierter Jahrgang, München 1836. Nr. 105, München 31. Dezember 1836, S. 1101. (books.google.de)

Ostpreussen war durch Pest, Viehsterben und Misswachs in völlige Verelendung gerathen.

Stadelmann, Rudolph: Friedrich Wilhelm I. in seiner Thätigkeit für die Landescultur Preussens. Leipzig 1878, S. 24. (books.google.de)

Wie alle ihre andern historischen Fortschritte, erkaufte sie auch diesen zunächst durch die völlige Verelendung der unmittelbaren Producenten.

Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie. Dritter Band, zweiter Theil. Buch III: Der Gesamtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel XXIX bis LII. Hrsg. von Friedrich Engels. Hamburg 1894, S. 157. (deutschestextarchiv.de)

Ich gebe zu, daß eine Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen nicht in demselben Verhältnis eingetreten ist, wie bei den anderen Klassen, und aus diesem Grunde treibe ich Sozialreform; eine Partei aber, die die fortgesetzte Verelendung der Massen für eine Notwendigkeit erklärt, müßte konsequentermaßen Gegnerin jeder Sozialresorm sein.

N. N.: Deutscher Reichstag. In: Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 3. 3. 1905, S. 3. [DWDS]

Eine klassische Illustration zu dem sozialdemokratischen Schlagwort von der "Verelendung der Massen liefert die öffentliche Abrechnung der sozialdemokratischen Parteikasse über die Beiträge der Parteiangehörigen für die Opfer des russischen Befreiungskampfes.

Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 1. 2. 1906, S. 2. [DWDS]

Die Arbeiterklasse muß ferner wirtschaftlich gekräftigt, sie muß durch eine gute soziale Gesetzgebung auf eine höhere Stufe gehoben, vor der Verelendung gerettet und dadurch geistig und leiblich widerstandsfähig gemacht werden.

Kautsky, Karl/Schönlank, Bruno: Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie. Erläuterungen zum Erfurter Programm. Berlin 1907, S. [28]. (deutschestextarchiv.de)

Die Fragen der materialistischen Geschichtsauffassung, der Dialektik, der Werttheorie schaltete er von vornherein aus, – »der Kongreß ist kein wissenschaftliches Konzil « sagte er, – um zum Problem des Entwickelungsprozesses der kapitalistischen Gesellschaft überzugehen, das Bernstein anders darstellte als Marx und Engels. Eine Fülle statistischer Berechnungen schüttete er vor uns aus, um Bernsteins Ansichten zu entkräften, um festzustellen, daß das marxistische Dogma von der Zuspitzung der wirtschaftlichen Gegensätze, von der relativen Verelendung des Proletariats noch unerschüttert ist.

Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [zuerst 1911], S. 10320. [DWDS]

Zeitlich am nächsten fordern der trostlose wirtschaftliche Tiefstand und die Verelendung des deutschen Handwerks nach den napoleonischen Bedrückungsjahren im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts zur Feststellung eines kulturellen Niedergangs im Handwerk heraus.

N. N. [Metzger]: Die nächste Zukunft des Kunsthandwerks. In: Welt und Wissen, 1927, Nr. 2, Bd. 16, S. 95. [DWDS]

Aus dem Aufruf, den der Reichskanzler Hitler gestern abend im Rundfunk vortrug, hat man zwar erfahren, dass an allem Unglück die „Novemberparteien“ schuld seien, dass „die nationale Regierung die geistige und willensmässige Einheit unseres Volkes wiederherzustellen“, den Kommunismus auszurotten beabsichtigt und mit zwei grossen Vierjahrplänen, den deutschen Bauer und den deutschen Arbeiter retten wolle. Man hat gehört, dass binnen vier Jahren „der deutsche Bauer der Verelendung entrissen“ und „die Arbeitslosigkeit endgültig überwunden“ sein müsse.

Bretholz, Wolfgang: Nein – Wahlzettel!. In: Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 2. 2. 1933, S. 1. [DWDS]

Dem Novemberverrat folgten unzählige andere politische und Wirtschaftsverbrechen. Durch die Unterzeichnung der Waffenstillstandsbedingungen und des Versailler Vertrages wurde der Beginn mit der Verelendung der deutschen Wirtschaft gemacht.

N. N.: Vierzehn Jahre marxistische Wirtschaftszerstörung!. In: Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 4. 3. 1933, S. 6. [DWDS]

Aus dem Aberwitz der Theorie von ewigen Siegern und Besiegten sei der Wahnsinn der Reparationen und in der Folge die Katastrophe der Weltwirtschaft gekommen. Während dieser Zeit des inneren Zwiespalts und Haders und der Verelendung habe die Sammlung der deutschen Menschen begonnen. Diesem jungen Deutschland, das in gläubigem Vertrauen eine neue Gemehlschaft formen wollte, habe Hindenburg die Führung des Reiches am 30. Januar 1933 anvertraut.

N. N.: Reichstag. Eröffnung März 1933. Reichsregierung. Innenpolitik. In: Archiv der Gegenwart, 2001 [zuerst 1933], S. 753. [DWDS]

Das deutsche Volk erinnert sich des Unglücks und Leides von 15 Jahren wirtschaftlicher Verelendung, politischer und moralischer Demütigung.

N. N.: Hitlers Proklamation. In: Prager Tagblatt, 31. 10. 1935, S. 2. [DWDS]

Er ist ein Gedenktag für die ganze deutsche Nation; denn heute vor vier Jahren kreisten die ersten deutschen Flugzeuge unserer neugeschaffenen Luftwaffe über unser Land, jubelnd begrüßt von dem Volk, das in langer Knechtschaft aufs bitterste gespürt hat, was es bedeutet, inmitten einer hochgerüsteten Welt wehrlos zu sein. Arbeitslosigkeit, Verelendung der Massen, unermeßliche Tributzahlungen. Kein Kulturvolk hat in seiner Geschichte je eine härtere Lehrzeit erlebt und durchschritten als das unsere.

N. N.: „Dem Starken raubt man nicht so leicht den Frieden“. In: Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 2. 3. 1939, S. 7. [DWDS]

Kumalo bleibt bei dem Sohn, der zum Tode verurteilt wird, und erkennt langsam die Zusammenhänge, aus denen allein das Verbrechen zu erklären ist: die tragische Verelendung der Schwarzen, ihre Entwurzelung durch die soziale Umwälzung, die in Südafrika durch den plötzlichen wirtschaftlichen Aufstieg entstand.

N. N.: Sie warten auf Erlösung. In: Die Zeit, 23. 3. 1950, Nr. 12. [DWDS] (zeit.de)

So ist auch die verblüffende Tatsache zu erklären, daß die„Lehre von der absoluten Verelendung“, ein Eckpfeiler des Marxismus und der Sowjetideologie, fast unbemerkt verschwinden konnte.

N. N.: Abschied von Marx. In: Die Zeit, 30. 9. 1960, Nr. 40. [DWDS] (zeit.de)

Gleichzeitig aber wird die Tatsache, daß es 400 Millionen Inder gibt, die jedes Jahr um 12 Millionen zunehmen, als ein Hypothek betrachtet, die keine Macht der Welt abzudecken vermöge – was unausweichlich zur Verelendung führen werde.

N. N.: Asien starrt auf Peking. In: Die Zeit, 13. 5. 1966, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Nur eine radikale Kontrolle der internationalen Marktmechanismen und eine tiefgreifende Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen in den Entwicklungsländern könne die fortschreitende Verelendung der „Dritten Welt“ verhindern.

N. N.: Die Konferenz der „Gehirne“. In: Die Zeit, 15. 9. 1967, Nr. 37. [DWDS] (zeit.de)

Doch ebenso wie sie während des Krieges auf Wunsch einer männlichen Strategie und unter dem Zwang der schicksalhaften Gemeinsamkeit sich schrankenlos gaben, schmarotzten sie nach dem Krieg wieder von der Unterdrückung oder litten unter der physischen Verelendung ihrer Männer.

N. N.: „Frauen standen ihren Mann“. In: Die Zeit, 10. 10. 1969, Nr. 41. [DWDS] (zeit.de)

Selbstverständlich kann in den »fortgeschrittensten« Gesellschaften von absoluter Verelendung kaum die Rede sein; die relative Verelendung aber schreitet weiter fort.

N. N.: USA: Organisationsfrage und revolutionäres Subjekt. In: Kursbuch, 1970, Bd. 22, S. 48. [DWDS]

Zum anderen sind die politischen und vor allem die wirtschaftlichen Turbulenzen noch lange nicht ausgestanden, die seit dem Ausbruch der Energiekrise die nicht-kommunistische Welt plagen: kräfteverzehrende Inflationsraten, kollabierende Währungen, unverkraftbare Ölmilliarden, Wohlstandsminderung der Industrienationen und Verelendung jener Entwicklungsländer, die kein Öl besitzen.

N. N.: Entspannung im Wartestand. In: Die Zeit, 22. 11. 1974, Nr. 48. [DWDS] (zeit.de)

Die Menge der Versorgungs- und Reparaturleistungen sagt wenig aus über psychische Verelendung, Depressionen, Krankheit und Einsamkeit, auch nichts über das fast trotzige Widerstandleisten, seltsam ungeübte Willenskundgebungen und erste Ansätze zur Selbsthilfe, wie sie seit einigen Jahren in der Bundesrepublik entstanden sind.

N. N.: Erfolg bei den Alten, Zweifel beim Geldgeber. In: Die Zeit, 30. 11. 1979, Nr. 49. [DWDS] (zeit.de)

Nach der jetzt erschienenen Studie einer Forschergruppe aus Kapstadt führt die Umsiedlung oft unmittelbar zur Verelendung der Betroffenen.

N. N.: Zeitspiegel. In: Die Zeit, 29. 7. 1983, Nr. 31. [DWDS] (zeit.de)

Daß die von Marx erwartete zunehmende Verelendung der Arbeiterschaft und die als ihre Folge erwartete proletarische Revolution nicht eingetreten sind, liegt in erster Linie an der demokratischen Überwindung der größten Ungleichheiten im Rahmen des liberalen Rechtsstaates.

Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München 1988, S. 438. [DWDS]

Mehr Strafrecht gegen Konsumenten und den vorherrschenden Mischtypus drogenabhängiger Dealer einzusetzen, bedeutet: Weitere Verelendung Drogenabhängiger; Therapie und Beratung werden noch schwerer, die nötige Vertrauensbasis wird erschüttert; Berater und Behandler geraten in die Rolle des verlängerten Arms der Strafjustiz; die Nachfrage nach anderen Ersatzstoffen steigt; zuwenig Geld bleibt für Prävention und Therapie; der Rechtsstaat nimmt Schaden durch Einsatz korrumpierender Fahndungsmethoden (Drogenabhängige als V-Leute).

N. N.: Gesucht: Wege aus der Sackgasse. In: Die Zeit, 26. 1. 1990, Nr. 05. [DWDS] (zeit.de)

Viele Heroinabhängige verlangen seit Jahren Methadon (übrigens auch eine deutsche Erfindung – aus dem Hause Hoechst) oder andere Ersatzstoffe, um der Verelendung und Kriminalisierung zu entkommen.

N. N.: Ein Hustenmittel aus Elberfeld. In: Die Zeit, 6. 4. 1990, Nr. 15. [DWDS] (zeit.de)

Der amerikanische Rassismus, insbesondere den Schwarzen gegenüber, läuft parallel mit der sozialen Verelendung der Unterschichten, insbesondere der Schwarzen.

N. N.: Wird das noch mein Deutschland sein?. In: Die Zeit, 22. 1. 2009, Nr. 05. [DWDS] (zeit.de)