Wortgeschichte
Volksvertreter (und Volksrepräsentant): Wortbildung Ende des 18. Jahrhunderts
Das Wort Volksvertreter ist im Deutschen seit Ende des 18. Jahrhunderts nachweisbar (1793; vgl. auch 1DWB 12, 2, 502 sowie Pfeifer unter VolksvertreterDWDS). Seither bedeutet es (gewählter) politischer Repräsentant des Volkes in einem Parlament bzw. Gremium; Abgeordneter
(1796, 1820, 1848a). Die Wortbildung ist wohl vor dem Hintergrund der tiefgreifenden politischen Umwälzungen der Zeit, namentlich der Französischen Revolution und der Verbreitung des modernen Demokratiegedankens, zu verorten – jedenfalls gehören Frankreich, die Französische Revolution sowie der Republikgedanke zu den Bezugsfeldern in frühen Belegen (1793, 1797c).
Wahrscheinlich ist Volksvertreter zudem eine Lehnübertragung zu représentant du peuple. Jedenfalls ist in etwa zeitgleich zu Volksvertreter mit Volksrepräsentant ein weiteres Kompositum mit vergleichbarer Bedeutung im Deutschen nachweisbar (1791, 1797a). Volksrepräsentant ist dabei eine Lehnübersetzung zum französischen représentant du peuple (1790, vgl. zudem schon den vereinzelten Erstbeleg 1758), das sich nach 1789 im Französischen verbreitet (vgl. die entsprechende Wortverlaufskurve des Google NGram Viewers). Auch das deutsche Volksrepräsentant begegnet zunächst in Bezug auf Frankreich (1797b), dann auch auf andere Staaten (1831, 1882) sowie die Antike, letzteres auch als deutsche Entsprechung zu Tribun (1812). Insgesamt bleibt Volksrepräsentant seltener bezeugt als Volksvertreter, für das namentlich im 19. Jahrhunderts ein Bezeugungsanstieg zu verzeichnen ist.
Volksvertreter: Bedeutungsaspekte und Wortverbindungen
Seit den ersten Bezeugungen von Volksvertreter ist die Lesart (gewählter, politischer) Repräsentant des Volkes in einem Parlament oder Gremium; Abgeordneter
stabil (1840, 1875, 1918, 1945, 1971, 1979, 1994, 2017). Überwiegend wird das Wort auf die jeweilige Gegenwart bezogen, auch wenn schon früh Verwendungen in Bezug auf das antike Griechenland und Rom danebentreten (1830, 1895), diese wie Volksrepräsentant in dessen Antikebezug als deutsche Entsprechung zu Tribun (1865).
Mit gewählte Volksvertreter (1848c, 1982, 2002) oder demokratische Volksvertreter (1849b, 1927, 2016) sind feste Wortverbindungen belegt. In ihnen manifestieren sich die fest mit dem Grundwort verbundenen Bedeutungsaspekte der Wahl (1834, 1949), des Vertretungs- bzw. Repräsentationsgedankes (1796, 1848b) sowie der verfassungsmäßigen politischen Grundordnung (1817).
Verwendungsgeschichte im Kontext politischer Entwicklungen
Abb. 1: Wortverlaufskurve zu Volksvertreter
DWDS (dwds.de) | Bildzitat (§ 51 UrhG)
Auch wenn die Lesart (gewählter, politischer) Repräsentant des Volkes in einem Parlament oder Gremium; Abgeordneter
seit Beginn des 19. Jahrhunderts stabil ist, zeigt sich doch auch, dass die Verwendungsgeschichte des Wortes in engem Zusammenhang zu den jeweiligen politischen Entwicklungen der Zeit zu verstehen ist. Gebildet in erkennbarer zeitlicher Nähe zu den großen politische Umwälzungen infolge der Französischen Revolution, zeigt sich ein Verwendungsanstieg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert mit einer ersten Verwendungsspitze des Wortes im deutschsprachigen Raum Ende der 1840er Jahre und damit zu Zeiten von 48er-Revolution und Paulskirche (1849a; vgl. Abb. 1 sowie die entsprechende Wortverlaufskurve des Google NGram Viewers).
Während des Nationalsozialismus erfährt Volksvertreter eine Bedeutungsverschlechterung. Vorbereitet wird dies bereits in den 1920er Jahren, insbesondere über die abwertende, ja polemische Verwendung des Wortes in Hitlers Mein Kampf (1925). Im nationalsozialistischen Sprachgebrauch ist das Wort deutlich negativ konnotiert (1935), begegnet häufiger in der abwertenden Wortverbindung sogenannte Volksvertreter (1932, 1944) oder wird mit distanzierenden Anführungszeichen gebraucht (1940). Zudem wird es in der nationalsozialistischen Weltanschauung auch als im Gegensatz zu den Landesinteressen stehend gelesen (1932, 1938).
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfährt das Substantiv dann eine Bedeutungsverbesserung, ist nun also nicht mehr dominant negativ, sondern wieder wesentlich neutral konnotiert (1947, 1977). Im DDR-Sprachgebrauch begegnet Volksvertreter auch für örtliche Volksvertretungen (1984, 1985) sowie in Bezug auf die Bundesrepublik Deutschland auch abwertend (1957).
Volksvertreter und Parlamentarier: Ablösungsprozess
Abb. 2: Wortverlaufskurve zu Volksvertreter, Volksrepräsentant und Parlamentarier
DWDS (dwds.de) | Bildzitat (§ 51 UrhG)
Volksvertreter ist bis in die Gegenwart verbreitet. Gleichwohl wird es hinsichtlich der Verwendungshäufigkeit rund um die Jahrhundertwende durch ParlamentarierWGd in dessen Lesart Person, die Mitglied eines Parlaments ist; Abgeordneter
abgelöst (vgl. die allerdings bedeutungsübergreifende Abb. 2 sowie die entsprechende Wortverlaufskurve des Google NGram Viewers).
Literatur
1DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 1–16. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. (woerterbuchnetz.de)
Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)
Schmitz-Berning 2000 Schmitz-Berning, Cornelia: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin/New York 2000 [Nachdruck der Ausg. Berlin/New York 1998].
Belegauswahl
Kopp, Johann: an die sämtliche hohen Gesandten beim Kongresse in Rastadt […]. Strasburg 1758, S. 60. (books.google.de)Das Bataillon wurde reducirt und untergestossen: der Volksrepräsentant Merlin von Thionville, weil ich bei keinem Corps eingetheilt war, ernannte mich zu einem zeitlichen Kommandanten, der damlige General en Chef Pichegru verspach mir immer diesen oder einen andern Plaz; ohne Zweifel habe ich ihme damals zu ehrlich und nicht vortheilhaft in seine sp…. Plane geschienen, ich wurde also nach langem Warten etc. nicht angestellt.
Journal de Versailles, des départemens de Paris, de seine et de l’oise […], 10. Juli 1790, Nr. 40, S. 165. (google.de)«Quelque dangereux qu’il puisse être d’énoncer son vœu sur des matieres infiniment épineuses par leur nature, & plus encore par les circonstances, j’ai cru cependant qu’il étoit digne d’un représentant du peuple françois de vous offrir l’hommage de ses reflexions. […]»
Forster, Georg: Ansichten vom Niederrhein […]. Bd. 2. Berlin 1791, S. 151. (deutschestextarchiv.de)Am 15. März überreichte die patriotische Gesellschaft den Ständen eine Bittschrift, worin sie zwar sehr bescheiden, jedoch mit Ernst, auf eine neue Organisation der Verfassung antrug und den Ständen gleichwohl, wegen ihres bekannten Widerwillens gegen eine Nationalversammlung, die Art der Zusammenberufung der Volksrepräsentanten gänzlich anheimstellte.
Forster, Georg: Werke in vier Bänden. Hrsg. von Gerhard Steiner. Bd. 3. Leipzig 1971 [1793], S. 754–755.»Es daure die Republik, und unser Nahme mag vergehen!« Dies ist die oft wiederholte Losung unserer Volksvertreter. In Dantons Munde lautete sie einst noch schwärmerischer: que la patrie soit sauvée, et que mon nom soit flétri!
[Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel 1796, S. 200–201. (deutschestextarchiv.de)Der Anblick der Repräsentanten eines Volkes, das keine höhere Macht über sich erkennt, dünkte uns eine Weile interessant und ehrwürdig, in dem wir nämlich voraussezten, daß die Wahl dieser Volksvertretter, blos durch ihre anerkannte Weisheit und Rechtschaffenheit bestimmt werde.
Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Vierten Theils erste Abtheilung: Begebenheiten, Erfahrungen und Bemerkungen während des Feldzugs gegen Frankreich, Bd. 2,1. Leipzig 1797, S. 182. (deutschestextarchiv.de)Wenn nun ſo ein Schurke entdeckt wird, ſo ſpaziert er nach dem Befehl der Volksrepraͤſentanten jezt auf die Guillotine, die wir eben deswegen immer bey uns haben.
Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Vierten Theils zweite Abtheilung: Begebenheiten, Erfahrungen und Bemerkungen während des Feldzugs gegen Frankreich, Bd. 2,2. Leipzig 1797, S. 156. (deutschestextarchiv.de)Nachdem aber 1794 das Schreckensſyſtem gefallen war, ſo belehrten einige gutgeſinnte Volksrepraͤſentanten im Elſaß den Konvent von der wahren Lage der Dinge, und ſchlugen ein Geſetz vor, kraft deſſen diejenigen Elſaſſer, welche aus Furcht vor dem Schreckensſyſtem ausgewandert waͤren, wieder zuruͤckkommen duͤrften.
Käsbohrer, Sebastian [d. i. Johann Gottfried Pahl]: Wohlgemeyntes, in Vernunft und Schrift bestgegründetes, jedoch unmaaßgebliches Gutachten, über die Wahlfähigkeit eines Landtagsdeputirten in Wirtemberg. O. O. 1797, S. 31. (deutschestextarchiv.de)Oder verräth er damit nicht deutlich, daß er mit einer französischen Revolution, und mit einer französischen Nationalversammlung schwanger gehet? – Denn was war die Losung zum Ausbruche des Feuers zwischen dem Rhein und den Pyrenäen? Nichts anders als die stürmischen Wahlen der Volksvertretter in Masse.
Niebuhr, Barthold Georg: Römische Geschichte. Bd. 2. Berlin 1812, S. 139. (deutschestextarchiv.de)Auch dieſes deutet auf eine Magiſtratur plebejiſcher Tribunen, aͤlter und verſchieden von den Volksrepraͤſentanten, zu der das Volk zuruͤckkehrte weil die letzten ihm fehlten.
Klüber, Johann Ludwig: Öffentliches Recht des teutschen Bundes und der Bundesstaaten. Frankfurt a. M. 1817, S. 170. (deutschestextarchiv.de)In souverainen Staaten des teutschen Bundes, können einzelne StaatsHoheitsrechte ausgeübt werden, entweder nur unter Beobachtung gewisser positiven Einschränkungen, namentlich unter verfassungsmäsiger Mitwirkung der Volksvertreter, oder ohne Einschränkungen dieser Art.
Ernst, Ferdinand: Bemerkungen auf einer Reise durch das Innere der vereinigten Staaten von Nord-Amerika im Jahre 1819. Hildesheim 1820, S. 145. (deutschestextarchiv.de)Sie ſoll beſtehen aus einem Senat und einem Hauſe der Volksvertreter. Beide werden vom Volke erwaͤhlt.
N. N.: Lehrbuch der alten Staaten- und Völkergeschichte. Wien 1830, S. 191. [DWDS] (gei.de)Schon im zweyten Jahre (492) sah Rom einen Beweis ihres Einflusses in dem Beyspiele des C. Marcius Coriolanus, eines heldenmüthigen patricischen Jünglings, welcher […]in der Schlacht am See Regillus die Bürgerkrone und durch die Erstürmung von Corioli, der Hauptstadt der Volsker, den Beynahmen Coriolanus verdient hatte, aber nun aus Haß gegen die neuen Volksvertretter im Senate bey Gelegenheit einer Hungersnoth den Vorschlag machte, die öffentlichen Kornhäuser dem Volke nur gegen Aufopferung des Tribunats zu öffnen.
[Pückler-Muskau, Hermann von]: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 4. Stuttgart 1831, S. 24. (deutschestextarchiv.de)Einen ähnlichen Mangel an Anſtand bietet das Local des Unterhauſes dar, das einem ſchmutzigen Kaffeehauſe gleicht, und auch das Benehmen vieler Volksrepräſentanten, die mit dem Hut auf dem Kopfe oft auf den Bänken ausgeſtreckt liegen, und ſich während der Reden ihrer Collegen von Allotrien unterhalten, erſcheint ſeltſam.
Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris 1834, S. 198. (deutschestextarchiv.de)Da nun die Freiheit, ſtatt, der Geſundtheit gleich, etwas angebohrnes, Unbemerktes, Ungefühltes zu ſein, ſtets etwas Erworbenes, Beſtrittenes, kurz, ein ewiger Kampf iſt, und man dieſes wie jedes Kampfes in den reifern Jahren, theils müder, theils unkräftiger wird — ſieht die Regierung überall darauf, daß die Bürger erſt im höhern Alter zu Volksvertretern gewählt werden können.
Allgemeine Zeitung, 20. Januar 1840, Nr. 20, S. 158. (deutschestextarchiv.de)Uebermorgen tritt die zweite Kammer wieder zusammen, und dann wird es sich zeigen, welche Haltung unsere Volksvertreter in Betreff der Modificationen des Grundgesetzes annehmen werden.
Neue Rheinische Zeitung, 3. 7. 1848, Nr. 33, S. [4]. (deutschestextarchiv.de)Was ist ein Volksvertreter?
[…] Ein Mann, der die Interessen des Volks mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften vertreten soll; sich also des in ihn gesetzten Vertrauens würdig zeigt.
Neue Rheinische Zeitung, 12. 7. 1848, Nr. 42, S. [4]. (deutschestextarchiv.de)Der am 2. Juli beginnende ungarische Reichstag ‒ der erste, auf welchem das ganze Land mit dem damit vereinigten Siebenbürgen durch selbst gewählte Volksvertreter repräsentirt wird; ‒ die sich täglich wichtiger gestaltenden kriegerischen Ereignisse in Ungarn und dessen Nachbarländern […], sowie die großen folgenreichen Begebenheiten im Auslande ‒ bieten Stoff zu den gehaltreichsten Mittheilungen […], die wir schnell und authentisch liefern und die unserer Zeitung im nächsten Semester noch größeres Interesse und höhern Werth verleihen werden.
Neue Rheinische Zeitung, 22. 11. 1848, Nr. 149, S. [3]. (deutschestextarchiv.de)Der König wünscht die Stimme seines Volkes zu hören, diese muß er unserer Meinung nach von den gewählten Volksvertretern hören, auf obige Weise hört er aber nur die Stimme bureau- und aristokratischer Beamten, denn der hiesige Landmann kümmert sich um keine Politik — Zeitungen kennt er nur dem Namen nach.
Neue Rheinische Zeitung, 11. 2. 1849, Nr. 219, S. [2]. (deutschestextarchiv.de)Nimmt die Majorität der sogenannten Volksvertreter in der Paulskirche diese Vorschläge an — was jedenfalls in namentlicher Abstimmung geschehen wird — so ist auch der letzte Rest von den „Errungenschaften“ des März ausgelöscht.
Neue Rheinische Zeitung, 1. 5. 1849, Nr. 286, S. [2]. (deutschestextarchiv.de)In’s zweite Jahr sind wir ein demokratisch-konstitutioneller Staat, bald eben so lange sitzen die demokratischen Volksvertreter in Berlin und immer noch die alte, ja noch ärgere Vergeudung des Volksvermögens als früher.
Mauer, August: Geschichts-Bilder. 2. Aufl. Langensalza 1865, S. 76. [DWDS] (gei.de)Wollten die Tribunen (Volksvertreter) die Gemeinden nachdrücklich gegen die Anmaßung der Vornehmen schützen, so mußten zu Rom schriftliche Gesetze eingeführt werden.
Bluntschli, Johann Caspar: Lehre vom modernen Stat. Erster Theil: Allgemeine Statslehre. Stuttgart 1875, S. 461. (deutschestextarchiv.de)Das Unterhaus besteht aus gewählten Volksvertretern.
Treitschke, Heinrich von: Staatengeschichte der neuesten Zeit. Bd. 25: Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert. Zweiter Theil: Bis zu den Karlsbader Beschlüssen. Leipzig 1882, S. 593. (deutschestextarchiv.de)„Durch die neueſten Beſchlüſſe der hohen deutſchen Bundesverſammlung mit Troſt und Hoffnung erfüllt“, wendete ſich die weſthavelländiſche Ritterſchaft an den König (17. November), um ihre Entrüſtung über „die unanſtändige Vermeſſenheit der ſogenannten Volksrepräſentanten anderer deutſchen Länder“ auszuſprechen.
Butzer, Heinrich: Quellenbuch für die griechische Geschichte. Dresden 1895, S. 51. [DWDS] (gei.de)In sofort berufener Versammlung der Griechen machte Aristides den Vorschlag, es sollten alljährlich die Volksvertreter und Festgesandten Griechenlands in Platää zusammenkommen und alle fünf Jahre feierliche Kampfspiele unter dem Namen Eleutherien veranstalten […]; ferner sollte ein griechisches Bundesheer, 10 000 Schilde, 1000 Pferde, 100 Schiffe für den Krieg gegen die Perser unterhalten werden, die Platäer aber unverletzlich und heilig sein, weil sie der Gottheit für Griechenland opferten.
Krüger, Elsa/Selma von Lengefeld: Über Wahlrecht und Wahlpflicht der deutschen Frau. Weimar 1918, S. [3]. (deutschestextarchiv.de)Die Frauen können die Volksvertreter in die Nationalversammlung des Reichs wie in diejenigen der Bundesstaaten mit wählen, das nennt man aktives Wahlrecht, wie auch selbst als Abgeordnete gewählt werden, das nennt man passives Wahlrecht.
Hitler, Adolf: Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Hrsg. von Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel unter Mitarbeit von Pascal Trees, Angelika Reizle und Martina Seewald-Mooser. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin. Bd. 1. 13. Aufl. München 2022, S. 87. (mein-kampf-edition.de)Es gibt gar kein Prinzip, das […], objektiv betrachtet, so unrichtig ist als das parlamentarische.
Man darf dabei noch ganz absehen von der Art, in der die Wahl der Herren Volksvertreter stattfindet, wie sie überhaupt zu ihrem Amte und zu ihrer neuen Würde gelangen. Daß es sich hierbei nur zu einem wahrhaft winzigen Bruchteil um die Erfüllung eines allgemeinen Wunsches oder gar eines Bedürfnisses handelt, wird jedem sofort einleuchten, der sich klarmacht, daß das politische Verständnis der breiten Masse gar nicht so entwickelt ist, um von sich aus zu bestimmten allgemein politischen Anschauungen zu gelangen und die dafür in Frage kommenden Personen auszusuchen.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1927, S. 8653. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Das müßten gerade die Sozialdemokraten als sogenannte demokratische Volksvertreter eigentlich verhindern, wenn Sie dem Willen der Arbeitermassen entsprechen würden.
Völkischer Beobachter (Reichsausgabe), 1. 3. 1932, S. 1. [DWDS]Wir Nationalsozialisten kennen die Sehnsucht und das stürmische Verlangen nach einer endlichen Neuordnung, die die Volksseele bewegt. Jene sogenannten Volksvertreter aber, die diesem Aufbruch der Nation ratlos gegenüberstehen, glauben mit einer viertägigen Reichstagsdebatte dem Sturm ein Ventil geschaffen und dem Geist von Weimar wieder einmal Genüge geleistet zu haben.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 2. 3. 1935, S. 5. [DWDS]Die Freiheitsstunde der Saar ist ein Hohelied auf die Heimatliebe im weitesten Sinne geworden. Und doch ist es noch gar nicht so lange her, daß der Volksvertreter Crispien die Heimat schmähen konnte, als er sagte: „[…] Ich kenne kein Vaterland, das Deutschland heißt .“ Trennen uns nicht Welten von diesem Wort eines jüdischen Volksverführers, der vorgab, Vorkämpfer des deutschen Arbeiters zu sein!
N. N.: Kundgebung auf dem Gautag der NSDAP Ostpreußen in Königsberg, 19. 6. 1938. [DWDS]Sie trieben Landesverrat unter der Biedermannsmiene des Volksvertreters.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 6. 3. 1940, S. 2. [DWDS]In den beiden bisher von uns veröffentlichten Tatsachenberichten […](vgl. „VB.“ vom 27. und 29. Februar) haben wir eine Darstellung der Verflechtung der englischen „Volksvertreter“ mit den Banken, Versicherungs- und Schiffahrtsgesellschaften, mit der Stahl-, Eisen- und Kohlenindustrie und mit den großen Rüstungswerken gegeben.
N. N.: Außenpolitik. Wehrmacht. In: Archiv der Gegenwart, Bd. 14, 6. 10. 1944, S. 6548 ff. Zit. n. CD-ROM-Ausgabe 2001 [zuerst 1944]. [DWDS]Der „Völkische Beobachter“ führte zur Rede Edens u. a. aus: Gehorsam der dringenden Anregung Churchill, nichts zu sagen was die außenpolitische Ohnmacht Britanniens gegenüber seinen stärkeren Verbündeten bloßstellen könnte, sind die sogenannten Volksvertreter Britanniens zwei Tage lang um alle wirklich brennenden Probleme herumgeschlichen wie die Katze um den heißen Brei.
N. N.: Verfassung. Innenpolitik. Wirtschaft. Handelspolitik. In: Archiv der Gegenwart, Bd. 15, 6. 12. 1945, S. 556 ff. Zit. n. CD-ROM-Ausgabe 2001 [zuerst 1945]. [DWDS]Die Volksvertreter würden in allgemeiner, gleicher, direkter und geheimer Wahl gewählt und seien ihren Wählern unmittelbar verantwortlich.
Archiv der Gegenwart, Bd. 17, 3. 5. 1947, S. 1083. [DWDS]Unter den Volksvertretern, die heute offen für ein einiges Europa eintreten, sind der Präsident der Französischen Republik sowie hervorragende Regierungsmitglieder und zahlreiche Parteiführer.
Plenarprotokoll vom 15. 11. 1949. In: Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll Nr. 01/17, S. 430. [DWDS] (bundestag.de)Unser Volk muß eingeschaltet werden, unser Volk bzw. die gewählten Volksvertreter müssen rechtzeitig informiert werden, was die Regierung dem Ausland gegenüber für Angebote macht, weil nur dann die Angebote der Regierung wirklich einen Sinn und einen Zweck haben.
Neues Deutschland, 23. 8. 1957, S. 2. [DWDS]Besonders bemerkenswert ist, welche Art von „Volksvertretern“ die CDU mit all diesen Mitteln populär zu machen sucht.
N. N.: Bürgerkrieg in Pakistan nach Sieg der ostpakistanischen Awami-League bei den ersten direkten Parlamentswahlen; Proklamierung des unabhängigen „Bangla Desh“; Niederschlagung durch die westpakistanische Armee; Auseinandersetzung mit Indien. In: Archiv der Gegenwart, Bd. 41, 9. 6. 1971, S. 16323 ff. Zit. n. CD-ROM-Ausgabe 2001 [zuerst 1971]. [DWDS]Es bleibe weiterhin sein Ziel, so bald wie möglich die Regierungsgewalt in die Hände der gewählten Volksvertreter zu übergeben.
N. N.: Petitionsausschuß. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München 2000 [1977], S. 354. [DWDS]Das Recht des Bürgers, sich mit Beschwerden oder Bitten an die Volksvertreter zu wenden, ist zum erstenmal in der englischen Bill of Rights von 1689 verbrieft worden.
N. N.: Kommunalwahlen bekräftigen neue Gebietsstruktur. In: Archiv der Gegenwart, Bd. 49, 27. 3. 1979, S. 22478 ff. Zit. n. CD-ROM-Ausgabe 2001 [zuerst 1979]. [DWDS]Am 25. März fanden laut BTA in Bulgarien Wahlen zu den örtlichen Volksvertretungen statt, die zugleich eine neue Gebietsstruktur bestätigten und damit rechtskräftig machten, An den Wahlen beteiligten sich 99,95 % der wahlberechtigten Bürger; es wurden auf den verschiedenen kommunalen Ebenen 53198 Volksvertreter und 3 973 Bürgermeister gewählt; für die Kandidaten auf der Einheitsliste der Nationalen Front in den Gemeindevolksrat von Sofia stimmten 99,90 %, in die 27 Bezirksvolksräte 99,88 %, in die 290 Konurbationen (= Siedlungszusammenschlüsse) 99,83 %.
Der Spiegel, 13. 12. 1982, S. 146. [DWDS]Demokratie, die, wenn auch über gewählte Volksvertreter, Recht setzt und Freiräume einengt, also Volkswillen nur gefiltert verwirklichen kann, erscheint ihnen lediglich als „Möglichkeit für tendenzielle Anarchie“ akzeptabel.
Neuer Weg 39 (1984), Nr. 1, S. 13. [DWDS]Die Volksvertreter und die Ausschüsse der Nationalen Front leisteten im Zusammenwirken mit den anderen gesellschaftlichen Kräften eine intensive politisch-ideologische Arbeit unter allen Bevölkerungskreisen, um ihre aktive Mitarbeit bei der Vorbereitung dieser Konzeption zu erreichen.
Gesetz über die örtlichen Volksvertretungen in der Deutschen Demokratischen Republik. Vom 4. Juli 1985. In: Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik Teil I, 11. Juli 1985, Nr. 18, S. 218. (thulb.uni-jena.de)§ 15. (1) Die Abgeordneten der örtlichen Volksvertretungen erfüllen ihre verantwortungsvollen Aufgaben im Interesse des sozialistischen Staates, zum Wohle des werktätigen Volkes. Gestützt auf das Vertrauen der Wähler setzen sie sich für die Belange der Bürger ein. […]Sie sind verpflichtet, die Politik des sozialistischen Staates zu vertreten und die Verfassung und die Gesetze zu wahren. Die Abgeordnetentätigkeit ist ehrenamtlich. Sie genießt hohe Achtung und Anerkennung durch Staat und Gesellschaft.
[…](2) Die Abgeordneten sind ihren Wählern verantwortlich und rechenschaftspflichtig. Sie halten enge Verbindung mit den Bürgern und den Arbeitskollektiven, erläutern ihnen die Politik des sozialistischen Staates, beraten mit ihnen über die zu lösenden Aufgaben und fördern ihre aktive Mitwirkung an der Vorbereitung und Verwirklichung der Beschlüsse der Volksvertretungen und Räte. Sie stützen sich bei ihrer Tätigkeit im Wahlkreis und im Betrieb auf die Ausschüsse der Nationalen Front, die Gewerkschaften und die anderen gesellschaftlichen Organisationen.
(3) Im konstruktiven Miteinander von Volksvertretern und Staatsfunktionären nehmen die Abgeordneten aktiv an der Verwirklichung der Beschlüsse der Volksvertretungen teil und tragen durch gute berufliche und gesellschaftliche Arbeit zur Stärkung der sozialistischen Staatsmacht bei.
Herbst, Andreas u. a.: Lexikon der Organisationen und Institutionen – V. In: Enzyklopädie der DDR. Berlin 2000 [1994], S. 10063. [DWDS]Der V. gehörte zu den sechs mandatstragenden gesellschaftlichen Organisationen in der DDR und stellte eigene Volksvertreter auf den Ebenen der Kreise, Städte und Gemeinden ( ‚Örtliche Volksvertretungen‘.)
Der Tagesspiegel, 16. 1. 2002. [DWDS]So liberal, weltoffen und offensiv wie die Volksbühne aber sind die gewählten Volksvertreter in Berlin längst noch nicht.
Plenarprotokoll vom 1. 12. 2016. In: Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll Nr. 18/206, S. 20633. [DWDS] (bundestag.de)Als demokratische Volksvertreter dürfen wir uns nicht länger erpressen lassen.
Strache, Heinz-Christian: Rede in der 1. Sitzung des Nationalrates zur Wahl der Präsidentin/des Präsidenten, der Zweiten Präsidentin/des Zweiten Präsidenten und der Dritten Präsidentin/des Dritten Präsidenten, 9. 11. 2017, S. 22. [DWDS] (parlament.gv.at)Wir 183 Abgeordnete sind das Ergebnis unserer Demokratie, wir stehen hier als Volksvertreter, wir sind aufgrund einer demokratischen Wahl legitimiert und werden heute auch die drei Präsidenten wählen.