Wortgeschichte digital

Das Projekt Wortgeschichte digital hat das Ziel, die Bedeutungsgeschichte des deutschen Wortschatzes von ca. 1600 bis heute in Grundzügen zu beschreiben. Es schließt damit die zeitliche Lücke zwischen der gegenwartssprachlichen Lexikographie und dem Frühneuhochdeutschen Wörterbuch (1350 bis ca. 1600). Als rein digitales Projekt bearbeitet es den Wortschatz nicht alphabetisch, sondern nach thematischen Zusammenhängen. In der ersten Arbeitsphase (bis 2023) werden dabei wichtige Wörter des Themenfeldes Politik und Gesellschaft behandelt; weitere Arbeitsphasen sind ebenfalls spezifischen Themenfeldern (z. B. Wirtschaft, Verkehr, Kommunikation, Alltagskultur) gewidmet. Auf diese Weise wird sukzessive die jüngere Sprachgeschichte des Deutschen aufgearbeitet, für die man bisher vielfach noch auf die weitgehend veralteten Bände der Erstbearbeitung des Grimm’schen Wörterbuchs angewiesen ist.

Wortgeschichte digital geht methodisch neue Wege. An die Stelle der bisher üblichen lexikographischen Darstellungsformate, die sich im Kern auf eine Aneinanderreihung von Bedeutungsangaben und Belegstellen beschränken, sollen lesbare Wortgeschichten treten, die die semantischen Entwicklungen in einem Fließtext beschreiben und damit besser fassbar machen. Zugleich sollen die modernen digitalen Verknüpfungs- und Suchmöglichkeiten optimal genutzt werden. Wortgeschichte digital stellt damit ein Informationsangebot bereit, das sich an das wissenschaftliche Fachpublikum richtet und dabei sowohl dem breiten öffentlichen Interesse an wortgeschichtlichen Fragen als auch den aktuellen Nutzungserwartungen an das digitale Medium entgegenkommt.

Da es für eine genuin digitale historische Lexikographie kaum Vorbilder gibt, ist für das Vorhaben zunächst eine Aufbauphase von acht Jahren (mit Zwischenevaluierung) vorgesehen. In dieser Zeit sollen die wesentlichen konzeptionellen und technischen Grundlagen für eine umfassende Beschreibung der jüngeren Wortschatzgeschichte des Deutschen gelegt werden.

Die vorliegenden drei Beispiele alternativ, Elite und Team sollen Strukturen und Funktionalitäten der Artikel im ZDL-Teilprojekt Wortgeschichte digital illustrieren. Eine größere Zahl von Artikeln aus dem Themenfeld Politik und Gesellschaft wird Mitte 2020 online gestellt. Wortgeschichten aus anderen Themenfeldern werden im weiteren Verlauf des Projekts erarbeitet und bereitgestellt.

Wortgeschichten

alternativ

Seit dem 15. Jahrhundert in deutschen Texten nachweisbar, tritt das Wort alternativ zunächst vorwiegend in Rechtskontexten und in den Bedeutungen ‚abwechselnd, wechselweise‘ oder ‚wahlweise‘ auf. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts scheint alternativ auch in anderen Zusammenhängen Verwendung zu finden. Ab den 1970er Jahren verbreitet sich das Wort dann plötzlich rasant. Zugleich lässt sich eine auch semantische Veränderung beobachten: Zum einen wird es zur Bezeichnung für bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen, die in Opposition zur Mehrheitsgesellschaft stehen. Zum anderen entwickelt sich zunächst in der Verbindung alternative Energien die Lesart ‚erneuerbar, regenerativ‘. Jüngst hat sich die Wortverbindung alternative Fakten verbreitet; alternativ soll hier verschleiern, dass es sich um Falschaussagen handelt.

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Elite

Elite (aus élitefrz ‚Auslese‘, zuerst 17. Jahrhundert) etabliert sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Bedeutung ‚kleine Gruppe von Menschen, die sich durch eine besondere Eigenschaft vor der großen Mehrheit auszeichnet‘. Es bezieht sich dabei auf unterschiedliche Formen selektiver Gruppenbildung: Leistungseliten, Standeseliten, Machteliten. Im 20. Jahrhundert gewinnt die Lesart ‚Machtelite‘ an Bedeutung. Ausgehend von der Soziologie verbreitet sich ab den späten 1920er Jahren der Plural Eliten als umfassende Bezeichnung für privilegierte Gruppen innerhalb einer Gesellschaft. In jüngster Zeit erscheint es als Fahnenwort in öffentlichen Debatten (Bildungs- und Populismusdiskurs).

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Team

Team wird um 1900 aus dem Englischen entlehnt, und zwar zunächst als Ausdruck des Sports. Als Anglizismus ist das Wort anfänglich Gegenstand (vergeblicher) Sprachreinigungsbemühungen; es setzt sich aber ab ca. 1910 durch. Seit den 1940er Jahren wird Team dann auf die Arbeitswelt übertragen und bedeutet hier ‚Arbeitsgruppe‘, jünger auch ‚Belegschaft (eines Betriebes)‘.

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