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Wortgeschichte zu

Anarchist

Anarcho

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Anarchist wird Ende des 18. Jahrhunderts wohl aus dem Französischen ins Deutsche entlehnt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt sich eine breitere Verwendung. In der Mitte des Jahrhunderts ist Anarchist vermehrt in Zusammenhang mit der 48er-Revolution belegt. Bis in die 1880er Jahre hinein bleibt die Verbreitung des Wortes jedoch gering. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begegnet Anarchist nicht mehr nur als negativ konnotierte Fremdzuschreibung, sondern nun auch als Selbstbezeichnung. Ab den 1970er Jahren tritt eine neue Verwendung hinzu: Nunmehr wieder rein als negativ konnotierte Fremdzuschreibung wird Anarchist auf Linksterroristen übertragen. Zeitgleich entsteht die Kurzwortbildung Anarcho, die in einem breiteren Sinn für Anhänger linker alternativer Gruppierungen verwendet wird. Seit den 1990er Jahren verlieren Anarchist und Anarcho zunehmend an semantischer Präzision.

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Wortgeschichte

Revolutionäre und Gesetzlose: Frühe Bezeugungen

Anarchist ist im Deutschen seit der Zeit um 1800 bezeugt; als Erstbeleg gilt gemeinhin eine Verwendung in Wielands Göttergesprächen aus dem Jahr 17931) (1793, 1798, 1801). Das zugrundeliegende Wort ist Anarchie, Gesetzlosigkeit, Chaos, das im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert begegnet. Es geht auf das mittellateinische anarchia zurück, das seinerseits auf griechisch anarchía mit der Bedeutung Fehlen eines Anführers oder Heerführers zurückzuführen ist (vgl. 25Kluge, 42). Anarchist wird allerdings nicht im Deutschen gebildet, sondern vermutlich aus dem Französischen entlehnt, wo anarchiste Anfang der 1790er Jahre als eine abfällige Bezeichnung für Jakobiner zu einem Schlagwort der französischen Revolution wird (vgl. 2DWB II, 747).

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Zumindest im Englischen ist anarchist allerdings offenbar auch schon früher bezeugt: Das 3OED führt unter anarchist, n. and adj. einen Erstbeleg aus dem Jahr 1648 an der aber wohl von anarchy abgeleitet ist. Das Bedeutungsspektrum im englisch- ebenso wie französischsprachigen Raum kann zu dieser Zeit von moralischer Anarchie über Unordnung und Chaos bis hin zu Desaster (vgl. GG I, 49) reichen: That the Egyptians were universally Atheists and Anarchists, such as..resolved all into Sensless Matter as the first and highest Principle. Zugleich verweist das 3OED für die Etymologie von anarchist aber auch auf das Französische. Der TLFi hingegen führt unter anarchiste einen Erstbeleg aus dem Jahr 1791 an (vgl. daneben auch den Hinweis in 10Paul, 65, dass es sich bei Anarchist um eine Wortbildung der Französischen Revolution handele).

Ist anarchiste im Französischen Ende des 18. Jahrhunderts also deutlich an die Französische Revolution und die Jakobiner gekoppelt und auch im Deutschen zunächst und noch während des gesamten 19. Jahrhunderts in entsprechender Bedeutung Revolutionär bezeugt (1827, 1845, 1897b), zeigt sich zugleich bereits wenige Jahre nach der Entlehnung eine Bedeutungserweiterung: Anarchist begegnet nun auch im Kontext anderer Ereignisse und Länder (1832, 1840a), als negativ konnotiertes Synonym für Philosoph (1839) oder als Parteibezeichnung (1813). Die Forschung hat zudem gezeigt, dass Anarchist zu dieser Zeit anders als gegenwärtig und viel stärker als Anarchie einem eher konservativen rechten als einem linken politischen Spektrum zuzuordnen ist (vgl. GG I, 82).

Auf Wörterbuchebene wird das neue Wort bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts registriert, zunächst explizit als Fremdwort: Campe nimmt Anarchist in seinem Verdeutschungs-Wörterbuch mit der recht weiten und offenbar an einem älteren Anarchie-Verständnis orientierten Bedeutung ein Gesetzloser, Zügelloser auf (2Campe Verdeutschung, 109; vgl. daneben auch die Buchungen in 1824 und 1834).

Anarchist und die 48er-Revolution

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bleibt Anarchist zwar nicht ausschließlich, aber doch vorwiegend auf das Ausland bezogen (1832, 1840a, 1840b). Das ändert sich spätestens in den Jahren 1848/1849: Nun begegnet das Wort auch im Kontext der 48er-Revolution in Deutschland (1848f) und bezeichnet damit politische Akteure ebenso wie eine Position oder Partei im politischen Spektrum (1849). Hinsichtlich der damit verbundenen politischen Grundidee liegt dem Wort jedoch noch immer ein recht weites Verständnis zugrunde, jedenfalls wird es offenbar zu dieser Zeit auch noch synonym für Demokrat (1848e) verwendet.

Zu den Kontextwörtern, mit denen Anarchist im 19. Jahrhundert häufig begegnet, gehören seit Ende der 1840er Jahre neben Demokrat (1849) auch Kommunist (1848b, 1882b) und Sozialist (1850, 1896a), ab den 1880er und 1890er Jahren zudem Sozialdemokrat (1884, 1886). Antonym ist unter anderem der BourgeoisWGd (1893, 1896c). Etwa auf die Mitte des 19. Jahrhunderts datieren erste Komposita mit Anarchist(en)- als Erstglied wie etwa Anarchistenpartei (1848g), Anarchistengelüste (1848a) oder wenig später Anarchistenkomplott (1856). Gleichwohl bleiben solche Komposita bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert eher selten, erst ab den 1880er Jahren mehren sich die Belege.

Semantische Kontur ab den 1880er Jahren

Insgesamt ist die Bezeugungsfrequenz des Wortes im Deutschen noch bis in die 1870er Jahre hinein gering – erst ab den 1880er Jahren nimmt sie zu (vgl. die Wortverlaufskurve des Google NGram Viewers). Das ist wohl vor dem Hintergrund der Entwicklung des Anarchismus in Deutschland zu verstehen, der – anders als in anderen europäischen Ländern – auch aufgrund des Sozialistengesetzes erst im ausgehenden 19. Jahrhundert mehr Zulauf hat. Zu dieser Zeit kommt es vermehrt zu Anschlägen und Attentaten, insbesondere nach der Erfindung des Dynamits; bekanntestes Beispiel ist vielleicht das Attentat mit einer Feile auf die österreichische Kaiserin Elisabeth. Wohl vor dem Hintergrund der skizzierten Entwicklungen wird Anarchist nun auch im politisch-radikalen Sinn verwendet (10Paul, 65; 1898, 1899, 1910a).

Ebenfalls eine Entwicklung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Verwendung des Wortes als Selbstbezeichnung. Gemeinhin gilt Pierre-Joseph Proudhon als der erste, der sich selbst als Anarchist bezeichnet (vgl. etwa HWPh I, 279). Dass diese Selbstbezeichnung im deutschen Sprachraum registriert wurde (1846), spricht dafür, dass das Wort auch im Deutschen in den ersten Jahrzehnten nach der Entlehnung zunächst nur Fremdbezeichnung war. Als Selbstbezeichnung ist es dann mindestens seit Ende des 19. Jahrhunderts auch im Deutschen belegt (1895, 1911). Mit dieser Entwicklung einher geht eine Erweiterung auch der Konnotationen: War die Fremdbezeichnung wesentlich negativ konnotiert (1848d, 1848c), entsteht im Zusammenhang mit der Verwendung als Selbstbezeichnung auch eine nunmehr positiv belegte Verwendungsweise des Wortes (1897a).

Nicht zuletzt datieren erste Beleg der weiblichen Form Anarchistin auf das ausgehende 19. Jahrhundert (1896b, 1909, 1912). Bis in die 1970er Jahre hinein ist das Wort allerdings nur gelegentlich bezeugt (1921, 1947); erst ab den 1970ern und damit vor dem Hintergrund der Entstehung der sogenannten Anarcho-Szene und des Linksterrorismus der Zeit (siehe auch die Abschnitte zur den 1970er Jahren und zu Anarchist – Anarcho unten) ist Anarchistin etwas häufiger belegt (1969, 1972, 1974b; vgl. auch die Wortverlaufskurve für Anarchistin des Google NGram Viewers). Insgesamt bleibt die weibliche Form aber offenbar auch weiterhin selten (vgl. die Wortverlaufskurve den Google NGram Viewers).

70er Jahre des 20. Jahrhunderts: Terroristen und Anarchos

Nach 1918 verliert der Anarchismus als politische Bewegung an Bedeutung (vgl. HWPh I, 289). Mit Blick auf die Verwendung des Wortes Anarchist im Verlauf des 20. Jahrhunderts tritt eine nun mit Blick auf das 19. Jahrhundert historisierende Verwendung hinzu (1919, 1957), in der die Bedeutung Anhänger der Lehre bzw. der Bewegung des Anarchismus gleichwohl stabil bleibt. Neu sind in den 1970er Jahren freilich Verwendungen, in denen Anarchist als Bezeichnung für Linksterroristen verwendet wird (1974d, 1975b). Daneben begegnen zudem Wortbildungen wie Anarcho-Terroristen (1975c) oder Anarchoide (1975a), vereinzelt auch Neo-Anarchist (1970) im Kontext des Linksterrorismus, der von seinen Inhalten und Zielen von einem Anarchismus im engeren Sinn zu unterscheiden ist. Insofern begreifen sich die als Anarchisten bezeichneten Akteure selbst auch nicht als solche, das Wort wird mithin – erneut – zu einer negativ konnotierten Fremdzuschreibung. Diese wortgeschichtliche Entwicklung von Anarchist ist wohl in Zusammenhang mit dem Bedeutungswandel von Anarchismus zu dieser Zeit zu verstehen:

Mit Anarchismus werden Personen, Gruppen, Bewegungen oder ideologische Richtungen negativ wertend charakterisiert, die vorgeblich oder tatsächlich aus politischen Motiven handelnd das sogenannt kapitalistische System sowie das etablierte Organisationssystem von Gesellschaft und Wirtschaft bekämpfen und insbesondere die Rechtsordnung und Herrschaftspraxis in der Bundesrepublik beseitigen wollen, um die eigenen politischen, sozialen oder ideologischen Ziele durchzusetzen. Dabei wird Anarchismus häufig in gleichem Sinn wie Terrorismus verwendet und auch auf solche Gruppen usw. bezogen, die mit dem Anarchismus nichts zu tun haben bzw. zu tun haben wollen […]. [Strauß 1989, 65–66]

Die mit Blick auf die Sach- und Theoriegeschichte eigentlich unzutreffende Gleichsetzung von Anarchismus und Terrorismus bzw. Anarchisten und Terroristen rührt ursprünglich offenbar vom offiziellen Sprachgebrauch her, der dann in die Allgemeinsprache übernommen wird:

Diese zuerst wohl im amtlichen Sprachgebrauch Anfang der 1970er Jahre, besonders in Äußerungen von Politikern, Regierung und Sicherheitsbehörden, getroffene Gleichsetzung von Anarchismus und Terrorismus ist als quasi-offizielle Sprachregelung auch von großen Teilen der bundesrepublikanischen Presse und Publizistik offenbar kritiklos übernommen worden […]. [Strauß 1989, 66]

Ebenfalls eine wortgeschichtliche Entwicklung der 1970er Jahre, die im Kontext der sachhistorischen Entwicklungen der Zeit einzuordnen ist, ist die Verknappung Anarcho. Komposita mit dem Erstglied Anarcho- sind nun bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts und damit zeitgleich zur dargelegten semantischen Entwicklung ab den 1880er Jahren bezeugt (1882a, 1908, 1936). Alleinstehend und damit als Kurzwortbildung zu Anarchist ist Anarcho aber erst ab den 1970er Jahren belegt (1974a, 1974c; bei Beleg 1910b scheint es sich um eine Spontanbildung zu handeln). Die Bildung mit dem personenbezeichnenden Suffix -o ähnelt dabei Wörtern wie NormaloWGd. Es fällt auf, dass in den 70er Jahren ausschließlich die pluralische Form bezeugt ist, Anarchos mithin eine Gruppenbezeichnung ist (1975d, 1976). Ferner scheint Anarcho im Besonderen auch ein spezifisches politisches Feld zu bezeichnen, das zumindest zum Teil aus der Studentenbewegung heraus entsteht (1977a, 1977b), gelegentlich zudem im Kontext von Linksterrorismus begegnet (1981a), gleichwohl aber auch in einem breiteren Sinn linke alternative Gruppierungen und ihre Anhänger bezeichnet (1981b, 1983, 1991). Im Singular und damit als Bezeichnung für eine Sozialfigur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert ist Anarcho seit Mitte der 1980er Jahren belegt (1985, 1986).

Kochtopf- und Internet-Anarchisten: Entwicklung seit den 1990er Jahren

Seit den 1990er Jahren lassen sich drei wesentliche semantische Entwicklungen beobachten: Erstens wird insbesondere Anarcho zunehmend historisierend mit der Bedeutung Anhänger einer linken Bewegung der 1970er und 1980er Jahre gebraucht (1997, 2000a) und es wird häufig in einem Zuge mit weiteren Sozialfiguren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genannt (1991, 1993). Damit ist Anarcho einerseits semantisch enger gefasst als Anarchist. Andererseits sprechen neue Komposita wie TV-Anarcho (1994), Kopftopf- oder Küchen-Anarchist (1996a, 1996b), Singer-/Songwriter-Anarcho (2001c), Anarcho-Sportler (2012b) oder Keks-Anarcho (2014) dafür, dass sowohl Anarchist als auch Anarcho zugleich (weiter) an semantischer Kontur verlieren, mithin eine Bedeutungserweiterung erfahren und nunmehr neben den weiterhin bestehenden älteren Bedeutungen auch sehr viel allgemeiner eine Person bezeichnen können, die sich nicht nach gesellschaftlichen Konventionen richtet oder innerhalb eines organisierten Rahmens handelt.

Für die Zeit seit der Jahrtausendwende fällt schließlich auf, dass Anarchist in einem neuen Feld verwendet wird, genauer in Zusammenhang mit dem Internet. Wortbildungen des 21. Jahrhunderts sind insbesondere Internet-Anarchist (2000b, 2003a, 2012a), Krypto-Anarchist (2001b, 2003b) und Cyber-Anarchist (2001a, 2011). Diese Wortbildungen bzw. die Affinität für das Wort Anarchist in Kontexten, die das World Wide Web betreffen, sind vermutlich vor dem Hintergrund einzuordnen, dass das Internet – insbesondere in den frühen Jahren – als unstrukturierter und unregulierter Raum wahrgenommen worden ist.

Anna S. Brasch

Anmerkungen

1) Vgl. zur Datierung GG I, 81 Fußnote 172.

Literatur

2Campe Verdeutschung Campe, Joachim Heinrich: Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke. Ein Ergänzungsband zu Adelung’s und Campe’s Wörterbüchern. Neue stark vermehrte und durchgängig verbesserte Ausgabe. (Documenta Linguistica. Quellen zur Geschichte der deutschen Sprache des 15. bis 20. Jahrhunderts. Reihe II. Wörterbücher des 17. und 18. Jahrhunderts. Herausgegeben von Helmut Henne.) Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Braunschweig 1813. Hildesheim/New York 1970. (mdz-nbn-resolving.de)

2DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Neubearbeitung. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (vormals Deutsche Akademie der Wissenschaften) und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bd. 1–9. Stuttgart 1983–2018. (woerterbuchnetz.de)

GG Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hrsg. von Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck. Bd. 1–8. Stuttgart 1972–1997.

HWPh Historisches Wörterbuch der Philosophie. Herausgegeben von Joachim Ritter, Karlfried Gründer, Gottfried Gabriel. Völlig neubearb. Ausg. des „Wörterbuchs der philosophischen Begriffe“ von Rudolf Eisler. Bd. 1–13. Basel 1971–2007.

25Kluge Kluge – Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearb. von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Aufl. Berlin/Boston 2011.

3OED Oxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte digitale Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Bd. 1–20. (oed.com)

10Paul Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarb. u. erw. Aufl. von Helmut Henne, Heidrun Kämper und Georg Objartel. Tübingen 2002.

Strauß 1989 Strauß, Gerhard: Politik und Ideologie. In: Gerhard Strauß/Ulrike Haß/Gisela Harras (Hrsg.): Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. Berlin/New York 1989, S. 25–394.

TLFi Trésor de la language française informatisé (Trésor de la language française, sous la direction de Paul Imbs/Bernard Quemada. Bd. 1–16. Paris 1972–1994). (atilf.fr)

Belegauswahl

Minerva. Ich denke nicht, dass es Junos Meinung ist, eine so unsinnige Absicht der ganzen Nazion oder auch nur einem kleinen Theile der Nazion aufbürden zu wollen: wiewohl nicht geläugnet werden kann, dass die Maximen, die man seit geraumer Zeit in den Versammlungen ihrer Freyheitsschwärmer und Anarchisten hört, wenn man systematische Konsequenz darin suchen wollte, geraden Weges in den primitiven Zustand zurück führen, den ihr großer Apostel Hans Jakob, wie wir alle wissen, für den wahren Naturzustand des Menschen erklärt hat; für den einzigen, worin diese sonderbare Art von Thieren so gut und so glücklich seyn könne, als die Natur sie machen wolle.

Wieland, Christoph Martin: Göttergespräch XII. In: Ders.: Sämtliche Werke. Fünf und Zwanzigster Band. Göttergespräche. Gespräche im Elysium. Leipzig 1796 [Beleg zuerst 1793], S. III – 278, hier S. 225. (digitale-sammlungen.de)

Zum Unglück für diesen zwar launevollen, aber gewiß sonst weder als Anarchist noch Conterrevolutionär bekannten Schriftsteller, kamen eben Nachrichten von einigen auf den Grenzen und auch im C. Bern vorgefallenen Unordnungen ein, die nun einige Mitglieder, Zimmermann, Blattmann, Fierz, damit in Zusammenhang stellten, so daß der niedergesetzten Commißion aufgetragen wurde, noch in gleicher Sitzung ihren Vortrag zu thun, und auf alle Uebelgesinnten auszudehnen.

Gesetzgebung. In: Beylage zu Nr. 1 der Helvetischen Nachrichten. Den 14. Wintermonat 1798, S. 4b. (books.google.de)

Girardin brandmarkte als Anarchiſten alle, die dem Project nicht beyſtimmten.

N. N.: Am Freitag, den 13. Februar. In: Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Hamburg 1801, S. [5]. (deutschestextarchiv.de)

„[…] Sie [die Demokraten] sind aus der Zeit der Französischen Revolution, Feinde des Adels, der Patrimonial-Gerichtsbarkeit, der Frohndienste, unterscheiden sich aber dadurch von der dritten Partei der Anarchisten, daß ihre Anhänger fast alle etwas gethan, erlebt haben, in vielen Verhältnissen waren, in Rang und Würden stehen, die Anarchisten aber Studenten, Doctoren, Buchhändler, die nicht wissen, wie es in der Welt aussieht, und sich über Alles wegsetzen. […]“

Denkwürdigkeiten aus dem Leben Leopold von Gerlachs, Generals der Infanteri und General-Adjutanten König Friedrich Wilhelms IV. Nach seinen Aufzeichnungen herausgegeben von seiner Tochter. Erster Band. Berlin 1891 [Beleg um 1813], S. 4. (books.google.de)

Anarchie, griech. die Herrenlosigkeit; der Zustand eines Staats ohne Oberhaupt, wo weder Gseze noch Rechte mehr gelten, und jeder nach Willkühr schaltet; überhaupt: Verwirrung, Zerrüttung.

anarchisch, gesez- oder zügellos.

Anarchist, ein Freund, Stifter solcher Unordnung.

Rechsteiner, Johann Conrad (Hrsg.): Handwörterbuch zur Erklärung der in Büchern und Schriften […]. Ebnat, Kanton St. Gallen 1824, S. 26. (books.google.de)

Doch gabs noch manche blutige Stürme, ehe man die Iacobiner und Anarchisten ganz bezwingen konnte.

Böttiger, Carl Wilhelm: Die allgemeine Geschichte für Schule und Haus. 3. Aufl., Erlangen 1827, S. 197. (gei.de)

Zu Pernambuco iſt am 15 April eine furchtbare Rebellion ausgebrochen. Schon kurz vorher war eine Verſchwörung zu Gunſten des Exkaiſers im Gange, wurde aber zu rechter Zeit entdeckt. Dießmal waren es die Liberalen oder Anarchiſten, welche den Aufſtand veranlaßten.

N. N.: Am Dienstage, den 5 Juni. In: Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten. Hamburg 1832, S. [6]–[7]. (deutschestextarchiv.de)

der Gesetzfeind, Anarchist, Gesetzverächter, der Zügellose.

Kaltschmidt, Jakob Heinrich: Kurzgefasstes vollständiges stamm- und sinnverwandtschaftliches Gesammt-Wörterbuch der Deutschen Sprache aus allen ihren Mundarten und mit allen Fremdwörtern. Leipzig 1834, S. 330. (books.google.de)

Deutsche Ehrenmänner, denen man Publicität und Ansehen zutraute, standen unter strenger Aufsicht oder wurden aus dem Schoße der Familie gerissen, nach Frankreich oder in deutsche Gefängnisse geschleppt (wie Niemeyer, Becker u. A.), die Philosophen waren unbeliebt, hießen Ideologen, Anarchisten.

Böttiger, Carl Wilhelm: Geschichte des deutschen Volkes und des deutschen Landes. 2. Aufl., Stuttgart 1839, S. 579. (gei.de)

Die französische Diplomatie sieht dem Ausgange dieses Parteienkampfes mit großer Spannung entgegen, und der Marquis v. Rumigny macht durchaus kein Geheimniß daraus, daß es der aufrichtigste Wunsch seiner Regierung sey, den Thron Isabellens II von Männern umgeben zu sehen, welche mit fester Hand ein geregeltes Verwaltungssystem durchführen, den heillosen Umtrieben der Anarchisten ein Ziel setzen, und der spanischen Nation Achtung und Anerkennung im Auslande verschaffen könnten.

Allgemeine Zeitung, 10. Januar 1840, Nr. 10, S. 73. (deutschestextarchiv.de)

Durch ihn sind auch mit den portugiesischen Anarchisten Verbindungen eröffnet worden, die zur Errichtung einer in Lissabon niedergesetzten „Obersten Staatsjunta des spanischen Protectorats“ geführt haben.

Allgemeine Zeitung, 26. Januar 1840, Nr. 26, S. 201. (deutschestextarchiv.de)

Louvet und einige andere giengen diesen Abend in der festen Meinung, sie sollen dort ermordet werden, nicht nach dem Nationalconvent; sondern kamen zu einer Beratung zusammen, was man tun könne, um mit den Anarchisten, so nanten sie nämlich die insurrectionelle Partei des September, fertig zu werden.

Leo, Heinrich: Lehrbuch der Universalgeschichte. Enthaltend der neuesten Geschichte erste Hälfte. Bd. 5, 2. Aufl. Halle, 1845, S. 55. (gei.de)

Auch des geistreichen und tiefdenkenden Proudhons berüchtigter Ausspruch, daß er Anarchist sei, bedeutet nur, daß er im Staate an die Stelle einer Herrschaft der Gewalten die Herrschaft der Vernunft wolle treten sehen, daß der Beweis gelten solle statt des Edictes.

Die Grenzboten 5/3/2 (1846), S. 315. (suub.uni-bremen.de)

Es war ein eigenthümliches Geschick bei diesem merkwürdigen Pacifikationsverfahren, daß die ordnungswüthige Bureaukratie zur Bekämpfung der polnischen „Anarchistengelüste“ sich der Anarchie in ihren eigenen Reihen bediente.

Neue Rheinische Zeitung, 10. Juli 1848, Nr. 40, S. 197. (deutschestextarchiv.de)

Gestern, am 25., kamen in Spandau mit dem Hamburger Bahnzug 19 schleswig-holsteinische Freischärler von der bekannten 6. Kompagnie des Tann’schen Korps an, welche bekanntlich als „Anarchisten und Kommunisten“ aus den loyalen Patriotenbanden austreten mußten.

Neue Rheinische Zeitung, Beilage, 29. Juni 1848, Nr. 29, S. [1]. (deutschestextarchiv.de)

Man hat seit einigen Monaten in allerlei reaktionären Winkelblättchen eine Menge von wuthschnaubenden Adressen gegen Wühler, Anarchisten, Republikaner und Rebellen gelesen, die Alle aus der Mark, aus dem Kreise Hagen etc. datirt waren.

Neue Rheinische Zeitung. Beilage. 25. Juni 1848, Nr. 25, Köln 1848, S. [2]. (deutschestextarchiv.de)

Es sagt mir ferner, daß die Bestrafung Louis’, die den Königen zur Lehre dienen wird, auch eine furchtbare Lehre sein wird für die Aufwiegler, die Anarchisten, für Alle, denen es nach der Diktatur oder irgend welcher andern dem Königthum ähnlicher Gewalt gelüstet.

Neue Rheinische Zeitung, 26. Juni 1848, Nr. 26, S. [1]. (deutschestextarchiv.de)

Der in der heutigen Nummer der köln. Zeitung erstattete Bericht über Vorgänge des 22. d. in hiesiger Stadt ist in einer Art und Weise abgefaßt der nur die Erbitterung vermehren kann, und dabei Unkenntniß und Verdächtigungen zur Schau trägt.

Die ersten Worte.

„Unsere Demokraten resp. Anarchisten haben heute einen Triumpf gefeiert etc.!“ sind schon so beleidigender Art, daß es jeden echten Demokraten also jeden für das Volkswohl strebenden ehrlich denkenden Manne mit gerechter Entrüstung erfüllen muß, wenn ein Blatt wie die köln. Zeitung den Begriff Demokrat und Anarchist derart verschmelzt, als hätte dieß ein und dieselbe Bedeutung.

Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Nr. 155, Mittwoch, 29. November 1848. Beilage. Köln 1848, S. [2]. (deutschestextarchiv.de)

Die Stellung Preußens zur deutschen Reichsverfassung.

Trotz der Niederlagen der Anarchisten in Frankfurt und Baden, trotz dem festen Auftreten des Reichsministeriums war der Zustand Deutschlands ein sehr bedenklicher, bis die Wiener Nachrichten der drohenden Spannung ein eben so gewaltiger, als der Mehrzahl unerwarteter Ableiter wurden.

Die Grenzboten 7/4/2 (1848), S. 142. (deutschestextarchiv.de)

Bedenklich sieht es auf den Straßen aus und die Anarchistenpartei gibt sich alle Mühe, einen Handstreich gegen die Nationalversammlung herbeizuführen, wofür man wahrscheinlich neulich, als die Linke Reißaus genommen, die Zeit noch nicht reif genug gefunden hatte.

N. N.: Mainzer Journal: Nr. 30. In: Mainzer Journal. Nr. 30. Mainz, 15. Juli 1848. (deutschestextarchiv.de)

Die Anarchisten freilich können sich nur geltend machen in einem unfertigen Staate, der wahre Demokrat aber muß sein erstes Streben darnach richten, den festen Boden zu gewinnen, auf dem er das Fundament seines politischen Gebäudes mit Zuversicht errichten kann.

Die Grenzboten 8/4/2 (1849), S. 80. (suub.uni-bremen.de)

Denn was die eigentlichen Demokraten (sehr zu unterscheiden von den Republikanern, Anarchisten, Socialisten u. s. w., die sie ja beständig desavouiren) eigentlich wollen, scheinen nur zwei Blätter zu wissen: die Nationalzeitung und die Kreuzzeitung.

Die Grenzboten 9/2/2 (1850), S. 963. (suub.uni-bremen.de)

Die Verzweiflung indeſs und die ökonomische Zerrüttung, welche die Mitleidenschaft unter dem spanischen Krieg (S. 28) und überhaupt die amtlichen und nicht amtlichen Erpressungen der Römer über die gallischen Besitzungen brachten, lieſs dieselben nicht zur Ruhe kommen und namentlich der von Narbo am weitesten entfernte Canton der Allobrogen war in beständiger Gährung, von der die ‚Friedensstiftung‘, die Gaius Piso dort 688 vornahm, so wie das Verhalten der allobrogischen Gesandtschaft in Rom bei Gelegenheit des Anarchistencomplotts 691 (S. 169) Zeugniſs ablegen und die bald darauf (693) zum Ausbruch kam in einer neuen verzweifelten Schilderhebung des Cantons unter Catugnatus.

Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Dritter Band: Von Sullas Tode bis zur Schlacht von Thapsus. Leipzig 1856, S. 205. (deutschestextarchiv.de)

Letztere kann man als Anarcho-Despotie bezeichnen.

Meyer, Rudolf Hermann: Der Emancipationskampf des vierten Standes. I. Band. Berlin 1882, S. 469. (books.google.de)

In Paris brach der Aufstand der Kommunisten und Anarchisten aus.

Die Grenzboten 41/4 (1882), S. 418. (suub.uni-bremen.de)

Mögen Sie noch so energisch gegen die Gemeinschaft mit den sogenannten Anarchisten protestiren: diese sind die Früchte der von gewissen Herren „Führern“ der Sozialdemokraten unablässig ausgestreuten Saat, und diese Herren Führer laden eine ebenso schwere Schuld auf sich, wie Mazzini, der fort und fort Verblendete in die Kerker oder in den Tod schickte, ohne die Italiener der ersehnten Einheit um einen Schritt näher zu bringen.

Die Grenzboten 43/4 (1884), S. 589. (suub.uni-bremen.de)

Die wahnwitzigen Projekte der Kommunisten, Anarchisten, Sozialdemokraten und ihrer verschiednen Spielarten haben auf eine Verwirklichung nicht zu rechnen; sie tragen in sich selbst die Unmöglichkeit ihrer Ausführung.

Die Grenzboten 45/3 (1886), S. 5. (suub.uni-bremen.de)

Die Geschwornen sind Besitzende, Bourgeois, die natürliche Feinde der Anarchisten sind.

Die Grenzboten 52/4 (1893), S. 645. (suub.uni-bremen.de)

Der Unbekannte wehrte ſich, den Agenten gelang es aber gleichwohl, ihn auf das nächſte Polizeicommiſſariat zu ſchleppen. Dort weigerte er ſich hartnäckig, ſeinen Namen anzugeben und erklärte nur, er ſei Anarchiſt; Andere würden mit dem Attentate erfolgreicher ſein.

Mährisches Tagblatt, 6. 9. 1895, Nr. 204, S. [7]. (deutschestextarchiv.de)

Außer einigen unbelehrbarer Merkantilisten bestreiten heute wohl nur noch die Sozialisten und Anarchisten die Notwendigkeit der Expansion; diese bedürfen ihrer für ihre Zukunftsutopien nicht, weil da die Staatsgrenzen ausgehoben sein werden, und jeder sich auf eigue Faust expandirt, „per“ Luftdroschke hinkutschirend, wohin es ihm beliebt.

Die Grenzboten 55/1 (1896), S. 147. (suub.uni-bremen.de)

Jn volkswirtschaftlicher Beziehung kann man sechs Hauptrichtungen unterscheiden: A. und B. Antisozialistinnen, freihändlerische und schutzzöllnerische Anhängerinnen des privaten Grund- und Kapitaleigentums. C. Halbsozialistinnen im Sinne H. George’s oder anderer. D. Sozialdemokratinnen. E. und F. Kommunistinnen und Anarchistinnen.

Walcker, Karl: Die Frauenbewegung. Kritische Betrachtungen. Straßburg 1896, S. 12. (deutschestextarchiv.de)

Ein Sozialist, Kommunist, Anarchist könnte dem B höhnisch vorhalten: „Sie Bourgeois, Sie Halber, Sie Schwachkopf! Was nützt mir das gleiche Wahlrecht?

Walcker, Karl: Die Frauenbewegung. Kritische Betrachtungen. Straßburg 1896, S. 20. (deutschestextarchiv.de)

Dieſen öffentlich bekannten Grundſätzen entſprechen auch die Handlungen und Unternehmungen unſeres Reformators. Luther fand Geſinnungsgenoſſen, welche die Welt verbeſſern wollten auf dem Wege des Umſturzes. Schon gleich bei ſeinem erſten Auftreten ſchloßen ſich ihm an der bekannte Ullrich von Hutten und Franz von Sickingen. Erſterer war von dem Geiſte beſeelt wie die ſpätern Jakobiner und verkündete damals ſchon das Loſungswort: „Es lebe die Freiheit,‟ gleich den fortgeſchrittenſten Anarchiſten und Revolutionären unſeres Jahrhunderts.

Diefenbach, Johann: Reformation oder Revolution? Für Katholiken und Protestanten beantwortet. Mainz 1897, S. 12. (deutschestextarchiv.de)

Die Direktorialregierung hatte sich nicht ohne neue Gewaltthätigkeiten behaupten können: um das Emporkommen der Jakobiner („Anarchisten“) zu verhindern, waren am 11. Mai (22. Floréal) 1798 mehr als sechzig Wahlen umgestossen und einfach die Kandidaten der Minderheit für gewählt erklärt worden […]; trotzdem war das Verhältnis zwischen den Räten und Direktorium ein so unleidliches geworden, dass der Rat der 500 am 18. Juni (30. Prairial) 1799 den Rücktritt von zwei Direktoren erzwang; aber das Direktorium in seiner neuen Zusammensetzung war auch sofort wieder mit dem Rat der 500, der jakobinische Anwandlungen zeigte, in Streit geraten, und Gesetze, über die man sich unter dem Eindruck der äusseren Gefahr einigte, das sogenannte Geisselgesetz, das für die sich wieder mehrenden Unruhen und Gewaltthaten ausschliesslich die „Royalisten“ des betreffenden Bezirks verantwortlich machte, und eines, das ein Zwangsanlehen in Form einer progressiven Grundsteuer (bis über die Hälfte des Ertrags) einführte, riefen überall die Furcht vor Wiederkehr der Konventszeiten hervor.

Klett, Theodor, Oskar Treuber: Lehrbuch der Weltgeschichte für obere Klassen der Gymnasien und Realschulen. Bd. 3: Neue Zeit. In: Klett, Theodor u. a.: Lehrbuch der Weltgeschichte für obere Klassen der Gymnasien und Realschulen. 3 Bde, Stuttgart, 1897, S. 336. (gei.de)

Bald ward die gewerkschaftliche Bewegung lebhafter, und die Genossenschaften trugen dazu bei, daß die Klassengegensätze geschürt und Anwandlungen von Mutlosigkeit bekämpft wurden. Die Anarchisten, die auf gewaltsamen und vollständigen Umsturz aller Verhältnisse ausgehen, ließen sich gar nicht einschüchtern und scheuten nicht vor dem fluchwürdigen Anschlage zurück, 1883 bei der Enthüllung des Nationaldenkmals auf dem Niederwalde die ganze Versammlung, den 86 jährigen Kaiser an der Spitze, in die Luft zu sprengen. Die Macht des Gedankens kann eben kein Gesetz unterdrücken.

Stutzer, Emil: Deutsche Sozialgeschichte. Halle a.S. 1898, S. 193. (gei.de)

Nach fünf Mordversuchen ist es dieser teuflischen Partei gelungen, den edlen Kaiser Alexander II., der die Leibeigenschaft der Bauern aufhob, durch eine ihm vor die Füße geschleuderte Bombe am 13. März 1881 zu töten. – In Nordamerika wurde der edle Präsident Garfield durch die Kugel eines Meuchelmörders getötet, in Frankreich der Präsident Carnot 1894, in Genf 1898 die edle Kaiserin Elisabeth von Österreich von einem „Anarchisten“, d. i. einem Feinde jeder staatlichen Ordnung, erdolcht.

Polack, Friedrich: Geschichtsbilder aus der allgemeinen und vaterländischen Geschichte. Ausg. B, Leitfaden für mittlere u. höhere Mädchenschulen. 17. Aufl., Gera 1899, S. 350. (gei.de)

Ein verschwommenes Mittelding zwischen Sozialisten und Anarchisten sind die Anarcho-Sozialisten.

Pasig, Paul: Abriß der Staats- und Rechtskunde. 21. – 25. Tsd., Leipzig 1908, S. 17. (gei.de)

Die Frau also empfindet die Schranken, die der Staat ihrer Fürsorge für das Wohl der Ihrigen zieht, als zu Unrecht bestehend und sieht kein Unrecht darin, diese Schranken zu überspringen; sie ist also dem Staate gegenüber Anarchistin; glücklicherweise kommt sie nur selten in die Lage, ihre anarchische Gesinnung zu betätigen.

Die Grenzboten 68/1 (1909), S. 241. (suub.uni-bremen.de)

Ich weiß wohl, daß die luftleeren Abstraktionen Hegels Worthülsen boten, in die auch rebellische Gedanken hineingesteckt werden konnten, daß es die linksstehenden Jung-Hegelianer waren, die später, an Hegels Denkvirtuosität geübt, Atheisten (oft vorsichtige) und radikale Anarchisten wurden.

Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 25798. [DWDS]

In den Versammlungen versuchten die Anarchos für ihre Freie Vereinigung Stimmung zu machen.

Leipziger Volkszeitung, 20. 6. 1910, S. 2. [DWDS]

Ich bin Anarchist, daraus habe ich niemals ein Hehl gemacht.

Friedländer, Hugo: Das Dynamit-Attentat bei der Enthüllungsfeier des Niederwald-Denkmals. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1149. [DWDS]

Sie sei eine anständige Anarchistin, die sich auf redlichem Wege ihr Brot verdiene.

N. N.: Die verbrecherische Automobilistengesellschaft. In: Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 2. 3. 1912, S. 5. [DWDS]

Eine vom Größenwahn eingegebene Tat war das Unternehmen des Schriftsetzers Reinsdorf, der schon vor dem Sozialistengesetz als Anarchist von der Sozialdemokratie ausgeschlossen worden war.

Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 2. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 9993. [DWDS]

Auch der Frau soll hier gedacht werden, die zwar keine Parteigenossin, sondern Anarchistin war, die aber einen beispiellosen Opfermut gezeigt hatte.

Baader, Ottilie: Ein steiniger Weg, Lebenserinnerungen einer Sozialistin. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 3152. [DWDS]

Die Stadt ist im Generalstreik. Man befürchtet schwere Zwischenfälle bei der Beisetzung eines gestern von Anarcho-Syndikalisten getöteten Kommu- nisten.

N. N.: Politischer Mord in Spanien. In: Pariser Tageszeitung, 12. 6. 1936, S. 3. [DWDS]

Im würdelosen Angos hat Jupiter nur einen Gegenspieler, die Anarchistin Elektra.

Die Zeit, 20. 11. 1947, Nr. 47. [DWDS] (zeit.de)

Schon zur Zeit des Kampfes gegen die Anarchisten hat Engels darauf verwiesen, daß in jeder gesellschaftlichen Organisation eine bestimmte Autorität und eine bestimmte Unterordnung notwendig sind, sobald eine kombinierte Tätigkeit besteht.

N. N.: Politbüro des ZK der KP Chinas über die Bedeutung der russischen Oktoberrevolution, über die Verdienste und Fehler Stalins, gegen die jugoslawische Kritik am Stalinismus und für die internationale Solidarität des Proletariats. In: Archiv der Gegenwart, 2001 [1957], S. 6184. [DWDS]

Starusch zieht Verlobungsringe aus der Tasche, und die Anarchistin Vero geht aus Protest zu Kempinski Kuchen essen.

Die Zeit, 21. 2. 1969, Nr. 08. [DWDS] (zeit.de)

Kritiklos feiern sie die Aktionen der Neo-Anarchisten – ein Bömbchen für den Staatsanwalt, einen Pflasterstein ins Amerika-Haus, einen Zündsatz in die Spielwarenabteilung des Kaufhauses.

Die Zeit, 22. 5. 1970, Nr. 21. [DWDS] (zeit.de)

Im Herbst fuhr ich mit Emma Goldman, der bekannten amerikanischen Anarchistin, von Barcelona aus zu Durruti an die Front.

Enzensberger, Hans Magnus: Der kurze Sommer der Anarchie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972, S. 218. [DWDS]

Es waren die „Spontis“. „Anarchos“ und „Chinesen“, Maoten und Chaoten der linken Frankfurter Uni-Szene – „alles Gruppen“, so Kriminaloberrat Karl August Hofmann vom hessischen Landeskriminalamt, "die in Frankfurt den Häuserkampf organisieren

Der Spiegel, [Wochenzeitschrift], 4. 3. 1974, S. 26. [IDS]

In einstündigen Ausführungen sprach die Anarchistin von einer „exemplarischen Aktion der Metropolen-Guerilla“.

Die Zeit, 20. 9. 1974, Nr. 39. [DWDS] (zeit.de)

Wie unsicher das Milieu war, in dem sich die Behörden bewegen mußten, erwies sich schließlich beim Tode des Holger Meins, Fehlleistungen und Versäumnisse vor allem in diesem Fall gaben den Anarchos. ihren Anhängern und Anwälten den erwünschten Anlaß. den ganzen Rechtsstaat in Verruf zu bringen –

Der Spiegel, [Wochenzeitschrift], 18. 11. 1974, S. 28. [IDS]

Am vergangenen Freitag hat das Berliner Schwurgericht die Anarchistin Ulrike Meinhof zu acht Jahren Freiheitsstrafe und den ehemaligen Rechtsanwalt Horst Mahler unter Einbeziehung einer schon früher verhängten 12jährigen Freiheitsstrafe zu insgesamt 14 Jahren Haft verurteilt.

Die Zeit, 6. 12. 1974, Nr. 50. [DWDS] (zeit.de)

Terroristen, Sympathisanten, Anarchoide, Kommunisten aller Couleur: in einen Kropf!

Die Zeit, 7. 3. 1975, Nr. 11. [DWDS] (zeit.de)

Der Bonner Finanzminister Hans Apel könnte froh sein, wenn er die Millionen zur freien Verfügung hätte, die Bonn Jahr für Jahr ausgeben muß, um die Republik vor Terror und Mordanschlägen radikaler Anarchisten abzuschirmen.

Die Zeit, 2. 5. 1975, Nr. 19. [DWDS] (zeit.de)

Ein untertreibender Ausdruck für Ratlosigkeit und Nichtwissen, der aber mehr Gewißheit vermittelt als die Festlegung auf „Anarcho-Terroristen“, die der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt vornahm.

Die Zeit, 9. 5. 1975, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Soviel jedenfalls scheint erwiesen: Weder polizeiliches Massenaufgebot, wie unmittelbar nach der Lorenz-Entführung, noch ausgeklügelte Computer-Technik, die es später schaffen sollte, brachten die Fahnder wesentlich weiter bei ihrer Suche nach den gefährlichen Anarchos.

Der Spiegel, [Wochenzeitschrift], 15. 9. 1975, S. 32. [IDS]

Minister Maihofer ist sicher, daß die westdeutschen Anarchos „personelle und logistische Vorleistungen für internationale Terroraktionen“ erbracht haben, um sich selber damit „internationale Unterstützung für geplante eigene Aktionen in der Zukunft zu sichern“.

Der Spiegel, [Wochenzeitschrift], 12. 7. 1976, S. 17. [IDS]

Von Grund auf gewandelt hat sich der Zuschnitt der Aktionen. Die Anarchos der frühen Siebziger hielten sich noch viel zugute auf das Klassenmoment ihrer Coups. Der Schuß auf den Universitäts-Angestellten Linke, während der Baader-Befreiung in Berlin-Dahlem, der Bombentod des Bootsbauers Berlitz beim Anschlag auf den britischen Segelklub in Berlin-Gatow – dergleichen wurde zumindest gruppenintern als Betriebsunfälle der Stadtguerilla beklagt.

Der Spiegel, [Wochenzeitschrift], 18. 4. 1977, S. 17. [IDS]

DerSpontan-Anarchismus sogenannter „Spontis“ und „Anarchos“ besteht überwiegend aus Einzelgängern und kleinsten Splittergruppen, die dafür kämpfen, die „Herrschaft des Menschen über den Menschen“ abzuschaffen.

Die Zeit, 23. 9. 1977, Nr. 39. [DWDS] (zeit.de)

Dann gibt’s viele Anarchos und andere aus der linken Ecke, auch welche, die mal RAF-mäßig was drauf hatten.

Die Zeit, 6. 2. 1981, Nr. 07. [DWDS] (zeit.de)

So kam es, daß denjenigen, die Ende der sechziger Jahre Opposition waren, nun selber eine Opposition von Leuten erwuchs, die keine Intellektuellen oder jedenfalls nicht mehrheitlich Intellektuelle sind: Alternative, Friedensmarschierer, Hausbesetzer, Anarchos.

Die Zeit, 18. 9. 1981, Nr. 39. [DWDS] (zeit.de)

In dieser Selbstbefreiung sind manche Kader und Militante verstrickt, die ein Jahrzehnt lang ins subkulturelle Getto eingesperrt waren: in den K-Gruppen, bei den Trotzkisten, Spontis, Anarchos, Feministinnen.

Die Zeit, 13. 5. 1983, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Anstatt in die alte Leier vom Anarcho auf dem Veloziped zu verfallen, hätte man besser einen Artikel schreiben sollen, wie durch Behördenwillkür, planerischen Dilettantismus und Konzeptlosigkeit den Radfahrern unzumutbare Bedingungen geschaffen werden.

Der Spiegel, [Wochenzeitschrift], 21. 10. 1985, S. 7. [IDS]

„Die Härte der Pfingstauseinandersetzung in Wackersdorf, berichtet ein Kölner Anarcho, “wäre mit Schwarzjacken allein niemals möglich gewesen."

Der Spiegel, [Wochenzeitschrift], 21. 7. 1986, S. 26. [IDS]

Wahr ist, daß Gartenschlägers jahrelange „Offene Arbeit“ mit Punks, Anarchos, Öko-Freaks und ähnlich sperrigen Kindern der DDR vielerorts auf kirchliches Unbehagen stieß.

Die Zeit, 25. 10. 1991, Nr. 44. [DWDS] (zeit.de)

Das war Volkstheater für Spontis, Anarchos, Müslis und Mollies, Hausbesetzer und Tierbeschützer, für die Freaks von Berlin bis Biberach.

Die Zeit, 12. 2. 1993, Nr. 07. [DWDS] (zeit.de)

Der begabte Selbstdarsteller mit dem diabolischen Grinsen ist ein TV-Anarcho, der in Indianapolis Radio für die College Kids gemacht hatte, dann durch die Comedy-Clubs von Los Angeles tingelte, im Frühstücks-Fernsehen scheiterte und im Nachtprogramm zum Superstar avancierte.

Berliner Zeitung, 2. 7. 1994. [DWDS]

Zur Charakteristik des Kochtopf-Anarchisten gehört, daß er sich vor genauen Mengenangaben scheut.

Die Zeit, 12. 7. 1996, Nr. 29. [DWDS] (zeit.de)

Das Lieblingsgewürz des Küchen-Anarchisten kommt bei den Süßspeisen ganz groß raus: frischer Ingwer.

Die Zeit, 30. 8. 1996, Nr. 36. [DWDS] (zeit.de)

Die Guerilleros sind in die Jahre gekommen. Nichts erinnert mehr an die langhaarigen, ungepflegten Anarchos, die von Fahndungsplakaten herab die Bürger erschreckten. Die Haare sind licht, die Klamotten bieder, die Sprache ist ruhiger geworden.

Berliner Zeitung, 20. 5. 1997. [DWDS]

Aus der Sicht jener alten Bundesrepublik, die in Gestalt von Stadtindianern, Anarchos und Kommunarden ihre Artikel eigene (dürftige) Gegenkultur hatte, wirkte die Ostberliner Szene vom Prenzlauer Berg manchmal wie eine zum Utopie dessen, was aus der DDR hätte werden können – wenn die Staatsoberen sie nur gelassen hätten.

Der Tagesspiegel, 10. 1. 2000. [DWDS]

McCoy und seine Hackerbande sind nämlich beim näheren Hinsehen nicht ganz die Internet-Anarchisten, die man sich unter ihnen vorstellt.

Die Zeit, 28. 9. 2000, Nr. 40. [DWDS] (zeit.de)

Und vieles ist im Netz kostenlos zu haben, wofür man im Geschäft bezahlen müsste. Die Cyber-Anarchisten haben diesen Zustand stets gepriesen.

Der Tagesspiegel, 22. 3. 2001. [DWDS]

Sie nennen sich „Crypto-Rebellen“, „Cypherpunks“ und „Crypto-Anarchisten“ nennt – und viele von ihnen finden die Sache mit der Geheimhaltung schon aus Eigeninteresse interessant.

Die Zeit, 19. 4. 2001, Nr. 17. [DWDS] (zeit.de)

Manfred Maurenbrecher begann als Singer-/Songwriter-Anarcho.

Berliner Zeitung, 18. 12. 2001. [DWDS]

In London und New York machen sich Internet-Anarchisten die Sorglosigkeit vieler WLAN-Betreiber zu Nutze.

Berliner Zeitung, 13. 3. 2003. [DWDS]

Sie nennen sich Cypherpunks, Krypto-Rebellen oder Krypto-Anarchisten und haben den Datenschutz auf die Spitze getrieben.

Die Zeit, 4. 12. 2003, Nr. 50. [DWDS] (zeit.de)

Nach Angaben der APA war in der Nacht zum Freitag unter der Webadresse der Partei statt der SPÖ-Startseite das Logo der Cyber-Anarchisten «Anonymous» erschienen.

Die Zeit, 1. 7. 2011 (online). [DWDS] (zeit.de)

Die merkwürdige Liebesgeschichte zwischen dem Internet-Anarchisten Julian Assange und dem Präsidenten des südamerikanischen Staates Ecuador, Rafael Vicente Correa Delgado, nimmt ihren Anfang im April dieses Jahres.

Die Zeit, 23. 8. 2012, Nr. 35. [DWDS] (zeit.de)

Felskletterer, BMX-Fahrer, Snowboarder – all diese coolen Anarcho-Sportler fernab der Vereinsheime waren mit den roten Bullen unterwegs.

Die Zeit, 16. 10. 2012, Nr. 42. [DWDS] (zeit.de)

Die Zeiten, als ein Keks-Anarcho die Kinderherzen erobern durfte, sind offenbar vorbei.

Die Zeit, 6. 11. 2014, Nr. 46. [DWDS] (zeit.de)