Wortgeschichte
Von Mangel an Arbeitern zu Arbeitermangel: Eine Wortbildung des 19. Jahrhunderts
Abb. 1: Wortverlaufskurve zu Mangel an Arbeitern
DWDS (dwds.de) | Bildzitat (§ 51 UrhG)
Mit Arbeitermangel liegt seit Beginn des 19. Jahrhunderts (1803, 1839) ein Kompositum vor, das den Zustand einer Volkswirtschaft oder einzelner Branchen einer Volkswirtschaft bezeichnet, wo ein Fehlen von Arbeitskräften vorherrscht (1858, 1901a, 1920, 1949, 2006a). Zuvor ist bereits die Wortverbindung Mangel an Arbeitern belegt (1523, 1679), die sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiter verbreitet (1772, 1798; vgl. auch Abb. 1 sowie die entsprechende Wortverlaufskurve des Google NGram Viewers).
Arbeitermangel begegnet im 19. Jahrhundert zunächst vielfach in Bezug auf die Landwirtschaft (1875, 1895), daneben aber auch auf weitere Branchen (1888a, 1888b). Gelegentlich ist Arbeitsmangel als Gegensatz bezeugt (1856, 1893).
Verwendungsspitze ab der Jahrhundertwende
Abb. 2: Wortverlaufskurve zu Arbeitermangel
DWDS (dwds.de) | Bildzitat (§ 51 UrhG)
Arbeitermangel hat einen Verwendungshöhepunkt um die Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bevor die Bezeugungsfrequenz rückläufig ist (vgl. Abb. 2 sowie die entsprechende Wortverlaufskurve des Google NGram Viewers). Der Bezeugungsanstieg ist wohl auch vor dem Hintergrund der Entwicklung des Arbeitsmarktes seit Ende des 19. Jahrhunderts zu verstehen:
Spätestens seit den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts krankte der deutsche Arbeitsmarkt nicht mehr an einem Arbeitskräfteüberschuss, sondern an einem Mangel und setze damit neben der inneren auch eine transnationale Massenwanderung in Gang. [Krosch 2017, 20]
Entsprechend ist Arbeitermangel bereits im 19. Jahrhundert immer wieder auch in Zusammenhang mit einem vermehrten Einsatz von Maschinen (1870, 1913) sowie später insbesondere mit dem Einsatz ausländischer Arbeitender (1892, 1899c) als Gegenmaßnahmen bezeugt. Damit ist Arbeitermangel nicht zuletzt schon im 19. Jahrhundert auch im Kontext von Debatten nicht nur der Arbeitsmigration im Allgemeinen, sondern auch des bereits hier beginnenden Übergangs vom Auswanderungs- zum Zuwanderungsland zu verorten (vgl. Wehler 1995, 545-546; vgl. daneben Herbert 2001, 14–17; zum Migrationswortschatz s. auch den Wortfeldartikel MigrationWGd).
Abseits der Verwendungsspitze ab der Jahrhundertwende ist ein Mangel an Arbeitskräften natürlich immer im Kontext der wechselnden wirtschaftlichen und politischen Gesamtzusammenhänge zu verstehen. Entsprechend begegnet auch das Wort Arbeitermangel über die Jahrzehnte in Bezug auf je unterschiedliche wirtschaftliche und politische Entwicklungen und in entsprechenden Debatten. So sind weitere Hintergründe, vor denen das Wort verwendet wird, etwa Mobilmachungen zu Kriegszeiten (1884, 1940) oder die Vollbeschäftigung in der jungen Bundesrepublik (1955).
Leutenot und Leutemangel: Synonyme im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert
Mit Leutenot und Leutemangel sind im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zwei weitere Komposita im semantischen Feld verbreitet, die einen Mangel an Arbeit leistenden Menschen bezeichnen (1899b, 1900. 1910) und damit weitgehend synonym zu Arbeitermangel sind (1901b):
Dies kennzeichnete die Situation, dass ab den 1880er Jahren Arbeitskräfte zunächst in der Landwirtschaft dringend benötigt wurden, jedoch auf dem nationalen Arbeitsmarkt nicht zu finden waren. Ein Grund für den Leutemangel war die massive Abwanderung ins Ausland, vor allem nach Übersee, und zugleich das Wachstum der Industrie und damit der ökonomische Strukturwandel. Arbeitskräfte wurden vor allem aus Osteuropa und insbesondere aus Polen rekrutiert. [Helmrich/Gerd 2021, 275]
Erste vereinzelte Bezeugungen von Leutemangel reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück (1850, 1866), etwas später ist Leutenot nachweisbar (1872). Insgesamt ist Leutenot verbreiteter als Leutemangel; nach einer Verwendungsspitze zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1899a, 1905a, 1905b, 1917, 1929a, 1929b) ist die Verwendungshäufigkeit beider Komposita rückläufig (vgl. die entsprechende Wortverlaufskurve des Google Ngram Viewers).
Von Leutenot bis Fachkräftemangel: Veraltende Wörter und semantische Ablösungsprozesse
Sowohl Leutenot als auch Leutemangel können heute als veraltet gelten. Bereits in den 1940er Jahren löst ArbeitskräftemangelWGd Leutemangel und Leutenot hinsichtlich der Verwendungshäufigkeit ab, in den 1950er schließlich auch Arbeitermangel (vgl. die entsprechende Wortverlaufskurve des Google Ngram Viewers). Anders als Leutenot und Leutemangel ist Arbeitermangel allerdings bis heute in Gebrauch (2006b, 2022).
Visualisierung 1: Chronologie der Ausdrücke Mangel an Arbeitern, Arbeitermangel, Leutemangel, Leutenot, Arbeitskräftemangel und Fachkräftemangel
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts ist daneben das neue, heute verbreitetste Kompositum FachkräftemangelWGd belegt, das gegenwärtig seinerseits Arbeitskräftemangel hinsichtlich der Verwendungshäufigkeit abgelöst hat. All diese Entwicklungen sind wohl auch vor dem Hintergrund der Veränderungen des Arbeitsmarktes, zuletzt namentlich des wachsenden Bedarfs an (hoch-)qualifizierten Arbeitskräften in einer sich zunehmend ausdifferenzierenden und spezialisierenden Gesellschaft, zu verorten.
Literatur
Helmrich/Gerd 2021 Helmrich, Robert/Gerd Zika: Leutemangel, Arbeitskräftemangel, Fachkräftemangel – Engpässe auf dem Arbeitsmarkt: Die Rolle der Aus- und Weiterbildung zur Lösung des Fachkräftemangels. In: Bellmann, Lutz et al. (Hrsg.): Schlüsselthemen der beruflichen Bildung in Deutschland: ein historischer Überblick zu wichtigen Debatten und zentralen Forschungsfeldern. Leverkusen 2021, S. 275–286.
Herbert 2001 Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. München 2001.
Krosch 2017 Krosch, Renate: Leutenot – Sachsengänger – Schnitterkasernen. Landwirtschaftliche Arbeitsmigration in der Preußischen Provinz Sachsen 1871 bis 1914, dargestellt am Beispiel der Magdeburger Börde und Umgebung. Oschersleben 2017.
Wehler 1995 Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849–1914. München 1995.
Belegauswahl
Günzburg, Johann Eberlin von: Die ander getrew vermanung […] an den Rath der loblichen Stadt Ulm […]. Erffurdt 1523, Bl. d ij v. (books.google.de)Also wirt man nit grossen mangel an arbeitern und dienst leüten haben/ vnd wirt man dan auch dester geneigter zu geben.
Loehneyss, Georg Engelhard von: Hof-, Staats- und Regier-Kunst. Frankfurt a. M. 1679, S. 623. (books.google.de)Es würden auch die außländische Bursch Lust und Belieben haben/ sich an denselben Ort zu begeben und zu arbeiten/ sintemal Sommers-Zeit an etlichen Orten grosser Mangel an Arbeitern ist.
Young, Arthur: Sechsmonatliche Reise durch die nördlichen Provinzen von England […]. nach der zweyten Englischen Ausgabe übersetzt. Erster Theil. Leipzig 1772, S. 95. (books.google.de)Man redet jetzt in dieser Gegend sehr viel von Mangel an Arbeitern, und schreibt solchen den Einzäunungen der Felder, und den Wegebesserungen zu.
Münchner Intelligenzblatt, 7. Dezember 1798, Nr. L, Sp. 757. (books.google.de)Die Klage über den Mangel an Arbeitern auf dem Lande ertönt immer lauter, und von mehrern Orten her […].
Baumann, Christian: Der Kern und das Wesentliche entdeckter Geheimnisse der Land- und Hauswirtschaft […]. Zweiter Band, dritte Auflage. Brünn 1803, S. 735. (books.google.de)Wie man auch immer gegenwärtig in den Städten gegen den Wucher schreit, so schreie und schreibe ich gegen den Futter- Vieh- und Dungmangel: wo man dem Futtermangel wird abgeholfen haben, wird ein zahlreicherer Viehstand und bei der Stallfütterung kein Fleisch- und Dungmangel mehr seyn, und wie der Dung- und Arbeitermangel aufhört, wird auch der Getreidemangel aufhören.
Grimm, Johann: Praktische Anleitung zur Bergbaukunde für den Siebenbürger Bergmann, insbesondere für die Zöglinge der Nagyáger Bergschule. Wien 1839, S. 129. (books.google.de)Ehe man zur Errichtung von Riesenbahnen schreitet, die nur Arbeitermangel noch begünstigen kann, soll man wohl erwähnen, ob es der Mühe lohnt, statt derselben Eisenbahnen einzurichten.
Mittheilungen über die Verhandlungen des Landtags, 27. Oktober 1850, Nr. 24, S. 396. (books.google.de)Die Deputation vermöchte namentlich aus der neuesten Zeit Fälle aufzuzählen, wo die Besitzer größerer Güter aus Leutemangel die rentabelsten Verbesserungen unterlassen, die allernothwendigsten jährlichen Arbeiten nur unvollständig, ja selbst gar nicht ausführen konnten.
Die Grenzboten 15/4/2 (1856), S. 30. (deutschestextarchiv.de)Im laufenden Jahr aber ist überhaupt an die Stelle des Arbeitsmangels der Arbeitermangel getreten, also für jede Rührigkeit, und namentlich in landwirthschaftlicher Hinsicht nicht blos ein voller, sondern selbst ein überreichlicher Lohn geboten.
Die Grenzboten 17/3/2 (1858), S. 47. (deutschestextarchiv.de)Wiederum also ein Scheingrund gegen die freie Theilbarkeit von Grund und Boden, als ob die dadurch gebotene Möglichkeit der Seßhaftmachung zum Arbeitermangel für die größern Gutsbesitzer führe, erledigt, indem im Gegentheil das Beispiel Mecklenburgs darauf hinweist, daß die Beschränkung dieser Möglichkeit die tüchtigsten Elemente dieser Classe in die Fremde forttreibt und wirklichen Mangel an fleißigen Händen in nächste Aussicht stellt.
Der practische Landwirt III, 1. Februar 1866, Nr. 3, S. 18 (books.google.de)Durch Commassierung könnt Ihr aber manche Kräfte entbehren, auf die Ihr jetzt nicht verzichten könnte, aber oft zu eurem bitteren Schaden verzichten müßt. Bedenkt aber wohl, daß der Leutemangel nicht ab-, sondern zunehmen wird.
Der Arbeitgeber, 8. Oktober 1870, Nr. 701, Sp. [8746]. (deutschestextarchiv.de)Die Anschaffung landwirthschaftlicher Maschinen ist allerdings sehr zu empfehlen, und brauchen wir darüber kein Wort mehr zu verlieren; allein die Maschinen genügen nicht, sie sind nicht im Stande den gegenwärtigen Arbeitermangel allein zu heben.
Leander, Richard: Märchen. Vierte unveränderte Auflage. Leipzig 1872, S. 37. (books.google.de)Die Ritterfrau aber wanderte durch den Wald, und nach einiger Zeit begegnete ihr ein Bauer, der war ausgegangen eine Magd zu suchen, denn es war um die Ernte und Leutenoth.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1875, S. 434. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Es ist das doppelt wünschenswert im Interesse unserer wirthschaftlichen Zustände angesichts der Klagen über Arbeitermangel, namentlich auf dem landwirthschaftlichen Gebiet.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1884, S. 434. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Und noch empfindlicher kann ein Arbeitermangel bei Eintritt einer Mobilmachung werden, welche ohnehin eine sehr erhebliche Zahl Dienstpflichtiger den Werkstätten entzieht, und deren schnelle Durchführung doch wesentlich von der Zahl der sofort verfügbaren Werftarbeiter bedingt wird.
Die Grenzboten 47/4 (1888), S. 11. (deutschestextarchiv.de)Für die weitesten Kreise ergäbe diese amtliche Gliederung der Stellenvermittlung und der Wandergesellenunterstützung äußerst schätzbaren Zahlenstoff zur fortwährenden Beurteilung der Frage, welche Berufe an Arbeiterüberfüllung oder Arbeitermangel leiden, und damit zu einer bessern Übersicht über die heute so brennend gewordene Berufswahl- und Lehrlingsfrage.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1888, S. 52. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Bei den Kupferschmieden und Gelbgießern wird erwähnt, daß bei großen und dringenden Reparaturarbeiten und gleichzeitigem Arbeitermangel bis in die Nacht hinein gearbeitet werde; auch für die Hufschmiede ist im Winter, bei Schneefall oder schnell eintretendem Glatteis, die Arbeitszeit eine gesteigerte und erstreckt sich unter Umständen auf den ganzen Sonntag.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1892, S. 3151. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Ja, dem großen Arbeitermangel kann nicht anders gesteuert werden, als indem man die Zulassung der Arbeiter aus Russisch-Polen ohne jegliche Einschränkung verordnet – wahrlich ohne Gefahr für das Reich und Preußen –, und indem man eine durch die Verhältnisse gebotene Umgestaltung oder wenigstens Emendirung der jetzt bestehenden Bestimmungen des Gesetzes über Alters- und Invaliditätsversorgung vornimmt.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1893, S. 102. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Wir haben Arbeitsmangel in den Industriebezirken, und wir haben Arbeitermangel auf dem Lande.
Die Grenzboten 54/3 (1895), S. 397. (deutschestextarchiv.de)Die Folge wird sein, daß durch die entstehende Industrie der Landwirtschaft Arbeitskräfte entzogen werden und der Arbeitermangel verschärft wird.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1899, S. 2170. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Ich will nicht darauf eingehen, wie weit die Produktionsweise an dem Leutemangel schuld ist, die auch von Herrn Lucke berührt ist, die ja dazu geführt hat, daß man nur zu zwei bestimmten Zeiten im Jahre große Arbeitermengen braucht. Sie sehen aber nebenbei, wenn die Produktionsweise schuld oder nicht schuld ist an der Leutenoth, wie allgemein nützlich eine Vergesellschaftung wäre, wo dann die große Menge, die Sie infolge der heutigen Produktionsweise im großen und ganzen aus dem Großgrundbesitz nicht im ganzen Jahre beschäftigen können, anderwärts vernünftig beschäftigt werden könnten.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1899, S. 2192. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Das gleiche Bedürfniß fühlt man auch in bäuerlichen Kreisen; denn die Existenz der mittleren Bauern ist hier und da noch gefährdeter als die der Freistellenbesitzer, weil den Bauern der Leutemangel, die Schwierigkeit, Gesinde zu miethen und zu lohnen, besonders schwer drückt.
Dinglers Polytechnisches Journal 312 (1899), S. 48. (bbaw.de)Zum Sommer wird sich wohl der Arbeitermangel noch steigern, so dass voraussichtlich in vielen Betrieben die Beiziehung ausländischer Arbeiter wird ins Auge gefasst werden müssen, wie das vereinzelt bereits geschehen ist.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1900, S. 5830. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Die Industrie aber hat jetzt schon Leutemangel, und je mehr ihr Bedarf gesteigert wird, desto mehr muß sie vom Lande neue Kräfte heranziehen, und dadurch wird die Leutenoth auf dem Lande noch mehr verstärkt.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1901, S. 2591. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Daher kommt es, daß die Fabrik permanent unter Arbeitermangel leidet, und daß die Arbeiter nicht nur mit Arbeiten überhäuft sind, sondern gerade in den gefährlichen Betrieben oft zu Arbeiten herangezogen werden, für die sie nicht geeignet, nicht eingearbeitet sind.
Wolff, Emil/Schenk, Karl: Lehrbuch der Geschichte für höhere Lehranstalten. Teil IX: Oberprima. Neuere Geschichte von 1648–1888. Leipzig/Berlin 1901, S. 222. [DWDS] (gei.de)Infolgedessen entstand dort Arbeitermangel („Leutenot“), besonders im Osten. Man suchte ihn durch Heranziehung polnischer Arbeiter zu decken, wodurch die Gefahr für das Deutschtum im Osten noch vermehrt wurde.
Keuchel, Emil/Oberbach, Johannes: Kleine Wirtschafts-, Handels- und Verkehrs-Geographie. I. Teil: Allgemeines und Deutsches Reich. Berlin 1905, S. 28. [DWDS] (gei.de)Schlechte Ernten, Konkurrenz des billiger erzeugenden Auslandes, niedrige Preise, zunehmende Verschuldung und eine überhand nehmende Leutenot, veranlaßt durch die Abwanderung nach den Großstädten und Industriebezirken, sind die Hauptursachen jener Erscheinung.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1905, S. 5085. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Meine Herren, ich kann aber auch aus meinen Erfahrungen bestätigen, daß seinerzeit, als der Webernotstand in dem Eulengebirge war, auch von den verschiedensten Landwirten gesagt wurde: wir sind sehr gern bereit, den Leuten Arbeit zu geben, wir leiden unter Leutemangel.
Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 2. 3. 1910, S. 1. [DWDS]Wenn auf dem Rittergut von 100 Stimmzetteln 95 oppositionell lauten, kann der Gutsherr wenig tun; denn bei der „Leutenot“ darf er auf schnellen Ersatz für die entlassenen Arbeiter nicht rechnen.
Fick, Wilhelm: Erdkunde in anschaulich-ausführlicher Darstellung. Vierter Teil: Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete. Dresden-Blasewitz 1913, S. 218. [DWDS] (gei.de)Der Arbeitermangel hat zur Folge gehabt, daß in weitestem Umfange landwirtschaftliche Maschinen verwendet werden.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1917, S. 3120. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Der Leutemangel in der Landwirtschaft ist wahrhaftig eine ernste Frage für Sie alle.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1920, S. 431. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Nun schwebt bei all den Dingen, so bei der Verordnung über die Landessiedlung, die auch etwas sehr rasch aus dem Rohre geschossen wurde – ich will sie heute nicht kritisieren –, wie auch bei der Neuauflage dieser alten Verordnung den Herren immer der Gedanke vor: hie Arbeitslosigkeit in der Industrie und dort Arbeitermangel auf dem Lande.
Mahling, Martin: III.1 Die Umgestaltung der Besitz und Betriebsverhätlnisse in der Landwirtschaft. In: Sombart, Werner (Hrsg.): Volk und Raum. Eine Sammlung von Gutachten zur Beantwortung der Frage: „Kann Deutschland innerhalb der bestehenden Grenzen eine wachsende Bevölkerung erhalten?“ Hamburg u. a. 1928, S. 131–152, hier S. 142. (books.google.de)Es darf nicht übersehen werden, daß wohl noch 1927 ca. 250 000 junge Menschen neu in das Leben treten und die Arbeitsmarktlage zu verschlechtern vermögen; doch von 1928 bis 1933 wird sich der Geburtenrückgang während des Krieges 1914/18 auswirken und die seitherige Entwicklung zum mindesten anhalten, u. U. sogar eine fühlbare Erleichterung des Arbeitslosenmarktes bzw. einen Arbeitskräftemangel bringen.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1929, S. 1848. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Der Herr Minister hat noch ein sehr schwarzes Kapitel angedeutet, das ich im Hauptausschuß besprochen habe, das ist der Leutemangel in der Landwirtschaft. Ich habe einen Nachweis von dem Arbeitgeberverband Schlesien, worin festgestellt wird, daß auf 1000 Morgen landwirtschaftlich genutzter Fläche in Bauernwirtschaften 28 Arbeitskräfte fehlen.
Verhandlungen des Reichstages. Berlin 1929, S. 2010. [DWDS] (digitale-sammlungen.de)Man stimme unseren Anträgen zur Verbesserung der Lage der Landarbeiter, zur Erhöhung der Landarbeiterlöhne zu, und man wird sehen, die Leutenot auf dem Lande wird sehr schnell behoben werden.
Pariser Tageszeitung, 17. 2. 1940, S. 1. [DWDS]Ich weiss, dass Eure grosse Sorge der Arbeitermangel ist, wegen der grossen Zahl einberufener Männer.
Plenarprotokoll vom 20. 10. 1949. In: Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll Nr. 01/012, S. 292. [IDS] (bundestag.de)In diesem Hause ist öfter darauf hingewiesen worden, daß auf dem landwirtschaftlichen Sektor bereits ein Arbeitermangel zu verzeichnen ist. Es ist tragikomisch, diesen Ausdruck zu hören oder zu hören: wir könnten deswegen keine arbeitsintensiven Kulturen auf dem Lande einführen, weil wir keine Arbeitskräfte hätten.
Die Zeit, 6. 10. 1955, S. 14. [IDS]Die Schlagzeilen der Zeitungen kamen mir in den Sinn: Arbeitermangel! Vollbeschäftigung! Kopfprämien! (die Anstrengungen der Firmen also, einander durch Sonderangebote Arbeitskräfte wegzuschnappen) Erneuter Produktionsanstieg.
Schneider, Werner: Stadtgeographische Wandlungen Dortmunds und seines Einflussbereichs unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen der Kriegsschäden. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Köln. Köln 1957, S. 76.Im Bauhandwerk und in der Holzverarbeitung hatte die Zahl zugenommen; im Metallhandwerk nahm sie zunächst zu, um dann mit der Vollbeschäftigung in der Industrie wieder nachzulassen; im Nahrungs- und Bekleidungshandwerk macht sich der Fachkräftemangel besonders bemerkbar, weil die Gesellen von höheren Löhnen in die Industrie abgezogen wurden.
Süddeutsche Zeitung, 3. 1. 2006, S. 18. [IDS]In Vancouver spricht man vom „Leeren-Loch“-Syndrom, wegen der vielen Baugruben in der Stadt, in denen wegen Arbeitermangels die Arbeiten noch nicht begonnen haben.
Tages-Anzeiger, 30. 9. 2006, S. 25. [IDS]Die Konzerne sind alle selber an ihrem Arbeitermangel schuld.
NEWS, 4. 11. 2022, S. 34. [IDS]Es fehlen ihm zwei im Verkauf und mindestens einer in der Backstube. Dieser Arbeitermangel habe dazu geführt, dass Schrotts Brezeln heuer zum ersten Mal nicht auf den Weihnachtsmärkten verkauft werden.