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Wortgeschichte zu

Kränzchen

Damenkränzchen · Kaffeekränzchen

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Das auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkende Wort Kränzchen erreicht in seiner Geschichte eine beachtenswerte semantische Bandbreite. Von der Bedeutung gesellige Runde wird es auf andere Formen sozialer Zusammenschlüsse übertragen, besonders auf studentische Gemeinschaften. Bis in die Gegenwart ist dann die Lesart Nachmittagsgesellschaft befreundeter Frauen präsent. Handelt es sich dabei im 18. Jahrhundert noch um einen neuen Kommunikationsraum für meist bürgerliche Frauen, erfährt das Wort bald eine abwertende und oft auch ironisch unterlegte Zuschreibung von Überholtem und Kleingeistigem.

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Wortgeschichte

Vom Kranz zum Kränzchen

Erste Belege für den zu Kranz runder, gewundener Kopfschmuck gebildeten Diminutiv sind Ende des 15. Jahrhunderts auszumachen (1483; 1DWB 11, 2057). Kränzchen dienen u. a. auch als Zeichen für einen Schankbetrieb und zeigen damit einen Ort geselliger Zusammenkunft an (1742, zu weiteren Verwendungen s. 1DWB 11, 2057–2058 unter Kränzchen und 1DWB 11, 2065 unter Kranzwirtschaft). Dies ist wohl aus dem Brauch hervorgegangen, den krönenden Siegerkranz bei Wettbewerben, Musik- und Schützenfesten dem Nachfolger zu übergeben mit der Verpflichtung, das nächste Fest zu gestalten (vgl. Pfeifer unter KranzDWDS). Im ripuarischen Sprachraum steht Krentzgen im 16. Jahrhundert bereits für geheime politische Gesellschaft, womit sich der Bedeutungsaspekt des sich wiederholenden gesellschaftlichen Ereignisses schon recht früh verselbständigt (1513; vgl. Heyne 1890 2, 1138). Kränzchen setzt sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte für alle Arten von (kleineren) Zusammentreffen durch, bei denen sich die Mitglieder verpflichteten, der Reihe nach das jeweils nächste Treffen auszurichten.

Von der regelmäßigen Zusammenkunft zur geschlossenen Gesellschaft

Ist Kränzchen also einerseits von dem Symbol für eine gesellige Zusammenkunft her motiviert, so sind andererseits auch metaphorische Motivationen vorstellbar. Die runde Form kann in eine Ähnlichkeitsbeziehung zu der Regelmäßigkeit der gewöhnlichen, von Sonntag zu Sonntag wechselnden oder wöchentlichen Zusammenkunft gestellt werden (1725, 1785a, 1918, 2001a; vgl. auch 25Kluge, 538). Das Diminutiv unterstützt hierbei die Überschaubarkeit und auch Intimität des sich in einem Kränzchen zusammenfindenden Kreises (1820, 1896), der in dieser Form und zum Zweck des gesellschaftlichen Vergnügens (1791–1805) zusammenkommt.

In vielen Zusammenhängen sind diese geselligen Kreise bildungsorientiert, widmen sich ästhetischen oder literarischen Themen (1870a, 1909, 1938a), dienen dem Wissensaustausch allgemein (1785b, 1848b, 1957) oder gar der (beruflichen) Fortbildung (1870b, 1901), womit auch Bedeutungsaspekte anderer Wörter dieses Wortfeldes, etwa Harmonie oder Verein, berührt werden. Bereits im 18. Jahrhundert wird mit Kränzchen zudem auf eine geschlossene Gesellschaft oder den Ort des Treffens Bezug genommen, ein KlubWGd oder das Klublocal so bezeichnet (1777, 1794). Bis zum 20. Jahrhundert ist dies dann insbesondere die Tanzgesellschaft zu der eingeladen wird, oder der Ball (1780, 1848a, 1911). Es zeigen sich zunehmend inhaltliche Anknüpfungspunkte und Überschneidungen zu gesellschaftlich fester etablierten Erscheinungen wie KlubWGd, SoireeWGd oder TeeWGd (1910). Insgesamt betrachtet entwickelt Kränzchen bis zur Jahrhundertwende eine ähnliche Bandbreite möglicher Lesarten wie vergleichbare Wörter jener Zeit, etwa Verein und rückt in deren semantische Nähe.

Studentische Freundschaftsvereinigung

Erste Bezeugungen studentischer Kränzchen lassen sich im 18. Jahrhundert ausmachen (1792a). Kränzchen in der Lesart Studentenverbindung knüpft an das Wort Landsmannschaft an, für das der Aspekt der gleichen geographischen Herkunft mitschwingt. So heißt es zum Freundschaftlichen Schlesischen Kränzchen (1792b): Alle braven Schlesier sollen einander kennen, und jeden unter sich nach seinen Verdiensten schätzen lernen. Gleichzeitig ist das Wort als Antonym zu studentischer Orden zu verstehen (vgl. Assmann 1996, 156; 1802b). Tatsächlich war es wohl Ziel der Verbindungsform Kränzchen, landsmannschaftliche und ordensstudentische Praktiken und Lebensformen miteinander zu verbinden und zu modernisieren (vgl. Müller 1998, 13–14). Zudem ist davon auszugehen, dass der Verbindung durch die Wahl der verhüllenden Bezeichnung Kränzchen, wie zu jener Zeit nicht unüblich, der Charakter einer Geheimgesellschaft verliehen werden sollte (vgl. Hoede 1967, 8–11; 1802a). Studentische Zusammenschlüsse in Form von Kränzchen sind bis in das 19. Jahrhundert bezeugt und stehen meist neben anderen Verbindungsbezeichnungen, wie Orden oder Burschenschaft (1810, 1885b); im Laufe des Jahrhunderts kommt es zu einer Umbenennung in geschworene oder konstituierteLandsmannschaften__ (vgl. Neupert 1985, 283).

Das Kaffeekränzchen

Gegen Ende der Frühen Neuzeit etablierte sich das Frauen vorbehaltene Kaffeekränzchen (1715, s. EdN unter Kaffee). Das Wort ist gleichzeitig die früheste dokumentierte Zusammensetzung, in der Kränzchen mit einem gesellschaftlichen Bedeutungsaspekt, der auch im Grundwort begegnet, zum Tragen kommt. Adressiert an die gehobene Leserin beschreibt Amaranthes die als Caffee-Cräntzgen bezeichnete Sitte als eine tägliche oder wöchentliche Zusammenkunft einiger vertrauter Frauenzimmer, welche nach der Reihe herumgehet, wobei sie sich mit Kaffeetrinken und l’Ombre-Spiel divertieren und ergötzen (1715). – Dass der damalige Luxus des Kaffeetrinkens einem gängigen Topos entsprach (vgl. Sandgruber 2004, 396), zeigen auch andere Quellentypen, man denke etwa an Bachs populäre Kaffee-Kantate Schweigt stille, plaudert nicht BWV 211, die die Kaffee-Passion auf humorvolle Weise skizziert.

Die Abbildung zeigt die Gebrauchszunahme des Wortes Kaffeekränzchen ab dem 19. Jahrhundert.

Abb. 1: Wortverlaufskurve zu „Kaffeekränzchen“ aus den DWDS Referenz- und Zeitungskorpora

DWDS (dwds.de)

In den Textzeugnissen des 18. und 19. Jahrhunderts bleibt die Zusammensetzung Kaffeekränzchen regelmäßig, allerdings nur marginal bezeugt (1766, 1843, 1885a). Erst mit Übergang in das 20. Jahrhundert kommt es zu einem sprunghaften Anstieg der Bezeugungshäufigkeit (vgl. Abb. 1). An den Belegen ist zu sehen, wie facettenreich sich das Kaffeekränzchen nun als Alltagserfahrung ausgestaltet. Mit dem Wort Kaffeekränzchen wird immer noch eine vertraute Runde in Verbindung gebracht, die aber häufiger außer Haus stattfindet (1900, 1956). Als Nebenbedeutung kommt eine eher oberflächliche Geselligkeit zum Ausdruck (1902, 1977), wobei die als geschwätzig wahrgenommenen Teilnehmerinnen oder das Treffen als solches karikiert werden (2000). Heute bezieht sich Kaffeekränzchen auf eine Einrichtung, die tendenziell der älteren (nicht mehr gezwungenermaßen weiblichen) Bevölkerungsschicht vorbehalten ist (1961), ferner gilt es als Symbol für Überholtes oder Kleinbürgerliches (1990).

Die weibliche Sphäre

Erst einige Jahrzehnte nach dem Auftreten der Zusammensetzung Kaffeekränzchen kristallisiert sich auch für das Grundwort neben den bereits benannten Bedeutungsaspekten im 18. Jahrhundert zusätzlich der Aspekt der ausschließlich weiblichen Geselligkeitsform heraus. Kränzchen verstanden als Nachmittagsgesellschaft befreundeter Frauen ist als Kürzung aus Kaffeekränzchen hervorgegangen. Als frühes (autobiographisches) Zeugnis für einen geselligen Frauenzirkel in der Schweiz beschreibt Sophie La Roche (1776) das Treffen wie folgt: Jeden Donnerstag kommen sie mit ihrer Arbeit, Nachmittags um drey Uhr, artig geputzt zusammen, trinken eine Taße Caffee. Mit dem Wort wird auf eine bestimmte Alltagssituation Bezug genommen, die sich über die charakteristische Verteilung von Handarbeiten hinaus wohl folgendermaßen darstellen lässt: Der Putz wird auch durchgegangen, die Unkosten und die Art der Verfertigung werden gesagt, der wohlfeilere Kaufmann genannt; darauf erzählt, was man schönes und nützliches gelesen oder erfahren, und sich eigen gemacht hat. (1776). Die gesellige Praxis, die mit dem Kränzchen in Verbindung gebracht wird, liegt damit erkennbar auf einem konsumptiv-rezeptiven Schwerpunkt (s. Gaus 1998, 121.). Dieser hält sich bis in die Gegenwart, wobei als Begleitvorstellung stets die häusliche weibliche Welt, die in dem traditionell bürgerlichen FamilienmodellWGd seinen Ursprung hat, mitschwingt (1832, 1932, 1964, 2001a). Die Bedeutung Nachmittagsgesellschaft befreundeter Frauen drängt im 20. Jahrhundert die Bedeutung geschlossene Gesellschaft (s. hier) vollends in den Hintergrund.

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Auffällig ist, dass gerade zum Ende des 19. Jahrhunderts Erzählungen für junge Mädchen (sogenannte Backfischliteratur) das Wort Kränzchen, quasi zur Verdeutlichung der angesteuerten weiblichen Zielgruppe, im Titel trugen (1898, 1925, 1952). Die Mädchenzeitschrift Das Kränzchen war zu ihrer Zeit so beliebt, dass sie die Gründung einer Buchreihe, der Kränzchen-Bibliothek, nach sich zog. Die Mädchenbuchreihe der Union Deutsche Verlagsgesellschaft veröffentlichte die beliebtesten Erzählungen oder Fortsetzungsromane der Zeitschrift in Buchform und wurde damit äußerst erfolgreich (Jäger 2003, 121).

Das Damenkränzchen

Auf die von sozial gleichgestellten Frauen initiierten Treffen wird ab dem 20. Jahrhundert schließlich üblicherweise mit dem Kompositum Damenkränzchen Bezug genommen. Bis in die Gegenwart ist den Belegen zu dieser Zusammensetzung noch die Assoziation eines gutbürgerlichen Frauen- bzw. Damenkreises abzulesen (1920, 1969, 2001b), daneben rückt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts der Geselligkeitsaspekt in den Vordergrund (1968, 2005).

Nathalie Mederake

Literatur

2Adelung Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen, 2. verm. u. verb. Ausg. Bd. 1–4. 2. Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1793–1801. Hildesheim u. a. 1990.

Assmann 1996 Assmann, Rainer: Kränzchen – Landsmannschaften – Corps, zur Frühgeschichte der Corps. In: Einst und jetzt: Jahrbuch … des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung. [Würzburg] 1996. S. 155–178.

Campe Wörterbuch Campe, Joachim Heinrich: Wörterbuch der deutschen Sprache. Theil [Bd.] 1–5. Braunschweig 1807–1811.

1DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 1–16. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. (woerterbuchnetz.de)

EdN Enzyklopädie der Neuzeit online. Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachherausgebern hrsg. von Friedrich Jaeger. Leiden 2019. [basierend auf der Druckausg. im J. B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005–2012]. (brillonline.com)

Gaus 1998 Gaus, Detlef: Geselligkeit und Gesellige: Bildung, Bürgertum und bildungsbürgerliche Kultur um 1800. Stuttgart 1998.

Heyne 1890 Heyne, Moritz: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1890.

Hoede 1967 Hoede, K.: Zur Frage der Herkunft „geheimer studentischer Verbindungen“ im 18. Jahrhundert. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch 1967 des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung. S. 5–53.

Jäger 2003 Jäger, Georg (Hrsg.): Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Das Kaiserreich 1871–1918: Teil 2. Berlin [u. a.] 2003.

25Kluge Kluge – Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearb. von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Aufl. Berlin/Boston 2011.

Müller 1998 Müller, Rainer A. (1998). Landsmannschaften und studentische Orden an deutschen Universitäten des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Brandt, Harm-Hinrich; Stickler, Matthias (Hg.): „Der Burschen Herrlichkeit“: Geschichte und Gegenwart des studentischen Korporationswesens. Würzburg 1998. S. 13–34.

Neupert 1985 Neupert, Herbert: Andere Korporationsverbände und gemeinsame Institutionen. In: Fischer, Hartmut (Hrsg.) Handbuch des Kösener Corpsstudenten. 6. Aufl. Würzburg 1985. S. 281–320.

Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)

Sandgruber 2004 Sandgruber, Roman: Geschlecht der Esser. 2004. In: Walter, Rolf (Hrsg.). Geschichte des Konsums. Stuttgart: 2004, S. 379–407.

Belegauswahl

[…]Item dar noch gingen dye juncfrowen, nemelichen an der czal dry vnnd czwenczig hundert vnnd sechczen juncfrowen; vnnd eer sy uß gingen, do sammeten sye sich uff sente Seuers hofe, vnnd do sy gingen, do gingen sye dorch sente Seuers kerchen hene vnnd hallen alle lechtchene jn oren henden, vnnd hatten alle or hor uff geflochten vnnd uff ore achseln gebreit. Vnnd dye mer menge gingen barfuß, vnnd hatten alle wermuten ader biboßen krentczchen uff oren houbten, vnnd gingen gancz geczuchtig vnde slugen ore ougen nedder uff dye erden.

Stolle, Konrad: Konrad Stolles thüringisch-erfurtische Chronik. Stuttgart 1854, S. 193.

dat von nu vort ahn eine Ersame Rath gheine heimliche Rat, id sey in der Schickunge oder in jhemans Hauße, noch auch gheine Vergaderung noch Krentzgen machen, noch Vorgespreche off einige Sache[…], eine Gemeindt oder des Raths Sache betreffend wehre, mehe halden sall, sonder allezeit in offenbahrem Rhade eindrechtlichen beieinander sitzen ind Raden, inmassen dat die Clausula ihn dem Verbundtbrieff begriffen, solches etlicher massen vermagh und außweist.

In: Dreher, Bernd (Hrsg.). Texte zur Kölner Verfassungsgeschichte. Köln 1988, S. 71.

Caffé-Craͤntzgen, Ist eine taͤgliche oder woͤchentliche Zusammenkunfft und Versamlung einiger vertrauter Frauenzimmer, welche nach der Reihe herum gehet, worbey sie sich mit Caffee trincken und L’Ombre-Spiel divertiren und ergoͤtzen.

Corvinus, G.S.: Frauenzimmer-Lexicon. Leipzig 1715, Sp. 284. (books.google.de)

Das 5te [Hauptstück, N.M.] von Tabackscollegiis und dergleichen Cräntzchen. […]Das 6te von den Personen/ die zum rauchen tuͤchtig sind, nemlich Mannspersonen zwischen 16. und 70. Jahren; Frauenzimmer aber gar nicht; es wäre denn fuͤrs Zahnweh.

Gottsched, Johann Christoph. Die vernüftigen Tadlerinnen 1725–1726. Erster Teil 1725. Hildesheim 1993, S. 345.

XVI. Ob Hr. Prof. Gottſched eine Suͤnde begehe/ wenn er nicht ſo leicht glaͤubt/ daß man guten Wein finde/ wo kein Kraͤntzchen ausgehaͤngt worden?

Bodmer, Johann Jacob: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Zur Verbesserung des Urtheiles und des Witzes in den Wercken der Wohlredenheit und der Poesie. Sechstes Stück. Zürich 1742, S. 81. (deutschestextarchiv.de)

Ein Roß, zum Zug gewohnt , dem Kutscher unterthan,

Durchlief mit edlem Schritt der Gassen lange Bahn.

Stolz wegen seiner Last konnt’ es im Sonntagswagen

Manch wohlgeputztes Kind zum Kaffeekraͤnzchen tragen.

Schlegel, Johann Elias: Werke. Hrsg. von Johann Heinrich Schlegel. Bd. 4. Kopenhagen/Leipzig 1766, S. 69. (books.google.de)

Es ist hier gewöhnlich, daß Männer, Frauen und junge Personen, jedes eine abgesonderte Gesellschaft halten. […]Sie kommen aber nicht öfter, als alle Woche einen Tag zusammen, und zwar immer wechselweise von einem Haus um das andere. Diese Verbindungen nennen sie von langen Zeiten her, einen Freundschafts-Kranz, und den Tag der Zusammenkunft, den Kränzeltag. Eine Verwandtinn von Frau R** hat mich heute, da die Reihe an ihr war, dazu eingeladen und mir die Beschreibung ihrer Gesetze gemacht. […]

Das Kränzchen bestund vor einiger Zeit aus neun jungen Frauenzimmern, die mindeste Schöne war die Reichste, und saß einst bey ihrer vertrautesten Freundinn, als junge Herren kamen.

Jacobi, Johann Georg [Hrsg.]. Iris: Vierteljahresschrift für Frauenzimmer (Band 5). Berlin 1776, S. 11. (ub.uni-freiburg.de)

[…]Im Trauerspiel war ich gestern, geh aber da nicht wieder hin, ob ich gleich nichts davon verstehe. Ein alter Kerl neben mir weinte wie ein Kind. Mögte wissen, warum jemand sein Geld dafür hinträgt, daß ihm wird, als wenn er Schläge kriegte. - Lieber geh ich nach dem deutschen Kränzchen; da schmeckt kein hungriger Franzmann hin, und man vergißt seine Muttersprache nicht.

Sturz, Heinrich Peter: Schriften. Zweite Sammlung. Leipzig 1782, S. 406. (books.google.de)

Ihre Freud’ ist nur ein Schein.

Unser Ball und Maskerade

Soll ein trautes Kränzchen seyn.

von Göckingk, Leopold Friedrich Günther: Gedichte. Erster Theil. Frankfurt/Main 1780, S. 64. (books.google.de)

Es war einige Tage vor dem Christabend 174– als Benedikt Meister Bürger und Handelsmann zu M–, einer mittleren Reichsstadt, aus seinem gewöhnlichen Kränzgen Abends gegen achte nach Hause ging.

Goethes Werke. Herausgegeben im Auftrage der Großherzogin Sophie von Sachsen. I. Abteilung. Bd. 51: Wilhelm Meister theatralische Sendung Buch 1–3. Weimar 1911, S. 3.

Ich lebte nach diesem Vorfall drey Jahr unangefochten an diesem Ort, war nicht eben lasterhaft, im Gegenteil in keiner Wissenschaft fremd, aber wegen obigen Vorfall hatte ich zu meiner Sicherheit ein gelehrtes Kränzchen, von Professoren, sittsamen Studenten und berümten Dichterinnen gewählt und nährte dadurch einen überspannten Stolz in meinem Gehirne.

Kosmann, Johann W.: Spitzbart der zweite oder die Schulmeisterwahl; ein Gemählde menschlicher Entwürfe, Leidenschaften udn Thorheiten; Nicht Roman, sondern Beytrag zur Philosophie und Geschichte der Menschheit … Berlin/Halle 1785. S. 60. (books.google.de)

Ein Doktorhut hat das Gute an sich, daß man ihn, sey es einer hübschen Dormeuse gegenüber, in dem Kränzchen einer lustigen Gesellschaft, oder in dem Zirkel der großen Welt, kurz, bei allen Gelegenheiten, wo er uns hindert, ablegen kann, wie jeden andern gewöhnlichen Hut.

von Thümmel, August Moritz: Reise in das mittäglichen Provinzen von Frankreich. Vierter Band. Leipzig 1844, S. 90. (books.google.de)

Uebrigens herrſchte unter uns die groͤßte Freundſchaft und Harmonie, und da wir lauter ſolche zu Mitgliedern hatten, die als honorige Burſche auf der Univerſitaͤt angeſehen waren; ſo wagte es niemand, das Pfaͤlzer-Kraͤnzchen zu beleidigen, oder ſchlecht davon zu ſprechen. So blieben die Sachen eine geraume Zeit, bis endlich ich und noch zwei andere aus unſerm Kraͤnzchen uns in den Amiciſten Orden aufnehmen ließen.

[…]Haͤtte ich vor meiner Aufnahme das eigentliche Weſen einer ſolchen Verbindung gekannt; ich wuͤrde wahrlich niemals hineingetreten ſeyn. Das Ding iſt ein Gewebe von Kindereien, Abſurditaͤten und Praͤſumtionen, uͤber welche ein kluger Mann bald unwillig werden muß. Die Geſetze ſind alle ſo elend abgefaßt, und ſo kauderwaͤlſch durch einander geworfen, daß man Muͤhe hat, ſich aus dem Labyrinthe derſelben heraus zu winden.

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale, von ihm selbst beschrieben und zur Warnung für Eltern und studierende Jünglinge herausgegeben. Ein Beitrag zur Charakteristik der Universitäten in Deutschland. Erster Theil. Halle 1792, S. 159. (deutschestextarchiv.de)

Die Verbundenen Schlesier sollen den Namen eines freundschaftlichen Schlesischen Kränzchens führen, und schlechterdings sich alle Benennungen, oder Abzeichen, oder solcher Äußerungen enthalten, die ihrer Verbindung auch nur den mindesten Anstrich eines unerlaubten Ordens geben könnten. […]Höchstens soll es erlaubt sein, daß die Mitglieder zur Erinnerung an ihre ehemalige patriotische Verbindung sich der verzogenen Buchstaben V. und S. d. i. Vivat Silesia! in den Stammbüchern ihrer Freunde bedienen.

Schlesier, Constitution, Halle/Saale, 1792. In: Assmann, Rainer. Kränzchen – Landsmannschaften – Corps, zur Frühgeschichte der Corps. Einst und Jetzt. 41. Band. Jahrbuch 1996 des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, S. 165.

Die taͤglichen Beſchaͤftigungen des groͤßern Theils der Handwerker ſind ſchon unter einer andern Rubrik geſchildert. Der Vormittag, hoͤchſtens einige Stunden nach Tiſche werden der Arbeit gewidmet; der Abend verfließt in Kraͤnzchen und Klubbs, am Kartentiſch oder beym Billard. […] einige der reichſten Handwerker haben an beſtimmten Tagen Geſellſchaft zu Mittage oder zu Abend, geben Konzerte und Baͤlle, und leben den Sommer hindurch auf ihren Landhaͤuſern.

Storch, Heinrich Friedrich von: Gemählde von St. Petersburg. Zweiter Theil. Riga 1794, S. 389. (deutschestextarchiv.de)

Die Kraͤnzchen ſind, wie ich an einem andern Orte […]Anmerkung: In meiner Schrift uͤber den Amiciſten-Orden. Halle bey Cramer 1799. hinlaͤnglich bewieſen habe, von den eigentlichen Orden im Grunde wenig unterſchieden; ihr Zweck iſt wie der Zweck der Orden, ein Streben nach einer freylich nur eingebildeten Herrſchaft auf der Akademie: da ſie jedoch nicht ſo viele Alfanzereyen und myſterioͤſe Fratzen haben, als die Orden, ſo koͤnnen ſie nicht ſo ſchaͤdlich werden, als dieſe, und koſten auch bey weitem nicht ſo viel Geld.

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale, von ihm selbst beschrieben. Fünfter Theil, welcher dessen Begebenheiten und Erfahrungen bis gegen das Ende des Jahres 1802 enthält. Leipzig 1802, S. 304. (deutschestextarchiv.de)

[…]Die Univerſitaͤt war immer aufmerkſam auf die Ordensverbindungen, und ſtellte mehrmals ſcharfe Unterſuchungen darwider an: aber ganz vertilgt wurden ſie doch nie, bis es der Mehrheit der Studenten ſelbſt einfiel, gegen die Orden zu agiren, und ihnen ein derbes Bollwerk entgegen zu ſetzen. Dieſes Contra gegen die Orden ſollten die Kraͤnzchen werden, welche die verſchiedenen Landsmannſchaften unter ſich errichteten, und den Orden opponirten. Das Ding hatte den beſten Erfolg; die Orden wurden gewiſſer Maaßen infamiſirt, und gingen ſo nach und nach ein, wenigſtens wurden ſie unſichtbar, wie die unſichtbare chriſtliche Kirche[…].

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale, von ihm selbst beschrieben. Fünfter Theil, welcher dessen Begebenheiten und Erfahrungen bis gegen das Ende des Jahres 1802 enthält. Leipzig 1802, S. 303. (deutschestextarchiv.de)

Die mancherley Verbindungen der Studenten [in Jena, N.M.] sind bekannt, die unter der Form von Landsmannschaften, geheimen Orden, Congregationen, Kränzchen und Gelagen sich constituiren.

Goethes Werke. Herausgegeben im Auftrage der Großherzogin Sophie von Sachsen. IV. Abteilung: Briefe. Bd. 21: Juli 1809 – December 1810. Weimar 1896, S. 397.

Bald sitz‚ ich gern und plaudere

In trauter Freunde Kränzchen

Bald triller‘ ich mir Homers Gesang,

Und Tasso’s seine Stänzchen […]!

von Platen-Hallermünde, A.G.: Gesammelte Werke des Grafen August von Platen. In Einem Band. Mit des Verfassers Bildniß in Stahl und einem Facsimile seiner Handschrift. Stuttgart/Tübingen 1839, S. 21. (books.google.de)

„Leider muß ich Ihnen ſagen, lieber Nolten,“ fuhr ſie fort, es iſt bei Zarlins ſeit einiger Zeit gar viel anders geworden; auch unſre Kränzchen haben aufgehört. […]Conſtanze iſt nicht mehr die ſie war, ein ſeltſamer Gram wirft ſie nieder. Lange wußte Niemand die Urſache, ſelbſt ich nicht, und mit Unrecht ſchrieb man Alles körperlichem Leiden zu, denn freilich leidet ihre Geſundheit mehr als je. Aber Gott weiß, wie Alles zuſammenhängt. Vorgeſtern Nachts, als ich allein vor ihrem Bette ſaß, ſprach ſie halb in der Hitze des Fiebers, halb mit Bewußtſeyn dasjenige aus, wovon ich glauben muß, daß es wo nicht der einzige, doch immer ein Grund ihres angſtvollen Zuſtandes ſey.

Mörike, Eduard: Maler Nolten. Novelle in zwei Theilen. II. Stuttgart 1832, S. 382. (deutschestextarchiv.de)

Dann begab sich die Frau Cantorin, welche Karten schlug, Träume auslegte, und innere, wie auch äußere Arzneikunde trieb, in die Kaffeekränzchen des Dorfes; Vater Enzian dagegen verfügte sich in die Schenke, wo er bei Glas und Krug Aufklärung in die Schädel der Bauern zu pumpen sich bestrebte.

Herloßsohn, Karl: C. Herloßsohn’s gesammelte Schriften. Achter Band: Fahrten und Abenteuer des M. Gaudelius Enzian; 1: komischer Roman. Leipzig 1843, S. 2. (books.google.de)

Dienstag, Stephanstag, Harmonie, nachher Tanzgesellschaft (Kränzchen) wozu höflichst einladet Heinrich Kost.

Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Sonntag, 24. Dezember 1848, Nr. 177. Beilage, S. 958. (deutschestextarchiv.de)

Die Jugend machte sichs leichter, sie hielt sich an die Kritik. In der Siegel’schen Conditorei hatte sich ein Kränzchen des schöngeistigen Liberalismus gebildet, aus „geistreichen“ Dilettanten zusammengesetzt; Walesrode, nachmals durch seine humoristischen Ausfälle bekannt, war die Seele desselben. […]Man trieb hier die Politik mit dem Bewußtsein eines superiören Standpunktes, man machte Witze auf das Militär, man hänselte die Obscuranten — z. B. den bekannten Rintel, der sich das Recht des Kölner Erzbischofs klar machte, katholisch wurde und die erst ultramontane, jetzt radikale Oderzeitung redigirte — man war über Vieles hinaus, kurz es war ziemlich ein Berliner Wesen, wie denn auch die Elemente dieses Kreises Königsberg in keiner Weise angehörten.

Die Grenzboten 7/3/2 (1848), S. 438. (deutschestextarchiv.de)

„Du fröggst, wat ›Olle Kamellen‹ heit. […]Dat will ik di seggen; dat heit so vel ungefihr, as Meidinger, as olle längst an de Schauh afgedragene Geschichten, de halw vergeten sünd und stammt sik von de Kamellenblaumen her, de ok nich recht mihr fär Bukweihday‚ helpen willen, wenn sei äwerjöhrig worden sünd. De Redensart is bi uns gäng‘ un gäw; un wenn Einer recht wat vertellen will, denn föllt em en Anner wull in de Red’ un seggt: Na, dat lat man, dat sünd olle Kamellen.“ (Vgl. Unterhaltungen des literarischen Kränzchens in Königsberg, herausgegeben von R. Reusch, Königsberg 1865, Nr. 1, S. 12.)

Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Zweiter Band. Leipzig 1870, Sp. 1122. (deutschestextarchiv.de)

[…]Jn Verbindung mit diesen Anstalten stehen häufig sogenannte landwirthschaftliche Versuchsstationen, welche sich mit der praktischen Erprobung von neuen Verfahren ec. befassen. Eine Einrichtung der neuesten Zeit ist das Jnstitut der Wanderlehrer. Die landwirthschaftlichen Vereine, welche ihre segensreiche Thätigkeit über ganz Deutschland verbreiten, senden nämlich hauptsächlich im Winter Lehrer aus, die von Ort zu Ort reisen und Vorträge über landwirthschaftliche Fragen halten. Durch Fortbildungsschulen und sogenannte landwirthschaftliche Kränzchen wird die Thätigkeit dieser Lehrer noch unterstützt.

N. N.: Der Arbeitgeber. Archiv für die gesammte Volkswirthschaft, Central-Anzeiger für Stellen- und Arbeitergesuche. Frankfurt (Hessen) 1870, Sp. 8280. (deutschestextarchiv.de)

[…]In der Sprache aller Völker der Welt bedeutet des Wort süss zugleich angenehm. Wenn uns das Süsse nicht mehr angenehm ist, so deutet das auf einen abnormen Zustand. In diesem Zustande befindet sich der Trinker. Und als Trinker bezeichne ich jeden, der sich nicht behaglich fühlt, wenn er nicht Tag aus Tag ein in irgend einer Form, als Bier, als Wein Alkohol in seine Organe einführt. Der Appetit des Trinkers ist fast ausschliesslich auf Fleischspeisen gerichtet und die Vegetarianerhaben vollkommen Recht, wenn sie lehren, dass Alkoholgenuss und übermässiger Fleischgen uss im Causalzusammenhange stehen. Man schaffe nur den Alkohol ab, so wird das unmässige FJeischessen von selbst aufhören. Die Frauen und Kinder, welche keinen Alkohol trinken, haben gar kein so grosses Verlangen nach Fleisch. Die Kaffeekränzchen der Frauen mit süssem Backwerk und die „Naschsucht“ der Kinder sind Aeusserungen eines gesunden Instinctes, welcher an der Tafel des biertrinkenden Familienhauptes keine Befriedigung findet.

Bunge, Gustav von: Der Vegetarianismus. Ein Vortrag. Berlin 1885, S. 33. (deutschestextarchiv.de)

Die Burschenschaft hatte sich überall aufgelöst, die Breslauer unter feierlichem Absingen des Liedes „unsern Bund trennt nur der Tod“; doch überall schaarte sie sich sogleich von Neuem zusammen, hier unter dem alten Namen, dort als Allgemeinheit oder in der Form verbündeter Kränzchen. […]In Jena und Halle war ſie bald wieder ſtärker als alle anderen Verbindungen insgeſammt; auf manchen Univerſitäten gewann ſie erſt durch den Reiz des Verbotes größeren Anhang, und nicht lange, ſo wurden die verbotenen Farben in Leipzig ſchon wieder auf offener Straße getragen.

Treitschke, Heinrich von: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. Dritter Theil: Bis zur Juli-Revolution. Leipzig 1885, S. 440. (deutschestextarchiv.de)

Um dieselbe Stunde, wo man sich bei Treibel’s vom Diner erhob, begann Professor Schmidt’s „Abend“. Dieser „Abend“, auch wohl Kränzchen genannt, versammelte […] um einen runden Tisch […] sieben Gymnasiallehrer.

Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel oder, „Wo sich Herz zum Herzen find’t“. o. O. 1896, S. 91. (books.google.de)

Ihre Märchen, meist humoristischer Natur, sind in verschiedenen Zeitschriften zum Abdruck gelangt, und sollen demnächst in Buchform erscheinen. Ausserdem fanden ihre [Emma Kallmanns, N.M.] Jugenderzählungen im »Kränzchen«, »Jungfreund« und in anderen Jugendblättern Aufnahme, ebenso ihre Humoresken in »Meggendorfers lustige Mappe«, »Schorers Familienblatt« und anderen. Auch verschiedene Frauenblätter des In- und Auslandes zählen Frau K. zu ihrer Mitarbeiterin.

Pataky, Sophie (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren, nebst Biographieen der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. [I. Band. A–L.]. Berlin 1898, S. 407. (deutschestextarchiv.de)

Wie die Bienen schwärmten sie dann aus, die luftigen, sauber gehaltenen Steintreppen herunter in das kleine Paradies hinein, das die jungen Mädchen auf eigene Kosten begründet hatten und aus eigener Tasche erhielten. Da gab es guten Kaffee und Bier und belegte Brödchen, vor allem aber einen Schwatz, wie er lustiger bei keinem Kaffeekränzchen gedacht werden konnte. Was man da alles erfuhr und lernte!

Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin 2001 [zuerst 1900], S. 17587. [DWDS]

[…]Es giebt Skatvereine, Kegelvereine, Rudervereine, Segelvereine, Touristenvereine, Radfahrervereine, leider Gottes auch Lesevereine, die wenig lesen und noch weniger Bücher kaufen, sondern meistens Kaffee trinken und Handarbeiten machen; es giebt Brieftaubenvereine, Pferdezuchtvereine, Briefmarkenvereine, Kunstvereine, Rauchvereine, Musikvereine, die beständig den Paulus singen; es giebt Wagnervereine, Goethevereine, Schwimmvereine, Turnvereine, Eislaufvereine, Nähvereine für innere und äußere Mission, die für Negerknaben und solche, die es werden wollen, fortwährend wollene Socken stricken. Es giebt »Kränzchen«, es giebt Vereine für jeden Beruf, kaufmännische Vereine und Diskutiervereine, es giebt einen Verein der kohlensauren Jungfrauen und der Kaltmamsellen. Es giebt Alpinistenvereine Rennvereine, Fußballvereine, Tennisvereine, Golf- und Croquetvereine, es giebt Taubenvereine und Vereine für das Taubenschießen.

Baudissin, Wolf von; Eva von Baudissin: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Werner Zillig (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin 2004 [zuerst 1901], S. 2412. [DWDS]

Die Braut wird auch heute noch durch ihr Benehmen in dem Zukünftigen die Meinung befestigen, daß er sich für ewig den Besitz aller weiblichen Tugenden gesichert hat. Sie wird zärtlich, zuvorkommend, schweigsam, gehorsam, nachgiebig, sanft, unrechthaberisch, widerspruchslos, in ihren Ansprüchen bescheiden, immer heiter, nicht nervös, haushälterisch, Feindin der Klatschsucht und Kaffeekränzchen, nicht kokett, friedliebend und geduldig sein. […]Ebenso wird der Bräutigam seiner Zukünftigen keinen Augenblick die Überzeugung rauben, daß sie einem Mann die Hand reiche, der in sie verliebt, galant, gebildet, solide, treu, liebenswürdig, ein Charakter, besonnen, ein Meister in der Kunst, ihr alles von den Augen abzulesen, fleißig, gewissenhaft, voll Vertrauen, ein Gegner der Bier- und Spielbank und ein Feind aller Herrschsucht ist.

Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Werner Zillig (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin 2004 [zuerst 1902], S. 15483. [DWDS]

„[…] Aber nun sagen Sie einmal: Sie sind, wenn ich mich recht Ihrer Worte erinnere, mit einem dieser Dichter persönlich bekannt?“ „Mit Pyra. Ich [Gleim, N.M.] gehörte in Halle zu seinem poetischen Kränzchen.“

Schreckenbach, Paul: Der getreue Kleist. Ein Roman aus der Zeit des Großen Königs Erstdruck: Leipzig, 1909. Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2020, S. 91. (books.google.de)

Am folgenden Abend war im Hause des Herrn Bantes die gewöhnliche erste Wintergesellschaft; so hieß in Herbesheim, was in andern Städten auch Kränzchen, Soirée, Thee u. s. w. genannt wird. Unter den besten Familien der kleinen Stadt ging es nämlich der Reihe nach herum, sich jede Winterwoche einmal freundlich und einfach zu bewirthen und. mit Musik, Gesang, Gespräch, Spiel und Scherz den langen Abend zu erheitern.

Zschokke, Heinrich: Der todte Gast. Band 11. 2. Aufl. Berlin 1910, S. 115. (deutschestextarchiv.de)

Der Faſching 1911.

Ballkalender.

Montag den 13. Februar: Kränzchen der Kunſtakademiker (Künſtlerhaus), Peſtalozzi-Picknick (Continental), Joſefſtädter Familien-Kränzchen (Grünes Tor), Ball des Wählervereines vom 9. Bezirk (Auge Gottes), Kränzchen des Meidlinger Frauenbundes (Dreherpark), Kränzchen der Hernalſer Knabenbeſchäftigungsanſtalt (Gſchwandner).

Reichspost, 13. 2. 1911, Nr. 72. Wien 1911, S. 4. (deutschestextarchiv.de)

Aber um den erheblich zahlreicheren Engländern den Rang abzulaufen, setzte ich fest, daß auch Schüler und Schülerinnen, welche gar keinen Privatkursus hatten, bei uns eintreten könnten. Um die Anziehung dazu zu verstärken, gründete ich bei unserer Partei ein Kränzchen, welches von Sonntag zu Sonntag von Familie zu Familie wechselte, mit allen möglichen Belustigungen.

Peters, Carl: Lebenserinnerungen. In: Oliver Simons (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin 2004 [zuerst 1918], S. 52579. [DWDS]

[…]Höchstens, daß sie sich manchmal den einen oder anderen »Kavalier« vorstellt und nüchtern abwägt, was ihn ihr gefällig machen könnte und was ihn ihr lächerlich macht. Die mißliche Vermögenslage ihrer Mutter verhindert sie auch, jene Orte aufzusuchen, an denen sonst junge Mädchen ihre Natürlichkeit und Anmut verlieren; nämlich Pensionate, Tanzschulen, Damenkränzchen und dergleichen mehr. Dagegen steht sie von früh bis spät in der Küche und werkt und kocht und sorgt für das Wohl ihrer Mutter und der Tante.

Christ, Lena: Madam Bäurin. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin 2001 [zuerst 1920], S. 13406. [DWDS]

Darin wird in drei langen Spalten über etwa 40 völlig ungleichwertige Neuerscheinungen berichtet, ohne daß auch nur ein literarisches Werturteil versucht würde. Außer Inhaltsangaben, bei denen die üblichen Jahreswälzer vom Schlage des „Kränzchens“ und des „Töchteralbums“ der seligen Thekla von Gumpert große Gunst genießen, wird nur mit lächerlichen Schlagworten aus dem Backfischorgan, „interessant“, „ausgezeichnet“, „lustig“, „entzückend“, „reizend“, „lieb“ usw. gearbeitet. Elend der Jugendschriftenkritik.

Fronemann, Wilhelm: Die Bücherei des Kindes. In: Die Landfrau, 1. 8. 1925, S. 607. [DWDS]

Kränzchen. Kränzchenzusammenkünfte brauchen nicht nur von nichtssagenden Unterhaltungen ausgefüllt zu werden.

N. N.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin 1937 [zuerst 1932], S. 182. [DWDS]

[…]Allmählich mehrte sich die Zahl der Zuhörer und, was mich noch mehr erfreute, der Teilnehmer meiner Seminarübungen, unter ihnen nicht wenige spätere angesehene Fachgenossen. Die besten meiner Schüler vereinte ich in dem »Literarhistorischen Kränzchen«, das wöchentlich einmal acht bis zehn eifrig disputierende Leute um den Tisch unseres Speisezimmers versammelte. […]Als die angeregtesten dieser Nachmittage stehen mir diejenigen vor Augen, wo wir aus Handschrift und Drucken die Urgestalt des Volksbuchs vom Doktor Faust zu gewinnen suchten.

Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863–1933. In: Oliver Simons (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin 2004 [zuerst 1938], S. 74853. [DWDS]

[…]Zwei Semester lang wurde großes gemeinsames Mühen an die Aufgabe gewandt, aus der Handschrift und dem Druck des Faustbuchs die verlorene deutsche Urgestalt zu gewinnen, ein Versuch, der, wie wir vorher wußten, nie völlig gelingen konnte, aber doch auf Schritt und Tritt Gelegenheit gab, Kenntnisse und Scharfsinn zu erweisen. Die Teilnehmer dieses »Kränzchens« waren samt und sonders solche gereifte Studenten, die unter meiner Leitung an ihrer Dissertation arbeiteten. Als deren Zahl wuchs, mußten wir in die Universität übersiedeln und nannten uns nun »Literarhistorische Gesellschaft«.

Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863–1933. In: Oliver Simons (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin 2004 [zuerst 1938], S. 75361. [DWDS]

Ein alterprobtes und ein neues Jahrbuch für junge Mädchen, der Stellung der Frau in der heutigen Welt angepaßt: Das neue Kränzchen. 57. Band (Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 400 S., viele Abbildungen, 4 Farbtafeln, Leinen 12,50 DM).

Die Zeit, 18. 12. 1952, Nr. 51. [DWDS] (zeit.de)

2. Das Kaffeekränzchen Es kommt auch des öfteren vor, daß in den Gaststätten kleinere Kaffeekränzchen gegeben werden, die vom Betrieb in erhöhtem Maße eine aufmerksame Bedienung verlangen. Gut gelüftete Räume, geschmackvoll gedeckte Tische und korrektes Service werden auf jeden Fall dazu beitragen, daß sich die Gäste wie „zu Hause“ fühlen.

Kölling, Alfred: Fachbuch für Kellner. Leipzig 1962 [zuerst 1956], S. 360. [DWDS]

[…]Mit dem zum gleichen Semester neu berufenen Anatomen C. Elze und mit dem Physiologen H. Winterstein verbindet uns seit damals treue Freundschaft. Wir drei gründeten, zusammen mit dem leider früh verstorbenen Pharmakologen Trendelenburg und mit dem Dermatologen Frieboes ein wissenschaftliches „Kränzchen“, bei dem im Turnus jeder aus seinem Fachgebiet ein Referat hielt; das Thema war natürlich so gewählt, daß es auch die anderen interessierte. […]Wir tagten jeweils in der Wohnung des Vortragenden, wobei die Hausfrau für das leibliche Wohl zu sorgen und dann zugunsten der Wissenschaft zu verschwinden hatte.

Frisch, Karl von: Erinnerungen eines Biologen. Berlin 1957, S. 68. [DWDS]

Neulich passierte es bei einem Damentee, daß der bewußte Engel durchs Zimmer flog. Damentee, Sie wissen, ist nicht das gleiche wie Kaffeekränzchen. Während dieses eine Angelegenheit unter Freundinnen, oft vorgerückten Alters, ist, die sich bei viel Kaffee und noch mehr Torte vorzüglich und nicht immer leise unterhalten, ist jener eine unumgängliche gesellschaftliche Einrichtung.

Die Zeit, 25. 8. 1961, Nr. 35. [DWDS] (zeit.de)

Frau Müller brachte noch eine siebente Frau in ihr Kränzchen, eine Frau Pückler, deren Mann nicht am Trinken, sondern an seiner Neugier zugrundegehen sollte. Niemand konnte Frau Pücklers Mann leiden, und ehe die anderen Männer sich, wie geplant, des Abends freundschaftlich zusammensetzen konnten, mußte geklärt werden, was mit ihm geschehen sollte.

Die Zeit, 22. 5. 1964, Nr. 21. [DWDS] (zeit.de)

[…]Mit routinierten Bergsteigerinnen, deren Können mindestens für den vierten Schwierigkeitsgrad ausreicht, will der Schweizerische Frauen-Alpenclub in schwindelnder Höhe den Bund „Rendez-vous Hautes Montagne“ gründen. Im Morgengrauen werden die Damen zur Bezwingung des Titlis (Schweiz) aufbrechen. Vor dem Titlis-Schwur und Gründung des Bundes stärkt sich das Damenkränzchen noch einmal. Die Ehemänner der kletternden Damen sind eingeladen worden, sofern sie ihren Gattinnen auch nachsteigen können. Unbegleitete Damen werden, während der Engelberger Tage (11. bis 18. Mai) von ausgewählten Bergführern betreut.

Die Zeit, 12. 4. 1968, Nr. 15. [DWDS] (zeit.de)

Man hatte sie mir genau beschrieben. Jeden Freitag und Sonnabend fand in einer Wohnung in einem Hinterhof, die dann zur Gaststätte wurde, ein Damenkränzchen statt. Sechs Damen schritten durch den Torbogen, drei trugen Schlipse und hatten einen Herrenschnitt; eine war mindestens siebzig.

Die Zeit, 11. 4. 1969, Nr. 15. [DWDS] (zeit.de)

Am Samstag oder am Sabbat oder am Schabbat, machen Mira und ich gewöhnlich einen Ausflug. Und am Donnerstag hat Mira, meine Frau, ihr Kaffeekränzchen. Und das fängt nachmittags an und dauert bis zehn Uhr abends.

Hilsenrath, Edgar: Der Nazi & der Friseur. Köln 1977, S. 406. [DWDS]

Was an Elementen einer proletarischen Alternativkultur ursprünglich in der Maifeierbewegung enthalten war, wurde zunehmend überlagert und durchmischt mit Formen kleinbürgerlicher Geselligkeit, die manchen kritischen Beobachter an Gartenlaube und Kaffeekränzchen erinnerten.

Die Zeit, 27. 4. 1990, Nr. 18. [DWDS] (zeit.de)

Frauen dagegen holen sich lieber mit der Beinschere beim Brustschwimmen einen Knieschaden. Krauler wie Brustler geraten in einem deutschen Hallenbad zwangsläufig in Konflikt mit ihren natürlichen Feinden, den Kaffeekränzchen, die meist in Zweier- oder Dreierformation nahezu bewegungslos im Wasser verweilen. Ein Bild, das unter der Oberfläche an Seekühe erinnert, die in dieser Haltung im Wasser stehen.

Die Zeit, 23. 3. 2000, Nr. 13. [DWDS] (zeit.de)

Sie nahm sich Zeit für den Frauendienst, eine Stunde pro Woche, in der sie mit den Frauen aus der Gemeinde deren Sorgen besprach, sang und aus der Bibel las. Oder sie organisierte ihr wöchentliches Kränzchen mit der Frau des Hausarztes, der Frau des Fabrikanten und der Herrin des Rittergutes. Im großen Haus direkt am Rathaus und im Schatten der Kirche herrschte ein ständiges Kommen und Gehen, es war das Herz der Gemeinde.

Der Tagesspiegel, 14. 6. 2001. [DWDS]

[…]Es macht dann doch einen Unterschied, ob eine Sekretärin aus Bochum über das Liebesleben von Steffi Graf und Andre Agassi mutmaßt oder die Fernsehmoderatorin Vera Int-Veen lautstark in die Runde kreischt: „Glaubst du echt, die sind asexuell?“ Aber statt sich angesichts der eigenen Halbprominenz ein wenig zurückzunehmen, gaben die Premierengäste Andrea Kiewel, Kim Fisher, Barbara Schöneberger und Vera Int-Veen dem Affen Zucker: Ihr alltagskulturelles Vorbild für die folgenden 45 Minuten war nicht mehr das Eierlikör trinkende Damenkränzchen, sondern die feuchtfröhliche Damenrunde auf ihrem alljährlichen Kegelausflug. Wehe, wenn sie losgelassen…

Berliner Zeitung, 30. 10. 2001. [DWDS]

„Ihnen gebührt Lob und Dank, Sie sind eine der herausragenden Autoritäten dieses Landes“, sagte Anne Will. Und die Moderatorin erinnerte daran, wie wichtig der sozialdemokratische und frauenbewegte Familienhintergrund für die Karriere von Jutta Limbach war, wie sie den Juristinnenbund erst ein „Damenkränzchen“ nannte, dann doch mitmachte und durch die Unterstützung dieses Frauennetzwerkes schließlich Verfassungsrichterin wurde. Will erwähnte auch, wie glücklich verheiratet Jutta Limbach ist – seit 40 Jahren.

Berliner Zeitung, 18. 3. 2005. [DWDS]