Wortgeschichte zu

Team

Themenfeld Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Team wird um 1900 aus dem Englischen entlehnt, und zwar zunächst als Ausdruck des Sports. Als Anglizismus ist das Wort anfänglich Gegenstand (vergeblicher) Sprachreinigungsbemühungen; es setzt sich aber ab ca. 1910 durch. Seit den 1940er Jahren wird Team dann auf die Arbeitswelt übertragen und bedeutet hier ‚Arbeitsgruppe‘, jünger auch ‚Belegschaft (eines Betriebes)‘.

Wortgeschichte

Erste Entlehnung aus dem Englischen

Das Wort stellt eine Übernahme von englisch teamengl dar, vgl. ³OED, team, n.. Dabei werden unterschiedliche Bedeutungen des englischen Wortes zu unterschiedlichen Zeitpunkten ins Deutsche entlehnt: Zunächst findet teamengl in der Bedeutung ‚Gespann von Zugtieren‘ Eingang in deutsche Texte (1859, 1902); diese Verwendung stellt übrigens auch im Englischen die älteste dar (s. ³OED, team, n., II 4 a; zum etymologischen Zusammenhang mit Zaum s. Pfeifer, s. v. ZaumDWDS). Team in dieser Bedeutung bleibt im Deutschen aber insgesamt sehr selten.

Team als Ausdruck des Sports

Wichtiger für die Geschichte des Wortes im Deutschen ist die Verwendung von Team als Ausdruck des Sports: teamengl bedeutet ‚Mannschaft, die an einem sportlichen Wettkampf teilnimmt‘ (³OED, team, n., II 6 b). Das erste Zeugnis für die Kenntnis dieses englischen Wortes im Deutschen ist eine von Konrad Koch, dem Begründer des Fußballspiels in Deutschland, aufgestellte Liste mit Verdeutschungsvorschlägen für englische Ausdrücke des Fußballsports (zur Geschichte des Fußballspiels vgl. Zeyringer 2014, zu Konrad Koch hier besonders 88–90; s. auch Geschichte des Fußballs). Als Ausdrücke, die teamengl ersetzen sollten, werden die Wörter Mannschaft und Riege vorgeschlagen (1903). Zweck von Kochs Liste ist die Einführung deutscher Ausdrücke für die englischen Wörter, damit das seinerzeit schon sehr verbreitete Spiel „im vollen Sinne des Wortes ein echt deutsches Spiel werden“ kann (1903). Der Aufforderung des Textes, „jedes Fremdwort aus dem Spielbetrieb zu tilgen“ (1903), kann man entnehmen, dass zumindest eine gewisse Anzahl der in der Auflistung genannten englischen Wörter bereits im mündlichen Gebrauch war. Team als Ausdruck des Sports, so lässt sich folgern, war daher möglicherweise schon vor 1903 in der gesprochenen Sprache vorhanden.

Trotz der sprachpflegerischen Bemühungen Kochs um einen Ersatz von Team durch MannschaftDWDS und RiegeDWDS findet sich das Wort in der Folgezeit häufig im Bereich des Sports, und zwar nicht nur mit Bezug auf englisch-amerikanische Verhältnisse, wie im DFWB s. v. Team angedeutet wird, sondern durchaus auch für heimische Sportmannschaften (1908, 1911). Auch wird es schon bald nicht mehr nur für den Fußball, sondern auch für Mannschaften anderer Sportarten verwendet, z. B. Schwimmen, Eishockey, Bridge (1911, 1927, 1933).

Übertragungen

Der Gebrauch des Wortes bleibt nicht auf die Sphäre des Sports beschränkt. Seit 1944 sind zunehmend Übertragungen auf andere Arten von Gruppen, besonders auf ‚Arbeitsgruppe (mit einer besonderen Aufgabe)‘ bezeugt (1944, 1947, 1956). Als Teams können dabei Gruppen bezeichnet werden, die zeitlich befristet und zweckgebunden zusammenarbeiten (1971); aber auch ‚Gruppe der Mitarbeiter eines Betriebes, Belegschaft‘ entwickelt sich als Verwendung (1998).

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Nicht ganz einfach zu entscheiden ist, ob diese Bedeutungserweiterung ebenfalls auf eine Übernahme aus dem Englischen zurückgeht oder ob es sich um einen eigenständigen Wandel im Deutschen handelt. Teamengl hat zwar eine vergleichbare Bedeutung, diese ist aber laut ³OED, team, n., II 6 b vorwiegend auf kleinere Einheiten von Menschen in handwerklicher bzw. industrieller Produktion beschränkt (und bis 1920 sogar ausschließlich in Bezug auf die Herstellung von Schuhen belegt). Das englische Wort scheint also einen etwas engeren Gebrauch aufzuweisen. Daher ist durchaus auch eine eigenständige Entwicklung im Deutschen denkbar.

In der Bedeutung ‚Arbeitsgruppe‘ ist das Wort positiv konnotiert: Ein Team ist gegenüber einer Gruppe dadurch gekennzeichnet, dass es Teamgeist/Teamspirit (TeamgeistDWDS) aufweist, dass es gut und zielgerichtet zusammenarbeitet (TeamworkDWDS) und durch flache Hierarchien gekennzeichnet ist – die Sportmetapher scheint also offenbar noch durch. In Verbindungen wie ein gutes/starkes Team sein/bilden (1998) bedeutet es dementsprechend auch ‚gut zusammenarbeiten‘.

Volker Harm

Literatur

  • DFWBDeutsches Fremdwörterbuch. Begonnen von Hans Schulz, fortgeführt von Otto Basler. Weitergeführt im Institut für Deutsche Sprache. Ab Bd. 4 bearbeitet von Alan Kirkness u. a. Straßburg bzw. Berlin 1913ff., Bd. 1ff. (owid.de)
  • ³OEDOxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Vol. 1–20. (oed.com)
  • Zeyringer 2014Zeyringer, Klaus: Fußball. Eine Kulturgeschichte. Frankfurt a. M. 2014.