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Wortgeschichte zu

Networking · Netzwerker

netzwerken

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Um die Jahrtausendwende zeigt sich die zunehmende Relevanz von Netzwerken in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Beruf und EDV unter anderem durch die Verwendung neuer Wortbildungen: Die Personenbezeichnung Netzwerker und das Verb netzwerken ergänzen die Netzwerk-Wortfamilie. Mit Networker und networken stehen etwa zeitgleich aus dem Englischen entlehnte Bezeichnungsalternativen zur Verfügung, jedoch ist ihr Gebrauch im Vergleich zu den deutschen Bildungen eher zurückhaltend. Etabliert hat sich die englische Bildung Networking, die besonders in der Verbindung Networking betreiben seit den 1980er Jahren geläufig ist. Bei allen Bildungen geht es um Aufbau und Pflege von informellen privaten oder beruflichen Kontaktnetzen.

Wortgeschichte

Networking

Das aus dem Englischen entlehnte Substantiv Networking (vgl. 3OED unter networking, n. 4) findet sich seit den 1980er Jahren in deutschsprachigen Texten in der Bedeutung Knüpfen und Pflegen von persönlichen und beruflichen Kontakten zum gegenseitigen Nutzen (1986). Zunächst wird das Wort auf amerikanische bzw. britische Verhältnisse und dortige soziale und familiäre Netzwerke bezogen.

Eher selten wird die Bildung Networking in der Bedeutung Bildung eines Netzwerks zur elektronischen Kommunikation verwendet (1993). Im IT-Bereich hat sich hier, obgleich dort englischer Wortschatz meist vorherrschend ist, die deutsche Wortbildung VernetzungWGd etabliert. Populär wird Networking in den späten 1990er Jahren: Networking heißt das Zauberwort, Fäden spinnen, Verbindungen knüpfen (1996, 1997). Häufig steht Networking als Akkusativobjekt in der Verbindung Networking betreiben (2004a) oder innerhalb einer Präpositionalgruppe (Gelegenheit zum Networking 2021).

Netzwerker und Networker

Die Personenbezeichnung Netzwerker jemand, der ein Netzwerk aufbaut/pflegt, der Networking betreibt ist ebenfalls seit den 1980er Jahren gebräuchlich (1981), z. B. in den Verbindungen begnadeter, einflussreicher oder geborener Netzwerker (2010, 2013a, 2016). Es ist von einer Ableitung vom Substantiv NetzwerkWGd auszugehen, da das Verb netzwerken erst später bezeugt ist.

Die englische Entsprechung Networker tritt ungefähr zeitgleich in deutschsprachigen Texten auf, anfangs teilweise noch mit englischer Pluralkennzeichnung oder in Kleinschreibung (1982, 1995). Ende der 1990er Jahre ist auch die movierte Form Networkerin in deutschen Texten zu finden (1999). Die weibliche Form Netzwerkerin wird (von vereinzelten Ausnahmen abgesehen; 1992) erst Anfang der 2000er gebräuchlich (2003, 2013b). Die DWDS-Wortverlaufskurve zeigt eine stetige Gebrauchszunahme der movierten Form Netzwerkerin seit etwa 20 Jahren.

netzwerken und networken

Die Abbildung zeigt, dass sich die Gebrauchskurven von netzwerken und Networking um das Jahr 2015 annähern.

Abb. 1: Wortverlaufskurve: "Networking, Netzwerker, netzwerken, networken“

DWDS (dwds.de) | Bildzitat (§ 51 UrhG)

Das von NetzwerkWGd abgeleitete Verb netzwerken wird um das Jahr 2000 gebräuchlich (2001, 2004b). Anfangs noch zögerlich verwendet, kann man in den letzten zehn Jahren eine Gebrauchssteigerung feststellen. Es tritt in der Lesart private und berufliche Kontakte knüpfen und pflegen neben die synonym verwendete Verbindung Networking betreiben. Die Gebrauchskurven von Networking und netzwerken nähern sich in den letzten Jahren im DWDS Zeitungskorpus an (vgl. Abb. 1), während das entlehnte Verb networken, das im Englischen seit den 1980er Jahren mit Bezug auf Sozialbeziehungen bezeugt ist (vgl. 3OED unter network , v. 3), in deutschen Texten insgesamt selten und dann meist in der substantivierten Form das Networken bezeugt ist (2013c).

Kerstin Meyer-Hinrichs

Literatur

DWDS DWDS. Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute. (dwds.de)

3OED Oxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte digitale Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Bd. 1–20. (oed.com)

Weitere wortgeschichtliche Literatur zu Networking, Netzwerker, netzwerken.

Belegauswahl

Klaus Röder, ebenfalls ein Netzwerker der ersten Stunde und noch heute im Vorstand, befürchtet, daß die gute Idee zerredet werden kann.

Die Zeit, 11. 12. 1981, Nr. 51. [DWDS] (zeit.de)

Rank Xerox nennt das System „Networking“, Arbeiten mit einem Netz von außenstehenden Helfern, „und diese selbst “Networkers". Es erhält dem Unternehmen zahlreiche wertvolle Kräfte, deren Dienste es benötigt, verringert aber die Kosten beträchtlich.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 8. 1982, S. 11.

Das ist in den Vereinigten Staaten anders. In viel stärkerem Maße als bei uns setzen sich gerade Frauen dafür ein, daß andere Frauen gefördert werden. Das geschieht nicht zuletzt durch die Kunst des Networking, der informellen Kontaktnetze, die Frauen untereinander aufbauen und die ebenso unverhohlen dem persönlichen und beruflichen Nutzen der Mitglieder dienen, wie das bei den zahlreichen Institutionen des „Old-Boys-Network“ auch der Fall ist.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. 5. 1986, S. BuZ3.

Die Netzwerkerin

[…]Daheim hat sie Besuch aus Amerika, das Kindermädchen ist krank, und Nora Lisa (4) liegt mit Grippe zu Bett. Aber Wilma Mohr, […]die Mama, sitzt gelassen im Büro des Bürgermeisters und zieht die Bilanz der letzten zwei Jahre, in denen sie Frauenbeauftragte der Stadt Darmstadt gewesen ist. […] In nur zwei Jahren hat sie Maßstäbe für eine erfolgreiche Frauenpolitik gesetzt, die weit über die Stadtgrenzen hinauswirken.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 2. 1992, S. 64.

Durch das Networking – also Vernetzung von Kommunikationssystemen, auch über Ländergrenzen hinweg – ergeben sich viele Vorteile.

Neue Zeit 24. 3. 1993. [DWDS]

Der Hanser-Verleger Michael Krüger ist für Menne ein Verkaufsgenie, „der beste networker im Gewerbe“. […]Krüger ist Mitglied in der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, nimmt Einfluß auf Preisvergaben, vertritt seine Autoren vorbildlich, er ist selber Lyriker, bleibt aber immer der Kaufmann.

Die Zeit, 6. 10. 1995, Nr. 41. [DWDS] (zeit.de)

Man hat auch gleich schon mal Frauen aus Rußland und dem Baltikum eingeladen. Networking heißt das Zauberwort: Fäden spinnen, Verbindungen knüpfen. […]Und das geht so: Irina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein, deutsche Preisträgerin 1994, organisiert den deutsch-polnischen Austausch von Akademikern und sorgt dafür, daß polnische Manager Marktwirtschaft lernen.

Die Zeit, 25. 10. 1996, Nr. 44. [DWDS] (zeit.de)

Networking“ sei angesagt, das Handeln im großen Verbund.

Die Zeit, 19. 9. 1997, Nr. 39. [DWDS] (zeit.de)

Eine rein private Initiative, sagt Frau Wedekind, von nichts getragen als von dem Herzenswunsch, als „Networkerin“ für zeitgenössische Maler, Autoren und Fotografen segensreich und ohne Gewinnstreben tätig zu sein.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 9. 1999, Nr. 219, S. BS1.

Schlagen sich nicht die Schönen und Einflussreichen alljährlich darum, einen der 100 rot markierten Sitze einnehmen und anschließend bei Champagner, Steinpilztortellini und Putenbrust-Saltimbocca ungestört plaudern und netzwerken zu dürfen?

Der Tagesspiegel, 14. 3. 2001. [DWDS]

In dem Netzwerk wollen wir uns deshalb gegenseitig unterstützen, Karriere zu machen ", sagt Geschäftsführerin Monika Scheddin. Damit hat Netzwerkerin Doris Wagner sehr gute Erfahrungen gemacht.

Die Zeit, 12. 6. 2003, Nr. 24. [DWDS] (zeit.de)

Merkel betreibt mittlerweile ausgeprägtes Networking, nicht ohne Erfolge.

Die Zeit, 2. 12. 2004, Nr. 50. [DWDS] (zeit.de)

So funktionieren Netzwerke. Machte man früher vom „Vitamin B“ Gebrauch, wird das heute „networking“ oder „netzwerken“ genannt: sich Kontakte zunutze machen, seien sie privater oder geschäftlicher Natur. Im Fußballclub, in Internet-Foren oder in Alumni-Netzwerken treffen Bewerber auf Arbeitgeber oder solche, die welche kennen.

Die Zeit, 6. 10. 2004, Nr. 41. [DWDS] (zeit.de)

Zwar gibt es geborene Netzwerker, doch diese Kunst lässt sich auch erlernen.

Der Tagesspiegel, 28. 3. 2010. [DWDS]

Bisher hat sich der einflussreiche Netzwerker als Vertreter der traditionellen olympischen Werte positioniert.

Die Zeit, 9. 5. 2013 (online). [DWDS] (zeit.de)

Mentorenprogramme und Stipendien für türkische Mädchen und junge Frauen tragen die Idee weiter, denn die Netzwerkerinnen verstehen sich auch als Vorbild für andere. […]Zwar richtet sich ihr Business-Netzwerk ausschließlich an Frauen, nur am 8. März, dem internationalen Frauentag, lädt sie einen Mann zum Vortrag ein.

Die Zeit, 5. 9. 2013, Nr. 31. [DWDS] (zeit.de)

Andererseits weiß man bei dem ganzen Klüngeln und Networken nie: Spricht der mich an, weil er mich mag, oder will er mich nur für die Karriere instrumentalisieren?

Die Zeit, 22. 12. 2013, Nr. 13. (zeit.de)

Genscher war ein begnadeter Netzwerker, bestens verdrahtet in nahezu alle Hauptstädte der Welt.

Die Zeit, 1. 4. 2016 (online). [DWDS] (zeit.de)

Im Nachgang gibt es im Rahmen eines überregionalen Teilnehmerkreises auch die Gelegenheit zum Networking.

Aachener Zeitung, 23. 10. 2021. [DWDS]