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Wortgeschichte zu

Vitamin B

Politik & Gesellschaft · Medizin & Gesundheit

Kurz gefasst

Das zunächst im Englischen im Jahr 1912 geprägte Kunstwort Vitamin wird im Deutschen schnell auch außerhalb der Fachsprache gebräuchlich. Dies gilt ebenfalls für die klassifizierenden Wortverbindungen mit Großbuchstaben wie z. B. Vitamin A, B oder C. Während der Kriegs- und Nachkriegszeit entsteht umgangssprachlich ein übertragener Gebrauch der Wortverbindung Vitamin B, in der der Buchstaben B in Beziehung(en) umgedeutet wird. Vitamin B meint in scherzhaft-spöttischer Rede gute und nützliche Beziehungen zu (einflussreichen) Personen. Während sich die Wortverbindung in übertragener Verwendung zunächst häufig auf den Zugang zu knappen Gütern (Lebensmittel, Wohnraum) bezieht, sind die meisten Gebräuche bald und bis heute vorwiegend auf gute und nützliche Verbindungen im Geschäfts- und Berufsleben bezogen.

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Wortgeschichte

Vitamin – ein Kunstwort

Die Entdeckung der als Vitamine bezeichneten Wirkstoffe, die eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Stoffwechsels einnehmen, ist auf das frühe 20. Jahrhundert zurückzuführen. Die englische Bezeichnung vitamine prägte der Biochemiker Casimir Funk im Jahr 1912. Das Kunstwort fügte er aus lateinisch vīta Leben und der englischen Bezeichnung für organische Stickstoffverbindungen amine zusammen (vgl. 1912, 1924a; vgl. 3OED unter vitamin). Die Neubildung erreichte die deutschsprachige Fachwelt zwei Jahre später mit der von Casimir Funk auf Deutsch verfassten Monographie Die Vitamine (vgl. Funk 1914).

Auch wenn sich später zeigte, dass nicht alle mit der Bildung vitamine bezeichneten Substanzen tatsächlich Amine sind, blieb man trotz Gegenvorschlägen (vgl. 1924a) bei der eingängigen und in den 1920er Jahren offenbar bereits populären wohlklingend[en] Bezeichnung (1924b). Die Ausdrucksseite ist im Zuge der neuen Erkenntnisse leicht verändert worden: Im Englischen schreibt man seitdem vitamin – das -e am Ende des zweiten Wortbestandteils, der eigentlich die Zusammengehörigkeit zu den Aminen verdeutlichen sollte, wurde getilgt (1920). Im Deutschen wird das Wort Vitamin auch außerhalb der Fachsprache schnell geläufig; im Jahr 1929 wird die junge Bildung erstmals in den Rechtschreibduden aufgenommen (vgl. Duden online unter Vitamin).

Vitamin A, B, C – Klassifizierung mit Großbuchstaben

Anfang der 1920er Jahre wird in Bezug auf die Vitaminklassifizierung ein seither bekanntes Buchstabensystem entwickelt: Das Wort Vitamin in Kombination mit einem Großbuchstaben wird als Kennzeichnung der verschiedenen Substanzen eingeführt (vgl. 1920, 1924c). Die bis dahin entdeckten Vitamine werden alphabetisch Vitamin A, Vitamin B, Vitamin C usw. geordnet. Auch Casimir Funk nennt den früh von ihm als Antiberiberi-Vitamin identifizierten Wirkstoff Thiamin dann ab der 3. Auflage seiner Studie Vitamin B (1924c). Heute kennt man die Wortverbindung Vitamin B als Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Vitaminen (Vitamin-B-Komplex), die in ihren Eigenschaften und Funktionen unterschiedlich sind. Durch eine an den Buchstaben B angehängte Ziffer werden sie klassifiziert; so ist zum Beispiel für den Wirkstoff Thiamin nun die Bezeichnung Vitamin B1 gebräuchlich.

B steht für Beziehungen

In den 1940er Jahren lässt sich erstmals ein bis heute geläufiger übertragener Gebrauch der Wortverbindung Vitamin B nachweisen (1943a). Während der Buchstabe B im biochemischen Verwendungszusammenhang ohne spezifische Bedeutung ist1) und lediglich der Vitaminklassifizierung dient, steht das B in der übertragenen Verwendung für den Anfangsbuchstaben des Worts Beziehung. Mit der neuen Lesart gute und nützliche Beziehungen zu (einflussreichen) Personen, ist Vitamin B als Idiom beschreibbar: Die Gesamtbedeutung der nicht flektiertbaren Substantivgruppe (vergleichbar mit Schema F und Plan B) ist nicht aus den Einzelbestandteilen verständlich, sondern hat eine Übertragung erfahren.

Während der Kriegs- und Nachkriegszeit, in der sich der übertragene Gebrauch etabliert hat, bezeichnet Vitamin B nun nicht mehr allein lebensnotwendige biologische Substanzen, sondern steht für den zu dieser Zeit ebenfalls lebenswichtigen Zugang zu knappen Gütern wie Lebensmitteln oder Wohnraum, der einem nur über die guten Beziehungen zu bestimmten Personen inoffiziell ermöglicht wird. Die scherzhaft-spöttische Rede von Vitamin B war wahrscheinlich in der Umgangssprache weitaus verbreiteter, als es die vereinzelten Textbelege der 1940er Jahre zeigen. Dafür spricht, dass bereits in den ersten Nachweisen von dem berühmten Schlagworte Vitamin B, dem berüchtigten oder geheimnisvolle[n] Vitamin B berichtet wird (1943a, 1943b, 1945). In der Kriegszeit ist der Gebrauch der Wortverbindung offenbar im inoffiziellen und vertraulichen Sprachgebrauch anzusiedeln: Frühe Nachweise finden sich in Feldpostbriefen, die eine persönliche Sichtweise auf den Kriegsalltag in Deutschland zeigen (1943c, 1943d). In der Nachkriegszeit nimmt die Belegfrequenz zu: Vitamin B wird übertragen nicht mehr als geheimer Code, sondern öffentlich und vermehrt schriftsprachlich gebraucht. Die metaphorische Verwendung von Vitamin B findet sich unter anderem in Rückblicken auf die Lebensumstände in der Kriegszeit und Schilderungen der überlebenswichtigen Relevanz persönlicher Beziehungen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern (1960, 1971, vor 1984a).

Der Gebrauch der übertragenen Wortverbindung hat sich seit ihrem Aufkommen in den Kriegsjahren den sich verändernden Bedürfnissen und Lebensgefühlen der Generationen angepasst. Während sich das Idiom Vitamin B zunächst auf den Zugang zu lebensnotwendigen Gütern bezieht (1948), sind die meisten Gebräuche bald und bis heute vorwiegend auf die Vorteile guter Beziehungen zu einflussreichen Personen im Geschäfts- und Berufsleben bezogen (1947, 1961, 1965, 1984b). Hier finden sich Verbindungen wie etwas (einen Job, einen Auftrag) über Vitamin B bekommen o. ä. (1997a), an etwas über Vitamin B kommen (2008, 2016), jemand hat/verfügt über Vitamin B (2014, 2020) und Aussagen wie ohne Vitamin B läuft nichts (1997b, 2007).

Im Vergleich zu anderen Wörtern des Wortfelds wie KlüngelWGd, SeilschaftWGd, VetternwirtschaftWGd ist der Gebrauch der Verbindung Vitamin B als scherzhaft-spöttisch und nicht als abwertend aufzufassen.

Analogiebildungen

Zu dem übertragenen Gebrauch von Vitamin B gibt es vereinzelte, ähnlich funktionierende Analogiebildungen: Die Verbindung Vitamin N steht in frühen Belegen für Naturalien (1943b; rückblickend bei Uwe Johnson vor 1984a) und gegenwärtig für Natur (2013). Die ebenfalls früh bezeugte Verbindung Vitamin P, in der das P (vergleichbar mit der Bedeutung von Vitamin B) für Protektion steht, ist häufiger zu finden (1953, 1960, 1969) und auch gegenwärtig im Österreichischen offenbar verständlich (2017).2)

Für die Kriegs- und Nachkriegszeit ist im Niederländischen die dem Deutschen Vitamin B entsprechende Wortverbindung vitamine R nachzuweisen (1952, 1968; vgl .WNT unter vitamine). Das R steht für niederländisch relaties (vgl. WNT unter relatie) Beziehungen. Anscheinend wurde die Wortverbindung von niederländischen Konzentrationslager-Insassen verwendet (vgl. 2006, Coster 2021).

Kerstin Meyer-Hinrichs

Anmerkungen

1) Vgl. 2DWB 4, 1; 3 b.

2) Vgl. weitere mögliche Beispiele im Wörterbuch der Umgangssprache, Küpper 1987, 891–892.

Literatur

Coster 2021 Coster, Marc de: vitamine R. In: Woerdenboek van Populair Taalgebruik. 23. 8. 2021. (ensie.nl)

DNB Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Leipzig/Frankfurt a. M. (dnb.de)

Duden online Duden online. Hrsg. von der Dudenredaktion. Mannheim 2011 ff. (duden.de)

2DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Neubearbeitung. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (vormals Deutsche Akademie der Wissenschaften) und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bd. 1–9. Stuttgart 1983–2018. (woerterbuchnetz.de)

DWDS DWDS. Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute. (dwds.de)

Funk 1914 Funk, Casimir: Die Vitamine, ihre Bedeutung f. d. Physiologie und Patholoogie mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: Beriberi, Skorbut, Pellegra, Rachitis. Wiesbaden 1914.

Küpper 1987 Küpper, Heinz: Pons-Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Stuttgart 1987.

3OED Oxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte digitale Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Bd. 1–20. (oed.com)

WNT Woordenboek der Nederlandsche Taal. Bd. 1–29. ’s-Gravenhage u. a. 1882–1998. (ivdnt.org)

Weitere wortgeschichtliche Literatur zu Vitamin B.

Belegauswahl

It is now known that all these diseases, with the exception of pellagra, can be prevented and cured by the addition of certain preventive substances; the deficient substances, which are of the nature of organic bases, we will call „vitamines“; and we will speak of a beri-beri or scurvy vitamine, which means, a substance preventing the special disease.

Funk, Casimir: The Etiology of the Deficiency Diseases, Beri-Beri, Polyneuritis in Birds, Epidemic, Dropsy, Scurvy, Experimental Scurvy in Animals, Infantile Scurvy, Ship Beri-Beri, Pellagra. In: The Journal of State Medicine 20 (1912), S. 342.

[…]The criticism usually raised against Funk’s word Vitamine is that the termination „-ine“ is one strictly employed in chemical nomenclature to denote substances of a basic character, whereas there is no evidence which supports his original idea that these indispensable dietary constituents are amines. The word has, however, been widely adopted, and therefore until we know more about the actual nature of the substances themselves, it would be difficult and perhaps unwise to eliminate it altogether. The suggestion is now advanced that the final „-e“ be dropped, so that the resulting word Vitamin is acceptable under the standard scheme of nomenclature adopted by the Chemical Society, which permits a neutral substance of undefined composition to bear a name ending in „-in.“ If this suggestion is adopted, it is recommended that the somewhat cumbrous nomenclature introduced by McCollum (Fat-soluble A, Water-soluble B), be dropped, and that the substances be spoken of as Vitamin A, B, C, etc.

Drummond, Jack Cecil: The Nomenclature of the So-called Accessory Food Factors (Vitamins). In: Biochemical Journal 14 (1920), S. 660. (wikimedia.org)

Zu der Verbreitung dieser Ideen hat […]nach meiner Meinung (die vielleicht unrichtig ist) nicht zum geringen Teile die von mir im Jahre 1912 eingeführte Bezeichnung „Vitamin“ beigetragen. Die Prägung des Wortes „Vitamin“ diente als Schlagwort, das selbst dem Laien etwas Bestimmtes übermittelte, und es ist nicht nur Zufall, daß gerade zu jener Zeit die Forschung in dieser Richtung sich so sehr entwickelte. Meine Meinung von der glücklichen Wahl dieser Bezeichnung ist bestärkt einerseits dadurch, dass sie populär geworden ist […], andererseits dadurch, daß andere Forscher sich unermüdlich bemüht haben, eine andere Nomenklatur einzuführen wie: […]akzessorische Nahrungsbestandteile, Nahrungshormone, wasserlöslicher Faktor B und fettlöslicher Faktor A, Nutramine, Auxiomne (für Pflanzen). Manche von diesen Bezeichnungen sind nicht besser, viele schlechter gewählt.

Funk, Casimir: Die Vitamine. Ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie. 3. vollständig umgearbeitete Aufl. Berlin/Heidelberg 1924, S. 4.

Zugleich möchte ich betonen, daß, als ich den Namen „Vitamin“ angab, mir wohl bewußt war, daß diese Substantzen später vielleicht als nicht aminartig erkannt werden könnten. Doch es lag mir daran, eine Bezeichnung zu finden, die wohlklingend war und in jedes Idiom paßte, da ich schon damals an der Richtigkeit und künftigen Populärität des neuen Gebietes keine Zweifel hatte.

Funk, Casimir: Die Vitamine. Ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie. 3. vollständig umgearbeitete Auf. Berlin/Heidelberg 1924. S. 22.

[…]Doch scheint es empfehlenswert, gewisse in der englischen Literatur vorkommenden Ausdrücke wie z. B.: Growth promoting water soluble accessory “B factor" durch etwas Einfaches zu ersetzen. Ich schlage deshalb vor, die folgende Nomenklatur wenigstens vorläufig anzunehmen: Vitamin B für das Antiberiberi-Vitamin, Vitamin A [für das] Antirachitis-Vitamin, Vitamin C [für] Antiskorbutisches Vitamin. Diese ersten Buchstaben werden schon in der englischen Literatur oft benutzt und besitzen wenigstens den Vorteil der Einfachheit und Zeitersparnis.

Funk, Casimir: Die Vitamine. Ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie. 3. vollständig umgearbeitete Aufl. Berlin/Heidelberg 1924. S. 24.

Man hörte die berühmten Schlagworte: „Vitamin B“ – sprich Beziehung – und wünschte Quellenangabe und Ursprung des edlen Tropfens. Ich muß wohl bei dem Skat zu interessiert zugesehen haben, jedenfalls bot man mir nach längerer Zeit ein Glas Rotwein an.

Bunkergespräche (5. 11. 43) In: Verfügungen/Anordnungen, Bekanntgaben. 1. Teil aus 1943. IV. Bd. Hrsg. von der Partei-Kanzlei. München [1943], S. 128. (books.google.de)

Glücklich daher der Suchende, der nach tagelangem Wandern sich mit den berüchtigten Vitamin B (Beziehung) oder noch nachdrücklicher mit dem Vitamin N (Naturalien) einige transportfähige Kisten „hamstern“ konnte. Schnaps, Zigaretten und Rotwein sind zum geläufigen Zahlungsmittel geworden.

Die Tat. Schweizerische unabhängige Tageszeitung 8, 11./12. 12. 1943, Nr. 292, S. 27. (e-newspaperarchives.ch)

An Gefreiten Willi Schröder, Feldpost 11340 aus Minden, Westphalen […] „Jetzt sollen wir noch länger arbeiten und zwar mindestens 12 Stunden. Ich bin schon jetzt ganz schwach. Ja, wenn ich Vitamin B hätte, wie Frauen und Töchter unserer Totenkopf… [sic!] und Beamten in gewisser Uniform. Sie sitzen auch heute noch daheim. Lieber Willi, ohne dieses Vitamin B, ohne diese ‚Beziehungen‘ zum Totenkopf bist Du heute daheim einfach verloren.“

N. N.: Feldpostbrief. Zitiert nach: Friedrich Wolf: „Vitamin B“. In: Einheit. Sudeten German Anti-fascist Fortnightly 4/8, 10. 4. 1943, S. 9.

An den Soldaten Karl Ständel, Feldpost 32229 schreibt seine Mutter aus Essen: „Heute war ich mit Tante Grete in der Stadt. Es hat überhaupt keinen Zweck mehr, nach etwas zu fragen. […]Entweder heisst es, nichts da oder: nur für Bombengeschädigte! Wir kennen diese ‚Bombengeschädigten‘ sehr gut, die nachts stets ausserhalb von Essen in ihren Villen auf dem Lande wohnen. Da heißt es nach der Bibel: ‚Wer da hat, dem wird auch noch gegeben!‘ Im übrigen, ohne dass du Vetterchen oder liebestolle Affen da oben hast, ohne Vitamin B kannst du in den Mond gucken und glatt zum Gerippe werden.“

N. N.: Feldpostbrief. Zitiert nach: Friedrich Wolf: „Vitamin B“. In: Einheit. Sudeten German Anti-fascist Fortnightly 4/8, 10. 4. 1943, S. 9.

Es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, daß ihr Tun unmoralisch und verwerflich ist. Sie besitzen das geheimnisvolle Vitamin B Beziehungen zu Gott und aller Welt. Der gute Bekannte im Amt und die hübsche Freundin als Dolmetscherin bei den Amerikanern sorgen für gelegentliche Tips.

Süddeutsche Zeitung, 9. 11. 1945, S. 3.

In moralischer Hinsicht muß aber auch hier ein Unterschied gemacht werden zwischen demjenigen, der im Amateursport die Gelegenheit sucht, sich auf bequeme Art seinen Lebensunterhalt zu verdienen und jenem, der seinen zivilen Beruf in vorderste Linie stellt und sich lediglich durch „Vitamin B“, in diesem Falle durch die „Beziehung Fußball“ Vorteile, vielleicht auch wesentliche, zu verschaffen trachtet.

Die Tat. Schweizerische unabhängige Tageszeitung 12, 18. 9. 1947, Nr. 257, S. 6. (e-newspaperarchives.ch)

Dem Autor des Sprichwortes „Vater werden ist nicht schwer“ wäre dieser Satz in der Kehle stecken geblieben, hätte er die Schwierigkeiten erlebt, die sich im Jahre 1948 vor einem Durchschnittsvater türmen, einem Vater ohne Vitamin B und ohne Schwarzmarktbörse.

Berliner Zeitung, 11. 2. 1948. [DWDS]

(De Joodsche kinderen) keken tegen vader op, als die in de Joodse Raad werkte en de familie ”gestempeld” was, ze waren vol van wrok en bitterheid, als vader tegen moeder klaagde, dat je daar ”vitamine R” voor hebben moest.

Abel J. Herzberg: Onderdrukking en Verzet Bd. 3. 1952, S. 183 (zitiert nach WNT).

Immer wieder hört man Berichte über eine unerfreuliche Protektionswirtschaft und über die Bedeutung des sogenannten Vitamin P, der Protektion, in Israel. Auch wird von einem Parteiunwesen in Israel gesprochen. […]Diese Berichte übersehen oft wesentliche historische und psychologische Hintergründe, treffen aber wohl doch teilweise zu.

Cohn, Arthur: Unruheherd mittlerer Osten. Basel 1953, S. 117.

Der Dünkel vieler hoher Funktionäre sah sich dem Neide der gewöhlichen „Ghettoinsassen“ ausgesetzt. Manche Stellen schienen „einträglich“ und „vorteilhaft“, ihre Inhaber, an die sich Verwandte und Freunde lehnten, wurden umworben. Der Anhang wuchs mit dem Einfluß des Postens. „Vitamin B und P“, Beziehungen und Protektion, wurden wichtig, und die Stufenleiter der Verwaltung wurde auch zur Stufenleiter der sich bildenden Gesellschaft.

Adler, H. G.: Theresienstadt 1941–1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft. Mit einem Nachwort von Jeremy Adler. Reprint der zweiten Auflage von 1960. Göttingen 2020, S. 263.

Für fünf bis sechs Monate alle Termine besetzt. Offenbar gibt es aber doch eine ganze Menge Leute, die über Vitamin B (Beziehungen) verfügen, denn die Transportlaster rollen über die Autobahn Richtung Bundesrepublik.

Neues Deutschland, 3. 10. 1961. [DWDS]

„Schlicht gesagt, ist alles eine Unverschämtheit der Behörden …“ – darüber herrscht Einigkeit, am Tisch, auch bei der Feststellung, nur wer „Vitamin B“ habe, Beziehungen, könne mit Berücksichtigung seiner Anträge rechnen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. 4. 1965, S. BuZ 6.

Men sprak van „vitamine R“, relatie-vitamine. Er was een vrijwel constante wrijving tussen de oudste bewoners van het kamp , geëmigreerde Duitse Joden en de nieuwkomers , Nederlandse Joden , waarvan zich maar een heel klein deel een enigszins veilige positie wist op te bouwen.

Kaas, Andries Johannes Willem: Buchenwald: conclusies na twintig jaar. Arnhem 1968, S. 22.

Erfahrung hat gelehrt, daß alles noch viel schlimmer sein könnte. Um das Leben möglichst angenehm zu gestalten, bedient man sich des sogenannten Vitamins P (für Protektion). Obwohl auf keiner Speisekarte zu finden, ist es ein Hauptnahrungsmittel der Budapester Bevölkerung.

Die Zeit, 13. 6. 1969, Nr. 24. [DWDS] (zeit.de)

Schmalzbrote und Kakao, die gab es nicht mehr. „Vitamin B“ versagte.

Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff. Ein bürgerlicher Roman. [München] 2016 [1971], S. 311.

13. April 1945. […]Cresspahls Tochter sitzt mit Maurice und Albert auf der Milchbank und lernt französisch singen. Am 16. April setzt die Rote Armee an zu ihrer letzten Offensive, zweieinhalb Millionen Soldaten, 41600 Geschütze, 6250 Panzer, 7560 Flugzeuge schicken sie los gegen Berlin . Hitler spielt mit Modellen von Heeresgruppen, die nicht da sind, der sitzt im Keller. Im April kam Jakob in unser Haus […]mit seiner Mutter, eine Mutter bekam ich für noch acht Jahre . Siebzehneinviertel war er, eben zwölf war ich. Er war gleich im Haus als hätte er mit uns gelebt von Anfang an. Der machte sich die Stadt wie das Land zu eigen mit Beziehungen wie Naturalien, Vitamin B , Vitamin N, bei uns wurde wieder gekocht, und es war was zum Kochen da.

Johnson, Uwe: Heute Neunzig Jahr. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Norbert Mecklenburg. Frankfurt a. M. 1996, S. 118.

[…]Die „Chance der Desillusionierung“ nahm schon damals die Mehrzahl der Geisteswissenschaftler gezwungenermaßen wahr. Über „Vitamin B“, die persönlichen Beziehungen, gelang es trotzdem einigen, in das typische Arbeitsfeld hineinzurutschen: in die Hochschule, in die Forschung; als Wissenschaftler auf Zeit.

Die Zeit, 7. 12. 1984, Nr. 50. [DWDS] (zeit.de)

Den Job hat er durch Beziehungen gekriegt, Vitamin B: Der Schwager gehörte zum Landesverband vom Campingclub.

Berliner Zeitung, 27. 6. 1997. [DWDS]

Alle versuchen ihre Söhne und Töchter bei VW reinzukriegen. Ohne Vitamin B läuft nichts.

Berliner Zeitung, 26. 4. 1997. [DWDS]

Vitamin B“ brauchte man im Lager Westerbork für viele Dinge: Vor allem, wenn es um eine „Zurückstellung vom Transport“ ging, war ohne Beziehungen, meist zur deutschen Lagerverwaltung, nichts zu machen. Die Gegenüberstellung von „Vitamin B“ und „Vitamin R“, macht die unterschiedlichen Sprachcodes der beiden großen Sprachgruppen im Lager deutlich. Während des „Vitamin B“ für den Umgang mit den Deutschen notwendig war und Regelungen des Lagerbetriebes betraf, wurde der Ausdruck „Vitamin R“ für die Kommunikation der niederländischen KZ-Insassen untereinander eingesetzt. Vitamin R war hier vor allem notwendig, um Nahrung, Kleidung, Decken, Bücher oder anderes zu beschaffen, den Postverkehr nach draußen zu regeln. So sind die beiden Begriffe nicht nur Ausdrücke in verschiedenen Sprachen, sondern gleichzeitig Indikatoren und Bezeichnungen für unterschiedliche Lebenswelten im Lager.

Ziegler, Sandra: Gedächtnis und Identität der KZ-Erfahrung. Niederländische und deutsche Augenzeugenberichte des Holocaust. Würzburg 2006, S. 183. (books.google.de)

„Du musst Berater werden, um dir eine goldene Nase zu verdienen“ – „Heute läuft doch nichts ohne Vitamin B“.

Der Tagesspiegel, 22. 7. 2007. [DWDS]

Der Ford ist übrigens ein Dienstwagen, der Fahrer Veranstaltungskaufmann und über Vitamin B an den Job gekommen.

Der Tagesspiegel, 7. 3. 2008. [DWDS]

Vitamin N“ nennt Louv das: „N“ wie Natur. Und dieses Vitamin N hebt die Stimmung, senkt den Blutdruck und kann Fettleibigkeit bei Kindern vorbeugen helfen.

Besser leben mit Vitamin N. In: Deutschlandfunk Kultur, 21. 1. 2013. (deutschlandfunkkultur.de)

Wagener ist gut informiert, er habe, so sagt er, „Vitamin B in der Behörde“ und auch Verbindungen in die grüne Partei.

Die Zeit, 16. 4. 2014, Nr. 17. [DWDS] (zeit.de)

Laut Kremp kam man bislang vor allem über Vitamin B und ein großes Netzwerk an lukrative Aufträge.

Der Tagesspiegel, 4. 8. 2016. [DWDS]

Der Typus des Funktionärs wurde durch den des Hasardeurs ersetzt. Die mittlerweile zusammengestauchten Apparatschiks waren meist loyal, diszipliniert wie solidarisch. Man konnte sich auf sie verlassen, ihr Engagement war (so altbacken es erscheint) integer, von kleinen Spritzen Vitamin P abgesehen. Dieser Protektionismus hielt sich aber meist in amikalem und erträglichem Rahmen.

Die Presse (online), 21. 10. 2017. (diepresse.com)

Das große Egalitisierungsmanifest „Hamilton“ wurde lediglich dadurch konterkariert, dass man über viel Vitamin B verfügen musste, um eine der absurd teuren Theaterkarten zu ergattern.

Der Tagesspiegel, 3. 7. 2020. [DWDS]