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Wortgeschichte zu

Vetternwirtschaft

Cousinenwirtschaft · Spezlwirtschaft · Vetterleswirtschaft

Themenfeld Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Das Wort Vetternwirtschaft ist eine Lehnübertragung in Anlehnung an das ältere Wort Nepotismus und in der Mitte des 19. Jahrhundert zuerst im Deutschen belegt. Es bedeutet ungerechte Bevorzugung von Verwandten und Freunden und wird stets abwertend verwendet. Seit den 1930er Jahren ist Vetternwirtschaft deutlich häufiger bezeugt als der bildungssprachliche Ausdruck Nepotismus. Auch wenn das Wort Vetternwirtschaft grundsätzlich als geschlechtsneutral zu verstehen ist, treten gelegentlich Bildungen mit weiblichen Verwandtschaftsbezeichnungen wie Basenwirtschaft und Cousinenwirtschaft hinzu.

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Wortgeschichte #

Karriere einer Lehnübertragung #

Der Ausdruck Vetternwirtschaft hat die Bedeutung ungerechte Bevorzugung von Verwandten und Freunden und kommt in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf (1864, 1883).1) Es handelt sich offenbar um eine sogenannte Lehnübertragung2) von älterem Nepotismus. Die Übertragung nimmt Bezug auf die Entsprechung von lateinisch nepos und deutsch Vetter, wobei beide Wörter in einem eher weiten Sinne als Verwandter, Nachkomme zu verstehen sind.

Die Abbildung zeigt einen deutlichen Frequenzanstieg des Worts Vetternwirtschaft seit den 1930er Jahren.

Wortverlaufskurve: „Vetternwirtschaft, Nepotismus“

DWDS (dwds.de)

Die am Anfang des 19. Jahrhunderts vorgeschlagenen Übersetzungen Vetterngunst und Neffengunst (1813) konnten sich nicht durchsetzen, auch das Wort Enkelwirtschaft findet keinen Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch, wird sogar als verkehrte Verdeutschung für Nepotismus verspottet (1887). Erst mit der Bildung Vetternwirtschaft gibt es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wirkliche Alternative und Konkurrenz zum Lehnwort Nepotismus. Zunächst wird Vetternwirtschaft zurückhaltend gebraucht, im 20. Jahrhundert ist dann ein deutlicher Frequenzanstieg festzustellen. Die DWDS-Verlaufskurve zeigt die steile Karriere von Vetternwirtschaft seit den 1930er Jahren.

Die Auswertung des Archivs der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, das alle Texte von 1949 bis heute enthält, bestätigt dies: Vetternwirtschaft ist in diesem Zeitraum mit 3.272 Treffern offenbar viel gebräuchlicher als das ältere Wort Nepotismus mit 787 Nachweisen (F.A.Z-Bibliotheksportal).

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Wortbildungen mit -wirtschaft #

Semantisch vergleichbare Wortbildungen mit dem Zweitelement -wirtschaft wie in Vetternwirtschaft finden sich bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Die älteste Bildung Hurenwirtschaft (1590, 1698) wird im Deutschen Rechtswörterbuch mit der Bedeutungsangabe Hurenwesen genannt (s. DRW 6, 120, online). Die historischen Korpora des DWDS enthalten weitere -wirtschafts-Wortbildungen in Texten des 19. Jahrhunderts: Pöbelwirtschaft (1832), Kupplerwirtschaft (1840), Mätressenwirtschaft (1847), Günstlingswirtschaft (1849), CliquenwirtschaftWGd, Pfaffenwirtschaft (1852), Konkubinenwirtschaft (1853), Beamtenwirtschaft (1856), Soldatenwirtschaft (1854), Judenwirtschaft (1897).

Als Basis für die Bedeutung des Elements -wirtschaft in den hier behandelten Wortbildungen kann eine gegenwartssprachlich nicht mehr präsente Bedeutung Tun und Treiben des Substantivs Wirtschaft angenommen werden (vgl. 20Kluge, 863), die im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm folgendermaßen beschrieben wird:

hantierung, art und weise des vorgehens und verhaltens; innere ordnung, structur einer sache; lebensweise; tun und treiben, insbesondere solches unordentlicher, verworrener art. […] damit verbindet sich oft, besonders im gegenwärtigen sprachgebrauch, eine negative wertung dieser mannigfaltigkeit […]. [s. 1DWB 14,2, Sp. 677, online]

Durch das Anfügen des Elements -wirtschaft an Personen- oder Gruppenbezeichnungen werden Kollektiva gebildet, die die Gesamtheit der Vorgänge, die mit diesen Gruppen – ihren Aktivitäten und Verhaltensweisen – zusammenhängen, ihr Tun und Treiben negativ bewerten. Häufig ist bereits das Erstglied der Wortbildung negativ konnotiert (Hure, CliqueWGd), das Basiswort kann aber auch eine neutrale Grundbedeutung haben (Beamte, Vetter).

In den hier behandelten Wörtern ist -wirtschaft als Wortbildungselement mit pejorativer Funktion im Übergangsbereich zwischen Komposition und Ableitung anzusehen.3) Das Element -wirtschaft ist reihenbildend und trägt im Vergleich zu dem frei oder in Zusammensetzungen (wie Energiewirtschaft, Hauswirtschaft) vorkommenden substantivischen Wort Wirtschaft eine relativ abstrakte Bedeutung. Das Wortbildungsmuster ist seit dem 19. Jahrhundert regelmäßig erkennbar und auch gegenwartssprachlich produktiv.

Die ebenfalls abwertenden Bildungen Zettelwirtschaft (Durcheinander an Notizen und unsortierten Zetteln u. ä.) oder Junggesellenwirtschaft (der ungeordnete Haushalt eines Junggesellen) sind von Vetternwirtschaft u. a. semantisch zu unterscheiden, da in diesen Wörtern der Aspekt der Unordnung und des Durcheinanderseins ausgedrückt wird, der in Wortbildungen wie Cliquen-, Günstlings- oder Vetternwirtschaft nicht im Vordergrund steht.

Nach dem Wortbildungsmuster der bereits genannten etablierten Ausdrücke werden im 20. Jahrhundert weitere Wortbildungen mit -wirtschaft und einem Basiswort aus dem Wortfeld Verwandte gebildet. Die familiäre Verbindung der begünstigten bzw. begünstigenden Personen wird in situations- und kontextgebundenen Okkasionalismen konkretisiert: Brüderwirtschaft (1978a, 2010a), Neffenwirtschaft (1995), Väterwirtschaft (1996a, 2006) und Schwesternwirtschaft (2011a). Zudem finden sich seit den 1970er Jahren im DWDS-Korpus auch Bildungen mit übergeordneten Begriffen wie ClanWGd, FamilieWGd, Sippe und Verwandte, die alle pejorativ, teilweise auch scherzhaft für das Tun und Treiben dieser familiär bzw. verwandtschaftlich verbundenen Gruppen verwendet werden (1999a, 2000a, 2013a, 2014a).4)

Während die hochdeutsche Form Freundeswirtschaft (1996b) nur vereinzelt gebraucht wird, sind die mundartlichen Varianten Freunderlwirtschaft (2017c) und insbesondere Spezlwirtschaft (seltener auch: Speziwirtschaft) im bairischen und schwäbischen Sprachraum durchaus gebräuchlich (1972a, 2017b, 2019a).

Vetternwirtschaft – auch ohne Verwandte #

Der Begriff des Vetters männlicher Verwandter muss in der Wortbildung Vetternwirtschaft nicht wörtlich verstanden werden: Es wird zwar ein Verwandtschaftsverhältnis ausgedrückt, jedoch wird es hier bildlich verwendet. Tatsächliche verwandtschaftliche Beziehungen sind möglich, aber keine Voraussetzung für Bevorteilungen (2004a). Die kritisch angesprochenen Beziehungen ähneln denen zwischen Verwandten, die sich (prototypischerweise) stets gegenseitig unterstützen. Man erweist sich Gefälligkeiten und das zum beidseitigen Vorteil, nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere (2017a). Bei der Vetternwirtschaft geht es um persönliche Beziehungen und Kontakte, die man für sich nutzt, um vor allem die eigene berufliche Karriere zu befördern (1994a, 2009), was dazu führt, dass häufig weniger qualifizierte und befähigte Personen z. B. bei der Besetzung von Stellen oder bei der Vergabe von lukrativen Aufträgen begünstigt werden (1980, 2010b) (vgl. auch Netzwerk, Seilschaft, Vitamin B).

Vetterles- und Vetterliwirtschaft #

Die regionalen Varianten schweizerisch Vetterliwirtschaft (2019b) und schwäbisch Vetterleswirtschaft stehen ohne Bedeutungsunterschied neben Vetternwirtschaft. Die Vetterleswirtschaft ist zwar in Südwestdeutschland am geläufigsten, hat aber auch überregional ihren Platz gefunden und wird auch in hochdeutschen Texten (meist mit Bezug auf Geschehnisse in der südwestdeutschen Region) verwendet, teilweise mit distanzierenden Anführungszeichen (2012), aber auch unmarkiert (2011b, 2014b).5)

Kollokationen #

Als Wörter, die häufig in der näheren Textumgebung von Vetternwirtschaft zu finden sind, wären zu nennen: Filz (2000c, 2004b, 2011c), Bestechung und Kungelei (2003) und besonders häufig Korruption (1987, 1996d), außerdem Inkompetenz (1984, 1999b), Missmanagement (2000b) sowie Machtmissbrauch (2013b). Zudem steht der Ausdruck häufig in Wortpaaren mit den bedeutungsähnlichen -wirtschafts-Wortbildungen CliquenwirtschaftWGd (1971, 1978b) und Günstlingswirtschaft (2001a). Vetternwirtschaft und Nepotismus werden wiederholt nebeneinanderstehend synonym verwendet (1967, 2018).

Wo Vetternwirtschaft – die hemmungslos (2005) und übel (2011d) sein kann – herrscht (1996c) oder blüht (1996d), wo man jemanden der Vetternwirtschaft bezichtigt (1999c), wird selbstverständlich auch häufig ein Kampf gegen (die) Vetternwirtschaft geführt (1996e). Die Vetternwirtschaft wird angeprangert (1987), aufgedeckt (2000c) und bekämpft (2011c), außerdem soll natürlich mit ihr (gründlich) aufgeräumt werden (1988). Und auch bildliche Verwendungen wie im Sumpf der Vetternwirtschaft stecken (2001b) und in den Geruch der Vetternwirtschaft geraten (1972b) sind nicht selten.

Cousinenwirtschaft: Wenn Frauen klüngeln #

Grundsätzlich ist das Wort Vetternwirtschaft als geschlechtsneutral zu verstehen und ebenso auf männliche wie weibliche Personen zu beziehen. Dennoch ist ein Bestreben erkennbar, auch sprachlich auszudrücken, dass die Kunst des Klüngelns (Hausladen 2005) keine rein männliche Domäne ist. Das Erstglied Vettern- wird entsprechend durch weibliche Elemente wie Basen-, Cousinen-, Nichten- oder die movierte Form Vetterinnen ersetzt, um explizit darauf aufmerksam zu machen, dass es um weibliche Beteiligte geht.

Der Ausdruck Basenwirtschaft ist zwar bereits 1864 belegt , bleibt aber selten und steht fast nie allein, sondern meist in der Verbindung Vettern- und Basenwirtschaft. Auch Nichtenwirtschaft (1994b, 2013c) und Vetterinnenwirtschaft, die offenbar als Beitrag zu einer geschlechtergerechten Sprache verwendet werden, bleiben ebenfalls die Ausnahme (2010c).

Eine Nachfolgerin für Basenwirtschaft gibt es seit den 1980er Jahren mit dem neu geprägten Wort Cousinenwirtschaft (auch: Kusinenwirtschaft). Diese weibliche Variante zur Vetternwirtschaft (1986, 1999d) sorgt im Jahr 1998a im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die damalige hessische Ministerin Margarethe Nimsch eine Zeit lang für bundesweite Schlagzeilen. Der Ministerin wurde vorgeworfen, dass sie einer Freundin Aufträge über einen höheren Betrag ohne Ausschreibung habe zukommen lassen.6)

Das Wort Cousinenwirtschaft wird auch heute meist im Zusammenhang mit dieser politischen Affäre verwendet (2020a), gelegentlich jedoch auch mit anderer Bezugnahme (2008, 2019c, 2020b).

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Das Wort Cousinenwirtschaft landet bei der Wahl des Wortes des Jahres 1998 auf dem siebten Platz (s. Wort des Jahres). Den damaligen Wirbel um den neu geprägten Ausdruck beschreibt Jochen A. Bär folgendermaßen :

Negative Schlagzeilen machte Anfang 1998 die hessische Superministerin für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit, Margarethe Nimsch (Die Grünen). Die Vorwürfe gegen sie betrafen ein Programm zur Förderung von Ausbildungsplätzen, dessen Koordination sie der Zwei-Frau-Firma namens StadtLandPlus ihrer Frankfurter Parteifreundin Claudia Weigt übertragen wollte. Ein Landesauftrag in sechsstelliger Höhe, ohne Ausschreibung. Weigt bestritt die Vorwürfe: Es gibt keine Freundschaft zwischen Margarethe Nimsch und mir, von Vetternwirtschaft kann keine Rede sein. War es auch nicht; das Stichwort lautete Cousinenwirtschaft. Erfunden hat es der Journalist Karl Doemens (Frankfurter Rundschau, 18. 2. 1998) – zur Begeisterung insbesondere der Wiesbadener Opposition. Die hessische CDU stellte bereits einen Tag nach Veröffentlichung des Doemens-Artikels einen Dringlichkeitsantrag betreffend ‚Cousinenwirtschaft’ im Ministerium Nimsch und hielt sich zugute, den Ausdruck damit politisch-parlamentarisch durchgesetzt zu haben […]. Auch in der Presse wurde das Wort gern aufgegriffen: Cousinenwirtschaft, so beispielsweise der Mannheimer Morgen (23. 2. 1998), sei auch eine Form von Vetternwirtschaft. […] Die Ministerin trat zurück – das Wort Cousinenwirtschaft blieb, ein Beitrag zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch, erhalten. [Bär 2017]
Kerstin Meyer-Hinrichs

Anmerkungen #

1)Von einem früheren Nachweis des Wortes Vetternwirtschaft bereits im 18. Jahrhundert wird in dem Artikel zum Stichwort in der Enzyklopädie der Neuzeit ausgegangen (vgl. EdN). Eine Studie von David W. Sabean, auf die sich der Autor u. a. bezieht, ist sogar betitelt mit Vetterleswirtschaft: Rise and fall of a political discourse. Sabean spricht in dieser Untersuchung über die politischen Funktionen von Verwandtschaftsbeziehungen in der dörflichen Gesellschaft des 18./19. Jahrhunderts sogar von einer period of Vetterleswirtschaft (Sabean 1998, 45). Im 18. Jahrhundert findet sich zwar der Begriff des Vetters im Kontext sozialer und politischer Kontroversen (Sabean 1998, 39 ff.), jedoch bieten weder Sabean noch der Artikel der EdN einen Beleg für das Wort Vetternwirtschaft bzw. Vetterleswirtschaft. Auch auf der Basis der aktuell zur Verfügung stehenden Korpora und Hilfsmittel konnte kein Beleg für den Gebrauch des Wortes zu diesem frühen Zeitpunkt ermittelt werden.

2)Von einer Lehnübertragung ist die Rede, wenn ein fremdsprachliches Wort oder ein älteres Lehnwort mit Hilfe indigenen Wortmaterials nachgebildet wird; wenn diese Nachbildung sich sehr genau an das Vorbild anlehnt, spricht man von einer Lehnübersetzung; fällt diese Anlehnung freier aus – wie im Fall von Vetternwirtschaft/Nepotismus – spricht man von einer Lehnübertragung (vgl. auch Harm 2015, 131 und 5Metzler Lexikon Sprache, 394–395.

3)Hier wird auf den seit langem kontrovers diskutierten Affixoid-Begriff verzichtet, vgl. Fleischer/Barz 2012, 58–63 und 5Metzler Lexikon Sprache, 17.

4)In Familienwirtschaft ist der Bestandteil -wirtschaft in der Bedeutung Familienklüngel als Wortbildungselement anzusehen. Gebräuchlicher ist jedoch die Verwendung des Wortes für landwirtschaftlicher Betrieb o. Ä., der sich im Besitz einer Familie befindet, von Familienmitgliedern betrieben wird, dabei handelt es sich um eine Zusammensetzung, in der Wirtschaft das Grundwort ist (vgl. Duden online s. v. Familienwirtschaft).

5)Zur Verteilung von Vettern-, Vetterles- und Vetterliwirtschaft im deutschsprachigen Raum vgl. Variantengrammatik 2018, online.

6)Margarethe Nimsch bestritt die Anschuldigungen, musste aber – auch wegen fehlender Parteiunterstützung – zurücktreten Die Untersuchung durch den Landesrechnungshof ergab 1998 keine Vergabe ohne notwendige Ausschreibung, aber in einigen Fällen seien die Grundsätze der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit missachtet worden (vgl. Wikipedia; vgl. 1998b).

Literatur #

Bär 2017 Bär, Jochen A.: Cousinenwirtschaft (1998, Platz 7). In: Jochen A. Bär/Jana Tereick (Hrsg.): Von „Szene“ bis „postfaktisch“. Die „Wörter des Jahres“ der Gesellschaft für deutsche Sprache 1977 bis 2016. Hildesheim u. a. 2017, S. 89–90.

DRW Deutsches Rechtswörterbuch. Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache. Bis Bd. 3 hrsg. von der Preußischen Akad. der Wiss., Bd. 4 hrsg. von der Deutschen Akademie der Wissenschaften (Berlin, Ost), ab Bd. 5 hrsg. von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (bis Bd. 8 in Verbindung mit der Akademie der Wissenschaften der DDR). Bd. 1 ff. Weimar 1912 ff. (adw.uni-heidelberg.de)

Duden online Duden online. Hrsg. von der Dudenredaktion. Mannheim 2011 ff. (duden.de)

1DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 1–16. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. (woerterbuchnetz.de)

EdN Enzyklopädie der Neuzeit online. Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachherausgebern hrsg. von Friedrich Jaeger. Leiden 2019. [basierend auf der Druckausg. im J. B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005–2012]. (brillonline.com)

Fleischer/Barz 2012 Fleischer, Wolfgang/Irmhild Barz: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4., völlig neu bearb. Aufl. unter Mitarbeit von Marianne Schröder. Berlin/Boston 2012.

Harm 2015 Harm, Volker: Einführung in die Lexikologie. Darmstadt 2015.

Hausladen 2005 Hausladen, Anni: Die Kunst des Klüngelns. Erfolgsstrategien für Frauen. 3. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2005.

20Kluge Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl. bearb. von Walther Mitzka. Berlin 1967.

Mahlerwein 2019 Mahlerwein, Gunter: Art. „Vetternwirtschaft“. In: Enzyklopädie der Neuzeit Online, Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachherausgebern herausgegeben von Friedrich Jaeger. Online zuerst: 2019. (brillonline.com)

5Metzler Lexikon Sprache Glück, Helmut/Rödel, Michael (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Stuttgart 2016.

Sabean 1998 Sabean, David Warren: Vetterleswirtschaft: Rise and fall of a political discourse. In: Kinship in Neckarhausen, 1700–1870. Cambridge 1998, S. 37–62. (doi.org)

Variantengrammatik 2018 Variantengrammatik des Standarddeutschen (2018). Ein Online-Nachschlagewerk. Verfasst von einem Autorenteam unter der Leitung von Christa Dürscheid, Stephan Elspaß und Arne Ziegler. Open-Access-Publikation. (ids-mannheim.de)

Belegauswahl #

[…]Ja wann die Pfrunden vnd Beneficien nur allein vmb Gelt vnnd gaben zukauffen weren/ solt es noch zimlich wol mit vnser L. Mutter der Heil. Kirchen zugehn. Aber man sihet offentlich/ daß sie mit Hurenwirtschafften/ Kupplerey/ Hurerey/ Ehbruch vnd schandlicher Sodomitischer vnkeuschheit zubekommen sind/ auff daß nur die leiblich vnd geistlich Hurerey wol zusammen geknipfft werd.

Fischart, Johann/Philips van Marnix: Bienenkorb Deß Heil. Röm. Immenschwarms/ seineer Hummelszellen (oder Himmelszellen) Hurnaußnäster/ Brämemngeschwürm und Wespengetöß. Christlingen [i. e. Straßburg] [ca. 1590], Bl. Kk ij r. (books.google.de)

JN einer freundlichen und fruchtzielendẽ underꝛedung kame under anderm vor/ daß villeicht keine uͤberſeztere Kunſt in der Welt were/ alß Lenonia, welche die gute Teutſche/ auf Macedoniſche Einfalt/ Kupplerey oder Hurenwirtſchafft nennen

Heidegger, Gotthard: Mythoscopia Romantica: oder Discours Von den so benanten Romans. Das ist/ Erdichteten Liebes- Helde[n]- und Hirten-Geschichten: Von dero Uhrsprung/ Einrisse/ Verschidenheit/ Nütz- oder Schädlichkeit. Samt Beantwortung aller Einwürffen/ und vilen besondern Historischen/ und anderen anmühtigen Remarques. Zürich 1698, S. [1]. (deutschestextarchiv.de)

Ich schlage Neffen= oder Vetterngunst oder Beguͤnstigung dafuͤr vor. […] Neffengunst habe ich selbst irgendwo gebraucht: „Als Oheim unsers Rechtsberathers (Syndicus), der den Verdacht der Neffengunst, nicht bloß der Sache, sondern auch dem Scheine nach, vermeiden muß, glaube ich, meine Stimme daruͤber zurückhalten zu muͤssen“.

Campe, Joachim Heinrich: Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke. Ein Ergänzungsband zu Adelung’s und Campe’s Wörterbüchern. Braunschweig 1813. (bsb-muenchen.de)

[…]Die Revüe, welche verfloſſenen Sonntag auf dem Marsfelde über die Nationalgarde gehalten wurde, gewährte einen unbeſchreiblich ſchönen Anblick. Hundert tauſend Mann Soldaten, und wenigſtens eben ſo viel Zuſchauer, alle auf einem Platze, den man auf den angrenzenden Höhen ſo bequem überſieht. Was mich beſonders freute, war, daß hinter manchem Bataillon, auch ein kleiner Trupp uniformirter Kinder zum Spaſe mit zog. Die Officiere hatten, wie ich bemerkte, oft ihre Noth zu kommandiren, die Buben kamen ihnen immer zwiſchen die Beine. Dann zogen auch die Bleſſirten vom Juli an dem König vorüber, und darunter auch zwei Weiber mit Flinten, die damals mitgefochten. Der König wurde mit großem Jubel empfangen. Der Kronprinz (Herzog von Orleans) dient als gemeiner Kanonier bei der Nationalgarde und ſtand den ganzen Tag bei ſeiner Kanone und legte die Hände an wie die Uebrigen. Den fremden Geſandten, die alle bei der Revüe waren, mußte die ganze königliche Pöbelwirthſchaft doch wunderlich vorkommen. […]An den deutſchen Höfen wird jeder Prinz, ſobald er auf die Welt kömmt, gleich in ein Regiment eingeſchrieben, um von unten auf zu dienen, und ſo während er in’s Bett piſſt, avancirt er immerfort, iſt im ſiebenten Jahre Lieutenant, im zehnten Obriſt, und im achtzehnten General.

Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Erster Theil. Hamburg 1832, S. 85. (deutschestextarchiv.de)

[…]Über die Infamie der unzüchtigen Frauen (quaestum corpore facientes) iſt Folgendes anzumerken. Das urſprüngliche Edict nannte ſie natürlich nicht, weil es überhaupt keine Frauen nannte. Die Lex Julia nannte ſie unter denjenigen, welchen die Ehe mit einem Senator und deſſen männlichen Nachkommen unterſagt war. Es iſt aber kaum zu zweifeln, daß auch mit bloßen Freygebornen ihre Ehe unzuläſſig war, obgleich dieſes nicht ausdrücklich geſagt iſt. Dafuͤr ſpricht erſtlich die anerkannt gleiche Verächtlichkeit dieſes Gewerbes mit dem der Kupplerwirthſchaft, für welches jene Unzuläſſigkeit unmittelbar ausgeſprochen war.

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Zweyter Band. Berlin 1840, S. 554. (deutschestextarchiv.de)

[…]Prinzip der Willkühr und des Egoismus. Der freie Wille als einzelnes, geſetzloſes, leidenſchaftliches Subject iſt Angel der Welt. Noch werden die Conſequenzen nicht geahnt; mit dieſer Philoſophie werden Mißbräuche, welche durch das entgegengeſetzte Prinzip, das Poſitive, das Monopol geheiligt ſind, in der frevelhafteſten Ausbeutung beſchönigt und die Höfe überſättigen ſich im Marke des Volks. Die Liederlichkeit, ſo beſchönigt, iſt weſentlich frivol, ſie macht ſich ihre Metaphyſik und ſieht ſich mit boshaftem Lächeln im Spiegel zu, wie ſie genießt. Es iſt nicht Naturfriſche mehr in dieſem Genuß, er iſt reflectirt, reizt ſich galvaniſch, iſt mercurialiſch, ſpricht boshaft jedem wohlbekannten Rechte Hohn. Mätreſſenwirthſchaft, Verführung, Hoffeſt auf Hoffeſt, Jagden, Feuerwerke bei rathloſen Finanzen, ſchamloſe Ballette, Quicken von Kaſtraten, raffinirte Wolluſt. Caſanova.

Vischer, Friedrich Theodor von: Ästhetik oder Wissenschaft des Schönen. Zum Gebrauche für Vorlesungen. Zweiter Theil: Die Lehre vom Schönen in einseitiger Existenz oder vom Naturschönen und der Phantasie. Erste Abtheilung: Die Lehre vom Naturschönen. Reutlingen/Leipzig 1847, S. 282. (deutschestextarchiv.de)

Eine Politik von Auskunftsmitteln, Günstlingswirthschaft und Egoismus können wohl für einige Zeit einem gewissenlosen und ungerechten Widerstande gegen das Recht zur Stütze dienen. […]Allein der Gang der Gesellschaft ist immer auf- und vorwärts und dieser beständigen und untrüglichen Kraft gegenüber müssen Unwissenheit und Irrthum das Feld räumen. Kenntniß und richtige Würdigung gesunder Prinzipien, Beständigkeit und Ehrenhaftigkeit im Zweck sind allein im Stande, eine weise und gerechte Gesetzgebung und Regierung dauernd zu begründen. Aus diesem Grunde wird unser Feldgeschrei nach wie vor sein: „Die Charter und keine Ergebung!“

N. N.: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Nr. 222, Donnerstag, 15. Februar 1849, S. 1220. (deutschestextarchiv.de)

Hier in Rom nun finde ich Alles, was mir in Bologna schon auffiel, in erhöhtem Maße wieder, Schmerz, Elend, Bettelei, corrumpirte Pfaffenwirthschaft, die unvermeidlichen Uebel einer fremden militairischen Occupation, und den stillen Haß der Bevölkerung gegen dieses Treiben.

N. N.: Wochenbericht. Aus Rom. In: Die Grenzboten: Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst 11/1 (1852), 2. Band, S. 28. (suub.uni-bremen.de)

[…] Die Mario’s sind vortrefflich geschildert, die verstehen die Franzosen auch ganz gut, aber die Pariser Herrenwelt hat der Dichter absichtlich entstellt, denn nicht das ist das Gefährliche dieser Damen, daß sie junge Männer zu unsinniger Leidenschaft verführen, der scheußliche Einfluß dieser Concubinenwirthschaft besteht vielmehr darin, daß sie zu jeder wirklichen Leidenschaft unfähig macht.

N. N.: Pariser Brief. In: Die Grenzboten: Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst 12/2 (1853), 1. Band, S. 66. (suub.uni-bremen.de)

[…]Wie fest die Freiheiten dieser kleinasiatischen Städte sich unter dem Hader und eben durch die Zwiste der Monarchen gegründet hatten, beweist zum Beispiel, daſs einige Jahre nachher zwischen Antiochos und den Römern nicht über die Freiheit der Städte selbst gestritten ward, sondern darüber, ob sie die Bestätigung ihrer Freibriefe vom König nachzusuchen hätten oder nicht. Dieser Städtebund war eine förmliche Hansa, eben auch in dieser eigenthümlichen Stellung zu den Landesherren, sein Haupt Rhodos, das in Verträgen für sich und seine Bundesgenossen verhandelte und stipulirte. Hier ward die städtische Freiheit gegen die monarchischen Interessen vertreten und während um die Mauern herum die Kriege tobten, blieb hier in verhältniſsmäſsiger Ruhe Bürgersinn und bürgerlicher Wohlstand heimisch und Kunst und Wissenschaft gediehen hier, ohne durch wüste Soldatenwirthschaft zertreten oder von der Hofluft corrumpirt zu werden.

Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Erster Band: Bis zur Schlacht von Pydna. Leipzig 1854, S. 510. (deutschestextarchiv.de)

[…] Wol bedarf die Gesetzgebung, das Finanzwesen, namentlich in Bezug auf Repartition und Reception der Steuern, einer durchgreifenden Verbesserung; wol ist es an der Zeit, der demoralisirten und demoralisirenden Beamtenwirthschaft ein Ende zu machen.

N. N.: Literatur. In: Die Grenzboten: Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst 15/1 (1856), 2. Band, S. 39. (suub.uni-bremen.de)

[…] diejenigen, welche die praktisch tiefeingreifende Frage aufwarfen, wie eine Commune ihren Lehrer, den sie sich selbst erwählt hat, wieder anbringe, wenn sie später seine Unzulänglichkeit und dessen Nichtgewachsensein für den Posten erkennt, wie ferner andererseits der unzufrieden oder unhaltbar gewordene Lehrer es anzufangen habe, aus den ihm nicht convenirenden Verhältnissen herauszukommen und einen anderen Posten zu erhalten, da die allmächtige Vetter= und Basenwirtschaft des Einzelnen sich doch nicht auf mehrere Gemeinden erstrecken könne, und der Lehrer froh sein müsse, wenn er durch derlei Machinationen in einer Gemeinde untergekommen

Georg M. Schuler: Landolin Schwabs Lehrerfreuden oder die Emancipation der Volkschule: Eine einfache Geschichte aus unseren Tagen. Augsburg 1864. (books.google.de)

Wie viele Gemeinden leiden an der sogenannten Vetternwirtschaft, und wenn sich diese schon in rein kommunalen Angelegenheiten schwer fühlbar macht, wie wird das erst in den Kreditfragen sein?

N. N.: Agraria und kein Ende. In: Die Grenzboten: Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst 42/4 (1883), S. 101. (suub.uni-bremen.de)

Denn in dem an sich so löblichen Bestreben, zu verdeutschen, schießt man ja so leicht fehl, wie das selbst dem vorsichtigen Verfasser des trefflichen Aufsatzes in den Grenzboten (1887, Nr. 15) begegnen konnte, der mit der verkehrten Verdeutschung „Enkelwirtschaft“ für Nepotismus seinen Gegnern eine erwünschte Handhabe zu nicht ganz unbegründetem Spotte gegeben haben dürfte.

N. N.: Literatur. In: Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst 46/2 (1887), S. 550. (suub.uni-bremen.de)

[…]Es ist deshalb wohl anzunehmen, daß die Sozialdemokratie wenig günstig über das Werk urteilen wird, wenn auch die sehr rücksichtsvolle amtliche Behandlung der persönlichen Geschäftsmoral der Arbeitgeber, die in den Grenzboten unhöflicher als eine wesentliche Ursache der Mißstände bezeichnet worden war, auf die Kritiker versöhnend einwirken dürfte, da ja die Arbeitgeber fast ausschließlich Juden sind, und die herrschende Mißwirtschaft von den Arbeitern selbst treffend als Judenwirtschaft bezeichnet wird.

N. N.: Maßgebliches und Unmaßgebliches. In: Die Grenzboten: Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst 56 (1897), S. 94. (suub.uni-bremen.de)

In politischen Kreisen der amerikanischen Hauptstadt fragt man sich mit einigen Sorgen, welche Komplikationen eine Gesetzesvorlage heraufbeschwören wird, die von Repräsentantenhaus und Senat überraschend angenommen worden ist. Es handelt sich um ein Verbot des Nepotismus, also der Vetternwirtschaft bei der Vergebung öffentlicher Ämter.

N. N.: Washington will etwas gegen die Vetternwirtschaft tun. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 12. 1967, S. 3.

[…]Wahrhaft unabhängig und kritisch werden solche Gremien nur dann sein, wenn sie aus allgemeinen Wahlen aller kompetenten Fachleute hervorgegangen sind. Man könnte etwa daran denken, den Beirat von allen Hochschullehrern der betreffenden Disziplin für eine bestimmte, nicht zu kurz bemessene Zeit wählen zu lassen (doch das brauchte nicht die einzige Lösung zu sein). Ein so konstruierter Beirat müßte auch dafür sorgen, daß die begehrten Stellen im Institut gerecht vergeben werden und aller Vettern- oder Cliquenwirtschaft ein Riegel vorgeschoben wird.

Hoffmann, Hartmut: Kontrolle durch Beiräte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. 3. 1971, S. 17.

Durch die Landschaftsschutzgesetze kann eine Bebauung der Ufer weiterhin verhindert werden. Freilich, in der bayerischen Speziwirtschaft sind Sondergenehmigungen erfahrungsgemäß nicht ausgeschlossen.

N. N.: Millionengewinn mit einem See. In: Die Zeit, 27. 10. 1972, Nr. 43. [DWDS] (zeit.de)

Wegen seines Schwagers Eberhard Machens war Minister Karl Schiller in den Geruch der Vetternwirtschaft geraten, und in der Fraktion verscherzte er sich damit viele Sympathien.

Hoffmann, Wolfgang: Bonner Kulisse. In: Die Zeit, 23. 6. 1972, Nr. 25. [DWDS] (zeit.de)

[…]In einem Dorf mit nur noch elf alteingesessenen Familienclans wiederholt sich ein Name wie Zangerl, Schweighofer oder Waibl zwangsläufig in der Liste der Lift-Miteigentümer. Aber die Vettern- und Brüderwirtschaft zahlt sich aus. Die Hänge sind nun von Sessel- und Schleppliften überzogen;

N. N.: Zither-Gottl zupft nur auf Bestellung. In: Die Zeit, 1. 12. 1978, Nr. 49. [DWDS] (zeit.de)

Das Regime ist durch Öl reich und durch die Lust an der Macht konservativ geworden. Innenpolitisch führte dies zur sterilen Vettern- und Cliquenwirtschaft, zum Polizeistaat.

N. N.: Bruderkrieg der Araber. In: Die Zeit, 11. 8. 1978, Nr. 33. [DWDS] (zeit.de)

[…]Die Stromabschaltungen nicht nur in Mexiko-Stadt, sondern im ganzen Land haben eine empörte öffentliche Diskussion über die Energiepolitik der Regierung und die Personalpolitik der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft ausgelöst. Der CFE wird vorgeworfen, daß ihre leitenden Angestellten Vetternwirtschaft betrieben und zum größten Teil unqualifizierte Kräfte aus ihren Familien und Freundeskreis auf die überdurchschnittlich gut bezahlten Arbeitsplätze der Gesellschaft setzen, darunter würden die Ausbau- und Wartungsarbeiten im Elektrizitätsnetz des Landes leiden.

N. N.: In Mexiko muß der Strom abgeschaltet werden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. 7. 1980, S. 11.

In Scharen liefen sie dem durch Vetternwirtschaft, Inkompetenz und Behördenwillkür diskreditierten Regime davon. […]Allein in Manila siegte die Opposition in 15 von 21 Wahlbezirken – eine schallende Ohrfeige für die Präsidentengattin und Gouverneurin von Metro-Manila, Imelda Marcos, die einen „Erdrutsch“ zugunsten der KBL vorhergesagt hatte.

Naß, Matthias: Quittung für den Diktator. In: Die Zeit, 1. 6. 1984, Nr. 23. (zeit.de)

Von geradezu zeitgeschichtlichem Wert sind Felfes Enthüllungen über die in der Organisation Gehlen herrschende Vetternwirtschaft. Der General brachte Söhne. Brüder. Schwäger und Freunde in seinem Dienst unter. SS- und SD-Männer, wie Felfe, sowieso. Vom BND wurde die Traditionspflege getreulich übernommen. Ich hatte selbst Gelegenheit, einige Fälle zu beobachten. Felfe aber ist an Vollständigkeit wohl nicht zu überbieten. So detailliert Felfes Bericht ist, in einem Punkte spielt er den feinen Mann: Pikante Geschichten, die sich in einer Vettern- und Cousinenwirtschaft natürlich auch ereignen, übergeht er. Ich schließe mich ihm an.

Nollau, Günther: „Das ist die Handschrift des KGB“. Ex-Verfassungsschutzpräsident Günther Nollau über Heinz Felfes Buch „Im Dienst des Gegners“. In: Der Spiegel, 24. 3. 1986, S. 87.

[…]Der 62jährige Liu Binyan, stellvertretender Vorsitzender des chinesischen Schriftstellerverbandes, wurde bereits 1958 unter Mao Tsetung Opfer einer „Anti-Rechts-Bewegung“. Zwanzig Jahre lang durfte er nicht publizieren. Seine kritischen Reportagen, in denen er Korruption und Vetternwirtschaft unter den Funktionären anprangerte, machten ihn daheim populär und fanden auch internationale Anerkennung.

Binyan, Uli: China: Gegen die Liberalen. In: Die Zeit, 30. 1. 1987, Nr. 06. (zeit.de)

Während eines Vierteljahrhunderts in der Politik hat der 54jährige Gouverneur seine Intelligenz und Leistungsfähigkeit bewiesen. Auch seine Integrität wird nicht bezweifelt; er hat in drei Amtszeiten mit der Vetternwirtschaft in Massachusetts gründlich aufgeräumt.

Buhl, Dieter: Der kühle „Mike“ steht an der Spitze. In: Die Zeit, 29. 4. 1988, Nr. 18. (zeit.de)

Scharrenbroich wäre übrigens schon der vierte Fall parteipolitischer Vetternwirtschaft zugunsten von Politikern am Ende ihrer parlamentarischen Karriere. […]Der heutige Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, wurde 1987 beamteter Staatssekretär im Arbeitsministerium, nachdem er die Rückkehr ins Parlament verpaßte; Bernhard Worms erhielt nach glücklosem Politdasein im Düsseldorfer Landtag einen Staatssekretärsposten, ebenfalls im Arbeitsministerium; CDU-MdB Gerhard O. Pfeffermann schließlich avancierte erst kürzlich zum beamteten Staatssekretär im zunehmend überflüssigen Postministerium.

Hoffmann, Wolfgang: Bonner Kulisse. In: Die Zeit, 11. 3. 1994, Nr. 11. (zeit.de)

Kommissar Robert Lutz (Hans Korte) ist nicht nur ein unglaublicher Schreihals, der die Tatverdächtigen mit seinem Jähzorn einschüchtert, er […]verübt auch Einbrüche, um mutmaßliche Verbrecher aufs Kreuz zu legen. Er erweist sich überdies als ein Exponent der Nichtenwirtschaft, der keine Skrupel kennt, angesichts der bevorstehenden Pensionierung seine Nichte Nora Sommer (Karin Thaler) zur Nachfolgerin zu bestellen.

Geyer, Christian:: Vögel zwitschern am Tegernsee. Polizisten sind wie wir: „Lutz und Hardy“ (ZDF) In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 10. 1994, S. 42

Doch gerade die städtische Gesellschaft bleibt gegenüber den kroatischen Brüdern in Bosnien-Herzegowina reserviert. Ihre Tonlage ist zu militant, und schon heute ärgert viele die „Neffenwirtschaft“. In der Herzegowina sind alte Traditionen der Elitenbildung noch lebendig.

N. N.: Eine Nation auf Bewährung. In: Die Zeit, 20. 10. 1995, Nr. 43. [DWDS] (zeit.de)

[…]Die Jugendarbeit der Eintracht genießt einen guten Ruf. Obwohl in der Talentschmiede am Riederwald längst nicht mehr alles glänzt. Eifersüchteleien der Trainer untereinander, überzogener Ehrgeiz der Eltern sowie die Verhätschelung von Siebzehnjährigen haben geschadet. Viele Wohlstandsjünglinge wurden erst in der Fremde gestählt und machten dann dort ihren Weg. Kumpanei im Abteilungsvorstand und Väterwirtschaft bei den Betreuern, die vornehmlich den Vorteil ihrer eigenen Sprößlinge wahren wollten, waren einer gedeihlicheren Förderung hinderlich.

Berg, Sebastian: Talente sollen nicht des Geldes wegen bei der Eintracht spielen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. 9. 1996, S. 83.

Eben dieses System hat es ihm natürlich leichtgemacht – um nicht zu sagen: Nur im Schatten eines verkommenen, korrupten, von skrupelloser Vettern- und Freundeswirtschaft geprägten Establishments konnte Haider groß werden. Denn in der Tat ist Österreich nach den Jahren des Wiederaufbaus Opfer seines Wirtschaftswunders geworden.

Maier, Michael: Haiders Wesen. In: Berliner Zeitung, 15. 10. 1996. [DWDS]

[…]Von Richthofen ist eher der Typ Manager. Sein Auftreten hat sicher auch dazu geführt, daß er nicht den Ruch fürchten muß, von der einstigen Berliner Insel zu stammen, in der Vetternwirtschaft herrschte und Personen auf Pöstchen rochierten wie König und Turm auf dem Schachbrett.

Schnupp, Reinhold; Jörg Schiffmann: Freiherr von Richthofen – ein Störenfried im Maßanzug. In: Berliner Zeitung, 29. 2. 1996. [DWDS]

[…]Der Verfall der politischen Kultur ist allenthalben spürbar. Unter der Regentschaft von Andreas Papandreou, der einem absolutistischen Fürsten gleich bestimmte und herrschte, blühten in Griechenland Vetternwirtschaft und Korruption. […]Ohne Rücksicht auf ihre jeweiligen Qualifikation wurden zehntausende treue Parteigänger der Sozialisten mit Positionen im Staatsdienst belohnt, die persönliche Bereicherung politischer Amtsträger wurde zum Kavaliersdelikt verharmlost.

Der Tagesspiegel, 27. 12. 1996. [DWDS]

Selbst oppositionelle Politiker, für die Polens Premierminister Cimoszewicz ein exkommunistischer Ideologe ist, halten ihm eines zugute: Im Kampf gegen Vetternwirtschaft und Korruption ist er konsequent.

Bachmann, Klaus: Warschau. Taktieren um Posten und Wahlchancen. In: Berliner Zeitung, 9. 9. 1996. [DWDS]

Gegen die hessische Umweltministerin Margarethe Nimsch (Grüne) sind neue Vorwürfe der „Cousinenwirtschaft“ erhoben worden. Ihr Staatssekretär Rainer Baake bestätigte am Freitag Informationen der „Frankfurter Rundschau“, nach denen das von Nimsch geleitete Ressort der Ehefrau des grünen Landesvorsitzenden Tom Koenigs ohne Ausschreibung Aufträge in Höhe von 54000 Mark gegeben hätte.

N. N.: CDU. In: Berliner Zeitung, 21. 2. 1998. [DWDS]

Im hessischen Familien- und Umweltministerium hat es in den vergangenen fünf Jahren erheblich mehr Verstöße gegen die Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung von Aufträgen und gegen die Grundsätze der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit gegeben, als bisher bekannt war. Zu diesem Ergebnis ist der Landesrechnungshof in einer von Justizminister Rupert von Plottnitz (Die Grünen) in Auftrag gegebenen Untersuchung gekommen. Wegen der „Cousinenwirtschaft“ im Umwelt- und Familienministerium war im Februar Ministerin Margarethe Nimsch (Die Grünen) zurückgetreten.

N. N.: Auftragsvergabe durch Blaul und Nimsch gerügt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. 8. 1998, S. 35.

[…]In der Auseinandersetzung um die Vergabe von preisgünstigen Bauplätzen an zwei Söhne von Florstadts Bürgermeister Heinz Trupp (SPD) haben die Oppositionsfraktionen CDU und Grüne gestern ein Rechtsgutachten des Anwalts Bernd Rohde vorgestellt. Aus Sicht des früheren Bad Nauheimer Bürgermeisters stellt die Veräußerung der Grundstücke an die Söhne Trupps einen Verstoß sowohl gegen die Bestimmungen der Gemeindeordnung wie der Hauptsatzung der Gemeinde Florstadt dar. Überdies widerspreche die Veräußerung der Grundstücke an die Bürgermeister-Kinder den Beschlüssen der Florstädter Gemeindevertretung. Die Fraktionsvorsitzenden von CDU und Grünen, Philipp Goll und Gerhard Salz, die abermals von „rotem Filz“ und „Familienwirtschaft“ in Florstadt sprachen, forderten Trupp gestern auf, von seinem Amt als Bürgermeister umgehend zurückzutreten.

N. N.: „Verstöße gegen Bestimmungen“. Gutachten kritisiert Baulandvergabe an Bürgermeistersöhne. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. 3. 1999, S. 67.

[…]Der Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA), Rolf Bähr, hat die geplante Klage des Verbandes der Drehbuchautoren gegen sein Haus in der Tageszeitung „Die Welt“ als „absurd“ bezeichnet. Der Verband hatte der FFA „Vetternwirtschaft, Pöstchenschieberei und Inkompetenz“ vorgeworfen. […]Es hätten auch zwei Verbandsvertreter in die neue „Unterkommission Drehbuch“ berufen werden müssen.

Berliner Zeitung, 13. 2. 1999. [DWDS]

EU-Forschungskommissarin Edith Cresson wird in dem Bericht mangelhafter Amtsführung und Vetternwirtschaft bezichtigt.

Berliner Zeitung, 16. 3. 1999. [DWDS]

Es mögen sich die Besten mit den Besten paaren, am Ende kann Schlechtes dabei herauskommen. Jahrhundertelange Vettern- und Kusinenwirtschaft hat Europas Hochadel genetisch eher ins Abseits getrieben.

N. N.: Die Guten ins Töpfchen. In: Die Zeit, 16. 9. 1999, Nr. 38. [DWDS] (zeit.de)

[…]Alle Genannten absolvierten oder belegen den Studiengang Szenisches Schreiben an der HdK. Bei aller Kritik an dieser Sippenwirtschaft muss anerkannt werden, dass nur ein innigst zusammenarbeitendes Ensemble das vollbringen konnte, was zumindest an zweien der Abende hier möglich wurde.

Lach, Roman: Als das Theater Spiel war. In: Berliner Zeitung, 28. 6. 2000. [DWDS]

Prodi und seine 19 Mitstreiter hatten im September vorzeitig die alte Kommission unter Jacques Santer abgelöst, die unter dem Vorwurf des Missmanagements und der Vetternwirtschaft zurückgetreten war.

N. N.: Prodi stellt Fünfjahresplan für die EU vor. In: Berliner Zeitung, 10. 2. 2000. [DWDS]

[…]Nach dem Rücktritt von Ex-Sozialsenatorin Fischer-Menzel (SPD) hatten viele zunächst radikale Umwälzungen erwartet. Fischer-Menzel hatte ein Vergabeverfahren zur Therapie Alkoholkranker an sich gezogen und den Millionen-Auftrag der Alida-Schmidt-Stiftung zukommen lassen, deren Geschäftsführer Fischer-Menzels Ehemann war. Die CDU hatte den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss einberufen, um sozialdemokratische Vetternwirtschaft und Filz bei Regierung und Behörde aufzudecken.

Spannuth, Wiebke: Blick in den Abgrund aus Filz und Schlamperei. In: Die Welt (online), 10. 2. 2000. (welt.de)

[…]Ein solcher Blickwinkel entzerrt den außergeschichtlichen Terminator-Eindruck, den das NS-Regime so gerne selbst pflegte und – in soweit erfolgreich – hinterließ. Die haltlose Günstlings- und Vetternwirtschaft, die schwarzen Kassen, das sorgfältige Anfüttern und die millionenfache Kumpanei rücken den furchterregenden Totalitarismus dort hin, wo er hingehört: in die Nähe des Gewöhnlichen. […]Es bedurfte nur einer geringfügigen Verschiebung des Gewöhnlichen, einer leichten Vermehrung seiner bösen Anteile und einer zufälligen Kombination unglücklicher Umstände, um die ungewöhnliche Dynamik der NS-Herrschaft in Gang zu setzen.

Aly, Götz: Schwarze Kassen. In: Berliner Zeitung, 20. 3. 2001. [DWDS]

Immer wieder diese Bayern. Spielen sich auf als Retter des Vaterlands – zurzeit der weißblond-germanische Siegfried namens Stoiber Ede. Und stecken tiefdumpf im Sumpf von Vetternwirtschaft, Korruption, Verschleuderung von Steuergeldern. Der kleine Staatsanwalt, der dies aufzudecken wagt, wird zum Rückzug gezwungen.

N. N.: Paritätskalender. In: Die Zeit, 25. 10. 2001, Nr. 44. (zeit.de)

Denn Bestechung, Kungelei und Vetternwirtschaft greifen in der Bundesrepublik immer weiter um sich, wie die Organisation Transparency International bemängelt. Zum Nachteil des Steuerzahlers, der für Straßen und Schulen mehr Geld bezahlen muss, als eigentlich notwendig wäre.

N. N.: Laxer Staat, hoher Schaden. In: Der Tagesspiegel, 23. 1. 2003. [DWDS]

[…]Klinsmann hat die ungeschickten Aussagen Maiers dazu genutzt, seinen Mitarbeiterstab neu zu ordnen. Mit Andreas Köpke stößt nun vermutlich ein weiterer Vertrauter hinzu, der wie Klinsmann, Oliver Bierhoff und der neue U-21-Trainer Dieter Eilts 1996 Europameister war. Uli Hoeneß, der Manager von Bayern München, hat Klinsmann und Bierhoff in einem Interview mit der „TZ“ davor gewarnt, „dass hier Vetternwirtschaft entsteht, dass hier zwei drei Leute auf Kosten von anderen ihre Freunde etablieren“.

N. N.: Der Reformator. In: Der Tagesspiegel, 12. 10. 2004. [DWDS]

Es war ein Votum gegen Vetternwirtschaft und Filz, gegen das „System Pasok“, das die griechischen Sozialisten seit über zwanzig Jahren perfektioniert haben: das Netzwerk von Klüngel und Klientelbeziehungen, das mittlerweile weite Bereiche der öffentlichen Verwaltung lähmt.

N. N.: Sie wollen Zukunft Die Griechen wählen gegen Pasok-Filz und für Reformen. In: Der Tagesspiegel, 9. 3. 2004. [DWDS]

Als der jetzt gestürzte Präsident Akajew vor Jahren an die Macht kam, hatte er einen Traum: Kirgistan sollte die „Schweiz Zentralasiens“ werden. Statt Neutralität und Demokratie gab es dann aber doch nur hemmungslose Vetternwirtschaft.

Adam, Werner: Kirgistan. Das Land der vielen Verse, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (online). (faz.net)

In all diesen Funktionen hat er – in der Community durchaus unüblich – 1997 seinen Vater, den Motorenpapst, beerbt. Die Hochschule sah sich ehedem wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft (eigentlich: Väterwirtschaft) veranlasst, mit einem Zusatzgutachten den Eigenwert des Juniors zu belegen (der immerhin am Bostoner MIT promoviert hat).

N. N.: Päpste in Aachen. In: Die Zeit, 9. 11. 2006, Nr. 46. [DWDS] (zeit.de)

Denn an der mangelnden Solidarität der Frauen untereinander hat sich bis heute wenig geändert. Wo ist die funktionierende „Kusinenwirtschaft“, die Frauen auf dem Weg nach oben hilft? Da sind sie immer noch selten anzutreffen.

Henne, Claudia: Befreiung der Frauen? Zur „68 – Brennpunkt Berlin“-Ausstellung im Amerika Haus. In: Deutschlandradio, 1. 3. 2008. (deutschlandfunk.de)

[…]Doch das alles reichte nicht, um Jean Sarkozy zum Vorsitzenden von La Defense zu machen, einem der größten Geschäftszentren Europas. Die Opposition kritisierte, Sarkozy Junior nutze den Einfluss seines Präsidentenvaters für die eigene Karriere und tadelte die Vetternwirtschaft. […]Am Ende blieb ihm nur der Verzicht.

N. N.: Die Verlierer des Jahres. In: Die Zeit, 21. 12. 2009, Nr. 52. [DWDS] (zeit.de)

Es ist unfair gewesen, dem deutschen Außenminister während seiner Dienstreise Brüderwirtschaft und Lebenspartnerbegünstigung vorzuwerfen. […]Gute Regel war einmal, dass Kabinettsmitglieder bei Auslandsreisen nicht über deutsche Innenpolitik reden und in der Innenpolitik nicht über Kabinettsmitglieder hergezogen wird, die sich im Ausland aufhalten. Die Regel war bereits während Westerwelles Türkei-Reise im Januar gebrochen worden.

N. N.: Fragen an Westerwelle. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. 3. 2010, S. 1

[…]Schon die katastrophalen Umstände der Commonwealth-Spiele im Frühherbst warfen ein Schlaglicht darauf, wie verrottet die indische Politik ist. Der Telekom-Skandal leuchtet die Szenerie nun noch heller aus. Die Allianz der Vetternwirtschaften braucht Leute wie Andimuthu Raja aus Tamil Nadu. Qualifikationen spielen dafür keine Rolle, wohl aber Gehorsam. So kam Raja nach ganz oben – und in eine Position, für die er ganz sicher nicht qualifiziert war. […]Sein Ministerium, so heißt es nun in einem Prüfbericht, folgte bei der Vergabe den eigenen Richtlinien nicht und änderte den Abgabetermin für die Anträge kurzfristig, um bestimmten Unternehmen Vorteile zu verschaffen.

Hein, Christoph: Von der Marionette zum Bauernopfer. Andimuthu Raja wird zur Ikone für Indiens größten Bestechungsskandal. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. 11. 2010, S. 16.

Innerhalb einer kleinen EinwohnerInnenschaft kontrolliert die ’Ndrangheta über verwandschaftliche Beziehungen VetterInnenwirtschaft oder über Geschäfte einen extrem hohen Anteil der Bevölkerung.

Barbacette, Gianni: Rosarno, die ’Ndrangheta befiehlt, Minister Maroni führt aus, 14. 1. 2010. Zit. nach: (no-racism.net)

Ihre Schwester, die Vorsitzende Dunja Meyers, meldete Bedenken an, der Vorstand könne dann nach Außen hin mit Vettern- beziehungsweise Schwesternwirtschaft in Verbindung gebracht werden.

N. N.: Meyerei im Sattel auf Gut Hassenberg. In: Aachener Zeitung, 18. 4. 2011. [DWDS]

Die Schwierigkeiten, in die einige Staaten der Eurozone geraten sind, haben ihren Grund nicht zuletzt in der Unfähigkeit ihrer Regierungen oder, noch weiter gefasst, ihrer gesamten politischen Elite. Das ist seit langem mit Händen zu greifen in Griechenland – und die Bevölkerung dort weiß es, auch wenn sie sich mit der Korruption und der Vetterleswirtschaft in ihrem Land arrangiert hatte.

Nonnenmacher, Günther: Das Realitätsprinzip. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. 11. 2011, S. 1.

2007 war die Wählergemeinschaft, die sich selbst als bürgerlich-konservativ bezeichnet, nur in Bremerhaven angetreten, in diesem Jahr in beiden Städten. […] Die Wählergemeinschaft wolle „Akzente im Bereich innere Sicherheit“ setzen. „Außerdem wollen wir Filz und Vetternwirtschaft bekämpfen.“

N. N.: „Bürger in Wut“ erneut in Bremer Bürgerschaft. In: Die Zeit, 22. 5. 2011 (online). [DWDS] (zeit.de)

[…]Der Traum von der Wohnung für den Sohn oder für die Tochter im Obergeschoss. Dafür haben diese armen Leute ein Leben lang Geld zurückgelegt, sie haben es sich vom Munde abgespart. Jetzt werden sie alle abkassiert. Ein abgewirtschaftetes politisches System mit einer üblen Vetternwirtschaft hat mit seinem Scheinreichtum auch die Würde der kleinen Leute zerstört.

Markaris, Petros: In Athen gehen die Lichter aus. In: Die Zeit, 1. 12. 2011, Nr. 49. (zeit.de)

Die Stellen wurden ohne Ausschreibung vergeben. Acht Jahre später: In Baden-Württemberg regiert eine grün-rote Regierung, sie hat einen neuen Politikstil versprochen. Mit der „Vetterleswirtschaft“ soll Schluss sein.

Soldt, Rüdiger: Gestern geschwätzt. Grün-Rot vergibt Ämter ohne Ausschreibung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. 11. 2012, S. 4.

Und dann unsere Sonntagszeitung. Wirft einfach so die Frage auf, wie es sein könne, dass Sie von der Verwandtenwirtschaft um Sie herum gar nichts gewusst haben, wo doch die CSU eine einzige große Familie ist, wie man jetzt wieder sieht.

N. N.: Fraktur. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. 5. 2013, S. 2.

Die wütenden Bürger im Kiewer Rathaus machen den Präsidenten verantwortlich für Korruption, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft. Wie kein anderer Politiker steht Janukowitsch für die Verflechtung von Wirtschaft und Politik in der Ukraine. […]Persönliche Bereicherung gab es zwar auch unter Julija Timoschenko. „Aber nicht in dieser Größenordnung“, sagt Andreas Umland, Politologe an der Kiewer Mohyla Akademie.

Eichhofer, André: Opposition versucht die Revolte gegen Janukowitsch. In: Die Zeit, 3. 12. 2013, Nr. 49. (zeit.de)

[…]Eigentlich sollten diese Aufsätze hier schön gesetzt als Beiträge zur Geschichte von der FU Berlin veröffentlicht werden. Quasi als Wiedergutmachung an der Wissenschaft für die Vettern- und Nichtenwirtschaft, die Katzbuckelei und die schleichende Korruption, die alle nun ganz offensichtlich an der FU Berlin herrschen.

N. N.: Antwort zu „Präsident und Nichtwissen. Teil 3: Voraussetzungen und Erfordernisse heutiger Honorarprofessuren.“ In: Causa Schavan. Protokoll einer Wissenschaftsbetriebsstörung. (wordpress.com)

Gegen die Macht der Medien, des Staatsapparats und der Orthodoxen Kirche hatte der geradlinige Physik-Lehrer störrisch und gelegentlich etwas ungelenk seine Vision eines normalen Rumäniens ohne Clanwirtschaft und mit einer unabhängigen Justiz gestellt.

N. N.: Ein störrischer Bürgermeister wird Präsident. In: Die Zeit, 17. 11. 2014, Nr. 47. [DWDS] (zeit.de)

Dazu kommen Entscheidungen der Geschäftsführung bei diversen Auftragsvergaben, die nicht nur den Verdacht der Unwirtschaftlichkeit, sondern auch der Vetterleswirtschaft nähren.

Cuko, Katy: Kein Abgang mit weißer Weste. In: Südkurier, 9. 9. 2014.

Die Menschen hier, das ist zu spüren, hoffen auf ihn. Sie fragen nicht nach seinen Ideen für eine bessere Steuerpolitik, warum er sich gegen Homophobie engagiert oder wie er die Armut bekämpfen will. Sie wollen, dass er Schluss macht mit Korruption und Vetternwirtschaft. […]

Alle hier wissen, dass das Prinzip „eine Hand wäscht die andere“, dieses Schmiermittel der Diktatur, auch 27 Jahre nach dem Ende des Sozialismus noch immer fester Bestandteil des Alltags ist.

Sielaff, Sugárka: Ungarn. Fliehen? Kämpfen? In: DIE ZEIT (online), 28. 9. 2017. (zeit.de)

Scheinbar wiegen Spezlwirtschaft und Lobbyismus mehr als der Erhalt der Natur und der Tatsache, dass die Skischaukel gegen internationales Recht verstößt und allen Empfehlungen durch Experten und Fachbehörden widerspricht.

Münchner Merkur, 16. 11. 2017.

Sie musste leidvoll erfahren, wie es ist, wenn Menschen, nur aufgrund von Freunderlwirtschaft und Kumpanei, ohne fachliche und soziale Kompetenz, in Führungspositionen mit Personalverantwortung kommen.

N. N.: Ein packender Roman über die „Freunderlwirtschaft“. In: Mittelbayerische, 8. 9. 2017.

[…]Die wenigsten Nicaraguaner bezweifeln, dass die Ortega-Familie sich an staatlichen Projekten bereichert und Albanisa auch als Instrument zur Geldwäsche genutzt hat. Ohne Nepotismus und Vetternwirtschaft lässt sich der Lebenswandel und der Aufstieg des Clans – insbesondere von Ortegas Söhnen – nicht erklären: […]Rafael Ortega, der älteste Sohn, kontrolliert zusammen mit seiner Ehefrau das Tankstellennetz des staatlichen Verteilers DNP.

Brühwiller, Tjerk: Die Ortega GmbH von Nicaragua. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 8. 2018, S. 20.

Ohne Vitamin B geht nichts. Nicht in der Schule, nicht im Studium und schon gar nicht später im Berufsleben. So hört man immer wieder. Besonders, wenn die offensichtliche Qualifikation der beförderten Person nicht für den ausgeübten Job reicht. Sprich: Man muss nur die richtigen Leute in den richtigen Positionen kennen, dann stellt sich der Erfolg ganz von allein ein. Spezlwirtschaft heißt das etwas verniedlichend in Bayern. Anderswo spricht man von Klüngel oder Vetternwirtschaft. Man tut einem Freund oder Bekannten seinen Wunsch kund, dieser zieht dann ein paar Strippen, und schon hat man, was man will. Je mehr einflussreiche Leute man kennt, desto besser.

Steiner, Anna: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 4. 8. 2019, S. 23.

Der Vorwurf der Vetterliwirtschaft kursiert. Da werde einem einzelnen Gemeinderat den Hof gemacht, heisst es im Dorf hinter vorgehaltener Hand. Britschgi und vier weitere Gemeinderäte müssen in den Ausstand treten, weil alle irgendwie involviert sind. Die Gemeindebehörde von Eggersriet übernimmt das Geschäft.

N. N.: Bauer Britschgi lauert. In: St. Galler Tagblatt, 11. 9. 2019. [IDS]

[…]Und Merkel? Erinnert man sich an die Bilder von Merkel und Kramp-Karrenbauer nach deren Wahlsieg auf dem Hamburger Parteitag, so darf man unterstellen, dass es Merkel gefiele, sollte Kramp-Karrenbauer sie eines Tages auch als Kanzlerin beerben. Doch Merkel ist zu professionell, um irgendjemanden in ihren Gefühlshaushalt blicken zu lassen. Erstens wüsste sie, dass offene Unterstützung der Parteivorsitzenden eher schaden würde, weil der Vorwurf Nahrung erhielte, hier handele es sich um einen Fall von Cousinenwirtschaft. […]Merkel hatte schon gleich nach der Ankündigung ihres Rückzugs mitgeteilt, was ihre beiden entscheidenden Ziele beim Weg nach draußen sind. So, wie sie sich immer gewünscht und vorgenommen habe, ihre staatspolitischen Ämter „in Würde“ zu tragen, wolle sie diese „eines Tages“ auch „in Würde“ verlassen.

Lohse, Eckart Lohse/Markus Wehner: Merkel lässt sie laufen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. 5. 2019, S. 3.

[…]Das zweite Mal kam Nimsch 1998 als hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit, die sie zweieinhalb Jahre im Kabinett von Hans Eichel (SPD) war, unter die Räder. Weil sie einen Auftrag über eine halbe Million Mark nicht ausgeschrieben hatte, warfen ihr die Opposition und die Medien „Cousinenwirtschaft“ vor, worauf Nimsch zurücktrat und aus der Politik ausschied.

N. N.: Umstrittene Pionierin. Frühere Dezernentin Nimsch wird 80. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. 1. 2020, S. 38.

[…]Aber wusste Esken nicht, dass solche Stellen in mehreren Bundesländern längst arbeiten, auch in einigen, in denen ihre Partei regiert. Und in anderen nicht, obwohl dort ihre SPD regiert. Außerdem gibt es eine achtbare Institution des Bundes, die „Antidiskriminierungsstelle“. Eine wichtige Einrichtung, zweifelsohne. Leider sind ihr seit Jahren die Hände gefesselt, wegen sozialdemokratischer Cousinenwirtschaft. Denn die Leitungsposition der Antidiskriminierungsstelle sollte mit einer gescheiterten Geschäftsführerin aus der SPD-Parteizentrale besetzt werden, einfach so. […]Auch deren Vorgängerin war schon im Familienministerium versorgt worden, sogar als Staatssekretärin. Als nun dort die nächste Ex-Bundesgeschäftsführerin anrückte, wehrte sich eine qualifizierte Bewerberin aus dem Ministerium. Das Verwaltungsgericht gab ihr recht: Sie war bei der Ausschreibung diskriminiert worden.

Carstens, Peter: Esken diskriminiert Fakten. In: Frankfurter Allgemeine Woche, 12. 6. 2020, S. 8.