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Wortgeschichte zu

alternativ

alternative Energien · alternativer Fakt

Themenfeld Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Seit dem 15. Jahrhundert in deutschen Texten nachweisbar, tritt das Wort alternativ zunächst vorwiegend in Rechtskontexten und in den Bedeutungen abwechselnd, wechselweise oder wahlweise auf. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts scheint alternativ auch in anderen Zusammenhängen Verwendung zu finden. Ab den 1970er Jahren nimmt die Verbreitung von alternativ auffallend zu. Zugleich lässt sich eine auch semantische Veränderung beobachten: Es wird zur Bezeichnung für bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen, die in Opposition zur Mehrheitsgesellschaft stehen. Zudem entwickelt sich zunächst in der Verbindung alternative Energien die Lesart erneuerbar, regenerativ. Jüngst hat sich die Wortverbindung alternative Fakten verbreitet; alternativ soll hier verschleiern, dass es sich um Falschaussagen handelt.

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Wortgeschichte #

Von einem unbeachteten Adverb zu einem Wort des Jahres 1979 #

Alternative Energienalternative Lebensformenalternative Szene: Alle diese Wortverbindungen hätte man bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein kaum verstanden. Dabei ist das Wort alternativ bereits seit dem 15. Jahrhundert in deutschen Texten nachweisbar, zu dieser Zeit mit der Bedeutung abwechselnd, wechselweise (vgl. 2DWB 2, 594). Besonders häufig wird das Adverb zunächst jedoch noch nicht verwendet und auch in der Lexikographie begegnet es kaum – weder Stielers Teutscher Sprachschatz verzeichnet es am Ende des 17. Jahrhunderts noch Adelungs Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart um 1800, und auch das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm nimmt alternativ Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht auf. Das mag auch daran liegen, dass alternativ zunächst nicht als deutsches Wort wahrgenommen wird – Campe bucht alternative Anfang des 19. Jahrhunderts noch im Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke als lateinisches Umstandswort mit der Bedeutung wechselweise (Campe, Verdeutschung, 102–103).

Die Wortverlaufskurve zeigt einen signifikanten Anstieg der Bezeugungsfrequenz von alternativ in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Wortverlaufskurve zu „alternativ“

DWDS (dwds.de)

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts gewinnt alternativ dann offenbar massiv an Bedeutung. Dafür spricht nicht nur die Übereinstimmung der Wortverlaufskurven des DWDS (vgl. Abb. 1) und des Google Ngram Viewersaufge. 26. 11. 2019, die beide einen signifikanten Anstieg der Wortverwendung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verzeichnen, sondern auch die Tatsache, dass alternativ bei der Wahl des Wortes des Jahres 1979 auf Platz fünf landet (vgl. auch Mayer 2017).

Entlehnung aus dem Mittellateinischen und frühe Verwendungen in Rechtskontexten #

Entlehnt wird alternativ aus dem mittellateinischen alternativus (s. 2DFWB 1, 408, online), das ambiguus – zweideutig und variationem efficiens – Änderungen bewirkend bedeutet (MLW 1, 512). In deutschen Texten tritt es seit dem späten 15. Jahrhundert zunächst in der lateinischen Adverbialform alternative auf (s. 2DFWB 1, 408, vgl. auch 1693 und 1723, daneben allerdings auch 1668). Es handelt sich also zunächst um ein Adverb, hier in der Bedeutung wahlweise: Wenn einem alternative Gefängnis oder Geld-Straffe zuerkant worden/ stehet die Wahl nicht bey dem Reo, sondern der Obrigkeit. (1693) Erst im 18. Jahrhundert und wohl unter Einfluss des Französischen alternatif (s. 2DFWB 1, 408) ist das Wort zunehmend auch als (attributives) Adjektiv bezeugt:

Da das Königl. Amt Poel auf Trinitatis des künftigen 1790ſten Jahres aus der Pacht fällt, und den 3ten des nächſtkommenden September-Monats im Königl. Gouvernements-Hauſe allhier wiederum öffentlich dem Meiſtbietenden, und zwar auf die alternative Art, verpachtet werden ſoll, daß entweder beyde Amtshöfe zuſammen, oder ein jeder derſelben einzeln zum Aufbot gelangen; ſo wird ſolches dem Publico hiemit gebührend angezeiget. [1789]

Seit den frühesten Bezeugungen kann alternativ im Sinne von abwechselnd, wechselweise verwendet werden, wie etwa in ein Vicariat entweder […] alternative, oder […] gemeinschafftlich […] verwalten (1712; vgl. daneben auch die Buchungen im 2DWB 2, 594, die für diese Bedeutung bis zum Jahr 1488 zurückreichen), oder aber im erwähnten Sinn von wahlweise, wie in alternative Gefängnis oder Geld-Straffe (1693).

Gerade für das 17. und 18., aber auch noch für das beginnende 19. Jahrhundert lässt sich beobachten, dass alternative bzw. alternativ im DTA-KorpusDWDS auffallend häufig in rechtlichen Kontexten auftritt (1693, 1723, 1808, 1840).1) Nicht zuletzt bucht die Neubearbeitung des Grimmschen Deutschen Wörterbuchs für alternativ bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich Belege, in denen das Wort in Rechtskontexten verwendet wird (vgl. 2DWB 2, 594). Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts scheint alternativ aus den rechtlichen Zusammenhängen herausgelöst zu werden und – bei zunächst gleichbleibendem Bedeutungsspektrum – auch in anderen Bereichen Verwendung zu finden (1868, 1891, 1943, 2000).

Alternatives Leben, alternative Energien: Zur Entstehung neuer Bedeutungen im 20. Jahrhundert #

Ab den 1970er Jahren nimmt die Verbreitung von alternativ auffallend zu (vgl. die DWDS Wortverlaufskurve zu alternativ in Abbildung 1). Über eine rein quantitative Veränderung hinaus lässt sich zugleich und vor allem eine semantische beobachten (vgl. auch Carstensen 1980, 18): Alternativ bedeutet nicht mehr nur wie zuvor abwechselnd oder wahlweise, es entsteht die neue Bedeutung im Gegensatz zur etablierten Norm, Technik oder Vorgehensweise stehend, handelnd.

Diese neue Bedeutung tritt vor allem in zwei Kontexten auf: Erstens wird alternativ nun zur Bezeichnung für bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen, die in mehr oder minder ausgeprägter Opposition zur Mehrheitsgesellschaft stehen: Heute ist diese Massenbewegung alternativ: provokative, zornige, resignative Abkehr von der Gesellschaft, ihrem Alptraum. (1982b) Alternativ wird damit zu einem Wort des Themenfeldes Gesellschaft. Diese Bedeutungsdimension entwickelt sich vermutlich aus der bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts bezeugten, insgesamt jedoch wohl wenig verbreiteten weiteren Bedeutung auf eine andere als die übliche Art und Weise (1954, 1955, 1966). Die Übertragung auf gesellschaftliche Gruppierungen und die Entstehung der gesellschaftlichen Bedeutungsschicht setzt dann spätestens in den 1970er Jahren ein (1976, 1980b).

Sachhistorischer Hintergrund der Entstehung der neuen Bedeutung sind die Protestbewegungen der 1970er bis 1980er Jahre. Eine Rolle mögen, darauf weist das Anglizismen-Wörterbuch hin, auch die amerikanischen Protestbewegungen der 60er Jahre gespielt haben, deren der etablierten Gesellschaft und ihren ElitenWGd entgegengesetzter Lebensstil im Englischen als alternative bezeichnet wurde (vgl. Anglizismen-Wb. 1, 32–33). Tatsächlich datiert der erste Beleg, den das OED unter der Bedeutung Of or relating to activities that represent an unorthodox style or approach; of a kind purported to be preferable to or as acceptable as those in general use or sanctioned by the establishement bucht, auf 1962 (vgl. 3OED s. v. alternative). Für die These des Anglizismen-Wörterbuchs spricht zudem, dass in deutschsprachigen Texten die englische Wendung der alternative Society in Bezug auf englischsprachige Länder Verwendung findet (1970). Gleichwohl zeigen die deutschsprachigen Bezeugungen mit der Bedeutung auf eine andere als die übliche Art und Weise aus den 1950er Jahren, dass der semantische Wandel im Deutschen bereits durch die frühere Bedeutungserweiterung gewissermaßen vorbereitet worden ist. Die englischsprachigen sach- und sprachhistorischen Entwicklungen konnten im Deutschen insofern auf fruchtbaren Boden fallen und mögen mit Blick auf die rasante Verbreitung des Wortes in seiner gesellschaftlichen Bedeutung ab den 1970ern sicher eine Rolle gespielt, wenn nicht als Katalysator fungiert haben. Über die semantische Erweiterung von alternativ ergibt sich schließlich eine Nähe zu Wörtern wie SubkulturWGd oder JugendkulturWGd (1982a).

Wohl ebenfalls ausgehend von der seit den 1950ern bezeugten Bedeutung auf eine andere als die übliche Art und Weise entwickelt sich zweitens seit den 1970er Jahren (1972) die ökologische Bedeutung von alternativ, die sich insbesondere in der Wortverbindung alternative Energien im Sinn von regenerative oder erneuerbare Energien zeigt (1989). Diese semantische Entwicklung nimmt ihren Ausgangspunkt bei der erstmalig Ende der 1970er Jahre bezeugten Verbindung alternative Energien, hier allerdings noch ohne ökologische Konnotationen und nur im Sinn von als eine andere Möglichkeit (1979). Die ökologische Aufladung der Wortverbindung mit der neuen Bedeutung einer ökologischeren als der üblichen Variante (1997) vollzieht sich dann schrittweise in den Debatten, die angesichts der Ölkrisen der 1970er Jahre, der Reaktorunfälle bei Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 sowie im Kontext des Umwelt- und Klimawandeldiskurses geführt werden.

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Die Wortverbindung alternative Energien entsteht zunächst vor dem Hintergrund der Ölkrisen. Alternativ impliziert hier zunächst schlicht alle Energiequellen, die nicht auf Erdöl basieren – was Kohlekraft und Kernkraft explizit einschließt (1979; vgl. auch Haß 1989, 417). In dieser Wortverwendung hat alternative Energien noch keine ökologischen Konnotationen. Vor dem Hintergrund der Reaktorunfälle bei Harrisburg 1979 und Tschernobyl 1986 und im Kontext der nunmehr auch auf die Gefahren von Atomkraft abzielenden Kernenergiediskussion der 1980er Jahre zählt Kernenergie dann nicht mehr zu den alternativen Energien; vielmehr bezieht sich alternativ nun gerade auf Energieformen in Abgrenzung zur Kernkraft (1998a) und fasst hier Energiequellen wie Kohle, Gas, Öl, Erdwärme, Wasserkraft und Sonnenwärme zusammen (vgl. Haß 1989, 417). Ebenfalls in den 1980er Jahren entwickelt sich schließlich die heute dominante Verwendung im Sinne von regenerative oder erneuerbare Energien (1987), die nun im Kontext des Umwelt- sowie zuletzt insbesondere Klimawandeldiskurses Verwendung findet (1989, 1997; vgl. auch Haß 1989, 417). Alternativ ist hier nun endgültig ökologisch konnotiert, alternative Energien sind solche, die umweltfreundlicher sind als herkömmliche. Parallel zur Bedeutungsveränderung von alternative Energien erhält im Übrigen auch die Kollokation konventionelle Energien eine neue Bedeutung (vgl. hierzu im Detail konventionelle EnergienWGd).

Insofern die Debatten um alternative Energien über lange Zeit von einer gesellschaftlichen Trägerschicht, die ihrerseits als alternativ im oben genannten gesellschaftlichen Sinn bezeichnet werden kann, geführt werden, ergeben sich zunächst enge Verbindungen zwischen den beiden Konnotationen und den daraus entstehenden neuen Bedeutungen. So kann mit Ulrike Haß für die 1980er Jahre sicher konstatiert werden, dass die Verwendung von alternative Energien einer Verwendung von alternativ im Sinn einer auf einen bestimmten gesellschafts- und umweltpolitischen Standort festgelegten Charakterisierung entspreche (vgl. Haß 1989, 417; daneben 1980b). Zugleich lässt sich für die weitere Verwendungsgeschichte von alternative Energien spätestens seit Beginn des 21. Jahrhunderts gegenüber den 80er und 90er Jahren (1998b) eine wachsende gesamtgesellschaftliche Trägerschaft des Diskurses um alternative Energien beobachten (2013). Hintergrund ist neben dem Reaktorunfall in Fukushima 2011, der den deutschen Atomausstieg beschleunigt hat, wohl auch die zunehmend gesamtgesellschaftlich wahrgenommene Relevanz des Klimaschutzes. Gehen also gesellschaftliche und ökologische Konnotationen von alternativ in den frühen Jahren der Debatte um alternative Energien Hand in Hand, treten sie in den vergangenen Jahren zunehmend auch getrennt voneinander auf.

Es sind nun die neuen gesellschaftlichen und ökologischen Bedeutungsschichten, die die eingangs genannten Wortverbindungen alternative Energien, alternative Lebensweise, alternative Szene allererst verständlich machen und die sich im Kontext der Protestbewegungen des 20. Jahrhunderts entwickeln und durchsetzen. Vor diesem Hintergrund entsteht seit den 1980er Jahren eine Reihe an neuen Wortverbindungen, die von alternative Ernährung (2004) über alternative Medizin (1980a) bis hin zu alternativer Nobelpreis (2007) reichen und die alle an alternativ in seiner gesellschaftlichen und/oder ökologischen Bedeutung anschließen. Sowohl Formen alternativer Ernährung – man denke etwa an den Vegetarismus oder die Ernährungsreformbewegung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts – als auch Formen alternativer Medizin wie beispielsweise die Traditionelle Chinesische Medizin sind in der Sache selbst natürlich deutlich älter. Die Wortverbindungen hingegen sind neu – der Erstbeleg für alternative Medizin datiert in den DWDS-Korpora auf 1980 (1980a), der für alternative Ernährung auf 1995 (1995). Anders formuliert: Alternativ ist seit den 1970er Jahren zu einem ausgesprochen produktiven und anschlussfähigen Wort geworden.

Alternative Fakten: Unwort des Jahres 2017 #

Jüngst hat sich die Wortverbindung alternative Fakten in der Nachfolge einer Äußerung von Donald Trumps Wahlkampfmanagerin und Beraterin Kellyanne Conway weltweit, so auch in Deutschland, verbreitet (2017a).

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Sean Spicer, Pressesprecher des Weißen Hauses, hatte am 21. Januar 2017 bei einer Pressekonferenz unter anderem behauptet, dass bei der Amtseinführung von Donald Trump deutlich mehr Menschen als bei der seines Amtsvorgängers Barack Obama anwesend gewesen seien. Daraufhin wurde Trumps Beraterin Kellyanne Conway in der NBC-Sendung Meet the Press am 22. Januar 2017 von Moderator Chuck Todd gefragt, weshalb Donald Trump seinen Pressesprecher bei seinem ersten Auftritt Unwahrheiten habe verbreiten lassen. Kellyanne Conway antwortete: Don’t be so overly dramatic about it, Chuck. You’re saying it’s a falsehood […]. Sean Spicer, our press secretary, gave alternative facts to that. Chuck Todd antwortete daraufhin: Look, alternative facts are not facts. They are falsehoods (vgl. das Interview auf der Homepage von NBC News).

Die Debatte um alternative Fakten und um den Umgang der Regierung Trump mit Informationen entwickelt sich 2017 zu einem regelrechten Diskursereignis (2017b, 2017d, 2017c). Die Wortverbindung selbst, zunächst in der Presse noch in Anführungszeichen gesetzt, etabliert sich binnen Wochen nicht nur als feste Wendung und wird auch ohne Anführungszeichen verstanden (2017f), sondern wird auch in andere Kontexte übertragen (2017e und 2017g). Es handelt sich bei alternativen Fakten, so die Bedeutungsbestimmung im Neologismenwörterbuch, um eine als andere Sichtweise behauptete, eigentlich aber falsche Information (s. Neologismenwb. s. v. alternativer Fakt; vgl. auch 2017f). Vor dem Hintergrund der Verwendung in verschleiernder Absicht für falsche Fakten einerseits und der Karriere der Wortverbindung andererseits wird alternative Fakten 2017 zum Unwort des Jahres gewählt.

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Die Jury begründet ihre Wahl wie folgt:

Mit diesem Ausdruck werden Falschbehauptungen salonfähig gemacht und mit Tatsachenbehauptungen auf eine Stufe gehoben. In Deutschland wird alternative Fakten auch zur Kritik an dieser Praxis genutzt – diese kritischen Stimmen sollen durch die Wahl des Unworts 2017 explizit unterstützt werden.
Die Bezeichnung alternative Fakten ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen. Zwar ist der Ausdruck nur aus dem US-amerikanischen Kontext und dort nur aus einem einzelnen Redebeitrag belegt: Die Trump-Beraterin Kellyanne Conway bezeichnete die falsche Tatsachenbehauptung, zur Amtseinführung des Präsidenten seien so viele Feiernde auf der Straße gewesen wie nie zuvor bei entsprechender Gelegenheit, als alternative Fakten. Der Ausdruck ist seitdem aber auch in Deutschland zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden: Alternative Fakten steht für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen, die dann mit einer Bezeichnung wie alternative Fakten als legitim gekennzeichnet werden. Mit der Wahl dieser Wortverbindung zum Unwort des Jahres 2017 schließen wir uns daher den kritischen Stimmen in Deutschland an, die durch den im Deutschen fast ausschließlich distanzierenden Gebrauch des Ausdrucks warnend auf diese Tendenzen in der öffentlichen Kommunikation hinweisen. Der Ausdruck wurde 65-mal eingeschickt. [Unwort des Jahres]
Anna S. Brasch

Anmerkungen #

1)Ulrike Haß zufolge wurden mit alternativ zunächst Situationen als Entscheidungssituationen gekennzeichnet; daran anknüpfend wurde alternativ bald überwiegend zur Charakterisierung einzelner Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten vor allem im öffentlich-politischen Bereich verwendet. Vgl. Haß 1989, 415.

Literatur #

Anglizismen-Wb. Anglizismen-Wörterbuch. Der Einfluß des Englischen auf den deutschen Wortschatz nach 1945, begründet von Broder Carstensen, fortgeführt von Ulrich Busse. Bd. 1–3. Berlin/New York 1993–1996.

Campe, Verdeutschung Campe, Joachim Heinrich: Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke. Ein Ergänzungsband zu Adelung’s und Campe’s Wörterbüchern. Neue stark vermehrte und durchgängig verbesserte Ausgabe. (Documenta Linguistica. Quellen zur Geschichte der deutschen Sprache des 15. bis 20. Jahrhunderts. Reihe II. Wörterbücher des 17. und 18. Jahrhunderts. Herausgegeben von Helmut Henne.) Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Braunschweig 1813. Hildesheim/New York 1970. (archive.org)

Carstensen 1980 Carstensen, Broder: Wörter des Jahres 1979. In: Der Sprachdienst 24/2 (1980), S. 17–23.

2DFWB Deutsches Fremdwörterbuch. Begonnen von Hans Schulz, fortgeführt von Otto Basler. 2. Aufl., völlig neu erarbeitet im Institut für Deutsche Sprache von Gerhard Strauß u. a. Bd. 1 ff. Berlin/New York 1995 ff. (owid.de)

2DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Neubearbeitung. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (vormals Deutsche Akademie der Wissenschaften) und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bd. 1–9. Stuttgart 1983–2018.

Haß 1989 Haß, Ulrike: Umwelt. In: Gerhard Strauß/Ulrike Haß/Gisela Harras (Hrsg.): Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. Berlin/New York 1989, S. 395–557.

Interview Conway Interview mit Kellyanne Conway am 22. Januar 2017 in der Sendung „Meet the Press“ auf NBC News. (nbcnews.com)

Mayer 2017 Mayer, Andreas: alternativ. In: Jochen A. Bär/Jana Tereick (Hrsg.): Von „Szene“ bis „postfaktisch“. Die „Wörter des Jahres“ der Gesellschaft für deutsche Sprache 1977 bis 2016. Hildesheim u. a. 2017, S. 37–38.

MLW Mittellateinisches Wörterbuch bis zum ausgehenden 13. Jahrhundert. In Gemeinschaft mit den Akademien der Wissenschaften zu Göttingen, Heidelberg, Leipzig, Mainz, Wien und der Schweizerischen Geisteswissenschaftlichen Gesellschaft hrsg. von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Begr. von Paul Lehmann und Johannes Stroux. Bd. 1ff. Berlin 1967ff.

Neologismenwb. Leibniz-Institut für deutsche Sprache (IDS): Neologismenwörterbuch. (owid.de)

3OED Oxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte digitale Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Bd. 1–20. (oed.com)

Unwort des Jahres Unwort des Jahres. Institutionell unabhängige sprachkritische Aktion, initiiert von Horst Dieter Schlosser, 1991 ff. (unwortdesjahres.net)

Wort des Jahres Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.: Wort des Jahres. (gfds.de)

Belegauswahl #

Auf starckes Anhalten des Engländischen und Holländischen Ambassadeurs zu Paris hat endlich der König in Franckreich Marques Castell Rodrigo Gewalt den Frieden zu tractirn gültig acceptirt, demnach die Spanier sich vermercken lassen/ daß sie das andere alternativ nicht eingehen können/ auch die freye Graffschafft in Burgund Cambruy, Menier, Dovay, Aire, St. Omeri, Founnes und Bergen/ oder das Hertzogthumb Lützenburg an statt erwehnten freyen Graffschafft mit gedachten Plätzen zu überlassen[…]/ es sey dann/ daß der König alle seine Praetensiones auf die Niederlanden/ Navarra und Spania/ so wol in seinen als deß Donphins und aller seiner Successorn Namen/ deher auch die Herren Mediatores caution leisten sollen/ renuncire/ als dörffte diese Clausel die vorhabende Tractaten miteinander zernichten/ wie dann Ihre Majest. dero gevollmächtigte/ dafern sie keinen Frieden treffen können/ wegen der völligen Kriegs-unkosten zu protestirn befelcht.

N. N.: Rheinstrom vom 8. dito. In: Ordinari Postzeitung. Nr. 15, [s. l.] [1668], S. [1]f. (deutschestextarchiv.de)

Wenn einem alternative Gefängnis oder Geld-Straffe zuerkant worden/ stehet die Wahl nicht bey dem Reo, sondern der Obrigkeit.

Döpler, Jacob: Theatrum poenarum, Suppliciorum Et Executionum Criminalium, Oder Schau-Platz/ Derer Leibes und Lebens-Straffen. Bd. 1. Sonderhausen, 1693, S. 687-688. (deutschestextarchiv.de)

Was den Erfolg und itzigen Zustand dieser Streitigkeit betrifft, so hat man zwar anno 1670 dieselbe zu Ulm gütlich beyzulegen gesuchet, und sind zu dem Ende unterschiedliche Vorschläge geschehen, als (1) solch Vicariat entweder zu theilen, und einem jeden einen gewissen District zuzueignen, oder (2) dasselbe alternative, oder (3) gemeinschafftlich zu verwalten, oder (4) ein Vicariats-Collegium auffzurichten, und demselben alle Geschäffte, so das Vicariat betreffen, zu commitriren; Es ist die Sache aber bißhero noch unentschieden geblieben.

Schweder, Christoph Hermann von: Theatrum Historicum Praetensionum Et Controversiarum Illustrum In Europa Oder Historischer Schauplatz der Ansprüche und Streitigkeiten Hoher [P]otentaten. und anderer regierenden Herrschafften in Europa. Leipzig, 1712, S. 711-712. (deutschestextarchiv.de)

Denn entweder ist in dem Urtheil allbereit alternative Landes-Verweisung oder Geldes Straffe zuerkant worden, so hat die Obrigkeit vi ipsius sententiae das jus eligendi, und exercirt also dadurch kein jus aggratiandi, oder aber derjenige, dem die Landes-Verweisung zuerkennet worden, führet eine neue defension, und erlanget vermittelst derselben durch Urtheil und Recht, daß er an statt der vorher zuerkanten Landes-Verweisung nur mit einer Geld-Busse anzusehen sey.

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Erster Theil. Halle 1723, S. 118-119. (deutschestextarchiv.de)

Da das Königl. Amt Poel auf Trinitatis des künftigen 1790ſten Jahres aus der Pacht fällt, und den 3ten des nächſtkommenden September-Monats im Königl. Gouvernements-Hauſe allhier wiederum öffentlich dem Meiſtbietenden, und zwar auf die alternative Art, verpachtet werden ſoll, daß entweder beyde Amtshöfe zuſammen, oder ein jeder derſelben einzeln zum Aufbot gelangen; ſo wird ſolches dem Publico hiemit gebührend angezeiget.

N. N.: Beylage zu Nr. 136. des Hamburgiſchen unpartheyiſchen Correſpondenten. Am Mittewochen, den 26 Auguſt 1789. Hamburg 1789, S. [6]. (deutschestextarchiv.de)

Eine alternative Verbindlichkeit wird unbedingt und einfach, wenn eine der versprochenen Sachen, obgleich durch Versehen des Schuldners, zu Grunde ging und nicht mehr geliefert werden kann.

Napoléon, Hieronymus: Napoleons Gesetzbuch. Code Napoléon. Straßburg 1808, S. 500. (deutschestextarchiv.de)

Über die künftige Entſtehung eines neuen Gewohnheitsrechts iſt Nichts beſtimmt; ohne Zweifel ſollte auch dieſes nur unter den zwey erwähnten alternativen Vorausſetzungen, alſo auch nur als partikuläres Recht zuläſſig ſeyn.

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Erster Band. Berlin 1840, S. 198. (deutschestextarchiv.de)

Wir haben schon früher bemerkt, dass, wenn es eine Wissenschaft der Geschichte geben soll, diese ihre eigene Erkenntnissart, ihren eigenen Erkenntnissbereich haben muss; wenn anderweitig die Induction oder die Deduction vortreffliche Resultate ergeben hat, so kann das nicht die Folge haben, dass die Wissenschaft der Geschichte sich entweder des einen oder des andern Verfahrens bedienen müsse; und glücklicher Weise giebt es zwischen Himmel und Erde Dinge, die sich zur Deduction eben so irrational verhalten, wie zur Induction, die mit der Induction und dem analytischen Verfahren zugleich die Deduction und die Synthese fordern, um in der alternativen Bethätigung beider nicht ganz aber mehr und mehr, nicht vollständig aber annähernd und in gewisser Weise erfasst zu werden, die nicht entwickelt, nicht erklärt, sondern verstanden werden wollen.

Droysen, Johann Gustav: Grundriss der Historik. Leipzig 1868, S. 52–53. (deutschestextarchiv.de)

Eine Summe von Aussagen stellt demnach das System derselben vor, wenn sie als alternativ geltende angesehen werden sollen, und umgekehrt wird sich jede „Alternative“ zwischen Aussagen — sofern sie, wie wir es hier immer auffassen werden, als eine inklusive verstanden wird, die den gegenseitigen Ausschluss ihrer Glieder nicht ausdrücklich fordert — stets darstellen lassen als eine einzige Aussage in Gestalt der identischen Summe ihrer Gliederaussagen.

Schröder, Ernst: Vorlesungen über die Algebra der Logik. (Exakte Logik). Zweiter Band. Erste Abteilung. Leipzig 1891, S. 20. (deutschestextarchiv.de)

Alternativ ist Mitverwendung einbasischer Säuren (speziell auch von Fettsäuren trocknender Öle) vorgesehen.

Scheiber, Johannes: Chemie und Technologie der künstlichen Harze, Stuttgart 1943, S. 636. [DWDS]

In der elektronischen Musik fallen Komposition und Interpretation im „Werk“ zusammen, das in der authentischen Auffassung des Schöpfers für alle Zeiten unveränderlich auf dem Tonband registriert ist. Weniger alternativ, wenn auch befremdend genug, erscheinen die bisher vorliegenden elektronischen Originalkompositionen.

Grebe, Karl: Das tönende Elektron. In: Die Zeit, 11. 11. 1954, Nr. 45. [DWDS] (zeit.de)

Als das Werk eines Einsamen an wenige, an dessen Aufführbarkeit der Schöpfer kaum selbst gedacht hatte. In Milhaud dürfen wir geradezu den Gegenpol zu solch alternativer Gesinnung sehen, den großen Repräsentanten einer urbanen, konziliant-humanen, weltbürgerlichkünstlerischen Haltung. Hier spielt die Bindung an provenzalische Landschaft und an die Ästhetik der jüngeren französischen Schule eine entscheidende Rolle.

Grebe, Karl: Oratorium der Versöhnung. In: Die Zeit, 07. 4. 1955, Nr. 14. [DWDS] (zeit.de)

Denn jene wohlbekannten Schlagworte und alternativen Forderungen[] nach „neuen Wegen“, nach „größerem Spielraum“ und nach dem „Ende des Schützengrabendenkens“ kündigen in der Regel doch nichts anderes an als die Bereitschaft, dem hartnäckig gebliebenen Gegner irgendeine neue Konzession anzubieten.

Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg: Deutschland-Politik – warum nicht mit de Gaulle? In: Die Zeit, 07. 10. 1966, Nr. 41. (zeit.de)

Trotz allem ist London, besonders bei schönem Wetter, immer noch eine sehr interessante Stadt Obwohl der Reiz des Neuen, der den Underground umgab, abgeklungen ist und der Aufbau einer alternative Society“, gelinde gesagt, stagniert, gibt es doch wenigstens noch sehr viel schöne Musik zu hören, und auch wenn John Lennon einmal gesagt hat, wir befänden uns im „post pot age“, so kann man in London noch einen guten joint rauchen.

Urban, Peter: Wohin in London? Ein Guide durch die Pop-Szenerie einer Stadt im „Post Pot Age“. In: Die Zeit, 3. 7. 1970.

Also veranstalten sie die „Alternative Umweltkonferenz“ – die schwedisch-chinesische Freundschaftsgruppe, die EWG-Gegner, eine norwegische Vogelschutzgruppe, Stockholmer Stadtviertelarbeiter und Entwicklungshelfer treten geschlossen als „Folkets Forum“ auf gegen Völkermord und für Stadtentwicklung.

Binder, Sepp: Keiner will den Schwarzen Peter. In: Die Zeit, 16. 6. 1972, Nr. 24. [DWDS] (zeit.de)

Peter Engel und W. C. Schmitt beurteilen diese „klitze-kleinen Berteismänner“ so: „Sie bezeichnen sich als alternativ, merken allerdings mehr und mehr, daß auf dem Anti-Sektor nicht allzuviel zu holen ist.“

Bosch, Manfred: Handdrucke als Händedruck. In: Die Zeit, 10. 9. 1976, Nr. 38. [DWDS] (zeit.de)

Die Minister prüften die Aussichten für die Welt-Erdölförderung und kamen zu dem Ergebnis, daß nur begrenzte Möglichkeiten für eine Steigerung der Erdölexporte der OPEC-Staaten wie auch anderer Länder bestehen, und daß die fortgesetzte Abhängigkeit vom Erdöl für die Deckung der wachsenden Energienachfrage selbst auf mittlere Sicht nicht mehr als eine zufriedenstellende Lösung betrachtet werden kann. Sie kamen daher überein, daß auf anderen Gebieten – vor allem in den Bereichen Energieeinsparung, Kohle, Kernenergie und Erdgas – nach Lösungen gesucht und das Schwergewicht stärker auf alternative, erneuerbare Energiequellen verlagert werden muß, die langfristig vielversprechende Möglichkeiten in sich bergen.

N. N.: Beschlüsse der IEA zu intensiviertem Kohleeinsatz zwecks Verminderung des Erdölverbrauchs, für Entwicklung alternativer Techniken. In: Archiv der Gegenwart, 2001 [1979], S. 22608. [DWDS]

Das soll eine Großveranstaltung des Berliner „Gesundheitsladens“ vom 14. bis 18. Mai aufzeigen, die als bewußte Ergänzung des zur gleichen Zeit in Berlin stattfindenden „83. Deutschen Ärztetages“ geplant ist. Der zunehmenden „Hilflosigkeit der Helfer“ will der „Gesundheitstag 1980“ ein breites Forum alternativer Medizin gegenüberstellen.

N. N.: Gesundheitstag 1980. In: Die Zeit, 29. 2. 1980, Nr. 10. [DWDS] (zeit.de)

Dank Energieeinsparungen, verbesserter Nutzungstechnik und einem „Strukturwandel in der Industrie“ will das Öko-Team in mehreren Szenarien den Weg zu „mehr Wohlstand mit weniger Energie“ aufzeigen. Die alternative „Energiewende“ veranlaßte inzwischen eine Arbeitsgruppe der Kernforschungsanlage Jülich, eine Broschüre mit dem Titel „Energiewende?“ herauszugeben […].

Haaf, Günter: In den Kloaken der Zivilisation. In: Die Zeit, 10. 10. 1980, Nr. 42. [DWDS] (zeit.de)

Was – außer dem Verzicht auf Maskierung der Ver- und Zerstörungen durch reibungsloses Funktionieren – unterscheidet eigentlich die Jugendkultur, die alternative Szene und ihre Bewegungsausläufer von der Mehrheit der angepaßten Bevölkerung?

Leinemann, Jürgen: Die deutsche Depression. In: Der Spiegel, 22. 2. 1982, S. 94. [DWDS]

Doch damals verfolgte die oppositionelle Massenbewegung ein konkretes, politisches Ziel – die von Bundeskanzler Adenauer nur ein paar Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg betriebene Aufrüstung der Bundesrepublik Deutschland zu verhindern. Heute ist diese Massenbewegung alternativ: provokative, zornige, resignative Abkehr von der Gesellschaft, ihrem Alptraum.

Glotz, Peter/Malanowski, Wolfgang: Was braut sich da zusammen … In: Der Spiegel, 13. 12. 1982, S. 152. [DWDS]

Bonn und Paris hielten aber gemeinsam für den Beginn des nächsten Jahrhunderts auf diesem Felde technologische Durchbrüche für denkbar. Wir gaben damals allein im Bundeshaushalt jährlich fast eine Milliarde Mark für Forschung und Entwicklung alternativer und regenerativer Energien aus.

N. N.: Ölkrise und Kernkraft. In: Die Zeit, 08. 5. 1987, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Wir müssen einfach einsehen, daß die sogenannten regenerativen beziehungsweise alternativen Energien vorerst keine Relevanz haben, so daß sie einen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung beziehungsweise zur Lösung der Energie- und Umweltproblematik vorerst nicht leisten können.

Bennigsen-Foerder, Rudolf von: Brücke zur Rückkehr. Über den Weg zu einer neuen Energiepolitik. In: Die Zeit, 3. 11. 1989, Nr. 45. [DWDS] (zeit.de)

Etwa zehn Prozent der Deutschen bevorzugen heute eine Vollwertkost, ein bis drei Prozent leben vegetarisch oder hängen einer alternativen Ernährungsideologie an.

Bischhoff, Andrea: Vogelfutter fürs Kind. In: Die Zeit, 15. 12. 1995, Nr. 51. [DWDS] (zeit.de)

Das OSZ bietet die Kurse in Zusammenarbeit mit dem Verein „Netzwerk Klima“ an, der sich für alternative Energien stark macht. „Wir wollen mit unserer Arbeit auch politisch Druck erzeugen“, sagt der Vorsitzende Rainer Hagendorf, „zur Zeit werden umweltfreundliche Technologien ausgebremst.“

Paul, Lennart: Warmes Wasser entsteht auf dem Dach. In: Berliner Zeitung, 3. 2. 1997. [DWDS]

Ministerpräsident Rau hatte bei seinen Ausführungen zur Energiepolitik vor allem die Gemeinsamkeiten mit den Grünen hervorgehoben. Beide seien für die Förderung alternativer Energien und gegen die Atomkraft.

Ralf Beste: SPD besteht auf Genehmigung für Garzweiler. In: Berliner Zeitung, 21. 1. 1998. [DWDS]

Unter dem Eindruck des Streits um den Braunkohletagebau in Garzweiler bereiten sich SPD und Grüne auf weitere Konflikte um die Energiepolitik im Bund vor. Die Grünen haben eine „Energiewende“ mit dem schrittweisen Ersatz fossiler durch alternative Brennstoffe zur Voraussetzung für eine rot-grüne Koalition erklärt. Die SPD will dagegen keine Benachteiligung der deutschen Braun- und Steinkohle dulden.

N. N.: Energiepolitik wird rot-grüner Streitfall. In: Berliner Zeitung, 26. 1. 1998. [DWDS]

Nullrunde Als Nullrunde bezeichnet man die Nichterhöhung von Geldleistungen, die bisher immer regelmäßig erhöht worden sind; alternativ ist auch der Ausdruck »einfrieren« gebräuchlich.

Delonge, Franz-Benno: Rückhaltlose Aufklärung, Frankfurt a. M. 2000, S. 50. [DWDS]

Dabei sind es viele verschiedene Motive, die alternative Ernährung für Millionen von Menschen interessant macht: etwa der Wunsch, sich bewusster, natürlicher und ökologisch korrekt zu ernähren.

N. N.: Anders essen. In: Der Tagesspiegel, 16. 3. 2004. [DWDS]

Vor 27 Jahren hat dieser Jakob von Uexküll, ein gescheiterter Journalist und Weltreisender, der als Briefmarkensammler und -händler ein kleines Vermögen machte, den Alternativen Nobelpreis gestiftet. Alljährlich zeichnet er Menschen aus, die sich für die Rettung der Umwelt und der Regenwälder, Kleinbauernprojekte in Entwicklungsländern oder alternative Energien einsetzen.

Greven, Ludwig: Hüter des Morgen. In: Die Zeit, 10. 5. 2007, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Ähnlich verfuhr Angela Merkel 2011 beim Atomausstieg: Weil nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kaum noch jemand für eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atommeiler war, und die CDU deshalb mehrere Landtagswahlen zu verlieren drohte, schwenkte die Kanzlerin um und forcierte das Ende der Atomkraft in Deutschland. So sollte Grünen und SPD das Siegerthema genommen werden.

Greven, Ludwig: Ein bisschen nach links. In: Die Zeit, 31. 1. 2013, Nr. 5. [DWDS] (zeit.de)

Deshalb auch Trumps aggressive Reaktion, als die Medien die Zuschauerzahlen seiner Amtseinweihung am Freitag weit niedriger ansetzten als die seines Vorgängers. Kellyanne Conway, die seine Wahlkampagne managte und nun die graue Eminenz im Weißen Haus ist, ging so weit, die weit höheren Angaben der Trump-Regierung nicht als „falsch“, sondern als „alternative Fakten“ zu bezeichnen.

Buchter, Heike: Der Boss im Weißen Haus. In: Die Zeit, 24. 1. 2017 (online). [DWDS]

Die Faktenprüfer der Medien wiesen zum wiederholten Male nach, dass Conways Behauptungen zur Sache immer noch genauso falsch waren wie die von Trump und Spicer zuvor. Ein wenig verwunderlich ist es, dass Conways Formulierung der „alternativen Fakten“ so starke Resonanz erzeugte.

Daub, Adrian: Lügen sind Trumps System. In: Die Zeit, 25. 1. 2017 (online). [DWDS] (zeit.de)

Doch als ein Journalist Conway fragte, warum das Weiße Haus derart offensichtlich gelogen habe, widersprach Conway. Trumps Sprecher habe lediglich „alternative Fakten“ dargelegt.

Buchter, Heike: Trumps Cinderella. In: Die Zeit, 26. 1. 2017 (online). [DWDS] (zeit.de)

Ihr Radiowort erinnert an die „alternativen Fakten“, von denen in diesen Tagen viel die Rede ist.

Öhler, Andreas: Aus Liebe zur Sau. In: Die Zeit, 03. 2. 2017, Nr. 06. [DWDS] (zeit.de)

Ob das nun sein Endspiel sei, fragten die Journalisten vor dem Wochenende und Schmidt giftete zurück, ob sie ihn provozieren wollten. Sky meldete 40 Minuten vor dem Anpfiff sogar seinen Rauswurf und musste sich danach für diesen alternativen Fakt entschuldigen. Doch Schmidt gewann, sein Rezept schlug an.

Scheler, Fabian: In: Früher gab’s noch Bayernjäger. In: Die Zeit, 13. 2. 2017 (online). [DWDS] (zeit.de)

Klingt nach dem, was Donald Trump dieser Tage in den USA wiederholt tut: über einen Terroranschlag in Schweden klagen, den es nicht gab. Oder alternative Fakten darüber verbreiten, wie viele Menschen zu seiner Amtseinführung gekommen sind. Würde der verstorbene italienische Autor Carlo Collodi das Handeln des US-Präsidenten beschreiben, Trump hätte eine ähnlich lange Nase wie Collodis Protagonist Pinocchio.

Dobbert, Steffen: Fake-News made in Russia. In: Die Zeit, 23. 2. 2017 (online). [DWDS] (zeit.de)

Warum streiten zum Beispiel zwei der bekanntesten deutschen Ökonomen darüber, ob die Ungleichheit in Deutschland massiv gewachsen sei oder nicht? Marcel Fratzscher aus Berlin und Clemens Fuest aus München sind keine Fans „alternativer Fakten“ im Sinne der Trump-Helfer, aber in einem anderen Wortsinn arbeiten sie genau damit. Einige Statistiken und Erhebungen scheinen Fratzscher recht zu geben, andere Fuest.

Heuser, Uwe Jean: Was wir von den Medien erwarten dürfen. In: Die Zeit, 23. 2. 2017, Nr. 07. [DWDS] (zeit.de)