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Wortgeschichte zu

Hinterzimmer

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Mit dem Kompositum Hinterzimmer bezeichnet man seit dem 17. Jahrhundert einen separaten Raum, der im hinteren Teil der Wohnstätte, nach hinten hinaus oder hinter einem anderen Zimmer liegt (z. B. in Gaststätten hinter dem öffentlichen Gastraum). Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts steht Hinterzimmer in abwertender Verwendung sinnbildlich für intransparente Absprachen und Entscheidungen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen werden.

Wortgeschichte

Der hintere Raum

Das substantivische Kompositum Hinterzimmer ist zusammengesetzt aus dem Grundwort Zimmer Raum, der dem Menschen zum Wohnen dient und dem adjektivischen Erstglied hinter hinten befindlich. So wie hinter und vorder in gegensätzlicher Bedeutung stehen, sind auch die Wörter Hinterzimmer und Vorderzimmer Antonyme. Das Wort Hinterzimmer ist seit dem 17. Jahrhundert bezeugt (1664; zuerst im Wörterbuch 1702) und bezeichnet einen separaten Raum, der im hinteren Teil der Wohnstätte, hinter einem anderen Zimmer (1749, 1893) oder nach hinten hinaus/zur Rückseite (oftmals zum Garten) liegt (1885, 1890, 1969a). Ein als Hinterzimmer bezeichneter Raum kann verschiedenen Zwecken dienen, er kann z. B. als Lagerraum genutzt werden (1875, 2001a) oder eine Schlafstätte hinter den vorderen Räumen sein (1913). Das Hinterzimmer wird auch als Rückzugsort genutzt (1840). Es ist dabei im Unterschied zu einem als Herrenzimmer bezeichneten Raum, der dem Hausherrn und seinen Gästen als Rückzugsort dient (1917) nicht repräsentativ (1901). Häufig steht der Ausdruck Hinterzimmer mit Adjektiven wie abgelegen, dunkel, eng, klein oder verschwiegen (1855, 1864, 1875, 2006a). Ferner wird das Wort häufig auf die Räumlichkeiten von Gaststätten oder Geschäften bezogen: Hier meint Hinterzimmer einen Raum, der sich hinter dem eigentlichen öffentlichen Gast- oder Ladenraum befindet, zum Beispiel für geschlossene Gesellschaften oder zur privaten Nutzung (1750, 1864, 1998a).

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Hinterstübchen

In der deutschen Sprache finden sich verschiedene Ausdrücke für die Bezeichnung von Wohnräumen wie Stube und Zimmer, Lehnwörter wie Kabinett (2015a), Salon und Séparée oder mittlerweile veraltete Ausdrücke wie Gemach und Kemenate. Vorwiegend umgangssprachlich und abwertend werden Bude und Kabuff verwendet. Zudem stehen noch zahlreiche, durch verschiedene Bestimmungswörter spezifizierte Komposita zur Verfügung (Abstellraum, Besenkammer, Arbeitszimmer, Wohnzimmer etc.).

Synonym zu Hinterzimmer werden die Komposita Hinterstube (1700, 1883) und Hinterraum (1843, 1978) sowie die Verkleinerungsformen Hinterstübchen (1800, 1847) und Hinterstüblein (1845, 2006b) gebraucht. Diese sind häufig mit der Konnotation des Beschaulichen und Idyllischen verbunden (vgl. GWB 4, 1246). Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird Hinterstübchen – wenn auch deutlich seltener – wie Hinterzimmer metaphorisch gebraucht (2004). Der Ausdruck Hinterstübchen wird heute umgangssprachlich in den Verbindungen nicht ganz richtig im Hinterstübchen sein leicht verrückt sein und etwas im Hinterstübchen behalten sich einer Sache bewusst sein, sie nicht vergessen übertragen verwendet. Die Diminutivform Hinterzimmerchen kommt im Vergleich zu Hinterstübchen selten vor.

Zurückgesetzt und benachteiligt

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wird Hinterzimmer metaphorisch gebraucht. Für die frühesten übertragenen Gebräuche in Textbelegen wie Hinterzimmer der westdeutschen Wirtschaft oder ein Hinterzimmer Bayerns (1953, 1956a) ist das semantische Merkmal abgelegen bzw. zurückgesetzt ausschlaggebend. Gemeint ist hier etwas, das nach hinten versetzt und dadurch benachteiligt ist. Dieser Gebrauch ist selten bezeugt.

Geheime Absprachen im Hinterzimmer

Bedingt durch die abgelegene, nicht einsehbare Lage von Hinterzimmern sind diese Räume prädestiniert für Zusammenkünfte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Viele Belege zeigen das Wort Hinterzimmer in Zusammenhängen, in denen es um vertrauliche oder konspirative Treffen geht. Das können geheime politische Gespräche und Versammlungen oder inoffizielle Geschäftstreffen sein (1848, 1956b, 2010), aber auch illegale/kriminelle Zusammenkünfte, wie zum Beispiel Glücksspielrunden (1863, 1880, 1951, 1971).

Davon ausgehend wird das Wort in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders im politischen Kontext verwendet, um einen nicht offiziellen Ort, an dem geheime/vertrauliche Handlungen, Absprachen und dergleichen stattfinden, zu bezeichnen. Es ist nicht immer eindeutig zu erkennen, ob ein Treffen tatsächlich in einem hinteren Raum stattgefunden hat oder ob Hinterzimmer in der erweiterten Bedeutung Ort, an dem Handlungen und Absprachen außerhalb der Öffentlichkeit stattfinden verwendet wird (1968, 1969b, 1969c, 1970). Auch im künstlerischen Kontext verwendete Gebräuche zeigen fließende Übergänge: In Textbelegen wie in den Hinterzimmern der Berliner Galerien (1956c) oder Jazz – in dunklen, engen Hinterzimmern (1998b, 2005) wird das Wort in konkreter Bedeutung verwendet, während es zum Beispiel in der Zeitungsüberschrift Das Hinterzimmer der Jazzszene (1976) oder in dem Buchtitel Die Wiener Free-Jazz-Avantgarde: Revolution im Hinterzimmer (Felber 2005) als Sinnbild für subkulturelleWGd Aktivitäten zu verstehen ist.

In seit den 1970er Jahren bezeugten Komposita wie zum Beispiel Hinterzimmerpolitik (1974), Hinterzimmerkungelei (1994) und Hinterzimmerdeals (2011), in Verbindungen wie Hinterzimmer der Macht (1984, 2015b) und Aussagen wie Heraus aus den Hinterzimmern und Die Zeit der Hinterzimmer ist vorbei (1986, 1997a) hat sich der Gebrauch unverkennbar von der ursprünglichen räumlichen Bedeutung gelöst (vgl. auch 2013, 2019a, 2021). Hier wird Hinterzimmer metonymisch in der Lesart intransparente Handlungen und Absprachen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereitet und getroffen werden verwendet. Vergleichbar ist dieser Gebrauch mit den idiomatischen Verbindungen hinter den KulissenDWDS und hinter verschlossenen TürenDWDS.

Auch wenn verschiedentlich Argumente für die Berechtigung des Hinterzimmers als informelle und geschützte politische Kommunikationsmöglichkeit geäußert werden (z. B. Es lebe das Hinterzimmer! Schuster 2019, Ehrenrettung des Hinterzimmers Fahrenholz 2021), wird das Wort doch fast ausschließlich in abwertender Weise verwendet1). Auffallend häufig bedienen sich Politiker selbst des Worts, wenn sie intransparente Entscheidungsprozesse kritisieren (1999, 2001b, 2018). Entsprechend der abwertenden Verwendung steht Hinterzimmer häufig im Zusammenhang mit ebenfalls pejorativen Wörtern wie KungeleiWGd und (aus)kungelnWGd (1999, 2019c, 2020), KlüngeleiWGd (1969b), dem heute als diskriminierend empfundenen Mauschelei/Gemauschel (1998c) sowie FilzWGd und VetternwirtschaftWGd (2019b).

Back room: ein englisches Vorbild?

Die englische Verbindung back room/backroom ist seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in der Bedeutung hinteres Zimmer eines Gebäudes bezeugt (zu den Bedeutungen im Englischen s. 3OED unter back room). In den 1940er Jahren, also zu Kriegszeiten, entwickelt sich ein spezieller Gebrauch im Englischen: Das Wort wird auf Räume bezogen, in denen geheime Forschung betrieben wird. Attributiv wird das Wort in der Verbindung backroom boys zunächst auf die Forscher/Entwickler in diesen geheimen Räumen/Laboren bezogen. Im Deutschen ist dieser Verwendungszusammenhang zu dieser Zeit nicht gebräuchlich2). Ein ähnlicher Gebrauch findet sich jedoch in jüngerer Zeit, da Hinterzimmer gelegentlich auch auf Entwicklungsabteilungen von Computerfirmen u. ä. bezogen wird (1997b).

Entsprechend der übertragenen Verwendung von Hinterzimmer bezeichnet backroom im englischen Sprachgebrauch Orte, an denen geheime Handlungen/Absprachen außerhalb der Öffentlichkeit stattfinden. Mit den Wortverbindungen backroom boys und backroom staff werden Personen bezeichnet, die hinter den Kulissen arbeiten. Eine Beeinflussung des metaphorischen Gebrauchs von deutsch Hinterzimmer durch das Englische ist nicht auszuschließen, es kann sich aber durchaus auch um einen voneinander unabhängigen Bedeutungswandel in beiden Sprachen handeln.

Kerstin Meyer-Hinrichs

Anmerkungen

1) Auch andere Komposita mit dem Bestimmungswort hinter drücken etwas Heimliches, Verstecktes oder Unehrliches aus und werden abwertend verwendet: Hintertür heimlicher Weg, um sich einer Sache zu entziehen, um etwas zu erreichen, Hinterabsicht versteckte Absicht, Hinterhalt Versteck, von dem aus man jemandem auflauert, Hintergedanke heimliche Absicht, Hinterlist heimtückisches, hinterhältiges Verhalten, Hintermann Person, die eine politische, wirtschaftliche Aktion aus dem Hintergrund lenkt, plant.

2) Eine Ausnahme bildet die Verwendung in dem Filmtitel Experten aus dem Hinterzimmer, allerdings ist dies eine Übersetzung des englischen Titels The small backroom aus dem Jahr 1949.

Literatur

DWDS DWDS. Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute. (dwds.de)

Fahrenholz 2021 Fahrenholz, Peter: Verhandlungen. Ehrenrettung des Hinterzimmers. In: Süddeutsche Zeitung (online), 30. 4. 2021. (sueddeutsche.de)

Felber 2005 Felber, Andreas: Die Wiener Free-Jazz-Avantgarde. Revolution im Hinterzimmer. Wien u. a. 2005.

GWB Goethe-Wörterbuch. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften [bis Bd. 3, Lfg. 4. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin/Akademie der Wissenschaften der DDR], der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Bd. 1 ff. Stuttgart 1978 ff. (woerterbuchnetz.de)

3OED Oxford English Dictionary. The Definite Record of the English Language. Kontinuierlich erweiterte digitale Ausgabe auf der Grundlage von: The Oxford English Dictionary. Second Edition, prepared by J. A. Simpson and E. S. C. Weiner, Oxford 1989, Bd. 1–20. (oed.com)

Schlüsselwörter 1997 Herberg, Dieter/Doris Steffens/Elke Tellenbach: Schlüsselwörter der Wendezeit. Wörter-Buch zum öffentlichen Sprachgebrauch 1989/90. Berlin/New York 1997. (owid.de)

Schuster 2019 Schuster, Jacques: Es lebe das Hinterzimmer! In: Welt (online), 20. 7. 2019. (welt.de)

Stötzel 2002 Stötzel, Georg/Thorsten Eitz (Hrsg.): Zeitgeschichtliches Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Hildesheim 2002.

Weitere wortgeschichtliche Literatur zu Hinterzimmer.

Belegauswahl

Hierdurch komt man in die Schatz-kammer selbst / und dan in das ek= oder hinterzimmer: deren die erste oben am boden ebenmäßig mit allerhand kunst-gemelden gezieret.

Zesen, Philipp von: Beschreibung der Stadt Amsterdam. […]. Amsterdam 1664, S. 363. (books.google.de)

[…]Darnach ſagte er: Jn der letzten aufferſtehung des fleiſches ſehen wir einander wider/ GOtt gebe/ daß ihr alsdenn meine crone/ freude und zierdevor dem HErꝛn CHriſto ſeyn moͤget. Nach mittag um 2. uhr trugen wir ihn in die hinterſtube/ wie er ſelbſt begehrete/ da eine bettſtatt zubereitet war/ da er auch ſeinen geiſt auffgab.

Arnold, Gottfried: Unpartheyische Kirchen- und Ketzer-Historie. Bd. 2 (T. 3/4). Frankfurt a. M. 1700, S. 172. (deutschestextarchiv.de)

Hinter-Zimmer/ retro-ò dietro camera.

Kramer, Matthias: Das herrlich grosse teutsch-italiänische Dictionarium […]. Nürnberg 1702, S. 1465. (books.google.de)

In einem wohlgebauten Hause auf der Rammischen Gasse, ist vorietzt die 1ste Etage mit und ohne Meublen zu vermiethen, bestehend in einem Förderzimmer, […]einem geraumen Alcoven, einem kleinen Expeditionsstübgen, einer Seitenstube nebst der Kammer, einem Hinterzimmer, nebst einem Alcoven und verschlossenem Vorhause, […]einer Küche, Holzplatze, Pferdestalle und Heuboden, einer Kammer auf dem Bodem, und einem Verschlage im Keller.

Wöchentliche Dreßdnische Frag= und Anzeigen, 18. 8. 1749, Nr. 8, o. S. (books.google.de)

Dieſe Nachricht hielte ich mich verbunden ihnen zu geben, damit ſie ſich deſto weniger wundern moͤchten, daß ſie eine junge Frauensperſon, mit Zittern und außer Athem, durch ihren Laden in ihr Hinterzimmer hineinhuſchen ſahen.

Richardson, Samuel: Clarissa. Die Geschichte eines vornehmen Frauenzimmers […]. Sechster Theil. Göttingen 1750, S. 446. (deutschestextarchiv.de)

[…]Da er keinen Bedienten hatte, und uͤber ein feines aber ſchlichtes Kleid einen grauen Oberrock trug, der zwar gut und neu, aber gar nicht nach dem Modeſchnitt war, meinte Suschen, welche, da er anlangte, noch im Dienſt ihrer Vorfahrinn war, fuͤr einen ſolchen Paſſagier waͤr ein Hinterſtuͤbchen gut genug. […]Schnitzer hingegen ſchloß ſchon da er ihn empfieng, eben aus ſeinem derben Anzug, daß es ein geſetzter Mann ſein muͤßte, fuͤhrte ihn in den zweiten Stock und wollte ihm ein ſehr ſchoͤnes Zimmer eingeben.

Wallenrodt, Johanna Isabella Eleonore von: Fritz, der Mann wie er nicht seyn sollte oder die Folgen einer übeln Erziehung. Erster Theil. Gera 1800, S. 206. (deutschestextarchiv.de)

Um 7 Uhr setzte sich der Lord zum Mittagessen allein nieder, nachdem Courvoisier während seiner Promenade den Tisch gedeckt hatte. Gleich nach dem Essen ging der Lord in sein Hinterzimmer.

Der Mord des Lord William Russell. 1840. In: Der neue Pitaval, Bd. 3. Leipzig, 1843. [DWDS]

Der Vorraum ist das Empfangszimmer und die Männerwohnung; der Hinterraum ist das Frauengemach.

Düsseldorfer Kreisblatt und Täglicher Anzeiger 5, 23. 9. 1843, Nr. 259, S. 1. (deutsche-digitale-bibliothek.de)

Heinrich mahnte mich an alle kleine Einzelnheiten aus der Geschichte unseres Bundes, an das niedere Hinterstüblein; im Pfarrhause, in welchem ich ihn gepflegt, Abends ihm vorgelesen.

Karlsruher Beobachter, 6. 11. 1845, Nr. 88, S. 350. (deutsche-digitale-bibliothek.de)

Wie oft werden Kinder zum Schlafen in kleine dumpfige Hinterſtuͤbchen relegirt, wo nie ein Sonnenſtrahl hineinfaͤllt, waͤhrend in demſelben Gebaͤude die hellſten und geraͤumigſten Prunkgemaͤcher nur einige Mal im Jahre einer glaͤnzenden Geſellſchaft geoͤffnet werden.

Hartwig, Georg Ludwig: Die physische Erziehung der Kinder. Ein Belehrungsbuch für Eltern. Düsseldorf 1847, S. 18. (deutschestextarchiv.de)

An dem einen runden Tische, des Hinterzimmers im „rothen Igel" saßen die ganze Redaction des G’radaus, die Herausgeber des politischen ABC, die Mitarbeiter der ostdeutschen Post u. s. w., […]hier waltete der Geist der Mäßigung, der verständigen Ueberlegung; aber über dem zweiten Tische flatterte dräuend wie eine gewaltige Lohe das Banner der rothen Republik. Hier versammelten sich die Ultraradicalen, die communistischen Anarchisten zu einem leckeren Diner, und hier war es, wo ich zum erstenmale in Wien das mit Zuversicht ausgesprochene Wort hörte: In vierzehn Tagen haben wir die Republik!

Die Grenzboten 7/2/4 (1848), S. 359. (deutschestextarchiv.de)

Aber es war ein Hinterzimmer im Hause, abgelegen, die Stube daneben unbewohnt, dorthin mußte er gehen.

Freytag, Gustav: Soll und Haben. München 1977 bzw. 1978 [zuerst 1855], S. 466. [DWDS] (zeno.org)

Nun wußte der Ohllander, daß sich um die achte Abendstunde die erwartete Gesellschaft, die in einem Hinterzimmer dreimal die Woche sehr hoch spielte, einfinden werde.

Die Gartenlaube 11 (1863), S. 580. (wikisource.org)

Die kostbarsten Waaren befinden sich aber nicht in den Läden des Bazars selbst, sondern hinter ihnen in kleinen traulichen Zimmern, zu welchen man durch ein dunkles Treppchen gelangt.

Der Kaufmann läßt nun keinen Kunden von Distinction vor dem Ladentisch im Bazar stehen, sondern nöthigt ihn stets in das kleine verschwiegene Hinterzimmer.

Die Gartenlaube 12 (1864), S 650. (wikisource.org)

Kam es doch vor, daß in dem dunklen Hinterzimmer eines mit allerlei Geschirr vollgepfropften Porzellanladens ein Dutzend Wollballen lagen, zu denen der Zugang nur auf die Gefahr der Zertrümmerung mehr oder minder kostspieliger Kannen und Schüsseln im Gedränge möglich war.

Unterhaltungs-Blatt der Neuesten Nachrichten, 11. 7. 1875, Nr. 55, S. 655. (books.google.de)

Durch einen ihrer Vigilanten hatte die Kriminalpolizei die Mittheilung erhalten, daß eine Anzahl unter polizeilicher Aufsicht stehender Individuen […]wöchentlich zu mehreren Malen in der M.‘schen Kaffeeklappe in der Müllerstraße zusammentreffe und dort unter dem Namen „die Krückenbrüderschaft“ in einem Hinterzimmer jener Spelunke Versammlungen abhielten zum Zweck, über „ausbaldowerte“ (ausgekundschaftete) „Geschäfte“ (Diebstähle) oder zu empfehlende „Schärfer“ (Hehler) und sonstige bemerkenswerthe Vorkommnisse in der Verbrecherwelt ihre „Wissenschaft“ zu verbreiten resp. zu vervollkommnen.

Norddeutsche Allgemeine Zeitung 19, 22. 6. 1880, Nr. 285, S. 5. (deutsche-digitale-bibliothek.de)

Hradscheck legte die Birne vor sich hin und blätterte das Kontobuch durch, das aufgeschlagen auf dem Pulte lag. Um ihn her war alles still und nur aus der halboffenstehenden Hinterstube vernahm er den Schlag einer Schwarzwälder Uhr.

[…]Es war fast, als ob das Ticktack ihn störe, wenigstens ging er auf die Thür zu, anscheinend um sie zu schließen; als er indeß hineinsah, nahm er überrascht wahr, daß seine Frau in der Hinterstube saß, wie gewöhnlich schwarz aber sorglich gekleidet, ganz wie Jemand der sich auf Figurmachen und Toilettendinge versteht. Sie flocht eifrig an einem Kranz, während ein zweiter, schon fertiger an einer Stuhllehne hing.

Die Gartenlaube 32 (1885), S. 534. (deutschestextarchiv.de)

Arbeiterfamilien aber, welche aus der Kellerwohnung flüchten, fallen der kaum minder schrecklichen Hinterhauswohnung in den Rachen. Der Bauplan der Berliner Durchschnittshäuser sorgt nämlich allerdings für einen „Hof“, auf den die Fenster der Küche und der Schlafzimmer gehen, während ein großes Hinterzimmer (das sogenannte „Berliner Zimmer“) sich mit nur einem Fenster gleichfalls auf den Hof öffnet und vorn hinaus die „guten Zimmer" liegen; […]das ist indessen kein Hof, auf dem allenfalls Kinder spielen könnten, sondern es ist ein enger, schmutziger, stinkender Raum ohne Dach, unerläßlich für gewisse häusliche Geschäfte und den Hinterzimmern ein armseliges Surrogat für Licht und Luft gewährend, sonst aber zu nichts nütze.

Die Grenzboten 44/3 (1885), S. 210. (deutschestextarchiv.de)

Diese, gleich zu Beginn der Zeltenstraße, bestand aus einem zwei Treppen hoch gelegenen Front= und Hinterzimmer, von denen jenes auf die Parkbäume des Krollschen Gartens, dieses auf eine grasbewachsene, bis hart an die Spree sich hinziehende Baustelle sah.

Fontane, Theodor: Stine. Berlin 1890, S. 157. [DWDS] (books.google.de)

Es giebt bei seiner großen Breite auch dem Hinterzimmer, das durch eine gewaltige Schiebethür von dem Vorderzimmer getrennt ist, genügendes Licht. […]Schiebt man nach beiden Seiten die Thüren in die Wände zurück, so hat man statt zwei geräumiger Stuben einen Gesellschaftssaal, durch dessen Fenster man auf die Eichen des Gefildes hinausblickt, das vor nicht langer Zeit noch Indianergebiet gewesen ist.

Die Grenzboten 52/3 (1893), S. 39. (deutschestextarchiv.de)

Müssen auf Kosten der eleganten Vorderräume die Hinterzimmer so winzig und ungemütlich sein?

Baudissin, Wolf von /Eva von Baudissin: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hrsg.): Gutes Benehmen, Berlin 2004 [1901], S. 1981. [DWDS]

Im Vorderzimmer standen Mangel und Wäschetisch; zugleich diente dieser Raum als Küche. Im Hinterzimmer schliefen wir alle, die Eltern in einem Himmelbett mit Vorhängen, wir Kinder zu zwei und drei in zwei Betten.

Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hrsg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930, Berlin 2004 [1913], S. 4994. [DWDS]

Er wird sich das Fell des wahrsagenden Bären Hugo in seinem Herrenzimmer an die Wand nageln, und wenn er Freunde bei sich zu Gast hat, wird er mit einer großen Gebärde auf das Fell deuten, seine Zigarrenasche nachlässig abschlagen und zerstreut zu erzählen beginnen.

Klabund: Der Bär. In: Die Gegenwart. Wochenschrift für Literatur, Kunst, Leben 46 (1917), Nr. 3/4, S. 37. [DWDS] (books.google.de)

[…]Einige der ursprünglichen Regeln wurden geändert, um aus einem Glücksspiel ein amtlich bewilligtes Geschicklichkeitsspiel zu machen. Die „Kasinos“ haben sich durchweg in Hinterzimmern von Gastwirtschaften etabliert.

Die Zeit, 24. 5. 1951, Nr. 21. [DWDS] (zeit.de)

Da schlug der arbeitslose Angestellte Eggert den Kragen des inzwischen abgeschabten Mantels hoch und ging. Zurück in das schmale Hinterzimmer, aus dem er seit Jahren ebenso vergeblich herauszukommen versucht wie seine gesamte Altersgruppe aus dem Hinterzimmer der westdeutschen Wirtschaft.

Der Spiegel (online), 24. 11. 1953. (spiegel.de)

[…]Freilich ist man sich darüber im klaren, daß das Grundübel der Beschwerden, die Zonengrenze, immer wieder neue Komplikationen bringen kann. Auch Fanfaren und brennende Fackeln, die den Höhepunkt der mit vielen Tagungen ausklingenden 900-Jahr-Feier säumten, vermochten nicht darüber hinwegzutäuschen, daß die anmutige Gefilde rings um die Veste durch die unglückselige Grenzziehung in ein Hinterzimmer Bayerns verwandelt worden sind.

Die Zeit, 25. 10. 1956, Nr. 43. [DWDS] (zeit.de)

[…]Schließlich trafen sich die am Autobahnprojekt interessierten niedersächsischen Behördenvertreter und Verbände noch einmal mit Seebohnm zwecks gütlicher Einigung. Tagungsort war das Bahnhofshotel zu Winsen.

In dem von blauen Rauchschwaden durchzogenen Hinterzimmer des Bahnhofshotels wurde dabei offenbar, daß sich infolge der vom Bundesminister gewünschten Verlegung der Autobahnauffahrt der Weg nach Hamburg für den aus Lüneburg kommenden Verkehr um rund fünf Kilometer verlängern würdet

Der Spiegel (online), 17. 4. 1956. (spiegel.de)

Die aus ihren Lehrämtern entlassenen Künstler tauchten in Berlin unter, sofern sie nicht emigrierten, und in den Hinterzimmern der Berliner Galerien, bei Gurlitt, Buchholz, von der Heyde sah man die neuesten Werke auch derjenigen Künstler, die mit einem „Arbeitsverbot“ belegt waren.

Die Zeit, 15. 11. 1956, Nr. 46. [DWDS] (zeit.de)

Klugheit ist hier versammelt; Autoritäten werden sich äußern, verteufelte Klugheit. Im Hinterzimmer hatte man sich zuvor darauf geeinigt, nicht zu weit zu gehen.

Die Zeit, 22. 11. 1968, Nr. 47. [DWDS] (zeit.de)

Es war Gottfried Benn selber, der im Alter aus seinem Hinterzimmer auf einen Kaninchenstall und zwei Hortensien blickte. Andere haben sehr viel weniger.

Die Zeit, 25. 4. 1969, Nr. 17. [DWDS] (zeit.de)

Zum erstenmal schwappte eine Grundwelle von Kritik und Kampfbereitschaft ins Kandidaten-Palaver und brachte den ehrwürdigen Prozeß der Klüngelei durcheinander. Statt allein Anciennität und Parteiverdienste, Wünsche von Interessenten und Mächtigen, Vereinsmeierei und Dorfpolitik im Hinterzimmer gegeneinander aufzuwiegen und den passenden Bewerber dann durch Akklamation wählen zu lassen, mußten die Kandidatenmacher sich in nie gekanntem Umfang zum offenen Gefecht stellen.

Der Spiegel (online), 6. 7. 1969. (spiegel.de)

Vorwahl im Hinterzimmer. Die Kandidaten für den neuen Bundestag.

Der Spiegel (online), 6. 7. 1969. (spiegel.de)

Damit fand die Mehrheit zu einem politischen Konzept zurück, das in studentischer Interessenpolitik seine eigentliche Aufgabe sieht – eine Interessenpolitik freilich, die sich von Einflüsterungen in Bonner Hinterzimmern beträchtlich unterscheidet.

Die Zeit, 10. 4. 1970, Nr. 15. [DWDS] (zeit.de)

Ich erklärte, daß Fromms zu unsicher sei, weil es kaputtgehen könne, daß Abtreiben gar nicht so schlimm sei, wenn man es ordnungsgemäß mit allen zur Verfügung stehenden medizinischen Mitteln machen könnte und nicht verbotenerweise im Hinterzimmer einer Arztpraxis machen müsse und stellte zunächst mal die Kirche als Hauptschuldige dafür hin, daß Abtreibungen verboten seien.

Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt 1971, S. 264. [DWDS]

Ob Koalition, ob „Nationale Einheit“: die Konservativen dachten mehr an künftige Hinterzimmerpolitik als an parlamentarische Feldschlacht.

Die Zeit, 11. 10. 1974, Nr. 42. [DWDS] (zeit.de)

Die Hinterzimmer der Jazzszene.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 12. 1977, S. 26.

[…]Der Jeep hält vor einem Schuppen aus unverputztem Kalkstein, in dem ein primitiver Lebensmittel-Selbstbedienungsladen untergebracht ist. Im fensterlosen Hinterraum spielen mehrere ältere Männer Billard.

Die Zeit, 24. 3. 1978, Nr. 12. [DWDS] (zeit.de)

[…]Von den 697 Bewerbungen stammten 582 von Arbeitslosen oder von Akademikern in auslaufenden Arbeitsverträgen, von diesen waren maximal 40 für die angestrebte Aufgabe ungeeignet. Der Rest: hochqualifizierte Frauen und Männer, die nicht wußten, daß in den Hinterzimmern der Macht die Würfel längst gefallen waren.

Die Zeit, 27. 7. 1984, Nr. 31. [DWDS] (zeit.de)

Wir müssen heraus aus den Hinterzimmern.

Rau schreibt an die Wahlkämpfer in der SPD.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. 12. 1986, S. 5.

Waren es früher die Jusos, die engagiert gegen Vetternwirtschaft und Hinterzimmerkungeleien kämpften, so sind sie heute selbst diejenigen, die sich auf diese Art einen sicheren Listenplatz verschaffen wollen.

Saarbrücker Zeitung, 13. 9. 1994. [DWDS]

Die Parteien könnten deswegen nicht mehr einfach zu Koalitionen übergehen; die Bürger wollten das nicht, nur die Parteistrategen seien dafür: „Die Zeit der Hinterzimmer ist aber vorbei.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. 7. 1997, S. 52.

Die Fußsoldaten der Informationswirtschaft, schreibt der Volkswirtschaftler und ehemalige Arbeitsminister der Clinton-Administration, Robert Reich, sind Horden von Datenverarbeitern, die in Hinterzimmern an weltweit mit Datenbanken verbundenen Computer-Terminals sitzen.

Beck, Ulrich: Was ist Globalisierung? Frankfurt a. M. 1997, S. 110. [DWDS]

Während die beiden Verkäuferinnen im Hinterzimmer eines Juweliergeschäftes am Siemensdamm saßen, verschaffte sich am Dienstag nachmittag ein Dieb Zutritt zu dem Laden.

Berliner Zeitung, 30. 4. 1998. [DWDS]

Während Ballett stets für die Bühne bestimmt war (und ist) und der Volkstanz fiesta-fröhlichen Mitmachveranstaltungen gleicht, feierte der Flamenco als andalusische Subkultur sein Debut – ähnlich dem Jazz – in dunklen, engen Hinterzimmern.

Der Tagesspiegel, 28. 3. 1998. [DWDS]

Sogar für das an Politaffären und Geldskandalen reiche, für Hinterzimmermauscheleien und illegale Geschäfte berüchtigte Japan ist es außergewöhnlich, was in den zurückliegenden Wochen im Superministerium nicht mehr zu verbergen war.

Berliner Zeitung, 7. 3. 1998. [DWDS]

Nötig ist aber auch eine klare Sprache, die Gegensätze nicht verschleiert, sondern echte Handlungsalternativen aufzeigt. Wer politische Gegensätze durch Kungelei im Hinterzimmer lösen will, schadet dem Vertrauen in unsere Demokratie. […]Und: In der politischen Auseinandersetzung soll man klar für seinen Standpunkt streiten, sich dann aber auch damit abfinden, wenn man im offenen, fairen Streit unterlegen ist.

Herzog, Roman: Ansprache von Bundespräsident anläßlich des 50jährigen Bestehens der Bundesrepublik Deutschland im Reichstagsgebäude zu Berlin, 24. 5. 1999. [DWDS] (bundespraesident.de)

Die deutschen Gerichte sind überlastet, in Hinterzimmern stapeln sich die Akten.

Berliner Zeitung, 27. 1. 2001. [DWDS]

Wie kann man gegensteuern? Nicht durch die Zurückverlagerung von Entscheidungen in die Hinterzimmer der Macht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Thierse, Wolfgang: Ansprache des Bundestagspräsidenten zur Verleihung des Medienpreises 2001 des Deutschen Bundestages am 27. November 2001, 27. 11. 2001. [DWDS]

Tiefer gehende parteiprogrammatische Beschlüsse der CDU aber gibt es zu diesem Thema nicht. Bislang werkeln die Wissenschaftsminister im Hinterstübchen. Der offene Dialog mit der Partei oder gar der Bevölkerung bleibt leider aus.

Der Tagesspiegel, 6. 8. 2004. [DWDS]

Dort findet in kleinen Kellern und dunklen Hinterzimmern vor einer Hand voll Zuhörern beständig ein nostalgisches Weltfestival des Jazz statt.

Der Tagesspiegel, 10. 7. 2005. [DWDS]

Das bedrückend enge Hinterzimmer, das als Küche gedient zu haben schien, durchsuchte er nach Eßbarem.

Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht. München/Wien 2006, S. 156. [DWDS]

Ob da wohl die Plattenfirma im Hinterstüblein der Redaktionsräume sitzt?

Die Zeit, 13. 7. 2006, Nr. 20. (zeit.de)

Christian Wulff gilt als klarer Favorit bei der Wahl des Bundespräsidenten. Aber um sein mögliches neues Amt antreten zu können, muss der niedersächsische Ministerpräsident zuvor von allen bisherigen Ämtern zurücktreten. Dies spielt sich am Mittwoch in einem Hinterzimmer des Bundestages ab. […]In einem der Räume, den die Bundestagsverwaltung den drei Präsidentschaftskandidaten von Union und FDP, Rot-Grün und der Linkspartei zur Verfügung stellt, werden nach der Stimmabgabe zusammen mit Wulff Vertraute und Funktionsträger auf das Ergebnis der Auszählung warten.

Hamburger Abendblatt (online), 29. 6. 2010. (abendblatt.de)

Wie gefährlich die Hinterzimmerdeals sind, zeigt die Finanzkatastrophe 2008.

Die Zeit, 18. 2. 2011, Nr. 8. [DWDS] (zeit.de)

Die Männer müssen den Frauen nicht nur Posten geben, sondern sie auch in den Hinterzimmern mehr mitreden lassen.

Die Zeit, 15. 12. 2013, Nr. 51. [DWDS] (zeit.de)

Einst, als noch Fürsten regierten, empfingen sie ihre Minister oder Räte in einem Hinterzimmer, dem Kabinett.

Thüringer Allgemeine, 21. 11. 2015. [DWDS]

In der parlamentarischen Demokratie gilt Kompromissfindung als wichtigste Aufgabe der Politik. Doch das oftmals als Kuhhandel geschmähte Ringen etwa zwischen Bundestag und Bundesrat findet in der Regel in den Hinterzimmern der Macht und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: in Vermittlungsausschüssen.

Handelsblatt (online), 18. 5. 2015. (handelsblatt.com)

Dabei steht fest: Vertrauen in Europa wird nicht durch Absprachen in Hinterzimmern gewonnen, sondern indem wir klar sagen, was wir vorhaben, um eine Mehrheit werben und dann tun, was wir sagen.

Scholz, Olaf: Rede des Bundesministers der Finanzen zum Haushaltsgesetz 2018 und zum Finanzplan des Bundes 2017 bis 2021 vor dem Deutschen Bundestag am 15. Mai 2018 in Berlin. [DWDS] (bundesregierung.de)

[…]CSU-Chef Markus Söder hat die Niederlage für Manfred Weber im Poker um den Posten des künftigen EU-Kommissionspräsidenten als Niederlage für die Demokratie und für Europa kritisiert. „Manfred Weber wäre der legitime Kommissionspräsident gewesen, das wäre auch der demokratischste Weg gewesen. Es ist bitter, dass die Demokratie verloren und das Hinterzimmer gewonnen hat“, sagte Söder.

Süddeutsche Zeitung (online), 2. 7. 2019. (sueddeutsche.de)

In der Groko aus CDU/SPD lief es ohnehin nicht mehr so rund, „Filz und Vetternwirtschaft“ in den kommunalen Hinterzimmern drohten langsam aufzufallen, zumindest war davon in Zeitung und Leserbriefe die Rede.

Aachener Zeitung, 10. 4. 2019. [DWDS]

So sei die Wahl im Juli von Ursula von der Leyen zur neuen EU-Kommissionspräsidentin „undemokratisch und im Hinterzimmer ausgekungelt“ worden und „die Demokratie in Europa endgültig zu Grabe getragen“ worden.

Thüringer Allgemeine, 15. 8. 2019. [DWDS]

[…]Spötter werden sagen: Für eine Parteitagsregie, die alles unter Kontrolle haben will, ist der Digitalparteitag doch nur deshalb unangenehm, weil es keine Hinterzimmer mehr gibt und kein Gemauschel. Abgesehen davon, dass es, wenn schon „Echokammern“ von sich reden machen, bald auch digitale Hinterzimmer geben wird: Gerade dieser Teil der Willensbildung macht Parteitage (und Parlamente) aus. Die Vorstellung, nur im (digitalen oder analogen) Plenum schlage sich kraft herrschaftsfreier Debatte ein allgemeiner Wille nieder, der jenseits dieses Forums verfälscht werde, ist politische Romantik. Ohne Gespräche, Grüppchen und das Geschehen „am Rande“, ohne das vielfältige Drumherum eines Parteitags oder des Bundestags kann sich weder Überzeugungskraft noch Durchsetzungsfähigkeit noch der Wille zum Kompromiss beweisen. Das Schimpfwort vom Hinterzimmer, in dem etwas „ausgekungelt“ werde, diskreditiert diesen Teil der Wirklichkeit, ohne den es Demokratie, solange sie von Menschen gemacht wird, nicht geben könnte.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. 8. 2020, S. 1.

Schluss mit Hinterzimmer

Viele Bürger scheinen der etablierten Parteien überdrüssig zu sein.

Cicero (online), 24. 5. 2021. (cicero.de)