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Wortgeschichte zu

Pöbel

pöbeln · Pöbelei · pöbelhaft

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Pöbel gelangt bereits um 1200 aus dem Französischen ins Deutsche und stellt zunächst einen neutralen Ausdruck für Volk oder Menschenmenge dar. Seit dem 15. Jahrhundert setzt eine Bedeutungsverschlechterung ein, in deren Gefolge das Wort zu einer abwertenden Bezeichnung für die gesellschaftliche Unterschicht wird. Zu Pöbel in dieser abwertenden Bedeutung wird dann im beginnenden 20. Jahrhundert das Verb pöbeln sich schimpfend, grob beleidigend (gegenüber jemandem) äußern gebildet. Nicht vom Verb, sondern direkt vom Substantiv sind Pöbelei und pöbelhaft abgeleitet (beides schon im 18. Jahrhundert).

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Wortgeschichte

Entlehnung aus dem Französischen

Pöbel wurde bereits im Mittelalter (um 1200) aus dem Französischen ins Deutsche übernommen. Ausgangspunkt ist altfranzösisch pueple, pople Volk, Bevölkerung, Leute, Menge, das auf lateinisch populus Volk zurückgeht (s. Pfeifer unter PöbelDWDS). Die Form variiert zunächst noch zwischen Pöbel, Pöfel, Bofel u. ä.; erst im 18. Jahrhundert setzt sich die Variante Pöbel endgültig durch. Auch das Genus schwankt bis ca. 1600 noch zwischen Neutrum und Maskulinum, bis Letzteres schließlich die Oberhand gewinnt.

Bedeutungsverschlechterung: Vom Volk zum Pöbel

Das Wort ist zunächst – wie in der Gebersprache Französisch bis heute – eine neutrale Bezeichnung für das einfache Volk, etwa im Gegensatz zu den Fürsten (1530, 1618) oder zum Hof (1586). Es handelt sich dabei somit um einen Ausdruck zur Kennzeichnung eines grundlegenden gesellschaftlichen Hierarchiegefüges, eines Unterschieds zwischen einer kleinen, meist privilegierten Gruppe auf der einen Seite (die man heute als EliteWGd bezeichnen würde) und der großen Menge der weniger privilegierten Menschen auf der anderen Seite.

Das Wort kann jedoch auch für eine Menschenansammlung, Menschenmenge stehen, die sich an einem konkreten Ort zusammenfindet (1478/84). Beide Lesarten haben sich bis in die Gegenwart gehalten, und beide haben eine signifikante Bedeutungsverschlechterung erfahren, die schon ab dem 15. Jahrhundert greifbar wird und sich bis zum Ende des 17. Jahrhunderts weitestgehend durchgesetzt hat (vgl. 1625, 1700, z. T. noch neutral im Beleg 1652; zu dieser Entwicklung auch 1DWB 13, 1950).

Diese Bedeutungsverschlechterung von neutralem Volk zu einer Bedeutung Unterschicht ist als das auffälligste Kennzeichnen der Wortgeschichte von Pöbel anzusehen. Ergebnis dieses Wandelprozesses ist, dass Pöbel nicht mehr nur in einzelnen Verbindungen (wie gemeiner Pöbel in den Belegen 1584, 1650 oder niederer Pöbel im Beleg 1789), sondern grundsätzlich und in allen Kombinationen abwertend ist. Damit zählt Pöbel neben GesindelWGd zu den ältesten eindeutig pejorativen Bezeichnungen für die Unterschicht der Gesellschaft, zu der nach und nach weitere ebenfalls eindeutig pejorative Wörter wie KanailleWGd, MobWGd oder PackWGd hinzutreten.

Ähnlich wie diese Bezeichnungen leistet Pöbel aber nur bedingt eine ständische Zuordnung (vgl. auch GG 4, 30). Entscheidend für die Zugehörigkeit einer Person oder Gruppe zum Pöbel sind weniger ökonomische oder soziale Kriterien als vielmehr das Verhalten der so Bezeichneten. So neigt der Pöbel zu Aufruhr und Unruhe (1653, 1894), er ist gewalttätig und grausam (1689, 1873, 1940), wankelmütig (1700), einfältig (1708), irrational (1605) und hat keinen Geschmack (1730, 1774a). Dass diese negativen Zuschreibungen den Status der Sprechenden im Hinblick auf Rationalität, Bildung und Geschmack spiegelbildlich erhöhen, gehört fest zum impliziten Bedeutungsgehalt solcher abwertenden Bezeichnungen: Wer verächtlich auf den Pöbel zeigt, macht damit gleichzeitig deutlich, dass er selbst keinesfalls dazugehört. Die negativen Zuschreibungen entsprechen dabei im Großen und Ganzen den seit der Antike gängigen Stereotypen vom Verhalten der unteren Klassen, die auch bei vergleichbaren Wörtern zu Tage treten (vgl. dazu MobWGd).

Mit dem auf der Basis von Pöbel gebildeten Adjektiv pöbelhaft steht seit ca. 1720 ein weiteres Ausdrucksmittel zur Verfügung, mit dem Personen bzw. deren Verhaltensweisen und Äußerungen als unstandesgemäß, unfein oder moralisch verwerflich qualifiziert werden können (vgl. 1724, 1748). Zum Adjektiv findet sich dann auch schon im 18. Jahrhundert die substantivische Eigenschaftsbezeichnung Pöbelhaftigkeit (vgl. 1778)

Aggressive Kommunikation: pöbeln

Das Verb (gegen jemanden/etwas) pöbeln sich schimpfend, grob beleidigend (gegenüber jemandem) äußern (s. auch pöbelnDWDS) kommt zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf (1912, 1915). Das Verb ist Ergebnis eines Wortartenwechsels ohne eigenes Bildungselement (d. h. Ergebnis einer Konversion) und geht damit auf eine eher seltene Form der Wortbildung zurück. In semantischer Hinsicht ist bemerkenswert, dass im Zuge dieses morphologischen Prozesses nur ein Teilaspekt der Bedeutung von Pöbel in das Verb übernommen wird: Nicht das Verhalten des Pöbels insgesamt, sondern lediglich die als typisch für den Pöbel angesehene Form der aggressiven Kommunikation bildet den inhaltlichen Kern des Verbs. In diesem Zusammenhang ist allerdings auf dialektale Entsprechungen hinzuweisen, die eine breitere Bedeutung zeigen; so etwa ist das Verb im Rheinischen als Gemeinheiten treiben (s. Rheinisches Wörterbuch 6, 1004) sowie im Schweizerischen als lärmen, Unfug treiben bezeugt (s. Idiotikon 4, 924). In welchem Verhältnis diese dialektalen Bezeugungen zu dem semantisch etwas engeren Verb der Standardsprache stehen und ob sie ggf. eine Vorstufe darstellen, lässt sich nicht beurteilen.

Pöbelei als denominale Bildung

Das Substantiv Pöbelei ist aus gegenwartssprachlicher Perspektive klar als Ableitung zum Verb pöbeln zu analysieren (wie etwa Drängelei zu drängeln, Meckerei zu meckern usw.).1) Historisch gesehen ist dies freilich unzutreffend, da das Substantiv Pöbelei mit einer Bezeugung mindestens seit dem frühen 18. Jahrhundert deutlich älter ist als das wohl erst nach 1900 aufkommende Verb pöbeln (vgl. 1710, 1774b). Bei Pöbelei handelt es sich somit um eine Ableitung vom Substantiv Pöbel. Mit dieser Form der denominalen Ableitung, die sich auch bei Eselei oder Flegelei findet, wird generell auf ein bestimmtes, überwiegend negativ bewertetes Verhalten abgehoben, das dem Basissubstantiv entspricht: Eine Eselei ist ein Verhalten wie das eines Esels usw. (Fleischer/Barz 2012, 198). Dementsprechend ist auch die Bedeutung von Pöbelei zu beschreiben als für den Pöbel typisches Verhalten, etwas Pöbelhaftes, so etwa in dem Beleg 1710, wo das Wort in einen Gegensatz zu Tugend gebracht wird, oder im Beleg 1859, wo offenbar von einer Bierhausschlägerei die Rede ist (vgl. ferner 1921 sowie auch 1DWB 7, 1953DWDS etwas pöbelhaftes). Gemeinsam ist allen Verwendungen die deutlich negative Wertung; diese ist gleich doppelt motiviert, da sie sowohl vom negativen Basiswort Pöbel als auch vom Suffix -ei herrührt, dem vielfach ein tadelnder oder verächtlicher Nebensinn anhaftet (Paul, Dt. Gr. 5, 82).

Die Ausgangsbedeutung pöbelhaftes Verhalten, Pöbelhaftigkeit hat sich seit dem 20. Jahrhundert verengt auf verbale Aggression (1948, 1963, 1966, 1995, 2016); die Grenzen zur physischen Aggression können dabei gelegentlich fließend sein. Diese Bedeutungsverengung hängt wohl damit zusammen, dass das Substantiv nunmehr auf das Verb pöbeln bezogen wird, das seit Beginn des 20. Jahrhunderts belegt ist.

Volker Harm

Anmerkungen

1) Zur Wortbildung mit -ei s. Fleischer/Barz 2012, 198.

Literatur

1DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 1–16. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. (woerterbuchnetz.de)

Fleischer/Barz 2012 Fleischer, Wolfgang/Irmhild Barz: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4., völlig neu bearb. Aufl. unter Mitarbeit von Marianne Schröder. Berlin/Boston 2012.

GG Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hrsg. von Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck. Bd. 1–8. Stuttgart 1972–1997.

Idiotikon Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Bd. 1 ff. Basel/Frauenfeld 1881 ff. (idiotikon.ch)

Paul, Dt. Gr. Paul, Hermann: Deutsche Grammatik. Bd. 1–5. Halle a. S. 1916–1920.

Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)

Rheinisches Wörterbuch Rheinisches Wörterbuch. Auf Grund der von J. Franck begonnenen, von allen Kreisen des rheinischen Volkes unterstützten Sammlung. Bd. 1–9. Bonn/Berlin 1928–1971. (woerterbuchnetz.de)

Belegauswahl

zum iüngsten sy den helld ersach, | der stúend pey annderm pouel verr da hinden.

Füetrer, Persibein 112, 7. (fwb-online.de)

wie ein kind seinen Eltern und der Pofel seinem Fursten befolen ist, so sind wir ynn der Engeln schutz und yhn befolhen.

Luther, Weimarer Ausgabe 32, 121, 10. (fwb-online.de)

DAs aber die vnsern / von dieser sache jtzund nicht mehr also reden / wie sie vor der zeit geredt haben: Sol E. Achtb. nicht wunder nemen / denn zuuor der gemeine Pöbel viel vngehewres dings gegleubet / vnd dem brod zugeschrieben hat / was dem HErren Christo gebüret.

Kirchner, Timotheus: Gründliche warhafftige Historia: von der Augspurgischen Confession wie die Anno 1530 geschrieben. Item: Von der Concordia. Leipzig 1584, S. 139. (deutschestextarchiv.de)

angegeben .. beim pofel und zu hofe.

Ringwald, geistliche lieder C 3, zit. nach ¹DWB 7, 1950. (dwds.de)

Was jemandt gebrach/ ſo er ſich mit ſeinem Opffer dahin gelobet/ dem ward geholffen/ die Blinden wurden ſehend/ die Lahmen lieſſen jhre Krecken im Tempel/ vnnd giengen gerade danon. Etliche ſo in den Tempel kamen/ vnnd das Bild anſichtig wurden/ fielen darnider/ als hette ſie der Tropff oder Doñer erſchlagen. Da diß der tolle Poͤfel ſahe/ daß etliche fielen/ meynten ſie es were GOttes krafft.

Melander, Otto: Das ander theil dieses Schimpff vnd Ernsts, darin nicht allein nützliche vnd denckwürdige/ sondern auch anmühtige vnnd lustige Historien erzehlet vnd beschrieben werden. Lich 1605, S. 123. (deutschestextarchiv.de)

Welcher keines geſchrays begehret/Dem die Warheit die groͤſte kunſt;
Den des Fuͤrſten noch Poͤfels gunſt/
Weder hofnung noch forcht bethoͤret.

Weckherlin, Georg Rodolf: Oden vnd Gesäng. Das Erste Buch. Stuttgart 1618, S. 79. (deutschestextarchiv.de)

[…] angeſehen dieſes Buch jhm ſelbſt Exempels vnd Beyſpiels genug iſt/ auß welchem/ gleich als auß einem vnverfelſchten Spiegel/ der vnbeſonnene Poͤffel den außgang aller Auffruͤrer vñ Auffwickler zuerſehen.

Harer, Peter: Eigentliche Warhafftige beschreibung deß Bawrenkriegs. Frankfurt (Main) 1625 (Vorrede). (deutschestextarchiv.de)

Aber das gantze Koͤnigreich war in ſich ſelbſt verworꝛen/ vnd geſchah im Jahr 1414. den 30. Julij in Prag ein ſolcher Tumult/ daß der gemeine Poͤbel in der Alten Statt zwoͤlff Rahtsherꝛn/ mit dem Stattſchultheiſſen/ durch das Fenſter herunter gestürtzt.

Wartmann, Sigismund Friedrich: Germania Pertubata et Restaurata. Frankfurt (Main) 1650, S. 105. (deutschestextarchiv.de)

[…] dem nidern Stande zum Nutzen und Ergoͤtzlichkeit […] wurde in ein Fenſter deß Mahlſaals/ […]welches auf den langen Marktplatz ſahe/ ein meſſinger Loͤw geſetzet/ der in der einen Patten einen Oelzweig/ in der andern ein zerbrochenes Schwerd hielte/ und aus ſeinem Rachen/ […]in die ſechs Stundenlang/ roten und weiſſen Wein unter das gemeine Stadt- und Landvolk ſprůtzete. Da ware ein Luſt zu ſehen/ wie ſich der Poͤbel hinzudraͤngete/ nicht ſo ſehr aus Durſt/ als/ weil ein jeder dieſen Friedenswein nicht gekoſtet zu haben für ſeine groͤſte Ungluͤckſeligkeit hielte.

Birken, Sigmund von: Die Fried-erfreuete Teutonje. Eine Geschichtschrifft von dem Teutschen Friedensvergleich. Nürnberg 1652, S. 68. (deutschestextarchiv.de)

Axioma CXV. Der gemeine Mann vnnd Poͤfel laſſen ſich leichtlich zur Revolte vnd Auffſtand bewegen.

Axioma CXVI. Alle Vnterthanen vnd Diener ſollen ſich fuͤr Rebellion vnd Auffruhr huͤten/ vnd ſich vnter ſolche Leut nicht miſchen.

Reinkingk, Theodor von: Biblische Policey. Frankfurt (Main) 1653, )()()(. (deutschestextarchiv.de)

[…] nach Mittage aber {die Römer} ſie {ihre Gefangenen} taͤglich in die Schau-Plaͤtze einſchloſſen: daß ſie wieder ihre Landes-Leute und Blut-Verwandte nur dem Poͤfel zur Kurtzweil um Leib und Leben fechten muſten; welcher/ wenn ſie nicht geſchwinde genung einander in die Schwerdter renneten/ ſie mit Peitſchen ſchlug/ mit gluͤenden Zangen brennte/ und zum Tode gleich einem Freuden-Spiele antrieb.

Lohenstein, Daniel Casper von: Großmüthiger Feldherr Arminius oder Herrmann. Leipzig 1689, S. 951. (deutschestextarchiv.de)

Wie ſchmertzlich mir dieſe Worte der ſchmeichelnden Pfaffen und des unbeſtaͤndigen Volckes durch das Hertze giengen/ ſolches kan ſich ein ieder treuer Diener/ welcher begierig iſt vor ſeinen Herrn zu ſterben/ leichtlich vorſtellen. Ja hier ſahe man ein rechtes Beyſpiel des wanckenden Poͤbels/ wie wenig ſich auf dero beſtaͤndige Treue zu verlaſſen ſey.

Ziegler und Kliphausen, Heinrich Anshelm von: Asiatische Banise. Oder blutiges doch muthiges Pegu. 2. Auflage. Leipzig 1700, S. 315. (deutschestextarchiv.de)

Gleichwie aber alle Abgoͤtterey bey dem einfaltigen/ unwuͤſſenden/ Poͤbel eher platz findet/ als bey den Gelehrten/ alſo gehet es auch hier. Die Bewunderung/ ſo anzuſehen als ein in unſerer Einbildung aufgerichtetes Goͤtzenbild/ verlieret ihr Anſehen nit wenig bey denen/ welche mit offenen/ das iſt/ von dem Glantz der Natur-Wiſſenſchaft beleuchteten Augen unſere Gletſcher/ oder Eisberge anſehen.

Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweitzerlands. Dritter Theil. Enthaltende vornemlich eine Vber die höchsten Alpgebirge An. 1705. getahne Reise. Zürich 1708, S. 108. (deutschestextarchiv.de)

Daß die Lieb=reißende Tugend […] auch das alleinzige Mittel sey dadurch Der Menſch […] einen Lob=thönenden Nachklang erlange […] ſolches bezeuget […] Plutarchus, […] da er ſaget: Daß ein Menſch / ungeachtet feiner Perſon und Córperlichen Zuſtandes / durch dieTugend von der gemeinen Pöbeley abgeſondert / für Göttlich / unverwelcklich / und endlich unfterblich gehalten werde.

Dahlmann, Peter: Historischer Schauplatz vornehmer und berühmter Staats= und Rechtsgelehrten. Frankfurt/Leipzig 1710, S. 89–90. (books.google.de)

Die dieſen ſtilum fuͤr gemein poͤbelhaft oder fuͤr unflaͤtig und garſtig halten, haben die ſache wohl nicht recht eingeſehen.

Fabricius, Johann Andreas: Philosophische Oratorie. Das ist: Vernünftige anleitung zur gelehrten und galanten Beredsamkeit. Leipzig 1724, S. 239. (deutschestextarchiv.de)

Jch ſchweige von der PoeſieO Freund, die macht dir keine Muͤh,
Du kennſt der alten Dichter
Die unaufhoͤrlich ſingt und reimt,
Und leyrt, und heult, und raſt, und traͤumt;
Die, wenn ihr Lied am beſten klingt,
Vernunfft und Reim und Sylben zwingt,
Mit ihrer Affter-Muſen Frucht,
Dem Poͤbel zu gefallen ſucht,
Ein erbar Ohr mit Zoten quaͤlt,
Kurtz, der ſonſt nichts, als alles fehlt.

Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Leipzig 1730, S. 501. (deutschestextarchiv.de)

Das iſt der Mann, der aus eben ſo gewinnſuͤchtigen und poͤbelhaften Abſichten ausgeſucht iſt, der Braͤutigam, d. i. der Herr und Tyrann von Fraͤulein Clariſſa Harlowe zu werden.

Richardson, Samuel: Clarissa. Die Geschichte eines vornehmen Frauenzimmers, von demjenigen herausgegeben, welcher die Geschichte der Pamela geliefert hat und nunmehr aus dem Englischen in das Deutsche übersetzt. Erster Theil. Hrsg. von Johann David Michaelis. Göttingen 1748, S. 286. (deutschestextarchiv.de)

Jn den beſten Opern ſiehet und hoͤret man Dinge, die ſo laͤppiſch und ſo abgeſchmakt ſind, daß man denken ſollte, ſie ſeyen nur da um Kinder, oder einen kindiſch geſinnten Poͤbel in Erſtaunen zu ſezen; und mitten unter dieſem hoͤchſt elenden, den Geſchmak von allen Seiten beleidigenden Zeuge, kommen Sachen vor, die tief ins Herz dringen, die das Gemuͤth auf eine hoͤchſtreizende Weiſe mit ſuͤßer Wolluſt, mit dem zaͤrtlichſten Mitleiden, oder mit Furcht und Schreken erfuͤllen.

Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der Schönen Künste, in einzeln, nach alphabetischer Ordnung der Kunstwörter auf einander folgenden, Artikeln abgehandelt. Zweyter Theil. Leipzig 1774, S. 642[824]. (deutschestextarchiv.de)

Oder wenn in dieſer Ausbildung eigner Nationalneigungen zu eigner Nationalgluͤckſeligkeit der Abſtand zwiſchen Volk und Volk ſchon zu weit gediehen iſt: ſiehe, wie der Aegypter den Hirten, den Landſtreicher haſſet! wie er den leichtſinnigen Griechen verachtet! So jede zwo Nationen, deren Neigungen und Kreiſe der Gluͤckſeligkeit ſich ſtoßen — man nennts Vorurtheil! Poͤbeley! eingeſchraͤnkten Nationaliſm! Das Vorurtheil iſt gut, zu ſeiner Zeit: denn es macht gluͤcklich.

Herder, Johann Gottfried von: Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit. Beytrag zu vielen Beyträgen des Jahrhunderts. Riga 1774, S. 58. (deutschestextarchiv.de)

Von Hogarth ach! wie wenig Zuͤge des Adels! wie wenig wahrhaft ſchoͤnen Ausdruck von dem — bald haͤtte ich geſagt — falſchen Propheten der Schoͤnheit. Aber welch einen unermeßlichen Reichthum von Zuͤgen der niedrigſten Niedrigkeit, der ekelhafteſten Poͤbelhaftigkeit, der laͤcherlichſten Laͤcherlichkeit, und der unmenſchlichſten Laſter.

Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Vierter Versuch. Leipzig/Winterthur 1778, S. 160. (deutschestextarchiv.de)

nur den Ungeweihten, den niedern Poͤbel kann todtes Gold blenden, und der Weiſe macht nur in ſo fern davon Gebrauch, als er es bedarf.

Zschokke, Heinrich: Geister und Geisterseher oder Leben und frühes Ende eines Nekromantisten. Eine warnende Anekdote unsrer Zeit. Küstrin 1789, S. 27. (deutschestextarchiv.de)

wollen hiesige Deutsche [in den USA] etwas Würdiges und in würdiger Weise veranstalten, so finden sie kein Publikum; finden sie aber ein Publikum, so sind sie sicher, daß sie eine Pöbelei zu Stande bringen. Hier beginnt und endigt alles im Bierhause und in der Pöbelei.

Wiener Kirchenzeitung Nr. 35, 31. August 1859, Beilage, S. 558. (books.google.de)

Im Dunkel der Nacht hatte sich eine Tae-piṅ-Schaar in die zwischen der Stadt und der fremden Ansiedlung gelegene Vorstadt geschlichen; mit ihr stürzte sich der Pöbel raubend und mordend auf dieses reiche Viertel.

Berg, Albert: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Dritter Band. Hrsg. von Albert Berg. Berlin 1873, S. 280. (deutschestextarchiv.de)

Nun kamen die Hungerjahre, ſie brachten dem zerſtückelten, überſchuldeten Kleingrundbeſitze Württembergs zahlloſe Zwangsverſteigerungen und entſetzliches Elend. Im Mai 1847 rottete ſich der Stuttgarter Pöbel zu einem Hungerkrawall zuſammen. Der König ritt hinaus, allein, wie einſt an ſeinem Jubeltage, er dachte durch ſein Erſcheinen die Tobenden zu beſchwichtigen. Wie ward ihm aber, als ihn die Maſſen mit Verwünſchungen und Steinwürfen empfingen.

Treitschke, Heinrich von: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. Fünfter Theil: Bis zur März-Revolution. Leipzig 1894, S. 675. (deutschestextarchiv.de)

Die Staatsbürgerin wird pöbeln, daß Wilhelm II. jemand in seinem Namen gesandt hat, der diensttuende Rabbiner wird von neuem die »unverbrüchliche Treue zum Kaiserhaus« bezeugen, und der hohe Offizier muß, muß, muß niedrig von Menschen denken, die sich selbst erniedrigen.

Tucholsky, Kurt: Die patriotische Synagoge. In: Kurt Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien. Berlin 2000 [1912], S. 10408. [DWDS]

Er pöbelte gegen Otto Ernst, gegen die Epigonen des Turnvaters Jahn, gegen Roda Roda, Feistritz, Walter Kollo und viele andere.

Ball, Hugo: Totenrede. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka. Berlin 2000 [1915], S. 9738. [DWDS]

[…] der frei gewählte Soldatenberuf […] mag für den, der dazu paßt, etwas sehr Schönes sein, aber die allemeine Dienstpflicht, die ja doch erst in der Französischen Revolution eingeführt wurde, ist eine Pöbelei.

Schmitz, O. A. H.: Das dionysische Geheimnis. München 1921, S. 21. (books.google.de)

Im September 1938 wurde der Wiener Pöbel auf die jüdische Leopoldstadt losgelassen.

N. N. [alphonse]: Unter gebrochenem Eise. In: Tribüne, 1940, Nr. 3, S. 66. [DWDS]

Die Pöbeleien der ersten Münchner Großkundgebung wandelten sich in sanftere […] Töne.

Die Zeit, 4. 3. 1948, Nr. 10. [DWDS] (zeit.de)

Tatsächlich konnte Castro erst vor wenigen Tagen seine Pöbeleien gegen Kennedy mit der Demonstration stattlicher Luftabwehrraketen begleiten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. 1. 1963, S. 1.

[…] jüdische Kantoren wurden dabei vor dem „gottesfürchtigen Spießbürgertum“ in parodistischem Potpourri verulkt. Auf demselben Niveau befand sich die Pöbelei von ungefähr sechstausend Jugendlichen, die sich 1966 zu den […]mitternächtlichen Osterfeiern […]der Russisch-Orthodoxen Kirche vor der Moskauer Jelokhowski-Kathedrale […], in der Patriarch Alexius die Auferstehungsmesse zelebrierte, eingefunden hatten und Tanzmusik machten, johlten und auf die Gläubigen eindrängten […], die zum traditionellen Rundgang um die Kirche vor dem Portal erschienen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. 12. 1966, S. 32.

Die Pöbeleien der Zuschauer gegen den Mann mit der Pfeife sind hinlänglich bekannt.

Saarbrücker Zeitung, 14. 12. 1995. [DWDS]

Die zentrale Einheitsfeier in Dresden am 3. Oktober – mit Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck – wird von hasserfüllten Pöbeleien überschattet.

Die Zeit, 13. 10. 2016 (online). [DWDS] (zeit.de)