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Wortgeschichte zu

modern

hochmodern · hypermodern · unmodern

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Das Adjektiv modern ist auf spätlateinisch modernus zurückzuführen. Vereinzelt tritt es bereits in älteren Quellen auf. Die endgültige Entlehnung und Lexikalisierung ist auf Anfang des 18. Jahrhunderts zu datieren und findet wohl unter Einfluss des Französischen statt. Zunächst hat das Wort die Bedeutung auf die heutige Zeit bezogen. Seither hat das Adjektiv nicht nur ein breites Bedeutungsspektrum ausgebildet, sondern auch verschiedene Steigerungsformen wie hochmodern und hypermodern. Zu den Antonymen gehört unter anderem unmodern.

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Wortgeschichte

Herkunft, Entlehnung, Lexikalisierung

Das Adjektiv modern ist etymologisch auf das spätlateinische modernus neu zurückzuführen (vgl. Pfeifer unter modernDWDS). Zu den Vorläufern der neuzeitlichen Verbreitung des Adjektivs in den europäischen Sprachen gehören sowohl die Verwendung des Wortes modernus in Texten des Mittelalters als auch die Ende des 17. Jahrhunderts von der Académie française ausgehende Querelle des Anciens et des Modernes, jenes wirkungsmächtigen Streits zwischen den Alten und den Neuen in Frankreich an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, bei dem es um die Frage ging, inwiefern die Antike noch als Vorbild für die zeitgenössische Literatur und Kunst dienen könne (vgl. hierzu im Detail GG 4, 96–102). Paracelsus verwendet das Wort modernisch bereits im 16. Jahrhundert (vgl. 10Paul, 669); das fwb-online bucht zudem einen Beleg für das frühe 17. Jahrhundert (vgl. daneben auch 1675).

Die endgültige Entlehnung und Lexikalisierung ins Deutsche ist wohl unter Einfluss der französischen Sprache zu verstehen (vgl. Pfeifer unter modernDWDS sowie 10Paul, 669; zum französisch Adjektiv siehe auch TLFi unter moderne). Sie ist für Anfang des 18. Jahrhunderts anzusetzen (1710, 1767). 1727 scheint das Wort als Lehnwort bereits soweit konventionalisiert, dass Gladov es in seinem Wörterbuch À la Mode-Sprach mit der Bedeutung neu, von gegenwärtiger Zeit, auf die jetzige Zeit gerichtet (A la Mode-Sprach, 384) bucht – das Wörterbuch nimmt, so der Titel, solche Lehnwörter auf, die in denen Zeitungen, Briefen und täglichen Conversationen vorkommen.

Frühe Verwendungen

In den frühen Verwendungen wird modern in der Bedeutung gegenwärtig, die heutige Zeit betreffend bzw. in der Bedeutung neuzeitlich, hier oftmals im Gegensatz zu antik, verwendet (1675, 1727, 1772). In der Nachfolge der Querelle des Anciens et des Modernes und als Antonym zu antik stabilisiert sich modern im 18. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum zu einem Epochenbegriff in Kulturphilosophie und Ästhetik (vgl. 10Paul, 669). Nach 1830 wird modern zu einem Programmbegriff der Autoren des Jungen Deutschland und wird hier nun im Sinne von zeitgemäß, in die Zukunft weisend, progressiv verwendet (vgl. 10Paul, 669; 1840b; zur Frage der zeitlichen Dimension der historischen Semantik der Wörter um modern siehe im Detail die umfangreiche begriffsgeschichtliche Aufarbeitung von Hans Ulrich Gumbrecht in GG 4, 93–131; hier auch Hinweise zum Adjektiv modern als Prädikat für eine transitorisch erfahrenen Gegenwart).

Neue Bedeutung um 1800

Wohl unter Einfluss des Wortes Mode (vgl. Pfeifer unter modernDWDS) entsteht um 1800 die neue Bedeutung dem Zeitgeschmack entsprechend, modisch (1801, 1815, 1837, 1854a). Diese semantische Entwicklung spiegelt sich auch in den Buchungen bei Adelung wider, der Modếrn mit der Bedeutung den neuesten Sitten, dem neuesten Geschmacke, der neuesten Mode gemäß aufnimmt (vgl. 2Adelung 3, 256). Ähnlich ist auch die Buchung in 1Campe Verdeutschung mit der Bedeutung heutig, nach heutigem Geschmacke, im neuesten Geschmacke, von neuerer Hand, in neuer Kunst (1Campe Verdeutschung 2, 469). In dieser Bedeutungslinie sind in der Nachfolge auch Verwendungen im Sinne von im Trend, en Vogue zu verorten (1900c, 1910, 2005).

Modern kann weiterhin im Sinne von (insbesondere technisch) auf dem neuesten Stand verwendet werden (1936, 1990b). Vorläufer sind möglicherweise Verwendungen von modern in Bezug auf die Industrialisierung seit Mitte des 19. Jahrhunderts, hier allerdings zunächst eher in der breiteren Bedeutung gegenwärtig, die allerdings auch den Einsatz zeitgemäßer Produktionsmittel wie Maschinen inkludieren kann (1848b, 1867). Die Abgrenzung von gegenwärtig zu (technisch) auf dem neuesten Stand und damit der Ansatz der neuen Bedeutung sind dabei nicht ganz trivial (1870); auch der Übergang zur gesellschaftlichen Bedeutungslinie (s. u.) ist fließend.

Übertragung auf die Gesellschaft

Bereits seit dem 19. Jahrhundert kann modern auch auf die Gesellschaft bezogen werden, zunächst wohl eher noch im Sinne von gegenwärtig, zeitgemäß oder neuzeitlich (1840a, 1845, 1849). Zum Teil hat das Wort in Bezug auf die gegenwärtige Gesellschaft wiederum auch wirtschaftliche Implikationen (1848a, 1888); modern wird hier mithin in Zusammenhang zu den tiefgreifenden sozioökonomischen Veränderungen im Verlauf des langen 19. Jahrhunderts verwendet. Diesen Verwendungen liegt in der Regel eine wie auch immer geartete Geschichtsvorstellung bzw. ein Entwicklungsgedanke zugrunde (1869). Die moderne Gesellschaft wird dabei keinesfalls durchweg positiv bewertet (1855b). Daneben begegnet modern aber auch in Zusammenhang mit Wörtern wie Zivilisation oder Kultur (1838, 1892). Diese Verwendungen sind wohl auch vor dem Hintergrund jener für das 19. Jahrhundert prägenden Vorstellung einer Höherentwicklung der Kultur bzw. der Zivilisation zu verstehen (1848c).

Ausgehend von den Verwendungen in Bezug auf die Gesellschaft im Allgemeinen entsteht schließlich die Bedeutung einem bestimmten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungsstand entsprechend, die in der Regel auf die westliche Moderne im Besonderen bezogen ist (1969, 1986). Gegenüber älteren Verwendungen in Bezug auf die Gesellschaft, in denen modern neuzeitlich, gegenwärtig oder zeitgemäß bedeutet, findet hier mithin eine Bedeutungsverengung statt, insofern diese Verwendungen nun zentral auf die westliche Moderne bezogen werden ModerneWGd. Besonders zum Tragen kommt diese Bedeutung in Verwendungen des Adjektivs modern mit Bezugnahme auf die sogenannte Dritte Welt bzw. Entwicklungs- und Schwellenländer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (1972a, 1972b, 1999b). Diese Entwicklung ist wohl unter anderem im Kontext soziologischer Modernisierungstheorien der zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verorten, in deren Zusammenhang das Substantiv ModernisierungWGd die neue Bedeutung Prozess der Transformation, der eine Gesellschaft von der Vormoderne in die Moderne überführt erhält (vgl. auch Verwendungen von modern und Modernisierung beispielsweise in 2001).

Verwendungen in Bezug auf Literatur- und Kunstrichtungen

In Zusammenhang mit der Ausbildung des Substantivs ModerneWGd um 1900 sind Verwendungen zu verstehen, in denen sich modern auf eine bestimmte Kunst- und Literaturrichtung bezieht (1900a, 1960a, 1997). Moderne wird Ende des 19. Jahrhunderts in Bezug auf die Literatur des Naturalismus gebildet und schnell auch auf andere Künste übertragen; gegenwärtig kann das Wort sowohl Literatur und Künste der Jahrhundertwende als auch (zeitgenössische) Literatur- und Kunstströmungen des 20. und 21. Jahrhunderts bezeichnen. Entsprechend begegnet auch das Adjektiv modern seither zum einen im Zusammengang mit der Literatur des Naturalismus (1908; die Bedeutung ist hier entsprechend gegenüber beispielsweise der bereits früher belegten Verbindung moderne Literatur, in der modern nicht auf eine spezifischen literarische Richtung, sondern nur auf die gegenwärtige Epoche zielt [1855a], deutlich enger gefasst). Zum anderen begegnet es auch in Bezug auf Literatur-, Kunst- und Architekturströmungen des 20. Jahrhunderts im Allgemeinen (1951, 1990a).

Hochmodern und hypermodern. Steigerungen

Ab Ende des 18. Jahrhunderts ist der Komparativ modernerer belegt (1787b, 1787a), daneben mindestens seit dieser Zeit auch moderner als (1793). Neben diese grammatischen Steigerungen treten ab Beginn des 19. Jahrhunderts auch die steigernden Wortbildungen hochmodern (1817, 1885b) und hypermodern (1808, 1900b, 1923b). Daneben sind seit Ende des 19. Jahrhunderts gelegentlich auch ultramodern (1890, 1902, 1972c) und supermodern (1893, 1960b) belegt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind schließlich die Bildung topmodern (1968, 1981) bezeugt.

Von unmodern bis antimodern und gegenmodern. Antonyme

Um das Adjektiv modern herum haben sich im Laufe der Jahrhunderte eine ganze Reihe weiterer Wörter im Deutschen gebildet. Zu den frühesten Bildungen gehört sicherlich das Antonym unmodern, das bereits seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bezeugt ist (1776). Das Wort kann unzeitgemäß, veraltet (1885a, 1999a) ebenso wie unmodisch (1868) bedeuten; es kann auf Literatur und Künste (1854b, 1882) ebenso wie auf Gesellschaft (2004) und Technik (1948, 1995) bezogen werden.

Neben unmodern begegnen als Antonyme ferner gegenmodernWGd und antimodernWGd. Diese beiden Wörter, die die Bedeutung der Strömung der gegen die gesellschaftliche oder kulturelle Moderne gerichteten Anti- bzw. Gegenmoderne zuzuordnen tragen, haben gegenüber unmodern ein deutlich engeres Bedeutungsspektrum. Weitere Verbreitung finden sie erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nicht zuletzt gehört auch traditionell zu den Antonymen von modern (1923a, 2009).

Weitere Wortbildungen

Neben den genannten Steigerungen und Antonymen gehört eine Reihe weitere Wörter Wortfamilie von modern. Zu nennen wären etwa Adjektive wie vormodernWGd, spätmodernWGd, nachmodern, postmodernWGd, modernistischWGd und postmodernistischWGd. Weiterhin gehören die Substantive ModernisierungWGd und ModernitätWGd, ModernismusWGd und ModernistWGd ebenso wie VormoderneWGd, GegenmoderneWGd und AntimoderneWGd, SpätmoderneWGd, NachmoderneWGd, PostmoderneWGd und PostmodernismusWGd sowie nicht zuletzt das Verb modernisierenWGd zum semantischen Feld um modern.

Anna S. Brasch

Literatur

A la Mode-Sprach Gladov, Friedrich: A la Mode-Sprach der Teutschen Oder Compendieuses Hand-Lexicon. Jn welchem die meisten aus fremden Sprachen entlehnte Wörter und gewöhnliche Redens-Arten, So in denen Zeitungen, Briefen und täglichen Conversationen vorkommen, Klar und deutlich erkläret werden. Nürnberg 1727. (deutschestextarchiv.de)

2Adelung Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen, 2. vermehrte und verbesserte Ausg. Bd. 1–4. 2. Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1793–1801. Hildesheim u. a. 1990. (woerterbuchnetz.de)

1Campe Verdeutschung Campe, Joachim Heinrich: Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke. Ein Ergänzungsband zu Adelungs Wörterbuche. In zwei Bänden. Braunschweig 1801. (sub.uni-goettingen.de)

FWB-online Frühneuhochdeutsches Wörterbuch/FWB-online. Hrsg. von Ulrich Goebel, Anja Lobenstein-Reichmann, Oskar Reichmann. 2017 ff. (fwb-online.de)

GG Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hrsg. von Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck. Bd. 1–8. Stuttgart 1972–1997.

10Paul Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarbeitete u. erweiterte Aufl. von Helmut Henne, Heidrun Kämper und Georg Objartel. Tübingen 2002.

Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)

TLFi Trésor de la langue française informatisé (Trésor de la langue française, sous la direction de Paul Imbs/Bernard Quemada. Bd. 1–16. Paris 1972–1994). (atilf.fr)

Weitere wortgeschichtliche Literatur zu modern, hochmodern, hypermodern, unmodern.

Belegauswahl

Gegenüber sihet man Käys. Hadriani geharnischtes Brust-Bild; und darneben/ in einem Bogen/ noch eine dieser fast gleich/ die aber modern.

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste [...]. Nürnberg 1675, S. [I, Buch 2 (Skulptur), S. 38]. (deutschestextarchiv.de)

Wer die zur Zimmer-Kunſt gehoͤrige Sachen erkennen wil/ damit er lerne/ wie geſchickte Verbindungen des Holtzwerckes zuerhalten; kan ſich aus Johann Wilhelms Architectura Civili oder Beſchreibung und Vorreiſſung vieler vornehmer Dachwerck &c. (Nuͤrnberg in fol. 5. Bog. Tab. LXXIV. in 2 Theilen) und Johann Vogels Modernen Baukunſt (Hamburg 1707 in fol. 3 Bog. Tabb. 36) Raths erholen.

Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Letzter Theil/ Welcher So wol die gemeine Algebra/ als die Differential- und Jntegral-Rechnung/ und einen Anhang Von den vornehmsten Mathematischen-Schrieften Jn sich begreifet. Halle (Saale) 1710, S. 434. (deutschestextarchiv.de)

Des Hrn. Gottfried Hanckii, Paſtoris Magdalenæi und Conſiſtorii Aſſeſſoris, rares Nummophylacium, wie nicht weniger dasjenige, welches der Hr. Michael Liebentantz, Diaconus bey gedachter Kirche zu Maria Magdalena, beſitzt, zeigen beyde einem Curioſo eine Menge rarer und auserleſener antiquen und modernen Muͤntzen und Medaillen.

Jencquel, Kaspar Friedrich/Kanold, Johann: Museographia oder Anleitung zum rechten Begriff und nützlicher Anlegung der Museorum, oder Raritäten-Kammern. Leipzig/Breslau 1727, S. 29. (deutschestextarchiv.de)

So gaͤren Griechiſch-Roͤmiſch-Nordiſch-Orientaliſch-Helleniſtiſche Daͤmpfe ganze Jahrhunderte: ſie brauſen gewaltig auf: die Hefen ſinken endlich langſam, und nun! was iſt ausgegaͤhret? ein neuer Moderner Geſchmack in Sprachen, Wiſſenſchaften und Kuͤnſten.

Herder, Johann Gottfried von: Ueber die neuere Deutsche Litteratur. Fragmente, als Beilagen zu den Briefen, die neueste Litteratur betreffend. Dritte Sammlung. Riga 1767, S. 7. (deutschestextarchiv.de)

Es hatte in dieſen Tagen jemand dem Grafen geſtanden, daß er nicht gern in der Bibel laͤſe, weil die Schreibart derſelben nicht modern waͤre.

Münter, Balthasar: Bekehrungsgeschichte des vormaligen Grafen und Königlichen Dänischen Geheimen Cabinetsministers Johann Friederich Struensee, nebst desselben eigenhändiger Nachricht von der Art, wie er zur Aenderung seiner Gesinnungen über die Religion gekommen ist. Kopenhagen 1772, S. 207. (deutschestextarchiv.de)

Daß dich Pumpern und deine Einfalt das Mäußlein beisse! – Ich glaub gar, er ist ein Jesuit, weil er so unmodern spricht.

N. N.: M**** R****. 3. Auflage. Eisenach 1776, S. 25. (books.google.de)

Sie brannte im 16ten Jahrhundert ab, und ward kurz darauf in modernerer Form mit fünf Altären wieder aufgebauet.

[Maier, Johann Christoph]: Beschreibung von Venedig. Erster Theil. Frankfurt/Leipzig 1787, S. 413. (books.google.de)

Den alten Schriftsteller muß also hier kein Mensch mehr suchen, sondern eine wortreiche Darstellung dessen, was er ohngefähr hätte sagen können, und zum Theil auch wohl hat sagen wollen: der Geist des Alterthums ist verflogen, und ein modernerer an seine Stelle getreten.

N. N.: Die Bibel in ihrer wahren Gestalt, für ihre Freunde und Feinde […]. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des vier und siebzigsten Bandes erstes Stück. Berlin/Stettin 1787, S. 259–261, hier S. 259. (books.google.de)

Aber ob man mir nicht eben das verdenken wird, daß ich Namen ſo oft brauche, die nicht viel moderner als die Sache ſelber ſind und deren man ſich in Cercles von Ton, ſo wie der Namen »Gott, Ewigkeit» ſtets enthaͤlt, daruͤber laͤſſet ſich diſputiren.

Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Eine Biographie. Erster Theil. Berlin 1793, S. VIII. (deutschestextarchiv.de)

Dieſe ſchoͤne und wichtige Herrſchaft liegt 3 Meilen von Dresden in einer angenehmen und bevoͤlkerten Gegend. Sie beſteht

a. Aus einem ſchoͤnen, großen, maßiven, modern eingerichteten Schloſſe, in welchem ſich uͤber 70 Piecen befinden, nebſt Kanzley, Archiv, dem Amthauſe, großen Pferdeſtaͤllen, ſchoͤnen Gaͤrten, Orangerie, und Treibhaͤuſer, Weinberge, Jagdhaus, Faſanerie ꝛc.

N. N.: Num. 20, 4. Februar 1801. In: Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Hamburg 1801, S. [10]. (deutschestextarchiv.de)

Jakob sehr verjährt gekleidet, Louis hypermodern sitzen sich gegenüber an den Tischen.

Linden, Gustav: Der neue Proteus. Ein Original-Lustspiel in vier Aufzügen. Wien 1808, S. 18. (books.google.de)

Der Amtmann war ein kleines kugelrundes, hoͤchſt freundliches Maͤnnlein mit vergnuͤgt blickenden Augen, und einem rothen Naͤschen; der Doktor Green ein robuſter Mann von mittlern Jahren mit einem auffallenden Nationalgeſicht, modern, aber nachlaͤſſig gekleidet, Brill’ auf der Naſe, Hut auf dem Kopfe.

Hoffmann, E. T. A.: Die Elixiere des Teufels. Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus eines Capuziners. Berlin 1815, S. 347–348. (deutschestextarchiv.de)

Hübsche alte Melodieen erregen Freude, eine alte verbrauchte Handlung, so fade, daß sie deshalb sogar hochmodern seyn konnte, erregt keine Freude.

N. N.: Zeitung der Ereignisse und Ansichten. In: Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. 107. Blatt, 28. Juni 1817, S. 428. (books.google.de)

Die Möbel des Salons ſind weniger modern, als maſſiv und koſtbar; dunkle, ſammtne Tapeten bedecken die Wände, ſchwere rothſeidne Gardinen mit goldnen Troddeln beſchatten die Fenſter, Alles iſt prächtig, gediegen, Alles athmet vornehmes Schweigen und Ruhe.

Laube, Heinrich: Das junge Europa. Novelle. Dritter Theil. Die Bürger. Mannheim 1837, S. 20. (deutschestextarchiv.de)

An Mohameds Wiege ist der historische Faden aus dem wirren Knäuel asiatischer Kriegshorden aufzunehmen und durch die furchtbaren, blutigen Labyrinthe, durch die er sich fortspann, zu verfolgen, bis zum heutigen Tage, wo Mahmud II. ihn abzuschneiden, und die einzelnen Fasern an die Civilisation des modernen Europas anzuknüpfen sucht, um neben den übrigen Staaten die politische Existenz zu sichern, und das alte morsche Gebäude mit neuen kräftigen Säulen durch sich selbst zu stützen, damit es sein Dasein nicht mehr der Eifersucht der großen Mächte der Christenheit untereinander, dankt. – Vieles, Unglaubliches ist im Orient geschehen, hat Mahmud vollbracht, noch mehr, fast Unmögliches ist noch zu thun ihm vorbehalten.

N. N.: Conversations-Blatt zur Unterhaltung und Belehrung für alle Stände: Nr. 2. In: Conversations-Blatt zur Unterhaltung und Belehrung für alle Stände. Nr. 2. Burg/Berlin, 1838. (deutschestextarchiv.de)

Benjamin Constant schrieb zu derselben Zeit: „Die Centralisation ist die Fessel, welche vom Despotismus der Entwicklung der modernen Gesellschaft angelegt worden.“

Allgemeine Zeitung, 4. März 1840, Nr. 64, S. 507. (deutschestextarchiv.de)

Mit J. K. Mácha erlosch die bedeutendste dichterische Persönlichkeit Böhmens; man hat von ihm nur ein kleines Gedicht „der Mai“ (Prag 1836), nach dessen Erscheinen der junge Mann starb; aber man erkennt darin eine ungewöhnliche Originalität, jene Art poetischer Kraft, welche aus tieferer moderner Weltanschauung fließt und Byron und Puschkin groß gemacht hat.

Allgemeine Zeitung, 30. April 1840, Nr. 121, S. 964. (deutschestextarchiv.de)

Mag aber auch bei einem Ueberschlage im Grossen der höheren Cultur unserer Tage hier ein schlimmer Einfluss zuzuerkennen sein, so hat die moderne Gesellschaft in den civilisirten Ländern dafür auch Mittel und Wege zur Wiedergenesung vom Irresein eröffnet, welche den früheren Jahrhunderten und den ungesitteten Ländern fremd sind — die Irrenanstalten, und die neueste Zeit zeigt einzelne grosse Massregeln moralischer Selbsthülfe von Seiten des Volks, wie namentlich die Mässigkeitsvereine, welche roheren Ländern und Zeiten fehlen und mit denen ganz unzweifelhaft eine der allerhäufigsten Ursachen der Geisteskrankheiten — Esquirol und Prichard nehmen für die Hälfte der brittischen Irren Trunksucht als Ursache an — wesentlich vermindert wird.

Griesinger, Wilhelm: Die Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten, für Aerzte und Studirende. Stuttgart 1845, S. 105. (deutschestextarchiv.de)

Seinem positiven Gehalte nach will jedoch dieser Socialismus entweder die alten Produktions- und Verkehrsmittel wiederherstellen und mit ihnen die alten Eigenthumsverhältnisse und die alte Gesellschaft, oder er will die modernen Produktions- und Verkehrsmittel in den Rahmen der alten Eigenthumsverhältnisse, die von ihnen gesprengt werden, gesprengt werden mußten, gewaltsam wieder einsperren.

Marx, Karl/Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei. London 1848, S. 18. (deutschestextarchiv.de)

Bei uns dagegen lagern die verschiedenen Jahrhunderte des Mittelalters noch immer neben und über einander und in ihrer Mitte hat sich das moderne Leben die moderne Industrie umfangreich entwickelt.

Neue Rheinische Zeitung, 20. Juni 1848, Nr. 20, S. [2]. ( (deutschestextarchiv.de)

Der Prinz mit seinen Ideen paßt weit eher in ein Kloster des 15. Jahrhunderts, als in unsere moderner Gesellschaft.

Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Köln, 2. Februar 1849, Nr. 211, S. [4]. (deutschestextarchiv.de)

Sobald die Naturvölker von der modernen Civiliſation entdeckt werden, iſt es aus mit ihrer Naivetät […]; ihre Volkslieder verſchwinden, wenn man ſie ſammelt, ihre Tracht kommt ihnen weit nicht ſo ſchön vor, wie der kokette Frack des Malers, der ſie um jene beneidet und gekommen iſt, ſie zu ſtudiren; nimmt die Civiliſation ſie auf und ſucht ſie zu befeſtigen, z. B. als Uniform, wie die ungariſche, bergſchottiſche Tracht, ſo nützt das nichts, ſie iſt bereits Maſke geworden und das Volk ſelbſt gibt ſie auf; die treuherzige Sitte, das Du in der Anrede u. ſ. w. geht ebenſo zu Grunde oder dauert als widerliche Affectation fort.

Vischer, Friedrich Theodor von: Ästhetik oder Wissenschaft des Schönen. Zum Gebrauche für Vorlesungen. Zweiter Theil: Die Lehre vom Schönen in einseitiger Existenz oder vom Naturschönen und der Phantasie. Zweite Abtheilung: Die Lehre von der Phantasie. Reutlingen/Leipzig 1848, S. 303. (deutschestextarchiv.de)

Er ist einfach, aber modern und sehr fein und propre gekleidet.

Die Gartenlaube 2 (1854), S. [16]. (deutschestextarchiv.de)

Wie die grandiose Menge gothischer Pfeiler und Spitzbogen und gemalter Fenster „wo selbst das liebe Himmelslicht taub durch gemalte Scheiben bricht,“ wie diese unmodernen, imposanten, Ehrfurcht gebietenden architektonischen Hallen, in denen die Hunderte von englischen Regenten tagen, wie der „Sprecher“ mit seiner großen Allongen-Perrücke und seinem von Pagen getragenen langen Schlepptalare auf seinem ehrwürdigen gothisch zugeschnitzten und ausgeschnörkelten Throne, der „Parlaments-Polizei-Direktor“ auf seinem päpstlichen Stuhle und sonstige seit Jahrhunderten conservirten Aemter und Namen das uneingeweihte, moderne Auge verwirren und ihm bald Stückchen aus alten Ritterschauspielen, bald abenteuerliche Scenen aus einer Posse der Neuzeit zuzusenden scheinen, so ist auch die historische Composition und die gegenwärtige Lage des Parlaments zunächst etwas Räthselhaftes, Ehrwürdiges und Lächerliches, vielleicht auch Tragisches, und dies wahrscheinlich desto mehr, je genauer man es zu kennen glaubt.

Die Gartenlaube 2 (1854), S. 567–568. (deutschestextarchiv.de)

Wir sprachen von Fenelon, von der klassischen und von der modernen Literatur, und die unbekannte Schöne legte Ansichten an den Tag, die mich mit Erstaunen erfüllten.

Keil, Ernst (Hrsg.): Die Gartenlaube. Jg. 3 (1855). (deutschestextarchiv.de)

Pauperismus! so heißt das furchtbare Gespenst, dessen Alpdruck auf der modernen Gesellschaft lastet, das sich an die Fersen der vorwärtseilenden Civilisation heftet, und auf ihr stolzes Triumphgeschrei mit Jammertönen antwortet, das dem Menschenfreunde die Freude an den Fortschritten menschlichen Erfindungsgeistes, an den Siegen meschlicher Kunst über die lebenszerstörenden Kräfte der Natur, an dem blühenden Emporwachsen neuer Geschlechter vergällt durch den Gedanken, daß fast jeder dieser Fortschritte eine Menge fleißiger Hände außer Thätigkeit setzt und zahlreiche Familien ihres gewohnten Erwerbes beraubt, daß die längere Lebensdauer, welche der Mensch der Natur abringt, den sich immer dichter zusammendrängenden Existenzen mehr und mehr die Stätte ihres Daseins und die Gelegenheiten ihres Fortkommens verengt, und daß von den rasch nachwachsenden Generationen ein immer größerer Theil nur dazu bestimmt scheint, zu erproben, wie weit die Fähigkeit der menschlichen Natur reiche, zu entbehren, zu darben und zu leiden.

Die Gartenlaube 3 (1855), S. 62. (deutschestextarchiv.de)

Erst nach weiterer Entwicklung der Mechanik und gehäufter praktischer Erfahrung wird die Form gänzlich durch das mechanische Princip bestimmt und daher gänzlich emancipirt von der überlieferten Körperform des Werkzeugs, das sich zur Maschine entpuppt.] , die Ausbildung des automatischen Systems und die stets unvermeidlichere Anwendung von schwer zu bewältigendem Material, z. B. Eisen statt Holz — die Lösung aller dieser naturwüchsig entspringenden Aufgaben stiess überall auf die persönlichen Schranken, die auch das in der Manufaktur kombinirte Arbeiterpersonal nur dem Grad, nicht dem Wesen nach durchbricht. Maschinen z. B. wie die moderne Druckerpresse, der moderne Dampfwebstuhl und die moderne Kardirmaschine konnten nicht von der Manufaktur geliefert werden.

Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie. Erster Band. Buch I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Hamburg 1867, S. 369. (deutschestextarchiv.de)

Dafür zeugte schon der zwar bequeme, doch unmoderne, durchaus nicht zierliche Schnitt in der Kleidung des Kindes, wie des Vaters.

Sonntags-Blatt, 5. Juli 1868, Nr. 27, S. [2]. (deutschestextarchiv.de)

Wir ſprechen von zwei Intereſſen der Bourgeoiſie, denn das große Grundeigenthum, trotz ſeiner feudalen Koketterie und ſeines Racenſtolzes, war durch die Entwicklung der modernen Geſellſchaft vollſtändig verbürgerlicht.

Marx, Karl: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. 2., überarbeitete Auflage. Hamburg 1869, S. 27. (deutschestextarchiv.de)

Im Gegenſatz zu den Nahrungsgewerben haben die Bekleidungsgewerbe viel weniger das Bedürfniß, in der Nähe der Konſumenten zu ſein. Eine ganz andere Wirkung mußten die modernen Verkehrserleichterungen und die moderne Technik da haben.

Schmoller, Gustav von: Zur Geschichte der deutschen Kleingewerbe im 19. Jahrhundert. Statistische und nationalökonomische Untersuchungen. Halle (Saale) 1870, S. 448. (deutschestextarchiv.de)

Vom Standpunkt der Kunst aus ist daher auch die Lehre irrig, die von modernen und unmodernen Stoffen spricht.

Beyer, Conrad: Deutsche Poetik. Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart. Erster Band. Stuttgart 1882, S. 41. (deutschestextarchiv.de)

Sie hat zwar die Universitätszünfte, statt sie wegzuschaffen, nur einigen ihrer eignen Zwecke dienstbar gemacht und sie ein wenig in ihren eignen Rahmen hineingezogen; sie hat aber doch bei dieser Gelegenheit den Zunftgeist wenigstens durch den weniger unmodernen Typus der Büreaukratie hier und da gemässigt und hat sich neuerdings oft genug in der Lage gesehen, mit der Initiative zur Abschneidung einzelner ganz unerträglich gewordener Zöpfe vorzugehen.

Dühring, Eugen: Der Weg zur höheren Berufsbildung der Frauen und die Lehrweise der Universitäten. 2., verbesserte und mit Gesichtspunkten für Selbstausbildung und Selbststudium erweiterte Auflage. Leipzig 1885, S. 37. (deutschestextarchiv.de)

Schon in dem, was man gewöhnlich Physik nennt, ermässigt sich bei gesunder Behandlungsweise das mathematische Bedürfniss und vollends tritt es in der Chemie zurück, einer hochmodernen und in einzelnen Theilen noch sehr jungen Wissenschaft, die in der Reihe der Naturdisciplinen zur Astronomie gleichsam das andere Extrem bildet.

Dühring, Eugen: Der Weg zur höheren Berufsbildung der Frauen und die Lehrweise der Universitäten. 2., verbesserte und mit Gesichtspunkten für Selbstausbildung und Selbststudium erweiterte Auflage. Leipzig 1885, S. 91. (deutschestextarchiv.de)

„Meiſter, jeder Menſch iſt das Produkt ſeiner Verhältniſſe. Die moderne Geſellſchaft mit ihrem Produktionsſchwindel hat Sie auf dem Gewiſſen … [Die Leute, die Sie zu Grunde richten, ſind Ihre natürlichen Feinde, gegen welche Sie ſich aufbäumen müſſen, um wieder zu Ihrem Rechte zu gelangen. Gehen Sie, wohin Sie wollen — nur bei uns wird man Ihnen die Hand reichen, denn wir ſind Ihre einzigen wahren Freunde. Die Armuth kann niemals heucheln, ſie giebt ſich immer wie ſie iſt. Meiſter, Meiſter, kommen Sie zu uns und beten Sie den neuen Heiland an.]

Kretzer, Max: Meister Timpe. Sozialer Roman. Berlin 1888, S. 209. (deutschestextarchiv.de)

In Konstantinopel verhüllen wohl die Frauen noch ihr Antlitz, erscheinen aber in Kleidern, die der geringste Mann des Abendlandes für ultramodern erklären muss.

N. N.: Eine Stimme aus dem Harem. In: Das Echo. IX. Jg. Nr. 418 (1890), S. 310–312, hier S. 310. (books.google.de)

Rußland ſteht bis an die Zähne gewaffnet gegen die weſtliche Cultur, und durch ein unglückliches Zuſammentreffen der Verhältniſſe bietet Frankreich dieſem Gegner der modernen Cultur die Hand.

Mährisches Tagblatt, 21. 11. 1892, Nr. 266, S. [2]. (deutschestextarchiv.de)

Für einen Kameraden Thilos, einen Offizier in Civil, sahen Sie mir zu harmonisch aus, zu comme il faut, denn die Herren sind immer supermodern oder altmodisch in Civil.

Boy-Ed, Ida: Sieben Schwerter. (Fortsetzung). In: Velhagen & Klasings Monatshefte. VII: Jahrgang 1892/93, Heft 5, Januar 1893, S. 535–554, hier S. 541. (books.google.de)

Ihnen sind heute die Begriffe »Künstlergenossenschaft« und »veraltet«, »Secession« und »modern« gleichbedeutend; und grundsätzlich loben sie das Moderne und tadeln das Alte.

Die Fackel, 15. 1. 1900, Nr. 29, S. 18. [DWDS]

Lotte öffnete dem eleganten, jungen, hypermodern gekleideten Mann etwas verlegen die Thür und bat ihn, inzwischen in ihrem »Atelier« Platz zu nehmen, die Schwester würde gleich kommen.

Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1900], S. 17666. [DWDS]

„Und dann möcht ich Dich noch fragen, ob ich zum Photographieren das meergrüne Costüm mitbringen soll, in welchem ich Dir so gefallen habe.

Papa hat übrigens Cabinet-Muschel- Format erlaubt, was jetzt so modern ist, verzeih, wenn ich jetzt schließe, aber ich bin zu Meyers zum Tennis geladen und muß mich noch umziehn.“

Hartleben, Otto Erich: Rosenmontag: Eine Offiziers-Tragödie in fünf Acten. In: Hartleben, Otto Erich: Rosenmontag. Berlin, 1900. (deutschestextarchiv.de)

Frau Thalheim war in ihrer äußeren Erscheinung so ultramodern wie die Hausfrau, nur ihre Haltung war steifer.

Dohm, Hedwig: Christa Ruland. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 15234. [DWDS]

Durch die modernen Neuerer, wie Zola und Gerhart Hauptmann, wird das freilich noch sehr viel mehr ins Extrem geführt. Eine besondere Neigung hat der Naturalismus begreiflicherweise zur Mundart. Das Eindringen fränkischer Formen und Frankfurter Wendungen kennzeichnet nicht minder wie die angewandte Prosa die neue Stilrichtung im Götz gegenüber Goethes Leipziger Lustspielen. Ja, in der eigentlich mundartlichen Dichtung findet der Naturalismus oft seine natürlichste Form; daher denn auch Werke, wie Anzengrubers Bauernkomödien und Romane, wie Gerhart Hauptmanns Weber den Höhepunkt des modernen deutschen Naturalismus bezeichnen.

Lehmann, Rudolf: Deutsche Poetik. München 1908, S. 199. (deutschestextarchiv.de)

Die Mitteldimension fehlt ganz, dabei fällt es auf, wie schon früher erwähnt, daß die Blumen und leichten Seidenstoffe als Garnierung den Aufputz mit Federn fast verdrängt haben. Ganze Kränze von Blumen, die sich um den Kopf der Hüte legen, oder ein Blumenarrangement, das den Kopf völlig bedeckt, sind besonders modern.

Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 2. 3. 1910, S. 17. [DWDS]

Und mit dieser Einsicht wird es zugleich klar, daß sich hier auf anderem Gebiete der Gegensatz des traditionell-empiristischen Handwerks zu der wissenschaftlichrationellen Fabrik wiederholt: die sich ununterbrochen umwälzende moderne Produktionstechnik steht – auf jeder einzelnen Stufe ihres Funktionierens – als starres und fertiges System den einzelnen Produzenten gegenüber, während die objektiv relativ stabile, traditionelle, handwerksmäßige Produktion im Bewußtsein der einzelnen Ausübenden einen fließenden, sich stetig erneuernden, von den Produzenten produzierten Charakter bewahrt.

Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewußtsein. Neuwied u. a.: Leuchterhand 1970 [1923]. S. 190. [DWDS]

Als er einmal eine hypermoderne Komposition probierte, sagte er: »Jetzt müssen wir aufpassen, daß wir die richtigen falschen Noten spielen.«

Wagner, Siegfried: Erinnerungen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1923]. S. 72494. [DWDS]

Welters ist die Zentralisierung der Erzeugung bestimmter Waren in einigen modern eingerichteten Betrieben zur Verminderung der Herstellungskosten vorgesehen, die stillgelegten Betriebe werden entsprechend entschädigt.

Archiv der Gegenwart, 28. 8. 1936, Bd. 6 S. 2701. [DWDS]

„Wir haben“, so heißt es gewöhnlich, „bei einer normal funktionierenden Wirtschaft, bei voller Warenversorgung und aufgefüllten Lagern in der Vorkriegszeit einen Notenumlauf von 6 bis 7 Mrd. im damaligen Reich gehabt – wie soll es nun denkbar sein, daß für die Westzonen allein ein Umlauf von 10 Milliarden zugelassen ist, in einer Wirtschaft ohne hinreichende Vorräte, ohne freien Außenhandel, mit einem dezimierten, lückenhaft und vielfach unmodern gewordenen Produktionsapparat und einer weit unter dem Bedarf liegenden Erzeugung?“

Die Zeit, 8. 7. 1948, Nr. 28. [DWDS] (zeit.de)

Deutschland war in den zehn Jahren vor dem ersten Weltkrieg führend in der modernen Architektur und hat auch danach bis zur Hitlerzeit vor allem mit dem Dessauer Bauhaus maßgebend die neuzeitliche Bauentwicklung beeinflußt.

Die Zeit, 12. 7. 1951, Nr. 28. [DWDS] (zeit.de)

Man hat – damit der moderne Bau nun wirklich von außen ganz modern bleibe – den Einwohnern nicht erlaubt, ihren eigenen Fensterschmuck aufzuhängen.

Die Zeit, 15. 1. 1960, Nr. 03. [DWDS] (zeit.de)

Die Offiziere der kämpfenden Armee in Algerien, der Garnisonen in Frankreich und der eineinhalb bis zwei übriggebliebenen französischen NATO-Divisionen in der Bundesrepublik sind mehr oder minder deutlich gegen die nationalfranzösische Atomaufrüstung, weil sie alle die Aufspaltung fürchten: die Aufspaltung in eine supermodern ausstaffierte „Atom-Leibstandarte“ de Gaulles und eine hoffnungslos vernachlässigte und veraltete „Fußvolkarmee.“

Die Zeit, 21. 10. 1960, Nr. 43. [DWDS] (zeit.de)

Man braucht dabei nassen Blaubasalt ebensowenig zu scheuen wie die Pisten der Entwicklungsländer, dafür sorgt das topmoderne Fahrwerk des BMW 1600, das zugleich mit der ausgezeichneten Abstimmung von Federung und Dämpfung die überlegene Kraft des Zwei-Liter-Motors optimal auf den Boden bringt.

Die Zeit, 16. 2. 1968, Nr. 07. [DWDS] (zeit.de)

Josephs Defaitismus fällt in die Zeit, da die Amerikaner für die Ideale der modernen westlichen Gesellschaft in den Zweiten Weltkrieg zogen.

Die Zeit, 7. 11. 1969, Nr. 45. [DWDS] (zeit.de)

Aber kann die Dritte Welt überhaupt in die moderne, von den Weißen geschaffene Industriegesellschaft integriert werden?

Die Zeit, 4. 2. 1972, Nr. 05. [DWDS] (zeit.de)

All dies ist wohlgemerkt auf die moderne Industriegesellschaft westlicher Prägung und nicht etwa nur auf die Dritte Welt gemünzt.

Die Zeit, 10. 3. 1972, Nr. 10, S. 2. [DWDS]

Das neue „Shubert Theatre“ wurde in Century City errichtet, wo die Wolkenkratzer eines ultramodernen Geschäftsviertels das alte Los Angeles immer mehr verdrängen.

Die Zeit, 20. 10. 1972, Nr. 42. [DWDS] (zeit.de)

Sie steht ihren männlichen Gesinnungsgenossen stolz zur Seite, ist topmodern und hat gute Chancen, ein Heer von Anhängerinnen um sich zu versammeln: die Aussteigerin.

Die Zeit, 27. 2. 1981, Nr. 10. [DWDS] (zeit.de)

Die meisten westlichen Gesellschaften sind dem Bild moderner offener Gesellschaften näher als die des Ostens; aber die Unterschiede sind graduell, nicht (mehr) total.

Die Zeit, 4. 7. 1986, Nr. 28. [DWDS] (zeit.de)

a lockt schon der moderne Bau mit seinen Nischen, Rampen und nach oben aufgebrochenen Hallen, mit Gärten und Dachterrassen zum Flanieren durch die heitere Hintersinnigkeit des katalanischen Großmeisters der klassischen Moderne.

Die Zeit, 11. 5. 1990, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Der Anzug des Calibra hingegen sitzt vorteilhaft, und seine Antriebs- und Fahrwerktechnik ist so modern, daß Entwicklungschef Lohr dem Auto die Rolle eines „Dauerbrenners“ zutraut, wie sie in der Gunst der Käuferschaft einst der Familien-Sportwagen Ford Capri gespielt hat und wie sie der VW Golf GTI bis heute spielt.

Der Spiegel, 18. 6. 1990, S. 224. [DWDS]

Straßenbauprojekte sollen auf den Prüfstand, die Abfallpolitik sei technisch unmodern, Energiesparen müsse großgeschrieben werden, und an die undurchschaubare Eigentumsstruktur möchten sie auch heran.

Die Zeit, 19. 5. 1995, Nr. 21. [DWDS] (zeit.de)

„Haufen moderner Literatur“ läßt Borchardt seine unselige Rosie lesen, aber modern sind auch die verfremdenden Verfahrensweisen seines Textes.

Berliner Zeitung, 20. 1. 1997. [DWDS]

„Wer Umweltpolitik als Milieupolitik betreibt und nicht den Konsens mit der Gesellschaft sucht, wird als unmodern gesehen“, sagte Hustedt.

Berliner Zeitung, 4. 3. 1999. [DWDS]

Zum einen ein westlich-modern orientiertes Großbürgertum vor allem in der Wirtschaftsmetropole Casablanca, das sich mit der Macht arrangiert.

Die Zeit, 29. 7. 1999, Nr. 31. [DWDS] (zeit.de)

In Hamburg sieht man ihn vor allem in dem schwierigen gesellschaftlichen Transformationsprozess, dem die Entwicklungs- und Schwellenländer im Zuge der Modernisierung ausgesetzt sind, ein Prozess, in dem althergebrachte Traditionen mit modernen westlichen Werten zusammenstoßen.

Der Tagesspiegel, 23. 9. 2001. [DWDS]

Ich habe gelesen, dass dies an der DDR lag, dieser unmodernen Gesellschaft.

Berliner Zeitung, 9. 11. 2004. [DWDS]

Oft hat man ja Glück und die Sachen, die man mag, sind auch gerade modern.

Berliner Zeitung, 9. 4. 2005. [DWDS]

Zuerst demonstrierten nur die Anhänger von Mussawi, jung und alt, arm und reich, modern und traditionell.

Die Zeit, 18. 6. 2009, Nr. 26. [DWDS] (zeit.de)